Sicherheit in der Logistik: Neue Richtlinie 2700

Anfang Juni führte die SpanSet GmbH & Co. KG zusammen mit dem TÜV und weiteren Partnern eine Veranstaltung zum Thema Sicherheit beim Fahrzeugtransport durch. Denn dort wird es in naher Zukunft bei der Ladungssicherung signifikante Änderungen für die Logistik geben. Und Sicherheit geht uns alle an.

Die neuen Regeln in der Logistik besitzen durchaus einige herausfordernde Elemente.
Die neuen Regeln in der Logistik besitzen durchaus einige herausfordernde Elemente.
Foto: A. Forkert/cpm Defence Network

Bei der Veranstaltung am 4. Juni 2024 zu der neuen Richtlinie für die Logistik ging es in erster Linie darum, zusammen mit dem TÜV und dem VDI-Arbeitskreis erst einmal Aufmerksamkeit zu generieren und das Thema breiter in die (Fach-) Öffentlichkeit zu tragen. Zurrsysteme für den Auto- und Lastkraftwagentransport müssen zukünftig neue Kriterien erfüllen.

Eine Herausforderung sind die sehr unterschiedlichen Auslegungen der aktuellen Fahrzeuge. Denn dieses macht auch das Abspannen und die Ladungssicherung immer schwieriger. Dabei sind nicht nur die Größen und Gewichte der Fahrzeuge zu betrachten, sondern auch die sehr unterschiedlichen Reifengrößen – Vergleich Fiat 500 mit einem SUV – oder das Aufkommen der e-Mobilität sind wichtige Faktoren bei der neuen Bewertung.

Als weitere Herausforderungen kommen Fahrzeuge mit aktiven Federsystemen und Luftfederungen hinzu. Die Sicherungssystemen müssen daher auch eine entsprechende Flexibilität und Variabilität bieten, zum Beispiel im Bezug auf die Reifengröße. Denn trotz unterschiedlichster Reifengrößen muss durch den Controller immer 180 Grad des Reifens abgedeckt werden.

Die VDI-Richtlinie 2700

Der Auslöser für die jetzigen Veränderungen ist aber vor allem das angepasste Regelwerk des VDI. So wurde die VDI-Richtlinie 2700 Blatt 8 ff. (Blatt 8.1 (Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen – Sicherung von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen auf Fahrzeugtransportern) und 8.2 (Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen – Sicherung von schweren Nutzfahrzeugen auf Fahrzeugtransportern)) überarbeitet. Diese befassen sich mit der Ladungssicherung von PKW und LKW. Hinzu kommt §22 STVO als maßgebliches Regelwerk.

Die Richtlinie 2700 ist aber nur die wichtigste, wenn es um den Transport von Fahrzeugen geht, denn insgesamt gibt es rund 22 VDI-Richtlinien zum Thema Ladungssicherung. Diese Richtlinien sind zwar keine Gesetzte, sind aber ein/das anerkannte Regelwerk für den Gesetzgeber und Gerichte.

Die Überarbeitung geschah jetzt über Jahre hinweg. Neben den Vertretern des VDI wurden im Verlauf auch Aufbautenhersteller, Zurmittelhersteller (wie SpanSet), PKW- und LKW-Hersteller, Transportunternehmen, Unternehmen aus der Logistik, Berufsgenossenschaften und Prüfgesellschaften.

Änderungen für die Logistik

Aber was sind die aktuellen Veränderungen? In der überarbeiteten Version gibt es jetzt erstmalig auch Vorgaben für die Fahrbahnelemente und die Radvorleger, denn diese fehlten bisher. Und es wurden nur die Einzelkomponenten betrachtet, jetzt wird alles kombiniert als Gesamtsystem bewertet.

Die Verladeposition der Fahrzeuge und der Anstellwinkel spielen jetzt eine gewichtige Rolle. Auch das Transportverfahren gehen in die Bewertung ein. Die Fahrbahnoberfläche wurden bewertet im Hinblick auf Reibbeiwerte. Zudem beinhalten die neuen Vorgaben Definitionen für Radvorleger, Fahrbahnelement, und vieles mehr.

Alles wurde berechnet oder über Tests und dynamische Prüfungen ermittelt worden. Gurte, Radvorleger, Controller, Haken und Spannelemente bilden ein Gesamtsystem in der Logistik. Zudem wurden Gurt und Haken zusammen mit den Befestigungsblechen als Gesamtsystem gesehen. Gerade die Bleche zur Befestigung der Haken dürfen nicht beschädigt werden. Daher hat SpanSet auch neue Haken entwickelt, die das Blech nicht beschädigen aber dennoch für eine sichere Befestigung sorge. Der Snake Hook (SH50 & SH35) und der 45° Hook (FH35 & FH50) sind patentiert und sorgen für eine Schonung der Bleche. Denn sie wirken bei der Kraftübertragung über eine größere Fläche und nicht nur punktuell.

