Pistorius bei Medic Quadriga: „Nur was man übt, kann man auch“

Am Flughafen Berlin-Brandenburg hat die Bundeswehr heute gezeigt, was im Verteidigungsfall zählt: eine funktionierende Rettungskette vom Gefechtsfeld an der NATO-Ostflanke bis ins zivile Krankenhaus in Deutschland. Ausschlaggebend ist die Zusammenarbeit mit zivilen Rettungsorganisationen. Genau diese wurde im Rahmen von Medic Quadriga geübt. Verteidigungsminister Boris Pistorius konnte sich vor Ort ein eigenes Bild machen.

Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius besucht die Übung Medic Quadriga in Berlin.
Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius besucht die Übung Medic Quadriga in Berlin.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Im ExpoCenterAirport am Flughafen Berlin-Brandenburg läuft derzeit eine der größten Sanitätsübungen der Bundeswehr seit Jahrzehnten. Medic Quadriga heißt sie und ist Teil des übergeordneten Übungsclusters Quadriga 2026.

Das Ziel: die gesamte medizinische Rettungskette unter realistischen Bedingungen auf Herz und Nieren testen – von der Erstversorgung im Einsatzgebiet bis zur Weiterbehandlung in Deutschland. In einem ersten Anteil übten Sanitätskräfte die Erstversorgung und Evakuierung Verwundeter in Litauen. Bis zu 1.000 Patientinnen und Patienten könnten dort pro Tag anfallen.

Sind die Verwundeten dort einigermaßen stabil, sollen sie auf dem Luft-, Land- oder Seeweg nach Deutschland gebracht werden. Der für Medic Quadriga geplante Luftweg musste ausfallen; das Flugzeug hätte man auf Bereitschaft gehalten, um eventuell Menschen aus dem jüngsten Kriegsgebiet zu evakuieren.

Helfer des Roten Kreuzes versorgen verwundete Soldatinnen.
Helfer des Roten Kreuzes versorgen verwundete Soldatinnen.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Geübt wurde demnach ab Berlin, wo ein Knotenpunkt, ein medizinischer Hub Berlin installiert wurde. Hier werden die Verwundeten empfangen, priorisiert, verteilt und möglichst schnell durch zivile Organisationen wie die ADAC Luftrettung oder Johanniter und Malteser auf Krankenhäuser im Bundesgebiet verteilt.

Medic Quadriga soll abschrecken

Vielleicht lag es an der Nähe zu Berlin, dass Verteidigungsminister Boris Pistorius sich kurzfristig für einen Besuch der Medic Quadriga ankündigte. „Wir üben für den Ernstfall in Zeiten, in denen es ihn nicht gibt, um es im Ernstfall zu können“, erklärte Pistorius. Es ginge nicht darum, wann der Ernstfall eintritt, sondern darum, vorbereitet zu sein, wenn er eintritt.

Die Schnittstelle zwischen Militär und zivilen Kräften – Notfallsanitäter der Johanniter-Unfall-Hilfe übernehmen eine verletzte Soldatin aus einem A400M der Bundeswehr.
Die Schnittstelle zwischen Militär und zivilen Kräften – Notfallsanitäter der Johanniter-Unfall-Hilfe übernehmen eine verletzte Soldatin aus einem A400M der Bundeswehr.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Einen tiefen Einblick der Übung konnte Pistorius in der kurzen Zeit sicherlich nicht gewinnen, doch den Kern dürften die Truppe ihrem Minister vermittelt haben: die Schnittstelle zwischen militärischer und ziviler medizinischer Betreuung. Verwundete Soldatinnen und Soldaten schnell und gezielt in geeignete Kliniken zu transportieren, ist eine Fähigkeit, über die nicht jede Armee verfügt.

Aus deutscher Perspektive ist eine möglichst hoher Überlebenswahrscheinlichkeit verwundeter Soldaten jedoch elementar – nicht nur aus eigenem Anspruch an die Fürsorge, sondern auch darüber hinaus.

