Im Rahmen einer Zeremonie auf der Farnborough International Airshow 2026, an der der britische Verteidigungsminister sowie der Chef der Royal Air Force teilnahmen, stellte BAE Systems kürzlich ein bislang geheimes neues Collaborative Combat Aircraft (CCA) mit der Bezeichnung Brontanax vor. Das System ist der Beitrag des Unternehmens zum Storm-Fighter-Programm der Royal Air Force (RAF).

BAE Systems gab kürzlich auf der Farnborough International Airshow 2026 bekannt, dass das Unternehmen im Geheimen ein neues Collaborative Combat Aircraft (CCA) mit dem Namen Brontanax entwickelt hat.
Bronanax: Enthüllung eines maßstabsgetreuen Modells
Die Enthüllung eines maßstabsgetreuen Modells des Rumpfes erfolgte durch den neuen britischen Verteidigungsminister Wes Streeting gemeinsam mit Air Chief Marshal Sir Harv Smyth, dem Chef der Royal Air Force, während einer Zeremonie in Halle 5 des Messestands von BAE Systems.
Streeting erinnerte daran, dass der britische Staatsminister für Verteidigungsbereitschaft und Rüstungsindustrie, Luke Pollard, erst am 16. Juli das autonome CCA-Programm des Vereinigten Königreichs unter dem Namen Storm Fighter vorgestellt hatte. Dieses wird im Rahmen des kürzlich angekündigten britischen Verteidigungsinvestitionsplans mit 300 Millionen Pfund Sterling finanziert.
Streeting erklärte dazu: „Dadurch werden neue Beschaffungswege geschaffen und die Zusammenarbeit mit der Industrie grundlegend reformiert, um unseren Streitkräften moderne Fähigkeiten bereitzustellen. Das ist wichtig, weil wir mit der Geschwindigkeit Schritt halten müssen, mit der unsere Gegner KI-Technologien entwickeln.“
Weiter sagte er: „Mit der heutigen Vorstellung liefert BAE genau das. Wir werden Brontanax als operativen Technologiedemonstrator übernehmen und das System bereits 2027 erstmals fliegen lassen. Dies ist ein Meilenstein für die britische Verteidigung – nicht nur für die Luftstreitkräfte, sondern auch für die Reindustrialisierung. Diese Vorstellung zeigt, dass die britische Industrie weltweit an der Spitze technologischer Innovation steht und dass Großbritannien offen für Investitionen und Zusammenarbeit ist.“

Air Chief Marshal Smyth erklärte: „Mit dieser Vorstellung erleben wir den Beginn eines grundlegenden Wandels hin zur Luftkriegsführung der sechsten Generation. Unbemannte Luftfahrzeuge werden nahtlos mit bemannten Plattformen zusammenarbeiten und dadurch unsere Überlebensfähigkeit, unsere Schlagkraft und letztlich unsere konventionelle Abschreckung erheblich steigern.“
Er betonte weiter: „Die Kontrolle des Luftraums ist die unverzichtbare Voraussetzung für militärischen Erfolg. Sie bildet die Grundlage für sämtliche militärischen Handlungsoptionen, ihr Erreichen ist jedoch ein permanenter und äußerst anspruchsvoller Verteidigungskampf. Die heutige gefährliche Welt zeigt, dass wir nicht nur unser eigenes Staatsgebiet schützen müssen, sondern auch über die Fähigkeit verfügen müssen, offensive Luftmacht zu projizieren. Deshalb richtet die Royal Air Force ihre zukünftige Luftkampfstrategie vollständig neu aus. Damit sichern wir unseren technologischen Vorsprung über Jahrzehnte hinweg und lösen uns von traditionellen Konzepten hin zu einer integrierten, bemannten und unbemannten, software- und KI-gestützten Luftstreitkraft. Dies ist ein klarer Weg hin zur ersten Luftwaffe Europas der sechsten Generation.“
Im Anschluss an die Zeremonie erläuterte Simon Barnes, Group Managing Director des Luftfahrtbereichs von BAE Systems: „Storm Fighter ist das offizielle CCA-Programm der RAF. Brontanax ist unsere Antwort darauf.“
Erhöhung der Kampfkraft und Einsatzmasse der Royal Air Force
Der Name Brontanax, abgeleitet vom altgriechischen Begriff für „Donnerkönig“, steht für ein System, das die Kampfkraft und Einsatzmasse der RAF erhöhen soll. Es soll gemeinsam mit bemannten Kampfflugzeugen wie dem Eurofighter Typhoon operieren und Aufgaben in den Bereichen elektronische Kampfführung sowie Präzisionsschläge gegen Luft- und Bodenziele übernehmen.
David Holmes, Geschäftsführer von FalconWorks, der Schnellentwicklungsabteilung von BAE Systems, erläuterte, dass das Programm bereits 2022 mit Konzept- und Anforderungsstudien begonnen habe. Das Fluggerät selbst wurde anschließend vollständig durch FalconWorks entwickelt. BAE Systems investierte dafür über 400 Millionen Pfund Sterling (469 Millionen Euro) an Eigenmitteln in Forschung und Entwicklung, um den Prototypen am Standort Warton in Lancashire zu bauen.