Eine weitere Neuentwicklung ist der Tension Force Indikator (TFI). Der TFI zeigt schnell und auf einfache Weise, ob der Spanngurt korrekt vorgespannt ist. Dies gibt dem Nutzer mehr Sicherheit, beschleunigt seine Arbeit und ermöglicht auch den Sicherheitsbehörden eine einfachere und schnellere Kontrolle.

Der TFI wurden für 20.000 Zyklen getestet. Für die Systeme zur Transportsicherung von PKW wurde eine notwendige Vorspannkraft (STF) von 330 daN und für LKW von 500 daN ermittelt. Ebenfalls neu ist die Base Clamp. Der fest mit der Ratsche verbundene Base Clamp liegt vollflächig auf und sorgt für die optimale Kraftverteilung. Selbst bei hohen Belastungen wird eine Verformung des Lochblechs vermieden.

Einführung von Controlllern

Neu ist zum Beispiel die Einführung von sogenanntem Controller. Diese lassen die Gurte über den Reifen „gleiten“. Daher wurde auch ein Eta-Wert der Zuggurte mit Controller auf ≥0,5 festgelegt. Auch die Dehnung wurde festgelegt. Und da höhere Spannkräfte notwendig sind, werden an den Spanngurten auch größere Ratschen eingesetzt. SpanSet bietet den Controller in zwei Varianten, als Standard und Vario Controller.

Das Ziel der Arbeitsgruppe war der Ansatz, den Transport von PKW sowie LKW auf Fahrzeugtransportern in seine Bestandteile zu zerlegen und diese Bestandteile, bestehend aus Transportfahrzeugen, Ladungssicherungsmittel sowie dem zu transportierenden Fahrzeugen, so zu definieren, dass nachvollziehbare sowie umsetzbare Ladungssicherungsmethoden für die Logistik abgeleitet werde können.

Abspannen mit Umlenkhaken und Controller.
Abspannen mit Umlenkhaken und Controller.
Foto: A. Forkert/cpm Defence Network

Unterm Strich werden neben neuen Aspekten – z.B. Controller – auch mehr Ladungssicherungselemente (Gurte, Radvorleger, Gurte, etc.) notwendig. Denn es werden mehr Sicherungen an mehr Rädern notwendig. Und damit mehr Keile, Gurte, Radvorleger, etc. Denn so werden die Bleche geschont bzw. nicht überlastet. Denn ansonsten können diese die benötigten Kräfte nicht mehr aufnehmen.

Keinen Bestandsschutz für Lkw

Und vielleicht das Entscheidende: Wenn die neue Richtline veröffentlicht wird, ist sie sofort gültig. Es wird keine Übergangsfristen geben. Und sie gilt dann für alle. Laut Aussage vor Ort wird damit gerechnet, dass dies im September 2024 bereits der Fall sein soll. Zudem wird es keinen Bestandsschutz geben. Für keinen der Laster.

Die LKW-Hersteller haben angekündigt, die Fahrzeuge 12 Jahre und jünger zu testen und nachzuzertifizieren. Die neue Richtline gilt für Alle in der Logistik, also privat und Gewerbetreibende und für Fahrzeuggewichte von 0 bis 22 Tonnen. Neben PKW und LKW auch für Wohnmobile.

Die Bereiche Traktoren, Baumaschinen, etc. wird noch überlegt und geprüft. Und die jährliche Prüfung der Zertifizierung/Herstellernachweis wird kommen, völlig unabhängig von der Hauptuntersuchung beim TÜV/Dekra. In Zukunft sollen wohl auch verpflichtende jährliche Prüfungen der Spanngurte erfolgen, nicht nur Sichtprüfungen wie bisher.

SpanSet

Die Firma produziert in Deutschland, Ungarn und China. Die Produktion findet jeweils nach den Wünschen der Kunden und den gesetzlichen Vorgaben. Insgesamt unterhält die Firma Standorte in 18 Ländern, aber über Partner und Beteiligungen ist man weltweit tätig. Zum Beispiel durch 22 Produktions- und Vertriebsgesellschaften, mit rund 1.000 Mitarbeitern. SpanSet bietet alles aus einer Hand: Entwicklung und Herstellung sowie Ausbildungen, Tagungen und Workshops.

Neben Materialien und Ausbildungen zur Ladungssicherung werden auch Hebemittel bis zu einer Traglast von 500 Tonnen und Produkte zur Höhensicherung (Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz, PSAgA) von SpanSet hergestellt und angeboten. Mit SpanSet, der SpanSet secutex Sicherheitstechnik GmbH und Axzion werden drei Geschäftsfelder bedient. Dabei deckt die Firma das gesamte Gebiet des Sicherheitsmanagement ab.

Bei dem Unternehmen handelt es sich um einen typisch deutschen Mittelständler mit Standorten in Übach-Palenberg, Geilenkirchen und Neustrelitz sowie im Ausland. An den deutschen Standorten wird ebenfalls alles aus einer Hand angeboten: Weberei, Beschichtungen, Stahl- und Maschinenbau. Alle Anteile die für das Thema Ladungssicherung notwendig sind.

Die Produktlinien CarFix und TruckFix wurden durch SpanSet bereits nach den neuen Richtlinien hin angepasst.

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