Die Brigade Litauen wächst weiter: Fast 80 Prozent der Stellen sind bereits freiwillig besetzt, in Litauen selbst liegt die Quote bei 92 Prozent. Verteidigungsminister Pistorius kündigt für wenige Mangelbereiche zusätzlich verpflichtende Maßnahmen an, um die volle Einsatzbereitschaft bis Ende 2027 sicherzustellen.

Die Brigade Litauen wächst nach Angaben der Bundeswehr stetig und soll rechtzeitig bis Ende 2027 als Kampftruppenbrigade an der NATO-Ostflanke voll einsatzbereit sein.
Pistorius: Infrastruktur, Material und Personal stehen rechtzeitig bereit
Bundesminister Boris Pistorius erklärte dazu: „Keine drei Jahre nach der ersten Ankündigung steht heute fest, dass die Brigade Litauen wie geplant Ende 2027 ihren Einsatz an der NATO-Ostflanke aufnehmen wird. Infrastruktur, Material und Personal werden rechtzeitig bereitstehen, damit die erste voll kampfbereite Brigade der Bundeswehr im Ausland einsatzfähig ist. Das gilt von den Unterkünften für die Truppe genauso wie für die deutsche Auslandsschule der Bundeswehr bis hin zum Kampfpanzer.“ Dies sei ein beeindruckendes Ergebnis der engen Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften und der Bundeswehrverwaltung, so Pistorius weiter. Sein Dank gelte insbesondere den Bereichen Aufwuchs und Streitkräfte im Bundesministerium der Verteidigung sowie dem Deutschen Heer. Es zeige, wie große Projekte erfolgreich bestritten werden könnten, wenn alle Bereiche an einem Strang zögen.
Fast 80 Prozent der Stellen freiwillig besetzt
Aktuell sind laut Bundeswehr bereits fast 80 Prozent der Stellen besetzt – ausschließlich durch Freiwillige. Damit konnten schon jetzt fast vier Fünftel der Gesamtpersonalstärke der Brigade Litauen in den verschiedenen Verbänden und Einheiten durch Freiwillige besetzt werden. Gemessen am großen zeitlichen Vorlauf und der teilweise hohen Spezialisierung der benötigten Soldatinnen und Soldaten sei dies ein großer Erfolg. Der Besetzungsstand des Anteils der Brigade, der sich bereits in Litauen befindet, liegt bei rund 92 Prozent.
Seit Ende April sei ein deutlicher Anstieg der Freiwilligenmeldungen und der daraus folgenden Dienstpostenbesetzungen von rund 20 auf rund 80 Prozent zu verzeichnen. Seit Mai haben sich demnach mehr als 2.500 Soldatinnen und Soldaten freiwillig gemeldet. Dies zeige, dass die Attraktivitätsmaßnahmen griffen und der Besetzungsprozess erfolgreich laufe. Es sei damit zu rechnen, dass sich auch in den nächsten Wochen und Monaten weiterhin Soldatinnen und Soldaten freiwillig melden würden. Das Freiwilligkeitsprinzip bleibe unverändert die Handlungsmaxime. Die Entwicklung sei eine Leistung der gesamten Bundeswehr, da Personal aus allen Teilstreitkräften und Organisationsbereichen für die Brigade Litauen gewonnen werden konnte.
Ergänzend verpflichtende Maßnahmen ab sofort
Deutschland stehe zugleich zu seinem Wort als verlässlicher Bündnispartner: Für ihren Auftrag Verteidigung und Abschreckung an der Ostflanke müsse die Brigade Litauen bis Ende 2027 voll einsatzbereit sein. Wie von Bundesminister Pistorius bereits angekündigt, kommen daher neben der weiteren Freiwilligenwerbung für wenige Bereiche ab sofort auch ergänzend verpflichtende Maßnahmen zum Einsatz. Damit solle über ein Jahr vor der geplanten vollen Einsatzbereitschaft die personelle Absicherung erfolgen.
Ähnlich der Lage auf dem zivilen Arbeitsmarkt gebe es auch in der Bundeswehr Verwendungen, die mit langer Qualifizierung verbunden und naturgemäß weniger verfügbar seien, etwa in der Logistik oder der Informationstechnik. In diesen Mangelbereichen sollen daher auch Kurzzeitkommandierungen, Rotationsmodelle und dienstliche Kurzzeitaufenthalte geprüft werden – etwa der Fall eines Schiffskochs, der bei einem längeren Werftaufenthalt seines Schiffes dort nicht benötigt wird und für einige Monate auf Kommandierungsbasis in Litauen eingesetzt werden könnte. Auf diese Weise sollen Funktionsfähigkeit und Einsatzbereitschaft der Brigade ebenso wie die von Verbänden und Einheiten in Deutschland sichergestellt werden. Nach aktuellen Prognosen und angesichts weiterhin erwarteter Freiwilligenmeldungen werde der Anteil der Verpflichtungen voraussichtlich nur noch im mittleren dreistelligen Bereich liegen.
Die verpflichtenden Besetzungen erfolgten in enger Abstimmung mit den militärischen Organisationsbereichen und stets mit Blick auf den gesamten deutschen Beitrag im Bündnis. Der Erhalt der Einsatzbereitschaft der Bundeswehr habe oberste Priorität und sei bei allen Maßnahmen das entscheidende Bewertungskriterium. Bei allen zu treffenden Entscheidungen sollen die persönlichen Belange der Soldatinnen und Soldaten so weit wie möglich Berücksichtigung finden. Gleichwohl gelte: Einsatzbereitschaft gehe im Zweifel vor Freiwilligkeit.
Hintergrund: Leuchtturmprojekt der Zeitenwende
Die Stationierung der Brigade in Litauen ist laut Bundeswehr das Leuchtturmprojekt der Zeitenwende und ein deutliches Zeichen von Deutschlands Bündnissolidarität im Einklang mit den Verteidigungsplänen der NATO. Deutschland übernehme damit Verantwortung innerhalb der NATO; die Aufstellung stärke die Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeit des Bündnisses und insgesamt die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr. Bis Ende 2027 sollen rund 4.800 Soldatinnen und Soldaten sowie 200 zivile Mitarbeitende vor Ort sein.
Die Aufstellung der Brigade Litauen erfolgt sowohl durch die Verlegung bestehender Truppenteile – dem Panzerbataillon 203 und dem Panzergrenadierbataillon 122 – als auch durch Neuaufstellungen, die seit dem 1. April 2026 für das Panzerartilleriebataillon 455, das Versorgungsbataillon 456, die Panzerpionierkompanie 45 sowie die Aufklärungskompanie 45 angestoßen wurden.
Quelle: Bundesministerium der Verteidigung
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