AUSA: Skapion präsentiert erstes natives Abwehrsystem gegen Drohnenschwärme

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Anlässlich der AUSA Annual Meeting & Exposition 2026 stellte das israelische Unternehmen Skapion sein nach eigenen Angaben weltweit erste native Abwehrsystem gegen Drohnenschwärme vor. Es wurde speziell entwickelt für die gleichzeitige Bekämpfung groß angelegter Drohnenschwarm-Angriffe zu deutlich geringeren Kosten als mit bisher üblichen Systemen, so der Hersteller.

A Skapion CGI showing the company’s concept for a trailer-mounted launch system for its Hadar low-cost air defence interceptors.
Mobiles Sensorsystem auf einem einachsigen Anhänger.
Foto: Skapion

Skapion ist ein auf Verteidigungstechnologie spezialisiertes Unternehmen für fortschrittliche Lösungen zur Abwehr von Drohnenschwärmen, und wurde 2025 gegründet. Das Führungsteam hat bereits erfolgreich mehrere offizielle Beschaffungsprogramme (Programs of Record) bei der U.S. Air Force, dem U.S. Marine Corps und der U.S. Army gewonnen. Skapion hat seinen Hauptsitz in Washington, D.C., und unterhält ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Ramat Gan, Israel.

Bei der Vorstellung erklärte der Gründer und Geschäftsführer von Skapion, Ido Bar-On, dass das Unternehmen schnell zu einem Prime im Bereich Luftverteidigung werden soll und wird. Grund sei der neue und andersartige Ansatz. Dazu hat er ein großen und sehr erfahrenes Team um sich versammelt. Ido Bar-On: „Ziel ist es den aktuellen Kostenkrieg in der Luftverteidigung zu gewinnen!“ Denn kein Nutzer kann es lange durchhalten, mit sehr teuren Raketen Massen an Drohnenschwärmen zu bekämpfen.

Es besteht ein erhebliches Ungleichgewicht auf der Kostenseite zwischen den relativ kosteneffektiven Drohnen und den sehr teurer Abwehrmaßnahmen. Er untermalte diese Aussage auch mit konkreten Zahlen am Beispiel von hunderten Shahed-Drohnen und was die Abwehr dieser Kosten würde.

Eine weitere Herausforderung werden die immer höheren Geschwindigkeiten der Angriffsdrohen werden. Bisher sind viele noch Propeller angetrieben, immer mehr steigen jetzt auch Jet-Antriebe um. Dadurch sind sie viel schneller, und viel schwieriger zu bekämpfen. Er Sprach von Geschwindigkeiten zwischen 350 und 600 km/h. Dabei nutzen sie zudem Flughöhen von bis zu 6 km. Auch hierauf muss ein neues Abwehrsystem ausgerichtet sein.

Die nächsten Bedrohungen werden autonome Schwärme als ein Netzwerk sein, mit verteiltem Targeting und zeitlich definierten Angriffen. Alles voll-automatisch. Und fällt eine Drohne aus, wird der Auftrag automatisch einer anderen übergeben.

Und während alle Auf Russland und die Ukraine blicken, mahnte er an, dass China aktuell rund 1 Millionen an Shahed-Drohnen baut. Zudem hat China das UAV Jiutian (Neunter Himmel) entwickelt. Ein Drohnenmutterschiff, dass seinen Erstflug am 11. Dezember 2025 absolvierte. Auf diese Weise kann ein Operator 200 Drohnen oder mehr steuern.

Man muss sich nur bildlich vorstellen, wie viel Zerstörungskraft da als Schwarm, als Paket ankommt. Und wie viel dann an Abwehrmaßnahmen in sehr kurzer Zeit zur Verfügung stehen müssen. Daher erfordert die Abwehr schneller Schwärme in großem Maßstab einen neuen Ansatz der Luftverteidigung.

Wobei China noch ein insgesamt großes Fragezeichen ist. Dennoch ist davon auszugehen, alle was im Iran, in Gaza oder durch Russland an Erfahrungen gesammelt wird, geht direkt auch nach Peking. Und deren Produktionsfähigkeiten sind viel größer als die eines Irans oder Russlands.

Bei dem sogenannten ersten nativem Abwehrsystem gegen Drohnenschwärme handelt es sich um eine neue Klasse von Luftverteidigungssystemen, die von Grund auf neu konzipiert wurden, um groß angelegte, koordinierte Drohnenschwarm-Angriffe zu erkennen und kosteneffizient abzuwehren.

Skapion gab kürzlich eine Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 36 Millionen US-Dollar unter der Führung von UP. Partners und Khosla Ventures bekannt, um die Entwicklung und Validierung seines Abwehrsystems zu beschleunigen.

