Wie die Bundeswehr gestern offiziell bekannt gab, wird sie in die Beschaffung von Loitering Munition einsteigen. Einen konkreten Hersteller haben die deutschen Streitkräfte allerdings nicht im Blick, vielmehr sollen im ersten Schritt die Systeme vieler Hersteller in kleiner Stückzahl beschafft werden, um aus diesen im Rahmen einer Erprobung die besten Drohnen herauszufinden. Bisher waren der Bundeswehr solche Systeme – vor allem aus politischer Befindlichkeit – verwehrt gewesen.
„Die Beschaffung von Loitering Ammunition wird die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr deutlich stärken“, betont General Carsten Breuer, Generalinspekteur der Bundeswehr, zur nun anstehenden Beschaffung.
„Unbemannte Systeme sind fester Bestandteil im aktuellen Kriegsbild. Sie machen das Gefechtsfeld zunehmend gläsern und sie werden zum Massenverbrauchsgut bei hoher Innovationsdynamik. Das Surren am Himmel diktiert Aktionen am Boden“, führt General Breuer weiter aus. „Der Einsatz wie die Abwehr von Drohnen ist für unsere Soldatinnen und Soldaten überlebenswichtig. Unbemannte Systeme sind ein Schlüsselinstrument, sie erhöhen die Durchsetzungsfähigkeit und Effektivität der Truppe. Ihr Einsatz im Verbund kann gefechtsentscheidend sein.“
Bundeswehr-Definition Loitering Munition
Die Bundeswehr definiert die nun zu beschaffende Systemart wie folgt: „Sie kann selbstständig in ein Gebiet fliegen, sich dort über mehrere Stunden in der Luft aufhalten und nach geeigneten Zielen suchen. Erkennt die Drohne dann ein Objekt, wird durch einen Soldat oder eine Soldatin eine Freigabe erteilt, bevor sie das Ziel auch tatsächlich bekämpfen kann. Es handelt sich also um teilautonome Systeme – der Mensch behält immer die Kontrolle.“
Im Gegensatz zu den großen unbemannten Systemen wie etwa der Heron TP handelt es sich – wie Munition – um ein Verbrauchsgut. Dieses würde dann in großen Stückzahlen beschafft und eingelagert werden. Die Bundeswehr beschreibt als aktuellen Sachstand zur Beschaffung der Loitering Munition: „In einem ersten Schritt werden jetzt solche Drohnen in kleineren Stückzahlen eingekauft, um die Systeme zu erproben. Dazu werden Produkte verschiedener Hersteller beschafft, die unter anderem bereits in der Ukraine im Einsatz sind.“
Tests von israelischer Loitering Munition
Es ist allerdings nicht der erste Test von Loitering Munition durch die Bundeswehr. Bereits am 3. Mai 2023 sagte der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Hitschler auf eine Bundestagsanfrage: „Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr führt derzeit eine Studie zur Erstellung einer Strategie für Loitering Munition mit dem Auftragnehmer AMDC GmbH durch. Aus der im Rahmen der Studie durchgeführten Marktsichtung resultierte die Beschaffung von drei Systemen unterschiedlicher Hersteller (Rafael Advanced Defense Systems Ltd., Israel Aerospace Industries Ltd. und UVision Air) zur weiteren Begutachtung. Eine Erprobung der Systeme hat zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht stattgefunden.“
Nun müsste die Bundeswehr allerdings nicht unbedingt ausländische Systeme beschaffen, um ihren Bedarf zu decken. Mittlerweile haben auch deutsche Unternehmen unbemannte Systeme, Drohnen und Loitering Munition, in die Ukraine geliefert. Die Bundeswehr könnte also auf ein entsprechendes Angebot aus heimischer Produktion zurückgreifen. Zudem bestehen mit den Test- und Versuchsverbänden des Heeres auch entsprechende Möglichkeiten auf Seiten der Streitkräfte.
Es bleibt allerdings abzuwarten, wie dies am Ende konkret durch die Beschaffer umgesetzt wird, ob die Tests der israelischen Loitering Munition oder eventuelle Tests deutscher Systeme durch Heeresverbände den Ausschlag geben. Die Forderungen nach einer Flexibilisierung der deutschen Beschaffungspraxis existierten schließlich bereits seit Jahren.
So forderte erst im Februar der Inspekteur Heer, Generalleutnant Alfons Mais, mehr Einfluss für die Nutzer. Im Interview mit CPM Defence Network sagte Generalleutnant Mais: „Die dezentrale Beschaffung von Drohnen zu Übungs- und Ausbildungszwecken ist ein Einstieg. Ich möchte, dass Truppe und Industrie mehr und direkter miteinander reden. Das hilft dabei, auch das Richtige und Nötige schnell zu beschaffen. Gerade bei Drohnen, wo Entwicklungs- und Herstellungszeiten extrem kurz sind, bieten sich so viele Chancen.“
Nun steht also die Beschaffung verschiedener Loitering Munition zu Testzwecken an. Der Generalinspekteur der Bundeswehr lobte abschließend: „Diese Beschaffung ist ein erster, wichtiger Schritt, der uns in nur wenigen Monaten gelungen ist.“
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