Nach Angaben von Holmes entspricht Brontanax in seiner Größe ungefähr dem Strahltrainer BAE Hawk und besitzt ein maximales Startgewicht von mehr als fünf Tonnen.
Der Prototyp wird derzeit von einem Triebwerk von Williams International angetrieben. In der Serienversion soll jedoch ein Triebwerk aus der derzeit in Entwicklung befindlichen Orpheus-Familie von Rolls-Royce zum Einsatz kommen.
Holmes erklärte: „Rolls-Royce ist überzeugt, die derzeitige Entwicklung entsprechend skalieren zu können, um sowohl die erforderliche Schubleistung als auch die angestrebten Kosten zu erreichen.“
Erstflug in 2027
Die Inbetriebnahme des Prototyps ist für das dritte Quartal 2026 vorgesehen. Anschließend sollen in der ersten Hälfte des Jahres 2027 Bodenerprobungen stattfinden, bevor der Erstflug in der zweiten Jahreshälfte 2027 erfolgen soll.
Sollte sich die RAF letztlich für Brontanax entscheiden, ist eine erste Einsatzbereitschaft noch vor 2030 vorgesehen. Das Programm sei bereits heute konsequent auf eine spätere Serienproduktion ausgelegt.
Zu den zukünftigen Fähigkeiten erklärte Holmes: „Bei der Entwicklung gingen wir davon aus, dass Reichweite und Flugdauer entscheidende Faktoren sein werden.“
Zudem profitiere Brontanax von „dem umfangreichen Erfahrungsschatz von BAE Systems hinsichtlich Überlebensfähigkeit und aller dafür erforderlichen Basistechnologien.“

Holmes erläuterte außerdem verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Das Fluggerät könne nicht nur von einem bemannten Kampfflugzeug gesteuert werden, sondern ebenso von einer Bodenstation – ähnlich wie heutige unbemannte Luftfahrzeuge. Darüber hinaus könne Brontanax mit vergleichsweise geringen Anpassungen, etwa einem verstärkten Fahrwerk und Fanghaken, auch von Flugzeugträgern aus operieren.
Dies lasse sich, so Holmes, „durch relativ einfache Anpassungen innerhalb der bestehenden Produktionslinie und nicht durch separate Fertigungslinien erreichen.“
Bezüglich des Starts von Flugzeugträgern sagte er: „Alle bisherigen Simulationen zeigen, dass wir dies ohne Katapulte realisieren können.“ Damit wären Einsätze von den Flugzeugträgern der Queen-Elizabeth-Klasse der Royal Navy grundsätzlich möglich.
Nach Angaben von BAE Systems wurde Brontanax mit einer offenen Systemarchitektur und einem modularen Aufbau entwickelt. Dadurch könne das System „einfach an neue Bedrohungen angepasst werden und seine Einsatzrelevanz und Flexibilität über viele Jahre hinweg bewahren.“ Diese Architektur ermögliche außerdem eine Plug-and-Play-Integration kundenspezifischer Systeme für Exportkunden.
Abschließend erklärte Holmes: „Deshalb investieren wir so viel Zeit in die grundlegende Auslegung dieses Flugzeugs, anstatt möglichst schnell etwas Flugfähiges zu bauen. Jeder weiß, dass wir Flugzeuge bauen können. Entscheidend ist, es gleich beim ersten Mal richtig zu machen. Unabhängig davon, wie komplex neue Anforderungen sind, können wir die Integration neuer Systeme entwickeln und in einer synthetischen Umgebung schneller testen, als die Originalhersteller die eigentlichen Komponenten liefern könnten.“
Text: Pete Felstead, Warsight
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