Meilensteine bei unbemannten maritimen Systemen geben Einblicke in die Zukunft der Seekriegsführung

WarsightWarsight

Die Entwicklung unbemannter maritimer Technologien und ihre praktische Umsetzung beschleunigen sich – wie die Ereignisse im September 2026 zeigen. Dieser Beitrag erschien zuerst auf Warsight.

Quantum hat sein neues unbemanntes Überwasserschiff Seavex vorgestellt.
Quantum hat sein neues unbemanntes Überwasserschiff Seavex vorgestellt.
Foto: Quantum Systems

Der September 2026 war ein ereignisreicher Monat für unbemannte maritime Systeme: Während es im Schwarzen Meer zu einem Duell zwischen unbemannten Überwasserfahrzeugen (USVs) kam, lief in Portugal gleichzeitig die Übung Robotic Experimentation and Prototyping using Maritime Uncrewed Systems (REPMUS), bei der zahlreiche unbemannte maritime Technologien erprobt wurden.

Ähnlich wie auf dem Markt für Luftdrohnen wird auch der Markt für unbemannte maritime Systeme zunehmend dichter und umkämpfter. Diese Analyse fasst die jüngsten Entwicklungen zusammen und diskutiert sie, um zu verstehen, wohin die Marinen von heute aus Kurs nehmen werden.

Neue Wettbewerber im Bereich unbemannter maritimer Systeme

Zwei neue Akteure, die im Markt für unbemannte maritime Systeme Beachtung verdienen, sind Quantum Systems und Fassmer. Quantum ist ein bekannter Hersteller unbemannter Luftfahrtsysteme (UAS). In Portugal stellte das Unternehmen die Seavex und die Subvex vor – zwei unbemannte Plattformen, die für „dauerhafte Überwachung, den Schutz kritischer Infrastruktur und die Abwehr unbemannter Luftfahrzeuge“ konzipiert sind.

Die Seavex wird als USV mit einer „Einsatzdauer von bis zu zwei Monaten“ beschrieben und verfügt über ein Überwachungsradar, ein Drohnenabwehrradar sowie elektrooptische Sensoren mit bordeigener KI-Verarbeitung. Noch interessanter ist, dass Quantum erklärte, die Seavex könne unbemannte Luftfahrzeuge starten und wieder aufnehmen – eine nützliche Fähigkeit.

Die Subvex wiederum ist ein KI-gestütztes unbemanntes Unterwasserfahrzeug (UUV), das für „autonome ISR-Missionen in Tiefen von bis zu 6.000 m“ ausgelegt ist. ISR steht dabei für Intelligence, Surveillance and Reconnaissance, also Aufklärung, Überwachung und Nachrichtengewinnung.

Die deutsche Werft Fassmer ist dagegen bereits weltweit für ihr Portfolio an militärischen und kommerziellen Schiffen bekannt. Am 4. September unterzeichneten Fassmer und DNV in Hamburg eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Entwicklung und Klassifizierung autonomer und ferngesteuerter Schiffe. Die beiden Unternehmen wollen gemeinsam „Betriebskonzepte für autonome Schiffe überprüfen, neue unterstützende Technologien testen und einen Fahrplan zur Zertifizierung entwickeln“. Konkrete Konzepte oder Entwürfe für mögliche USVs wurden bislang nicht veröffentlicht.

Ein Unternehmen, das bereits USVs herstellt, seine Produktion aber ausweiten möchte, ist Martac. Mitte September gab das Unternehmen eine Fertigungspartnerschaft mit Solace Boats, ebenfalls aus Florida, bekannt. Einer Pressemitteilung zufolge soll die Partnerschaft Martac dabei helfen, die Produktion seines Devil Ray USV um „100 Fahrzeuge pro Jahr“ zu steigern, um der „zunehmenden Nachfrage seitens der Regierungen der USA und verbündeter Staaten“ gerecht zu werden.

Ein letztes Beispiel ist Bulwark Dynamics: ein Start-up, das einen sehr speziellen USV-Typ namens Caravel entwickelt. Dieser ist speziell für den Transport von Fracht bei amphibischen Operationen in umkämpften Umgebungen konzipiert.

Im September gab das Unternehmen eine Seed-Finanzierung in Höhe von 6,8 Mio. US-Dollar (6 Mio. Euro) durch Investoren wie SBI US Gateway Fund LP, Archetype Ventures, Nēnē Ventures und Japans Onomichi Dockyard bekannt. Darüber hinaus soll Bulwark eine Partnerschaft mit Onomichi für die Serienproduktion des autonomen Landungsfahrzeugs Caravel unterzeichnet haben.

