Die Bedrohungen durch kleine taktische und zivile Drohnen sind allgegenwärtig. Fast wöchentlich haben die zivilen deutschen und europäischen Flughäfen mit Drohnensichtungen im Sicherheitsbereich zu kämpfen. Oft muss der Flugbetrieb dann für Stunden eingestellt werden. Aber auch militärische Liegenschaften und Fliegerhorste der Bundeswehr sind regelmäßig davon betroffen oder gefährdet. Einer der prägendsten Fälle der letzten Wochen ist sicherlich der Drohnenangriff auf die Antonov An-124-100-150, einem der ukrainischen Schwerlastflugzeuge, am Flughafen Leipzig/Halle.

Danach wurden die Rufe nach einer besseren Abwehr gegen Drohnen endlich lauter. Aber der Fall in Leipzig zeigt, die Abwehr ist nur der zweite Schritt. Dort wurden die Drohnen durch das vorhandene System noch nicht einmal bei der Annäherung und Eindringen in den Sicherheitsbereich erkannt bzw. detektiert. Und nur wenn eine lückenlose Detektion sicher möglich ist, braucht man sich überhaupt erst Gedanken über die Bekämpfung machen. Was ich nicht sehe, kann ich in der Regel nicht bekämpfen.
Bisher setzen viele der Systeme zur Drohnenbekämpfung (Counter-UAC / C-UAV) vor allem auf optische Sensoren (hochauflösende Tageslicht- und HD-Kameras für Live-Bilder aus der Luft), Infrarot- und Wärmebildsensoren (für Nachteinsätze), oder der Erfassung von Funksignalen (HF/RF-Aufklärung), Radare bzw. eine Kombination daraus. Radare haben dabei das Problem, dass sie aktive Signale aussenden und damit detektierbar sind. Im militärischen Umfeld ein eher unerwünschter Effekt.
Und das (teilweise) Versagen der vorhandenen System an den großen deutschen Flughäfen zeigt, dass diese nicht ausreichend sind. Es bedarf dringend einem mehrschichtigen Ansatz. Die oben genannten Sensoren können zum Beispiel durch Mikrofon-Arrays zur akustischen Drohnenaufklärung ergänzt werden. Denn bisher erzeugt jeder Drohnenflug zumindest Geräusche, auch wenn er sich vor Kameras oder Radaren verbergen kann. Das CPM Defence Network berichtetet zuletzt über einen solchen Ansatz: https://defence-network.com/drohnenabwehr-mehrschichtiger-ansatz-erfolg/.
Eine weitere sinnvolle Ergänzung können sogenannte LIDAR-Sensoren sein. Mit der LIDAR (Light imaging, detection and ranging; oder Light Detection and Ranging) Methode können Abstand und Geschwindigkeit bestimmt werden. Mit mehreren oder beweglichen Lidar-Sensoren können auch Form und Oberflächenbeschaffenheit. Die Informationen werden elektrooptisch erfasst. LIDAR-Sensoren senden aber nicht wie ein Radar Radiowellen aus, sondern Laserstrahlen. Genau genommen handelt es sich um eine Form des unsichtbaren, dreidimensionalen Laserscanning. Laut Anbieter aber ohne Detektionsmöglichkeit.
Und LIDAR ist nichts Neues. Schon seit Jahren befindet sich die Technologie in der Nutzung. LiDAR-Sensoren werden als 1D-, 2D- oder 3D-Variante weltweit in industriellen Fertigungen, in Verkehrssystemen, Logistikbereichen, Hafenautomatisierung, Verkehrsmanagementsysteme oder Objektschutzanlagen eingesetzt. Und sie sind die Grundlage für das autonome Fahren auf unseren Straßen. Und LIDAR wird zur Erstellung hochauflösender Landkarten verwendet, mit Anwendungen in den Bereichen Vermessung, Geodäsie, Geomatik, Archäologie, Geographie, Geologie, Geomorphologie, Seismologie, Meteorologie, Forstwirtschaft und Airborne Laserscanning. Eine wesentliche Rolle spielt Lidar auch bei der Steuerung autonomer Fahrzeuge. Es handelt sich also um eine bereits entwickelte und beherrschbare Technologie.
Behördliche Nutzung
Anlässlich der AUSA 2026 stellte das israelische Unternehmen INNOVIZ Technologies Ltd. seine LIDAR-Sensoren jetzt für die Nutzung im behördlichen Umfeld vor. Seit Jahren bietet das Unternehmen seine Sensoren für die Automotive-Branche an. So soll Volkswagen ein sehr großer Kunde der LIDAR-Sensoren sein.

