Was haben Sprichwörter über Karotten, Fische und Vögel beim WhatsApp-Kanal „Personal Bundeswehr“ verloren? Die kurze Antwort lautet: Nichts. Dennoch widmete das hauptamtliche Pressepersonal der Truppe diesem Thema im Oktober 2026 gleich mehrere Beiträge. Warum schreibt WhatsApp-Kanal der Bundeswehr ausgerechnet über Wurzelgemüse, während die Welt brennt?

Gleich mehrere Posts – am 6., 12. und 20. Oktober – veröffentlichte „Personal Bundeswehr“ über fremdsprachige Redewendungen. Die Serie soll … ja, was eigentlich? Im begleitenden Text heißt es schlicht „Sprache und Verständigung sind auch bei der Bundeswehr wichtig.“ Einen inhaltlichen Bezug zu Militär oder Personalwesen suchte man bei Sprichwort und Erklärung vergeblich.
Es ging (bisher) um gekochte Karotten, schwimmende Fische und gesellige Vögel. Angesichts der sicherheitspolitischen Lage überrascht dieser Mangel an relevanten Inhalten. Das eigentliche Problem ist jedoch, dass diese Beiträge letztlich durch Steuergelder finanziert werden. Lohnen sich da die Kosten für Personal und Zeit, die für Sprichwörter statt für wesentliche Informationen aufgewendet werden?
Social Media bei der Bundeswehr
Allein bei WhatsApp unterhält die Bundeswehr mehrere Kanäle, die jeweils von einem Presseoffizier geführt und gefüllt werden – besoldet irgendwo zwischen A9 oder A14. So kommt der Kanal „Bundeswehr“ beim Messengerdienst 147.703 Follower, der Kanal „Bundeswehr Karriere“ 48.595 Follower. „Personal Bundeswehr“ kommt allerdings nur auf 7.663 Follower (Stand Ende Oktober 2026).
Dabei stellt sich die Frage, ob es sich lohnt, einen zusätzlichen eigenen Kanal für den Bereich Personal, der zur Bundeswehrverwaltung gehört, zu unterhalten. Welche Personen werden zusätzlich erreicht, wenn von rund 50 Millionen WhatsApp-Nutzern in Deutschland knapp 8.000 dem Bereich Personal folgen und hier durchschnittlich pro Beitrag magere 50 Reaktionen hinterlassen.
Die Bundeswehr betreibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Social-Media-Auftritten. Dazu zählen beispielsweise Instagram, Facebook und YouTube zur allgemeinen Information. Zur Nachwuchsgewinnung werden noch zusätzlich Xing, Snapchat, TikTok und LinkedIn mit Inhalten gefüttert. Für die Erstellung der Inhalte sind die Redaktion der Bundeswehr, der Stab Informationsarbeit im BMVg und die Presse- und Informationszentren (PIZ) zuständig. Hier entstehen durch das hauptamtliche Pressepersonal die Beiträge für die unterschiedlichen Social-Media-Kanäle.
Bundeswehr auf WhatsApp: Rückbesinnung statt Wildwuchs
Vielleicht wird es Zeit, dass der Präsident des Bundesamtes für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) in Köln einen Blick auf den hauseigenen Kanal wirft. Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag. Relevante Informationen ließen sich ohne Qualitätsverlust auf dem Hauptkanal „Bundeswehr“ bündeln.
Wenn staatliche Kanäle anfangen, Beiträge zur Wortbedeutung von Redewendungen zu verfassen, verfehlen sie ihren Zweck. Weder die Informationspflicht noch die Nachwuchsgewinnung rechtfertigen diesen Wildwuchs. In Zeiten knapper Kassen und einer zunehmenden äußeren Bedrohung gehört der Fokus zurück auf die eigentlichen Aufgaben.
Text: Redaktion / Demosthenes’ Querschläger
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