KI-Spracherkennung stärkt die Digitalisierung der Rettungskette

Bei der medizinischen Erstversorgung verwundeter Soldaten kommt es nicht nur auf jede Minute an, sondern auch auf eine möglichst präzise Dokumentation der Behandlungsschritte während der Rettungskette – eine Herausforderung auf dem Gefechtsfeld. Die BWI hat hierzu eine Künstliche Intelligenz (KI)-Anwendung zur Spracherkennung und automatisierten Patientendokumentation entwickelt. Dieser Prototyp wurde nun erfolgreich getestet.

Rettungskette:_ Die gesprochenen Informationen werden automatisiert in die medizinische Standarddokumentation übertragen. Foto: Bundeswehr / Patrick Grüterich
Die gesprochenen Informationen werden automatisiert in die medizinische Standarddokumentation übertragen.
Foto: Bundeswehr / Patrick Grüterich

Die Erstversorgung verwundeter Soldaten auf dem Gefechtsfeld und der anschließende Transport erfolgen unter schwierigsten Rahmenbedingungen: Zeitdruck, schlechte Lichtverhältnisse, Platzmangel oder blutige Handschuhe erschweren eine handschriftliche Erfassung von Daten während der Rettungskette, die erheblich für die weitere Behandlung sind. Oftmals ist aus diesen Gründen eine unmittelbare Dokumentation nicht möglich.

Für diese speziellen Anforderungen der Patientendokumentation auf dem Gefechtsfeld hat die BWI die Idee für eine IT-Lösung entwickelt: Mittels einer notfallmedizinisch trainierten Spracherkennung auf Basis Künstlicher Intelligenz sollen gesprochene Informationen automatisiert erfasst, transkribiert und strukturiert in die medizinische Standarddokumentation übertragen werden.

Der Vorteil dieser Speech-to-Structure-Lösung: Während die KI die Spracheingaben automatisiert in eine strukturierte Datei überführt, kann der Einsatzersthelfer beide Hände für die Versorgung der Verwundeten einsetzen und für einen guten Beginn der Rettungskette sorgen.

Spracherkennung durch eine speziell trainierte KI

Im Rahmen eines Experiments entwickelte die BWI zusammen mit einem spezialisierten Dienstleister einen ersten Prototyp, bei dem der inhaltliche Scope auf dem Einsatzersthelfer am Ort der Verwundung bis zur Übergabe an den ersten medizinischen Experten lag.

Hierfür trainierte die BWI gemeinsam mit dem Projektpartner eine KI und verfeinerte die Spracherkennungstechnologie dahingehend, dass sie unter Stress und hoher Gefechtslautstärke auch undeutlich gesprochene Worte des Ersthelfers im richtigen Sinnzusammenhang erkennt. Zudem wurde berücksichtigt, dass sich die Einsatzersthelfer vor Ort oft in einer eigenen, präklinisch-militärischen Sprache verständigen.

Mobile Nutzung ganz vorne in der Rettungskette

Die KI-Anwendung ist auf dem Standard-Mobile Device installiert, das der Soldat ohnehin schon mit sich trägt. Es ist zusammen mit einem Headset an der Ausrüstung des Soldaten befestigt und beeinträchtigt die Beweglichkeit des Trägers somit nicht.

Die Anwendung funktioniert im Offline-Betrieb des Mobile Devices – auch aufgrund der taktischen Erfordernisse auf dem Gefechtsfeld. Sobald das Gerät eingeschaltet ist, erkennt die KI die medizinischen Sprachspezifika, etwa in der Unterhaltung des Einsatzersthelfers mit seinem Begleitsoldaten.

Informationslehrübung Sanitätsdienst – Ein Soldat Ersthelfer bei der medizinischen Erstversorgung eines Verwundeten. Foto: Bundeswehr
Informationslehrübung Sanitätsdienst – Ein Soldat Ersthelfer bei der medizinischen Erstversorgung eines Verwundeten.
Foto: Bundeswehr

Automatisiert werden diese gesprochenen Informationen erfasst, transkribiert und strukturiert in die medizinische Standarddokumentation übertragen. Hierbei werden auch Zeitstempel – etwa bei der Verabreichung von Morphin – automatisiert dokumentiert.

Zusätzlich werden die Daten mit GPS-Positionsdaten angereichert. Auf diese Weise entsteht als weiterleitbare Datei ein digitales Bild mit Verletzungen, Vitalwerten, Behandlungsmaßnahmen und exakten Zeitstempeln. Diese Informationen erleichtern dem übernehmenden sanitätsdienstlichen Teil der Rettungskette die Beurteilung über die weiter zu treffenden medizinischen Maßnahmen.

Digitalisierung in der Rettungskette – Erfolgreiche Erprobung

Nachdem das Experiment KI-Spracherkennung für die Rettungskette von der BWI in Zusammenarbeit mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr erfolgreich abgeschlossen werden konnte, wurden zudem die Funktionalitäten des Prototyps im Rahmen der Informations- und Lehrübung des Sanitätsdienstes der Bundeswehr im Juli 2025 erfolgreich im Einsatz demonstriert.

Die Erkenntnisse und der Prototyp könnten nun in ein Patientenversorgungs-, Assistenz- und Dokumentationssystem Mobile Sanitätskräfte einfließen. Die generierten Daten könnten darüber hinaus in die Generierung von Lagebildern auf verschiedenen Ebenen einfließen. Die Bundeswehr entscheidet nun über das weitere Vorgehen.

Autor:
Marco Schriek,
Principal Consultant, Center of Excellence Consulting, BWI

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