Auf der AUSA wurde INNOVIZ vertreten durch Generalmajor a. D. Yoav Har-Even, dem ehemaligen Präsidenten und CEO von Rafael Advanced Defense Systems und heutigen Vorsitzenden (Chairperson) von INNOVIZ sowie dem Mitgründer und Geschäftsführer Omer Keilaf. Yoav Har-Even leitete Rafael von 2016 bis 2024 und war dort unter anderem für die Systeme „Iron Dome“, „David’s Sling“ sowie das aktive Schutzsystem „Trophy“ verantwortlich – dies nach einer mehr als dreißigjährigen militärischen Laufbahn. Seit August 2026 ist er Vorsitzender von INNOVIZ. Damit bringt er einen enormen Erfahrungsschatz in den Bereich Luftschutz / Flugabwehr mit sich.
Nach eigenen Angaben weitert INNOVIZ den Einsatz seiner LiDAR-Technologie – die bereits in Serienfahrzeugen von Volkswagen, Daimler Truck und anderen Herstellern verbaut ist – derzeit auf Bereiche wie Drohnenabwehr, unbemannte Bodenfahrzeuge (UGV) und Perimeter-Sicherheitssysteme aus.
Wichtig dabei ist, es geht nicht um die allgemeine Luft- oder Flugabwehr. Denn dies ist ein sehr weites Feld. Hier gibt es Bedrohungen wie Flugzeuge, Hubschrauber, ballistische und nicht-ballistische Raketen, Marschflugkörper sowie Drohnen in sehr unterschiedlichen Größen. Die westlichen Länder, und auch Israel, haben in den letzten Jahren sehr viel Energie in entsprechende Abwehrmaßnahmen gesteckt. Vor allem gegen Raketen mit kurzen, mittleren und großen Reichweiten. Hier gibt es entsprechende Systeme.
Aber Iron Dome oder Patriot sind keine geeigneten Antworten auf die relativ neue Bedrohung der kleinen und taktischen Drohnen. So haben Drohnen in den vergangenen zwei Jahren in der Ukraine aber auch in Gaza, Panzerabwehrsysteme mehr oder weniger vollständig ersetzt. So muss der Gegner nicht mehr auf 1.000, 2.000 oder 5.000 Meter an den Kampfpanzer heran. Er sendet aus sicherer Entfernung von 10.000 Meter oder mehr eine Drohne mit entsprechender Nutzlast. Zudem ist diese schwerer abzuwehren. Zuletzt kamen noch die FPV-Drohnen (First-Person-View) hinzu, auch Glasfaser gesteuert.

Viele der vorhandenen Detektions- und Abwehrmaßnahmen sind hier unzureichend. Denn alleine schon die zuverlässige Detektion ist eine Herausforderung, und zum Teil unmöglich. Und selbst wenn eine Detektion erfolgen kann, bleibt oft keine Zeit für eine entsprechende Gegenmaßnahme.
LIDAR soll diese Lücke schließen, auf den letzten 300 Metern und gegen alle Arten von kleinen und schnellen Drohnen. Denn LIDAR detektiert die Bedrohung nicht nur, der Sensor zeigt sie auch extrem präzise in einem 3D-Koordinatensystem an. Damit führt der Sensor nicht nur die Detektion, sondern auch gleichzeitig das Targeting durch. Damit können Gegenmaßnahmen umgehend eingeleitet werden. Durch Handwaffen im Kaliber 5,56 x 45 mm oder 7,62 x 61 mm, durch fernbedienbare Waffenstationen, Abfangdrohnen, Netzlösungen, etc.
Und LIDAR soll dabei helfen, den aktuellen Kostenkrieg in der Luftverteidigung zu gewinnen. Denn kein Nutzer kann es lange durchhalten, mit sehr teuren Raketen Massen an Drohnenschwärmen zu bekämpfen. Es besteht ein erhebliches Ungleichgewicht auf der Kostenseite zwischen den relativ kosteneffektiven Drohnen und den sehr teurer Abwehrmaßnahmen.
Heutige Einsätze bzw. Kriege dauern nicht nur Tage, sondern Monate oder Jahre. Es bedarf kosteneffektiver Lösungen um die Durchhaltefähigkeit zu gewährleisten.
LIDAR-Sensor
Laut INNOVIZ bieten die LIDAR-Sensoren vor allem ein großen Sehfeld (Field of View / FoV), und sie können gleichzeitig mehrere Drohnen detektieren. Im Gespräch auf der AUSA wurde als Größenordnung aktuell um die 200 Drohnen benannt. Die Detektion erfolgt auch in extremer Bodennähe, unter 200 Metern. Da wo die anderen Sensoren Probleme haben, oder die Gefahr gar nicht erst sehen können. Auch Unmanned Ground Vehicle (UGV) können detektiert werden.