Angesichts der zunehmenden Größe, Geschwindigkeit und Komplexität koordinierter Drohnenangriffe stehen herkömmliche Abwehrsysteme (Counter-UAS) vor immer größeren Herausforderungen. Die meisten bestehenden Luftverteidigungstechnologien wurden ursprünglich für die Bekämpfung einzelner oder einer begrenzten Anzahl von Bedrohungen entwickelt. Dies führt bei gleichzeitigen Massenangriffen – wie sie etwa in den Konflikten in der Ukraine und im Iran zu beobachten sind, wo herkömmliche Systeme durch Drohnenschwärme zur Erschöpfung der Munitionsvorräte und Budgets gezwungen werden – zu operativen sowie kapazitäts- und kostenbedingten Engpässen.

Grundlegend neuer Ansatz

Skapion verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz. Das System wurde von Skapions Gründungsarchitekten General a.D. Pini Yungman – dem Architekten des „Iron Dome“-Systems und ehemaligen Leiter der Sparte Air & Missile Defense bei Rafael – entworfen. Von Beginn an basierte die Entwicklung auf einer nativen „Many-to-Many“-Architektur (Viele-gegen-Viele), die es ermöglicht, dass mehrere Abfangkörper gleichzeitig und in großem Umfang mehrere Ziele bekämpfen.

Ziele von Skapion sind:

  1. Den Kostenkrieg gewinnen
  2. Mit dem Ausmaß des Scharmangriffs gleichziehen
  3. Der sich wandelnden Bedrohung einen Schritt voraus sein

Das hochmobile, rein kinetische System ist darauf ausgelegt, mehr als 100 Ziele gleichzeitig mit einer Abfangquote von über 97 % zu bekämpfen. Gleichzeitig liegen die Kosten pro Abfangvorgang deutlich unter denen herkömmlicher Luftverteidigungssysteme, wodurch eine wirtschaftlich tragfähige Verteidigungsebene gegen massenhafte, kostengünstige Bedrohungen aus der Luft geschaffen wird.

A Skapion CGI showing the company’s concept for a remotely controlled vehicle containing launchers for its Hadar low-cost air defence interceptors.
Unbemanntes achträdriges Bodenfahrzeug mit einer hydraulisch aufrichtbaren Starteinheit für und einem elektro-optischen Sensorsystem.
Foto: Skapion

Dazu setzt Skapion auf drei Ebenen:

  1. Einen kosteneffektiven Interceptor
  2. Ein mobiles Startsystem mit einem Arsenal von 25 bis 250 Abfangraketen pro Startgerät – das zudem hochgradig skalierbar ist. Aber im Grund sind Lösungen mit Magazinen von einer Rakete bis 200/250 möglich. Einfach aneinander klickbar, 10 kg pro Rakete.
  3. ein smartes Führungs- und Kontrollsystem (C2-System)

Im Zentrum des Systems steht eine KI-native Führungs- und Kontrollarchitektur, die Daten von Skapions eigenen Erkennungs- und Verfolgungssensoren sowie von Systemen Dritter zusammenführt. Das System bewertet und priorisiert Bedrohungen, weist Abfangkörper zu und steuert die Bekämpfung in Echtzeit – wahlweise mit vollständiger End-to-End-Autonomie oder unter Einbeziehung eines menschlichen Bedieners (Human-on-the-loop), ganz nach den Vorgaben des Nutzers. Eine offene, sensorunabhängige Architektur ermöglicht die Integration externer Bedrohungsdaten, bestehender C2-Systeme (Führungs- und Waffeneinsatzsysteme) sowie anderer Counter-UAS-Systeme.

Damit eignet sich das Skapion-System sowohl als eigenständige Luftverteidigungseinheit zum Schutz kritischer Infrastrukturen und mobiler Verbände als auch als schnell verlegbares System zur Ergänzung und Lückenschließung in der nationalen Luftverteidigung. Die Künstliche Intelligenz wird dabei auf allen Ebenen eingesetzt und unterstützen. Nur so können die Verarbeitungs- und Reaktionszeiten minimiert werden.

Die Denkweise hinter dem neuen Ansatz beschreibt Ido Bar-On, Mitgründer und CEO von Skapion so: „Wir entwickeln ein führendes Luftverteidigungssystem der nächsten Generation, um den Herausforderungen des Zeitalters von Schwärmen und KI zu begegnen. Die neue Klasse aufkommender Bedrohungen erfordert einen Lösungsansatz, der die gesamte Wertschöpfungskette sowie systematische und thematische Aspekte abdeckt – genau deshalb entwickeln wir alle drei Ebenen dieser Lösung.“

Der rein kinetische Ansatz von Skapion ist darauf ausgelegt, auch kommunikationsunabhängige und autonome Bedrohungen zu bekämpfen. Die Architektur mit Vertikalstart ermöglicht eine Bekämpfung im 360-Grad-Radius, während das System für den flexiblen Einsatz auf bodengebundenen, luftgestützten und maritimen Plattformen konzipiert ist.