Partnerschaften sind für Unternehmen, die in den USV-Markt einsteigen und gleichzeitig Entwicklung, Erprobung und Produktion beschleunigen wollen, die optimale Lösung.

Bulwark Dynamics hat einen Prototyp seines Caravel-USV für Landungsoperationen gebaut.
Bulwark Dynamics hat einen Prototyp seines Caravel-USV für Landungsoperationen gebaut.
Foto: Crown Copyright

Die Wellen der Zukunft

So wie in der Luft und am Boden Meilensteine bei der autonomen Kriegsführung erreicht wurden, war es unvermeidlich, dass auch in der Seekriegsführung neue Meilensteine erreicht werden würden.

Im Juni 2026 stürzte während des andauernden Krieges zwischen Iran und den Vereinigten Staaten ein AH-64 Apache der US Army während eines Patrouilleneinsatzes in der Nähe der Straße von Hormus ab. Ein von Saronic hergestelltes USV namens Corsair, das von der Task Force 59 der 5. US-Flotte betrieben wurde, wurde eingesetzt, um die Besatzung aus dem Meer zu bergen. Der Einsatz wurde als der erste öffentlich bekannt gewordene Einsatz eines unbemannten Schiffes für eine militärische Such- und Rettungsmission in einer realen Gefechtssituation bezeichnet. Einige Monate später folgte das viel beachtete USV-Duell im Schwarzen Meer.

Weniger spektakulär als die beiden genannten Beispiele war ein weiterer Meilenstein, der in diesem Sommer erreicht wurde. Das Pentagon berichtete, dass das Ausbildungsschiff USNS Vindicator im August ein Martac Devil Ray T-38 USV auf See betankte.

Mithilfe eines Sealartec Autonomous Replenishment at Sea (A-RAS)-Betankungssystems übertrug das US-Schiff insgesamt 400 Gallonen (1.818 Liter) Treibstoff auf das USV. Der Vorgang fand in den Gewässern vor der Joint Expeditionary Base Little Creek-Fort Story in Virginia statt und wurde vom US Fleet Forces Command, der Naval Surface Warfare Center Dahlgren Division und der Naval Surface Warfare Center Carderock Division unterstützt. Während des Vorgangs wurde das T-38 mithilfe des Sealartec-A-RAS-Systems aufgenommen, betankt und anschließend wieder freigegeben.

Ronald Raymer, Leiter des Bereichs für Fähigkeiten, Innovation, Wissenschaft und Technologieintegration beim US Fleet Forces Command, erläuterte die Bedeutung dieses Erfolgs: „Dies wird es uns ermöglichen, uns stärker auf unbemannte Schiffe zu verlassen … und wir können das USV in Gebiete mit höherer Bedrohung schicken, ohne bemannte Schiffe und Personal zu gefährden“, sagte er. Auch Martac, der Entwickler des Devil Ray, würdigte den Meilenstein und erklärte in einer Pressemitteilung, dass „die Demonstration innerhalb von sieben Monaten nach der ersten Entwicklung des Konzepts“ erreicht worden sei.

Martac will über eine Partnerschaft mit Solace Boats jährlich 100 Devil-Ray-USVs produzieren.
Martac will über eine Partnerschaft mit Solace Boats jährlich 100 Devil-Ray-USVs produzieren.
Foto: Crown Copyright

Die Zukunft der Seekriegsführung

Es wird immer einen Bedarf an bemannten Schiffen geben – sowohl an Überwasserschiffen als auch an U-Booten. Dennoch investieren mehrere Marinen weltweit massiv in unbemannte maritime Systeme, um hybride Flotten aufzubauen. Das Ziel besteht darin, dass unbemannte Fahrzeuge bestimmte Missionen übernehmen und dadurch Besatzungen für andere Aufgaben freigesetzt werden. Das Saronic-USV, das zur Rettung der Hubschrauberbesatzung eingesetzt wurde, ist ein Beispiel dafür, wie ein USV Menschen retten kann, ohne andere Menschen einer Gefahr auszusetzen.

