Anlässlich der AUSA Annual Meeting & Exposition 2026 stellte das israelische Unternehmen Skapion sein nach eigenen Angaben weltweit erste native Abwehrsystem gegen Drohnenschwärme vor. Es wurde speziell entwickelt für die gleichzeitige Bekämpfung groß angelegter Drohnenschwarm-Angriffe zu deutlich geringeren Kosten als mit bisher üblichen Systemen, so der Hersteller.


Dazu setzt Skapion auf drei Ebenen:
- Einen kosteneffektiven Interceptor
- Ein mobiles Startsystem mit einem Arsenal von 25 bis 250 Abfangraketen pro Startgerät – das zudem hochgradig skalierbar ist. Aber im Grund sind Lösungen mit Magazinen von einer Rakete bis 200/250 möglich. Einfach aneinander klickbar, 10 kg pro Rakete.
- ein smartes Führungs- und Kontrollsystem (C2-System)
Im Zentrum des Systems steht eine KI-native Führungs- und Kontrollarchitektur, die Daten von Skapions eigenen Erkennungs- und Verfolgungssensoren sowie von Systemen Dritter zusammenführt. Das System bewertet und priorisiert Bedrohungen, weist Abfangkörper zu und steuert die Bekämpfung in Echtzeit – wahlweise mit vollständiger End-to-End-Autonomie oder unter Einbeziehung eines menschlichen Bedieners (Human-on-the-loop), ganz nach den Vorgaben des Nutzers. Eine offene, sensorunabhängige Architektur ermöglicht die Integration externer Bedrohungsdaten, bestehender C2-Systeme (Führungs- und Waffeneinsatzsysteme) sowie anderer Counter-UAS-Systeme.
Damit eignet sich das Skapion-System sowohl als eigenständige Luftverteidigungseinheit zum Schutz kritischer Infrastrukturen und mobiler Verbände als auch als schnell verlegbares System zur Ergänzung und Lückenschließung in der nationalen Luftverteidigung. Die Künstliche Intelligenz wird dabei auf allen Ebenen eingesetzt und unterstützen. Nur so können die Verarbeitungs- und Reaktionszeiten minimiert werden.
Die Denkweise hinter dem neuen Ansatz beschreibt Ido Bar-On, Mitgründer und CEO von Skapion so: „Wir entwickeln ein führendes Luftverteidigungssystem der nächsten Generation, um den Herausforderungen des Zeitalters von Schwärmen und KI zu begegnen. Die neue Klasse aufkommender Bedrohungen erfordert einen Lösungsansatz, der die gesamte Wertschöpfungskette sowie systematische und thematische Aspekte abdeckt – genau deshalb entwickeln wir alle drei Ebenen dieser Lösung.“
Der rein kinetische Ansatz von Skapion ist darauf ausgelegt, auch kommunikationsunabhängige und autonome Bedrohungen zu bekämpfen. Die Architektur mit Vertikalstart ermöglicht eine Bekämpfung im 360-Grad-Radius, während das System für den flexiblen Einsatz auf bodengebundenen, luftgestützten und maritimen Plattformen konzipiert ist.
Der Abfangflugkörper: HADAR
Der Interceptor (Abfanglenkflugkörper) HADAR soll unter 10.000 USD (Zielwert) kosten, weniger als 1 Meter lang sein sowie einen 10 cm-Durchmesser haben. Der Hadar-Abfangflugkörper ist darauf ausgelegt, unbemannte Flugobjekte (UAVs) in einer Reichweite von 1 bis 7 Kilometern, und einer Abfanghöhe von 20 Metern bis zu 4 Kilometern kostengünstig und rein kinetisch zu neutralisieren.
Dabei strebt der Hersteller die Zerstörung einer Drohne durch einen Volltreffer an, aber selbst, wenn Hadar nicht trifft soll die Rakete eine Drohne aus der Nähe von zerstören können. Die Abschuss- oder Abwurfhöhe wird durch den Hersteller mit 0 Metern bis zu 3,5 Kilometern angegeben. Als Suchkopf kommen thermisch-elektrooptisch (Tag) oder ein RF-Suchkopf (Radio Frequency / Radarsystem im Ka-Band) zum Einsatz.

„Die nächste Generation von Bedrohungen lässt sich nicht einfach durch die Kombination herkömmlicher Luftverteidigungslösungen von gestern abwehren“, erklärte Ido Bar-On, Mitgründer und CEO von Skapion. „Ein Schwarm ist nicht bloß eine größere Anzahl einzelner Drohnen. Er verändert die Dynamik der Bekämpfung, die Anzahl der gleichzeitig zu treffenden Entscheidungen, die erforderliche Entscheidungsgeschwindigkeit sowie die Wirtschaftlichkeit jedes Abfangvorgangs. Ein ‚Native Counter-Swarm‘-Ansatz bedeutet, das gesamte System von Grund auf für die gleichzeitige Bekämpfung massiver Angriffe zu konzipieren.“
Das mobile Startsystem kann zum Schutz von Einrichtungen und Kamps fest installiert werden, oder per Anhänger, JLTV, LKW, UGV, etc. mobil gemacht werden. Auch eine Wirkung aus der Bewegung soll möglich sein. Das Startsystem soll laut Skapion einfach und schnell nachladbar sein.
Lokales Fertigungsangebot durch Skapion
Und Skapion hat verstanden, dass die westlichen Streitkräfte nicht von internationalen, fragilen und leicht störbaren Lieferketten abhängig sein können und wollen. Daher hat Skapion von Anfang an ein Konzept entwickelt, dass eine lokale Produktion und eine lokale / regionale Lieferkette berücksichtigt. Immer wieder wurde Deutschland bei der Vorstellung als Produktionsstandort mit besten Möglichkeiten angesprochen. Die Bundeswehr wurde zwar nicht als potentieller Nutzer erwähnt, aber eine Betrachtung Deutschlands als Produktionsstandort legt dies zumindest sehr nahe.
Ido Bar-On: „Obwohl wir in engem Kontakt mit dem deutschen Markt und Ökosystem stehen, haben wir noch kein deutsches Büro. Deutschland verfügt über immense Kapazitäten in den Bereichen Produktion, industrielle Basis, privates Kapital, Zugang zu fortgeschrittenen akademischen Fakultäten und mehr.“
Man wird über die Design-Hoheit verfügen und Weiterentwicklungen vorantreiben. Gleichzeitig will man in der Lage sein, jederzeit und überall zu produzieren. Dies kann über lokale Partner erfolgen. Ido weiter: „Wir arbeiten an Kooperationsvereinbarungen mit geeigneten Partnern. Wie jedoch bei jedem Geschäft mit staatlichen Auftraggebern gilt: Wenn der Kunde für bestimmte Leistungsbereiche einen bestimmten Auftragnehmer vorgibt, müssen Sie sich daran halten.“
Erste Live-Testschüsse sollen bereits in den kommenden Wochen erfolgen. Und Ende 2027 soll es erste operative Systeme geben.
Text: Redaktion / af
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