Pistorius unterstrich dementsprechend die Signalwirkung der Übung nach außen: „Indem wir so etwas üben, senden wir ein starkes Zeichen ins Bündnis.“ Alliierte könnten durch Medic Quadriga sehen, dass die Bundeswehr genau das übt, worauf es im Ernstfall ankäme. „Aber es ist auch ein Signal an einen möglichen Aggressor im Sinne der Abschreckung“, ergänzte der Minister.

Rettungskette muss ineinandergreifen

Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann weiß um die militärische und die medizinische Bedeutung der Übung. „Es kommt darauf an, dass die Rettungskette mit all ihren Anteilen ineinandergreifend belastbar funktioniert“, erklärte der Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr.

Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann erklärt die Bedeutung der Übung.
Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann erklärt die Bedeutung der Übung.
Foto: CPM / Navid Linnemann

„Das heißt, dass die anbehandelten Soldaten, die vorne versorgt werden, zurückgeführt werden, hier aufgenommen werden, dann eine Verteilung stattfindet in die entsprechenden Behandlungseinrichtungen im Inland.“ Für Generaloberarzt Dr. Hoffmann ist Medic Quadriga mehr als eine Übung: „Nur so können wir beitragen zur Resilienz der Streitkräfte, zur Durchhaltefähigkeit der Streitkräfte.“

Und wie bei Pistorius schwingt auch bei Dr. Hoffmann die Abschreckungsdimension mit: „Es ist ein Zeichen an einen potenziellen Aggressor, dass wir als Deutschland, als Bundeswehr nicht alleine dastehen, sondern dass wir zusammenstehen und das Ganze als eine gesamtstaatliche Aufgabe verstehen.“

Kein PR-Akt, sondern Professionalisierung

Dass Medic Quadriga eine gesamtstaatliche Aufgabe ist, zeigte sich auch in der Beteiligung der zivilen Seite. Dr. Ina Czyborra, Gesundheitssenatorin von Berlin, war ebenfalls vor Ort. Sie machte unmissverständlich klar, was die Übung leistet und was sie nicht ist: „Die Medic Quadriga ist kein symbolischer Akt, in dem wir in irgendeiner Art und Weise PR betreiben, sondern es ist wirklich eine Übung.“

Dr. Ina Czyborra, Gesundheitssenatorin von Berlin, legt viel wert auf intensive Übungen.
Dr. Ina Czyborra, Gesundheitssenatorin von Berlin, legt viel wert auf intensive Übungen.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Es gehe nicht um Dramatisierung, sondern um Professionalisierung – und damit um Daseinsvorsorge: für die Bevölkerung ebenso wie für die Versorgung Verwundeter im Verteidigungsfall.

Czyborra betonte die gemeinsam entwickelten Strukturen: „Wir üben die verschiedensten Szenarien, Massenanfall von Verletzten sehr intensiv. Es kommt darauf an, das herauszufinden, was nicht funktioniert – wer was in welchem Fall zu tun hat, wer wo entscheidet. Bestimmte Debatten dürfen nicht erst im Krisenfall anfangen.“

Übung als Versprechen

Die Medic Quadriga 2026 ist mehr als ein militärischer Stresstest. Sie ist ein öffentliches Bekenntnis: Deutschland übt ernsthaft, Deutschland bereitet sich vor – und Deutschland versteht Landesverteidigung als gemeinsame Aufgabe von Militär, Hilfsorganisationen und Politik.

Die Kameraden hier im Bild tragen das Rote Kreuz als Schutzzeichen. In ihrer eigentlichen Verwendung sind sie Militärmusiker.
Die Kameraden hier im Bild tragen das Rote Kreuz als Schutzzeichen. In ihrer eigentlichen Verwendung sind sie Militärmusiker.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Das hier noch nicht alles reibungslos funktioniert, ist dabei allen Beteiligten klar. Eine Übung sei schließlich zur Erkennung von Mängeln und zur Verbesserung des Geübten da. Sprach man heute in Berlin jedoch mit einer Führungsebene unterhalb der bisher genannten, so bekam man zu hören, dass in den vergangen Tagen tatsächlich schon sehr vieles sehr gut funktioniert habe.

Ob es reicht, wenn der Ernstfall wirklich eintritt, wird sich hoffentlich nie zeigen müssen. Aber dass geübt wird, ist bereits Teil der Antwort.

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