Das Heer lernt den Tiefschlag

Navid LinnemannNavid Linnemann

Laut einer aktuellen Meldung der Deutschen Presse Agentur habe sich das Heer entschieden, eigene Fähigkeiten im Bereich Deep Precision Strike aufzubauen. Zwei marktverfügbare Systeme kämen dafür infrage, deren Auslieferung bereits im kommenden Jahr beginnen könnte. Mit der angestrebten Tiefschlagfähigkeit würde das Heer innerhalb einer Woche die geplante eigene Reichweite zum zweiten Mal steigern.

Vergangene Woche auf dem Truppenübungsplatz Bergen verkündete der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding (l.) noch die Reichweitensteigerung des Heeres auf rund 500 Kilometern. Beim FKH in dieser Woche sprach er vom Tiefschlag für das Heer durch Marschflugkörper.
Vergangene Woche auf dem Truppenübungsplatz Bergen verkündete der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding (l.) noch die Reichweitensteigerung des Heeres auf rund 500 Kilometern. Beim FKH in dieser Woche sprach er vom Tiefschlag für das Heer durch Marschflugkörper.
Foto: CPM / Navid Linnemann

„Wir werden damit Ziele in einer Tiefe von etwa 1.500 Kilometern massiert bekämpfen, gegnerische Flugabwehrsysteme übersättigen können“, zitiert eine dpa-Meldung Generalleutnant Dr. Christian Freuding aus einem Redemanuskript.

Der Inspekteur des Deutschen Heeres soll diese Rede vorgestern Abend beim Parlamentarischen Abend des Förderkreises des Heeres in Berlin gehalten haben. Die Aussage passt zu seinem Besuch in Leipzig am Montag (Defence Network berichtete). Dort hatte das noch junge Unternehmen Covenant eine neue Produktionsstätte für vergleichsweise günstige Marschflugkörper eröffnet.

Mit solchen kostengünstigen Systemen für den Masseneinsatz soll das Heer ausgestattet werden. Reichweiten im vierstelligen Bereich sind ein Novum für das Heer. Bisher waren für weitreichende Angriffe die Luftstreitkräfte verantwortlich.

Reichweitensteigerung für das Heer

Zu Land kämpfte die Truppe mit Artillerie auf Entfernungen von unter 80 Kilometern. Auch die bisher von der Bundeswehr beschafften Systeme der Kategorie Loitering Munition erreichen Distanzen um die 100 Kilometer.

So könnte die Konfiguration von Tomahawks für das Heer aussehen.
So könnte die Konfiguration von Tomahawks für das Heer aussehen.
Foto: Lockheed Martin

Im Rahmen des vergangene Woche vorgestellten Plans zur Aufstellung eines Drohnenregiments nannten Verteidigungsminister Boris Pistorius und Generalleutnant Freuding noch eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern (Defence Network berichtete).

Laut dpa nannte Generalleutnant Freuding die Sättigung der gegnerischen Luftverteidigung und „hochwertige Wirkmittel für Ziele von strategischer Bedeutung“ als Fähigkeitsziele des Heeres. Aus Teilnehmerkreisen der Veranstaltung erfuhr Defence Network zudem, dass der Heeresinspekteur explizit auch über Tomahawk-Marschflugkörper aus den USA sprach. Bisher wurde nicht öffentlich bekannt, welcher Truppengattung die 400 zu beschaffenden Cruise Missiles zugeordnet werden.

Tiefschlag: Zwei marktverfügbare Systeme kommen in Frage

Laut dpa soll Generalleutnant Freuding zudem zwei marktverfügbare Systeme für die Beschaffung als sogenannte „low cost cruise missiles“ genannt haben. Eines davon: der bereits angesprochene Anthem von Covenant.

Zwei militärische Flugkörper auf gelben Transportgestellen in einer Industriehalle mit Studiobeleuchtung und Absperrband
So sollen die in Leipzig produzierten Anthem-Marschflugkörper von Covenant aussehen.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Laut Hersteller liegt dessen Preis in einem mittleren sechsstelligen Bereich. Das Unternehmen plant, im kommenden Jahr 1.000 Stück davon in Leipzig zu produzieren. Ab 2028 sollen dann 5.000 Anthems jährlich gebaut werden.

„Ein erster Zulauf ab 2027“, so der Heeresinspekteur laut dpa“, ist damit grundsätzlich möglich, und wir wollen das auch erreichen“.

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