USVs wie die für den Frachttransport konzipierte Caravel könnten ebenfalls ein Gamechanger für die Unterstützung amphibischer Truppen und Schiffe in umkämpften Gebieten sein – beispielsweise in den Inselketten des asiatisch-pazifischen Raums während eines Konflikts mit China. Diese unbemannten maritimen Fahrzeuge können jedoch auch bei Überwachungsmissionen helfen. So gab das Unternehmen SeaTrec im Juli bekannt, dass es im Rahmen des Programms Accelerate the Procurement and Fielding of Innovative Technologies (APFIT) einen Auftrag über 30,8 Mio. US-Dollar erhalten habe. Das Unternehmen produziert den Persistent Subsea Autonomous Profiler (PSAP), den SeaTrec als eine „verzichtbare“ beziehungsweise bewusst als verlusttolerant konzipierte Unterwasserplattform beschreibt, die US-Streitkräften eine „dauerhafte Lageaufklärung unter Wasser“ ermöglicht. Im Wesentlichen handelt es sich beim PSAP um einen Sensor, der unter Wasser eingesetzt wird und durch Temperaturgradienten im Meer angetrieben werden kann. Die kommerzielle Version, der infiniTE float, kann einfach durch Überbordwerfen ausgebracht werden.

Während der Messe Emerging Technologies for Defense Conference & Exhibition im September sprach SeaTrec-Präsident Dr. Yi Chao über diese neue Technologie.

In einem Gespräch mit Warsight auf der Messe bestätigte der Präsident, dass ein Teil des Vertrags mit der US Navy die Untersuchung neuer Methoden zur Ausbringung des PSAP umfasst – beispielsweise den Start von einem C-130-Transportflugzeug oder einem UAV, um eine schnelle Verlegung zu ermöglichen.

„Wir versuchen, [bemannte] Schiffseinsätze zu vermeiden, weil diese in einer Umgebung, in der die Nutzung der Meeresoberfläche durch den Gegner eingeschränkt oder verweigert wird, die hohen Kosten verursachen“, sagte Chao gegenüber Warsight. Was USVs betrifft, bestätigte Chao: „Wir haben bereits mit USV-Unternehmen gesprochen. Sie [die USVs] könnten zehn [PSAPs] auf einer Plattform aufnehmen und automatisch ausbringen, sodass sich keine Menschen an Bord befinden müssen.“

Der Persistent Subsea Autonomous Profiler von SeaTrec ist ein verlusttolerantes System zur dauerhaften Lageaufklärung unter Wasser.
Der Persistent Subsea Autonomous Profiler von SeaTrec ist ein verlusttolerantes System zur dauerhaften Lageaufklärung unter Wasser.
Foto: Crown Copyright

Während die jüngsten Entwicklungen den Nutzen und die Vorteile unbemannter maritimer Plattformen für Marinen zeigen, konzentriert sich auch die Industrie darauf, eine Vielzahl unterschiedlicher USVs für verschiedene Missionen zu entwickeln – ebenso wie Technologien und Nutzlasten, die an Bord unbemannter Schiffe transportiert werden können.

Ein weiteres Duell zwischen USVs wird sicherlich in Zukunft stattfinden – vielleicht beim nächsten Mal mit einer größeren Anzahl und einer zunehmend vielfältigen Mischung verschiedener Systeme.

 

 

Autor: Wilder Alejandro Sánchez, Warsight
Wilder Alejandro Sánchez ist Präsident von Second Floor Strategies, einem Beratungsunternehmen in Washington, DC. Er ist Analyst und beobachtet geopolitische Entwicklungen sowie Verteidigungs-, Sicherheits- und Rüstungsexportfragen in der westlichen Hemisphäre. Er schreibt für mehrere bekannte Fachpublikationen aus dem Verteidigungsbereich und verfasst außerdem umfassende Beiträge zu einer Vielzahl von Themen. Zwei seiner Kapitel wurden 2025 in dem Buch Maritime Strategy and Security Challenges in South America veröffentlicht, das Teil der ISPK Seapower Series ist.

Defence Network folgen

Bleiben Sie auf dem Laufenden.

Die wichtigsten Nachrichten aus Verteidigung und Wehrtechnik — auf Ihrem Kanal.

Aktuelle Meldungenaus Verteidigung & Wehrtechnik
Einordnung mit Substanzvon der Fachredaktion
Kurz & auf den Punktalles Wichtige in Minuten
QR-Code zur Newsletter-Anmeldung
Anmeldeformular wird geladen …

Beitrag teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Es wurden keine Ergebnisse gefunden.

Verwendete Schlagwörter

SeekriegsführungUnbemannte maritime Systeme

Ähnliche Posts

Es wurden keine Ergebnisse gefunden.