Europa erlebt aktuell einen fundamentalen Wandel im Verständnis von Sicherheit, Technologie und Investition – mehr als ein Trend. Über eine Milliarde US-Dollar flossen 2024 in europäische Defense-Tech-Start-ups – über fünfmal so viel wie noch vier Jahre zuvor. Auf der europäischen Leitmesse für autonome Technologien und Robotik – der XPONENTIAL Europe – präsentieren sich Start-ups und Unternehmen, die Verteidigungs- und Dual-Use-Technologien vorantreiben.
„Für die XPONENTIAL 2026 haben wir den Bereich Verteidigungstechnik in unser Portfolio aufgenommen. Das ist auch für viele Start-ups attraktiv, denen wir auf der Messe mit dem XPO+ Launcher eine eigene Start-up-Area einrichten. Den Trend zu Investitionen im Bereich Verteidigungstechnologien und Dual-Use beobachten auch wir“, erklärt Malte Seifert, Director der XPONENTIAL Europe.
Tatsächlich investierten laut Dealroom bis zur Jahresmitte 2025 Venture-Capital-Geber erneut fast eine Milliarde US-Dollar in Verteidigungs- und Dual-Use-Technologien – den größten Teil davon in Deutschland. Zu den größten Finanzierungsrunden zählten unter anderem Helsing, Quantum Systems und Arx Robotics. Sie zeigen, dass Verteidigungstechnologien einen Boom im europäischen VC-Markt erleben.
Europas sicherheitspolitischer „Wake-up-Call“
Diese Perspektive hat auch Martin Buhl. Er ist einer der Geschäftsführer der Venture-Capital-Firma Helantic. Mit 100 Millionen Euro Wagniskapital für Verteidigungs-Start-ups verfolgt das Unternehmen das Ziel, ungenutztes Innovationspotenzial für Europas Verteidigungsindustrie zu heben, indem es in Dual-Use- Technologien investiert. „Europa steht sicherheitspolitisch und technologisch an einem Wendepunkt“, erklärt Buhl den Trend.
„Die Bedrohungslage ist gestiegen, die Beschaffungszyklen werden kürzer und die Nachfrage nach einsatzfähigen, skalierbaren Technologien steigt deutlich. Deutschland befindet sich gerade in einer ‚Wake-up-Phase‘ und muss feststellen, dass Unabhängigkeit und Souveränität bei Verteidigung und vor allem Lieferketten nicht gegeben sind.“
Dieser Weckruf beträfe nicht nur militärische Beschaffung, sondern die gesamte Wertschöpfungskette. „Gerade diese Abhängigkeiten – von kritischen Vorprodukten, Technologien oder geopolitisch sensiblen Zulieferern – zeigen, dass technologische Souveränität zur zentralen Voraussetzung für Resilienz geworden ist“, betont Buhl. Entsprechend stehen Investitionen in Dual-Use-Technologien, Sensorik, Edge-AI, Space-Infrastructure oder unbemannte Systeme im Fokus.
Mit dem First Closing hat Helantic in drei Unternehmen investiert: Spinncloud, Fernride und HyImpulse. Damit decken sie Recheninfrastruktur für KI-Workloads, autonome Logistik sowie Träger- und Raumfahrttechnologie ab. „In der Pipeline stehen Deals in Polen, Tschechien und den baltischen Staaten sowie Opportunitäten in Israel – jeweils mit klarer europäischer Wertschöpfung“, verrät Buhl.
Derzeit entstehen in Europa zahlreiche spezialisierte Fonds, die Defense- und Dual-Use-Technologien gezielt fördern. Neben ehemaligen Militärs und Sicherheitsstrategen engagieren sich zunehmend Corporate VCs großer Rüstungsunternehmen, aber auch generalistische Investoren, die die sogenannte „Touristenrolle“ in der Szene übernehmen – angetrieben vom Boom und dem Bedürfnis nach Resilienz.
Verteidigung im Kontext der ESG-Kriterien neu bewertet
Ein weiterer bemerkenswerter Wandel ist die Neubewertung von Verteidigung im Kontext von ESG-Kriterien. Auch hier lässt sich von einem Paradigmenwechsel sprechen. Verteidigungstechnologien sind kein Tabuthema mehr. Sicherheit gilt als eine Grundvoraussetzung für Nachhaltigkeit. Diese neue Sichtweise ermöglicht frühzeitige Investitionen.
Gerade Dual-Use-Unternehmen profitieren davon: Zivile Anwendungen bieten frühe Umsätze und Marktreife, während Verteidigungs-Use-Cases Skalierung und Resilienz ermöglichen. Martin Buhl fasst diese Wirkung zusammen: „In a nutshell: die Nachhaltigkeits-Kompatibilität von Defense senkt das Stigma, beschleunigt Talentrekrutierung und verkürzt die Zeit vom Prototyp bis zur Einsatzreife.“
Auch Malte Seifert beobachtet das Spannungsverhältnis aus geopolitischer Unsicherheit, gesellschaftlichem Bewusstseins-wandel und technologischem Fortschritt. Für die Aussteller und Start-ups auf der XPONENTIAL Europe markiere die Messe den Ort, an dem „Defense-Tech und Dual-Use-Startups eine Schnittstelle zwischen Sicherheit, Technologie, Nachhaltigkeit und Kapital in nie dagewesenem Umfang aufeinandertreffen.“
Die XPONENTIAL Europe findet vom 24. bis 26. März 2026 auf dem Messegelände Düsseldorf statt. Alle Informationen zu den Schwerpunkten und zu den Programm-Highlights der Veranstaltung sind abrufbar über die Veranstaltungsseite www.xponential-europe.de.
Text: XPONENTIAL / Simone Seidensticker
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