LIDAR ist bei der Positionsanzeige zudem viel genauer als Kameras oder Radare, so der Hersteller. Und LIDAR sind im Vergleich eher sehr kostengünstige Systeme. Sie werden schon in großen Stückzahlen für den zivilen Markt hergestellt. Sind einfach in unterschiedlichste Plattformen zu integrieren. Im Krisen- und Kriegsfall von erheblicher Bedeutung. So können viele zivile Lieferketten genutzt werden. Eine Lieferkettensicherheit ist gegeben, weltweit.
Die Israel Defence Forces (IDF) rüstet gerade LIDAR-Sensoren als Konvoischutz in verschiedenste Fahrzeuge ein. Laut INNOVIZ fanden auf der AUSA 2026 zudem Gespräche mit Führungskräften bedeutender Rüstungsunternehmen sowie Dutzenden potenzieller Kunden statt, die den wachsenden Bedarf an präziser 3D-Lokalisierung zur Abwehr kostengünstiger Drohnen – darunter FPV-Drohnen (First-Person-View) und glasfasergesteuerte Drohnen, ganz klar unterstreichen.
Die AUSA war auch deshalb so wichtig für das Unternehmen, weil Innoviz gut drei Monate vorher den Launch von Perciz, der Marke für Verteidigung und innere Sicherheit, durchgeführt hatte. So hatte das Unternehmen im Juli 2026 seinen ersten Millionenauftrag von einem Verteidigungskunden für Drohnenabwehrsysteme und Anwendungen zur Erkennung von Perimeterverletzungen erhalten.

INNOVIZ mit Perciz bringt die serienreife LiDAR-Plattform in Automobilqualität, die bereits von BMW, Volkswagen, Mobileye und Daimler Truck eingesetzt wird, in den Bereich Verteidigung und innere Sicherheit.
Im Hinblick auf die aktuell geäußerten Anforderungen von Kunden, nennt INNOVIZ die präzise, zentimetergenaue 3D-Lokalisierung, die den Unsicherheitsbereich durch präzise Koordinaten ersetzt, auf die Abfang- und Effektoren reagieren können. Sowie Widerstandsfähigkeit gegen signalbasierte Abwehrmaßnahmen: Als aktiver optischer Sensor, der auf die physische Umgebung und nicht auf ausgesendete Signale reagiert, ist LiDAR unabhängig davon, ob eine Drohne per Funk gesteuert, autonom oder faseroptisch geführt wird. Leistung in unübersichtlichen und rauen Umgebungen: Hochauflösende Punktwolkendaten helfen, Drohnen von Hindernissen wie Zäunen, Vegetation und Gebäuden zu trennen und sind unempfindlich gegenüber Regen, Schlamm und Schmutz. Kosteneffiziente Abwehr: Präzise Lokalisierung ermöglicht kostengünstigere Abwehrmethoden und trägt dazu bei, die Kostenlücke zwischen Drohnen und herkömmlichen Abwehrsystemen zu schließen.
„Die AUSA war eine der ereignisreichsten und inspirierendsten Konferenzen, die ich seit vielen Jahren besucht habe“, sagte Omer Keilaf, Gründer und CEO von Innoviz Technologies. „Immer wieder hörten wir, dass Verteidigungsorganisationen zwar Drohnen erkennen können, aber deren genauen Standort kennen müssen. Innoviz Perciz ist bestens aufgestellt, um präzise Koordinaten zu liefern, die eine effektive Reaktion ermöglichen – und nicht nur ein allgemeines Gebiet markieren. Die Technologie basiert auf derselben Präzision, die führende Automobilhersteller nutzen.“
„Die Resonanz auf der AUSA-Konferenz hat unsere Erwartungen übertroffen“, sagte Jeremie Kletzkine, Vice President Business Development bei Innoviz. „Wir reisten mit einem vollen Terminkalender an, und die Messe brachte schnell viele weitere Kontakte hervor, darunter auch zu Technologieführern einiger der wichtigsten Akteure im Bereich der Drohnenabwehr. Das Interesse von US-amerikanischen Systemintegratoren und Generalunternehmern unterstreicht den Bedarf an LiDAR in Kombination mit Wahrnehmungssoftware zur Drohnenverfolgung und -identifizierung. Unser Fokus liegt nun darauf, diese Gespräche in Evaluierungen und langfristige Kooperationen mit US-amerikanischen Kunden und Partnern umzuwandeln.“
INNOVIZ bietet verschiedene Varianten des Sensors an. So hat der SMART Raven+ Long-range, tall FoV eine Detektionsreichweite von rund 300 Metern. Das Sehfeld liegt bei 120°x38.4°, bei einer Auflösung von 0.08° x 0.075° (±0.025), bei 10 FPS (Frames per second; deutsch: Bilder pro Sekunde). Zur Detektion wird die 905nm Wellenlänge genutzt. Alle bekannten Sensoren basieren auf sehr ähnlichen technischen Fähigkeiten, lediglich das Sehfeld oder die Auflösung können geringfügig anders sein.
Text: Redaktion / af
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