UDCG: Pistorius verspricht Munition für ukrainische Luftverteidigung

Bei der jüngsten Videokonferenz der Ukraine-Kontaktgruppe (UDCG) hat sich das auch Ramstein-Format genannte Gremium erneut als verlässlicher Rahmen für westliche Unterstützung der Ukraine erwiesen – zumindest, wenn es um Zusagen geht. So kündigte beispielsweise der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius ein neues Paket zur Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung an.

Boris Pistorius spricht bei der UDCG
Statement von Verteidigungsminister Boris Pistorius (Archivbild)
Foto: Bundeswehr / Torsten Kraatz

Russland verstärkte erst vergangene Nacht wieder seine Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen auf die Ukraine – just nach der ergebnislosen Abreise der US-amerikanischen Unterhändler. Doch in jüngster Zeit wurden diese Angriffe aus der Distanz zu einem echten Problem für die Ukraine: Aufgrund knapper Bestände an Abfangraketen für Patriot und Co steht Kyjiw gegenüber ballistischer Raketen relativ blank dar.

Grund genug, vor dem heutigen Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe (Ukraine Defence Contact Group, UDCG) Druck zu machen und vehement um Lieferungen für die Abwehr von Bedrohungen aus der Luft zu bitten (Defence Network berichtete). Mit Erfolg, wie nach dem Treffen um 14 Uhr Londoner Zeit deutlich wird.

Neue deutsche Hilfen für die Ukraine

„Anfang August wurde der Flughafen Leipzig von Drohnen angegriffen, die Sprengstoff geladen hatten“, erinnerte Minister Pistorius bei der Eröffnung des heutigen Treffens der Ukraine-Kontaktgruppe.

Zwei Luft-Luft-Lenkflugkörper der Sidewinder-Familie: AIM-9L/I-1 (oben) und eine AIM-9M-8/9 (unten).
Zwei Luft-Luft-Lenkflugkörper der Sidewinder-Familie: AIM-9L/I-1 (oben) und eine AIM-9M-8/9 (unten).
Foto: Wikimedia / Stahlkocher / CC BY-SA 3.0

„Diese Einschüchterungsversuche“, so der Minister weiter, „werden jedoch nicht das beabsichtigte Ergebnis erzielen. Sie werden weder in der Ukraine noch in Deutschland oder irgendeinem anderen Land funktionieren. Ganz im Gegenteil: Russlands rücksichtsloses und unverantwortliches Verhalten bestärkt uns in unserer Entschlossenheit, Frieden und Freiheit in Europa zu verteidigen.“

Aus dieser Motivation heraus verkündete Pistorius weitere umfangreiche Waffenlieferungen an die Ukraine, damit diese sich angemessen gegen russische Angriffe verteidigen könne.

Konkret verkündete Pistorius die Lieferung dringend benötigte PAC-2-Abfangraketen aus Beständen der Bundeswehr. Auch würde Deutschland seine Lieferungen von AIM-9 Luft-Luft-Raketen aus Bundeswehrbeständen erhöhen und für die Ukraine mehrere Tausend zusätzliche IRIS-T-Lenkflugkörper bei Diehl Defence bestellen – finanziert aus dem EU-Ukraine-Verteidigungskredit. Stückzahlen nannte der Minister nicht.

Neben Patriot ist das deutsche System IRIS-T von Diehl Defence eine erfolgreiche Möglichkeit der Luftverteidigung in der Ukraine.
Neben Patriot ist das deutsche System IRIS-T von Diehl Defence eine erfolgreiche Möglichkeit der Luftverteidigung in der Ukraine.
Foto: Sascha Schuermann

Für Diehl Defence sind das gute Nachrichten. „Diese umfangreiche Beschaffung bedeutet, dass die Produktionsmengen der Raketen durch die Einrichtung einer weiteren Produktionslinie gesteigert werden können“, erklärte Pistorius. Zusätzlich will Deutschland mehrere Zehntausend Schuss weitreichende Artilleriemunition finanzieren, die in Zusammenarbeit mit Großbritannien beschafft und an die Ukraine geliefert werden sollen.

Großbritannien legt nach

Auch Großbritannien legte nach: Bereits vor dem Treffen der UDCG sagte London gegenüber Kyjiw ein Rüstungspaket im Umfang von 100 Millionen Pfund zu, das ebenfalls konkret die Luftverteidigung stärken soll. Noch vor dem Winter solle Kyjiw Patriot-Raketen, großkalibrige Artilleriegeschosse und Drohnen erhalten.

Die Hilfe soll über den PURL-Mechanismus („Prioritised Ukraine Requirements List“) laufen, bei dem in den USA hergestellte Munition und Waffen an europäische Verbündete und Kanada verkauft werden, die sie dann an die Ukraine weiterreichen.

Neue Gesichter in der UDCG

Geleitet wurde die mittlerweile 36. Sitzung der UDCG von Pistorius – gemeinsam mit dem neuen britischen Verteidigungsminister Wes Streeting. Für ihn und den ukrainischen Verteidigungsminister Jewhenij Chmara war es die erste Teilnahme. Auch beim digitalen Treffen dabei: NATO-Generalsekretär Mark Rutte und der US-Verteidigungsstaatssekretär Elbridge Colby.

Aller Zusagen zum Trotz bleibt die Frage, wie schnell die Hilfen auch tatsächlich geliefert werden. Gerade wenn es um neue Produktionen geht, bei denen entsprechende Produktionslinien noch aufgebaut werden müssen, dürfte die Lieferung auf sich warten lassen. Anders könnte es bei den Abgaben aus Bundeswehr-Beständen sein.

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