Der Abfangflugkörper: HADAR

Der Interceptor (Abfanglenkflugkörper) HADAR soll unter 10.000 USD (Zielwert) kosten, weniger als 1 Meter lang sein sowie einen 10 cm-Durchmesser haben. Der Hadar-Abfangflugkörper ist darauf ausgelegt, unbemannte Flugobjekte (UAVs) in einer Reichweite von 1 bis 7 Kilometern, und einer Abfanghöhe von 20 Metern bis zu 4 Kilometern kostengünstig und rein kinetisch zu neutralisieren.

Dabei strebt der Hersteller die Zerstörung einer Drohne durch einen Volltreffer an, aber selbst, wenn Hadar nicht trifft soll die Rakete eine Drohne aus der Nähe von zerstören können. Die Abschuss- oder Abwurfhöhe wird durch den Hersteller mit 0 Metern bis zu 3,5 Kilometern angegeben. Als Suchkopf kommen thermisch-elektrooptisch (Tag) oder ein RF-Suchkopf (Radio Frequency / Radarsystem im Ka-Band) zum Einsatz.

Infografik des Flugabwehrsystems Hadar Interceptor beim Abfangen eines Drohnenschwarms mit technischen Leistungsdaten
Abfangflugkörper Hadar Interceptor.
Grafik: Skapion

„Die nächste Generation von Bedrohungen lässt sich nicht einfach durch die Kombination herkömmlicher Luftverteidigungslösungen von gestern abwehren“, erklärte Ido Bar-On, Mitgründer und CEO von Skapion. „Ein Schwarm ist nicht bloß eine größere Anzahl einzelner Drohnen. Er verändert die Dynamik der Bekämpfung, die Anzahl der gleichzeitig zu treffenden Entscheidungen, die erforderliche Entscheidungsgeschwindigkeit sowie die Wirtschaftlichkeit jedes Abfangvorgangs. Ein ‚Native Counter-Swarm‘-Ansatz bedeutet, das gesamte System von Grund auf für die gleichzeitige Bekämpfung massiver Angriffe zu konzipieren.“

Das mobile Startsystem kann zum Schutz von Einrichtungen und Kamps fest installiert werden, oder per Anhänger, JLTV, LKW, UGV, etc. mobil gemacht werden. Auch eine Wirkung aus der Bewegung soll möglich sein. Das Startsystem soll laut Skapion einfach und schnell nachladbar sein.

Lokales Fertigungsangebot durch Skapion

Und Skapion hat verstanden, dass die westlichen Streitkräfte nicht von internationalen, fragilen und leicht störbaren Lieferketten abhängig sein können und wollen. Daher hat Skapion von Anfang an ein Konzept entwickelt, dass eine lokale Produktion und eine lokale / regionale Lieferkette berücksichtigt. Immer wieder wurde Deutschland bei der Vorstellung als Produktionsstandort mit besten Möglichkeiten angesprochen. Die Bundeswehr wurde zwar nicht als potentieller Nutzer erwähnt, aber eine Betrachtung Deutschlands als Produktionsstandort legt dies zumindest sehr nahe.

Ido Bar-On: „Obwohl wir in engem Kontakt mit dem deutschen Markt und Ökosystem stehen, haben wir noch kein deutsches Büro. Deutschland verfügt über immense Kapazitäten in den Bereichen Produktion, industrielle Basis, privates Kapital, Zugang zu fortgeschrittenen akademischen Fakultäten und mehr.“

Man wird über die Design-Hoheit verfügen und Weiterentwicklungen vorantreiben. Gleichzeitig will man in der Lage sein, jederzeit und überall zu produzieren. Dies kann über lokale Partner erfolgen. Ido weiter: „Wir arbeiten an Kooperationsvereinbarungen mit geeigneten Partnern. Wie jedoch bei jedem Geschäft mit staatlichen Auftraggebern gilt: Wenn der Kunde für bestimmte Leistungsbereiche einen bestimmten Auftragnehmer vorgibt, müssen Sie sich daran halten.“

Erste Live-Testschüsse sollen bereits in den kommenden Wochen erfolgen. Und Ende 2027 soll es erste operative Systeme geben.

 

Text: Redaktion / af

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