Diehl Defence: Entwicklungen zur Zukunft des Luftkampfes

Der Luftkampf befindet sich in einem stetigen Wandel, geprägt von technologischen Innovationen und neuen strategischen Herausforderungen. Dieser Gastbeitrag von Dirk Krogmann, Leiter Neue Technologien bei Diehl Defence, erläutert die aktuellen Entwicklungen, Forschungsprojekte und Möglichkeiten im Bereich der unbemannten Systeme und Effektoren. Der Artikel erschien zuerst im CPM Forum 6/2025.

Kriegführung mit Drohnen, hier ein Beispiel für vernetzte Bewaffnung im Luftkampf.
Kriegführung mit Drohnen, hier ein Beispiel für vernetzte Bewaffnung im Luftkampf.
Bild: Diehl Defence

Zukünftige Bedrohungen im Luftkampf werden durch fortschrittliche Waffensysteme, autonome Drohnen und neue Angriffsstrategien verstärkt werden, was die Sicherheit und Effektivität der Streitkräfte erheblich beeinflussen kann. Es ist entscheidend, die eigenen Bekämpfungsstrategien an die geänderten Bedrohungen anzupassen und die eigenen Waffensysteme entsprechend weiterzuentwickeln.

Eine besondere Herausforderung stellen Angriffe mit vielen Effektoren gleichzeitig dar. Beispielhaft sind hierfür die regelmäßigen Shahed-Angriffe in der Ukraine zu nennen. Um einer Sättigung der eigenen Waffensysteme entgegenzuwirken, müssen Verfahren zur dezentralen Missionsdurchführung entsprechender Abfangeffektorgruppen entwickelt werden.

Aktuell in der Nutzung befindliche Systeme sind in der Regel für den sogenannten „One on One“-Fall konzipiert. Ein Effektor wird zum Launch-Zeitpunkt einem Ziel zugewiesen. Mehrere Effektoren gegen mehrere Ziele werden übergeordnet betrachtet (in Einsatzplanung und in der Feuerleitung). Hierzu ist eine anspruchsvolle Zwei-Wege-Kommunikation der Effektoren mit zentralem Leitstand erforderlich. Insbesondere auf lange Reichweite und/oder ohne direkte Sichtverbindung entsteht die Problematik der geringeren Datenrate, der großen Latenz und der unsicheren Verfügbarkeit. Hierdurch können sich unterschiedliche Probleme ergeben. Beispielsweise bekämpfen mehrere Effektoren irrtümlich dasselbe Ziel, bekämpfen sich gegenseitig, behindern sich gegenseitig oder Gegenmaßnahmen eines Einzelziels beeinflussen mehrere Effektoren gleichzeitig.

In einer modernen, vernetzten Welt ist die Fähigkeit zur Kooperation ein integraler Bestandteil der Flugkörperentwicklung. „One on One“ stellt lediglich einen Spezialfall von zukünftig „Many on Many“ dar: Die Feuerleitung weist zum Launch-Zeitpunkt einer Gruppe von Flugkörpern eine Gruppe von Zielen zu. Die Koordination erfolgt innerhalb des Effektorverbundes.

Neue Effektorverbünde im Luftkampf der Zukunft

Derzeit gängige Effektorsysteme, welche nach dem Prinzip „Lock on before Launch“ eingewiesen werden, folgen ihrem zugewiesenen Ziel im Rahmen des Bekämpfungsvorgangs, auch wenn in einem „Many on Many“-Szenario effektivere Bekämpfungsoptionen möglich wären.

Durch die Koordination innerhalb des Effektorverbundes kann die Bekämpfungseffizienz erheblich gesteigert werden. Beispielsweise sind Wechsel von Zielzuweisungen innerhalb des Effektorverbundes möglich. Hierdurch wird der Bekämpfungsradius erhöht und eine mögliche Behinderung der Effektoren untereinander vermieden.

Durch die Aufklärungssensorik wird die Art und Anzahl der Ziele an das Missionssystem gemeldet. Das Missionssystem wird wiederum mit Hilfe eines Waffenmanagers verschiedene Bekämpfungsoptionen, wie beispielsweise der Anzahl eigener Effektoren, in Abhängigkeit der gewünschten Kill-Probability anbieten. In Gegensatz dazu ist es in heutigen Systemen notwendig, allen Effektoren einzelne Ziele zuzuweisen. Dadurch ist eine parallele Bekämpfung wesentlich aufwändiger. Durch das Prinzip der Gruppenzuweisung wird die „Fire and Forget“-Fähigkeit auf „Many on Many“-Szenarien übertragen.

Diese Verfahren unterstützen sowohl Air-to-Air- als auch Air-to-Ground-Anwendungen. Während im Air-to-Air-Fall der Fokus auf Lösungen für hohe Relativgeschwindigkeiten liegt, steht im Air-to-Ground-Segment die Bodenzielerkennung und -übergabe im Vordergrund. Hinzu kommt die Berechnungslage angepasster Flugpfade. Dies beinhaltet Hindernisvermeidung, Vermeidung von Gefahrenzonen und Reduzierung der Entdeckbarkeit.

Einheitliche Schwärme der Effektoren

Um das Ziel der Effektorgruppen-Kooperationsfähigkeit zu erreichen, ist es notwendig, Effektoren mit unterschiedlichen Ausstattungen und damit heterogenen Fähigkeiten in einem Schwarm zu vereinen. Somit ist die Effektorgruppe mindestens so gut wie die Summe ihrer Teile, in der Regel jedoch besser.

Effektoren mit erweiterter Geolokalisierungsfähigkeit können beispielsweise durch die Kenntnis des Abstands und des Winkels zu Effektoren der eigenen Gruppe eine verbesserte Positionsbestimmung der gesamten Effektorgruppe generieren.

Effektoren mit hochwertiger Zielsensorausstattung können die Positionen aufgeklärter Ziele innerhalb der Effektorgruppe teilen. Effektoren mit geeigneten Gefechtsköpfen werden schlussendlich zur Bekämpfung dieser Ziele eingesetzt.

Durch eine angepasste Flugroute der nachfolgenden Effektoren wird eine erhöhte Durchsetzungsfähigkeit gegenüber Popup-Threats oder Störmaßnahmen erreicht.

Diese neue Komplexität und Zusammensetzung aller Funktionen der neuen Effektorgruppe will erprobt und maturiert werden. Der Weg zur Vernetzung bisheriger Effektorfähigkeiten und neuartiger Algorithmen wird hierzu mit Hilfe von entsprechenden Technologiedemonstratoren erprobt. Eine Technologie-Experimentalplattform ist das NEWT-T, das „Network Enabled Weapons Technologies – Testbed“.

 

Autor: Dirk Krogmann, Leiter Neue Technologien bei Diehl Defence

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