Ein neues Kapitel für Kommandosoldaten im KSK

Im tiefen Schwarzwald haben sich kürzlich 32 Bewerber einem der wohl anspruchsvollsten Einstellungstests der Bundeswehr gestellt, um die Ausbildung zum Kommandosoldaten im Kommando Spezialkräfte (KSK) zu beginnen. Diese zweijährige Ausbildung öffnet die Tür zu einem Bereich, in dem offensive und verdeckte Operationen unter extremen Bedingungen weltweit durchgeführt werden. Doch bevor die Bewerber in die Fußstapfen dieser Eliteeinheit treten dürfen, müssen sie das Potenzialfeststellungsverfahren (PFV) erfolgreich durchlaufen
Die Anwärter müssen in der Ausbildung hochkomplexe Szenarien bewältigen. Sie müssen viel und schnell lernen.
Die Anwärter müssen in der Ausbildung hochkomplexe Szenarien bewältigen. Sie müssen viel und schnell lernen.
Foto: Bundeswehr/KSK

Das neue Auswahlverfahren wurde 2023 eingeführt, um präzisere Anforderungen an die Bewerber zu stellen. Mit fast drei Jahrzehnten an Erfahrungen konnte das KSK nun genauer definieren, welches Potenzial ein Bewerber mitbringen muss. Hier steht nicht im Fokus, dass mehr Bewerben bestehen, sondern die richtigen Menschen für die Position zu finden. Um sicherzustellen, dass diese Anforderungen erfüllt werden, wurde die psychologische Betreuung intensiviert. Dies resultiert in einer verstärkten Betonung der kognitiven Fähigkeiten im Auswahlverfahren, wobei nicht nur sportliche Leistungen im Vordergrund stehen. Diese Entwicklung ermöglicht auch Bewerbern aus anderen Truppengattungen, wie beispielsweise der Fernmeldetruppe, den Zugang zu dieser Ausbildung.

Das Potenzialfeststellungsverfahren setzt sich aus zwei Phasen zusammen. In der ersten Phase bestimmen Sporttests und computergestützte psychologische Auswahlverfahren den Tagesablauf der Bewerber. Die höheren Mindestanforderungen, basierend auf statistischen Daten, sollen sicherstellen, dass jeder, der Phase 1 besteht, eine realistische Chance hat, auch die folgenden Phasen zu meistern. Zu den Tests zählen beispielsweise ein 20 km Marsch mit 20 Kilo Gepäck, 5x 1000 m Intervalllauf und Schwimmen im Kampfanzug.

Die zweite Phase, die Härtephase, stellt die Bewerber physisch und psychisch vor extreme Herausforderungen. Hier wird das Potenzial zur Ausbildung zum Kommandosoldaten über verschiedene Stationen hinweg festgestellt. Die individuelle Performance, Durchhaltefähigkeit und mentale Robustheit sind entscheidend. Das Ungewisse begleitet die Bewerber während des gesamten Verfahrens. Sie wissen nicht, ob ihre Leistungen ausreichen, um zu bestehen. Die Auswertung erfolgt erst am Ende der Woche. Offiziere müssen in Phase 3 ihre Führungsfähigkeiten unter Beweis stellen.

Die Umstellung des Auswahlverfahrens ermöglicht eine effektivere und individuellere Bewertung der Bewerber. Die Inhalte der Testphasen ändern sich regelmäßig, um die Aussagekraft der Testungen zu gewährleisten. Nur ein Drittel der Bewerber besteht das PFV.

Die erfolgreichen Bewerber müssen sich nun einer anspruchsvollen zweijährigen Ausbildung unterziehen, die verschiedene Lehrgänge und Szenarien in verschiedenen Ländern umfasst. Das KSK stellt höchste Anforderungen an die physische und mentale Leistungsfähigkeit seiner Kommandosoldaten. Wer die Ausbildung erfolgreich abschließt, wird mit dem Kommandoabzeichen ausgezeichnet und gehört fortan zu den Besten im KSK – eine Verpflichtung, die ein Leben lang Selbstmotivation und Disziplin erfordert. Diese Eliteeinheit sichert nicht nur die nationale Sicherheit, sondern trägt auch eine globale Verantwortung in den gefährlichsten Einsatzgebieten

Nicht ausschließlich das KSK nutzt das Potenzialfeststellungsverfahren. Auch beim EGB des Heeres erfolgt eine Umstellung vom herkömmlichen Auswahlverfahren auf das PFV. Dies verdeutlicht, dass die Bundeswehr durchaus bestrebt ist Ausbildungen zu modernisieren. Sie zeigt Bereitschaft, bestehende Strukturen zu überdenken und zu verändern, um neue Möglichkeiten und verbesserte Verfahren zu schaffen.

Christina Bornheim

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