Australien enthüllte in dieser Woche drei bislang geheime Payloads für das gemeinsam mit Anduril entwickelte unbemannte U-Boot Ghost Shark: Seeminen, Logistik-Caches und einen Launcher für Altius-Drohnen. Letztere sorgen jetzt für eine neue Fähigkeit, zeigte ein heute Morgen veröffentlichtes Video.

Am Montag stellte Australien in der Anduril-Fabrik in Sydney drei bis dahin geheime Nutzlasten für die Unterwasserdrohne Ghost Shark vor. Die extragroße autonome Unterwasserdrohne ist damit mehr als ein Aufklärer.
Verteidigungsindustrie-Minister Pat Conroy brachte es auf eine knappe Formel: Der Ghost Shark habe jetzt „Zähne“. Ein Bild, das Anduril aufgriff und heute ein entsprechendes Video von Feuertests auf See veröffentlichte (siehe unten).

Drei Nutzlasten, zwei mit kinetischer Wirkung
Doch der Reihe nach: Bei den drei Nutzlasten handelt es sich um Seeminen, Logistik-Caches und einen Launcher für unbemannte Luftfahrzeuge vom Typ Altius.
- Seeminen: Der Ghost Shark kann bis zu zwölf Minen pro Einsatz ausbringen. Conroy bezeichnete Minen und Drohnen ausdrücklich als Fähigkeiten, die einen Gegner treffen können.
- Logistik-Caches: Die Behälter stammen von der australischen Defence Science and Technology Group (DSTG). Sie sollen dazu dienen, Ausrüstung verdeckt am Meeresboden abzulegen, etwa für die spätere Nutzung durch Spezialkräfte.
- Altius-Drohnen: Das Boot kann – so zeigt das Video – bis zu 12 Altius-Drohnen für Aufklärung und Angriff mitführen und ausbringen.
Die Nutzlasten seien nach geheimen Tests freigegeben worden und sollen die Fähigkeiten unbemannter Begleitboote wie dem Ghost Shark ausbauen, um Dinge zu tun, „die wir nicht Menschen machen lassen wollen“, so Conroy bei der Vorstellung.

Ein Teil der vorgestellten Fähigkeiten solle auch im Rahmen von AUKUS Pillar 2 mit den USA und Großbritannien getestet und den Partnernationen angeboten werden. Die Plattform bleibt dabei bewusst flexibel: Die Nutzlasten sind modular und sollen sich auch auf das größere australische LUUV Speartooth (das in Europa durch Eurobotics angeboten wird) und das Überwasserfahrzeug Bluebottle übertragen lassen.
Der Ghost Shark – eine Ansage
„Heute ist ein historischer Tag für die Royal Australian Navy“, so Conroy am Montag. „Heute ist der Tag, an dem das modernste, extragroße autonome Unterwasserfahrzeug der Welt, der Ghost Shark, seine Einsatzfähigkeit unter Beweis stellt und überall entlang unserer Küste eingesetzt werden kann, um potenzielle Gegner abzuschrecken.“

Ein Hinweis auf die Logistik hinter dem Ghost Shark, die ebenfalls Teil der Botschaft ist. Die Unterwasserdrohne lässt sich aus einem Schiffscontainer oder per Kran von einem Schiff aus einsetzen. Conroy zog daraus einen Abschreckungsschluss: Potenzielle Gegner müssten nun annehmen, dass jeder Container an einem australischen Kai eine bewaffnete Ghost Shark enthalten könnte.
Um dieses Abschreckungspotenzial zu entfalten, muss – für unbemannte Systeme üblich – auf Masse gesetzt werden. Der politische Rahmen dafür ist massiv. Australien investiert rund 1,7 Milliarden australische Dollar in die Flotte der Ghost Shark, das Programm läuft seit 2022 mit Anduril. Alle drei Entwicklungsprototypen wurden nach Angaben der Regierung im Budget und vor dem Zeitplan geliefert. Wie viele Systeme insgesamt vom Rahmenvertrag abgedeckt sind, ist nicht bekannt.
Auftauchen, ausfahren, starten
Mit Blick auf die Fähigkeit ist die Kombination aus Tauchfahrt und Luftschlag das australische Highlight. Wenn die Grenzen der Domänen verschwimmen, bietet sich für die Streitkräfte ein Vorteil. Um das zu erreichen, steuert Ghost Shark Unterwasser und möglichst verdeckt den Einsatzort an und taucht dann kurz auf. Der Launcher fährt aus, bis zu zwölf Drohnen vom Typ Altius (ebenfalls Anduril) starten. Anschließend kann das unbemannte U-Boot wieder abtauchen. Genau diese Fähigkeit zeigte Anduril im neuen Video.
Der Vorteil liegt auf der Hand. Das Boot ist elektrisch angetrieben und für lange Einsätze ausgelegt, ohne aufzutauchen. Anduril spricht von einer Reichweite im vierstelligen Meilenbereich. Der Ghost Shark kann deshalb weit entfernt vom eigenen Territorium operieren. Durch die erst dann eingesetzten Drohnen ändert sich nicht nur die Dimension, auch die Reichweite verlängert sich noch einmal. Aufklärung für Lagebilder und Wirkung aus der Luft bietet dem getauchten Boot einen bedeutenden Fähigkeitsgewinn.
Dabei ist die Technik nicht unbedingt neu: Altius wird seit Jahren aus röhrenförmigen Startgeräte von Hubschraubern und Schiffen gestartet, der Start von einem Unterwasserfahrzeug ist dagegen Neuland.
Ungeklärt ist auch die Kommunikation. Drohnenmutterschiffe – als das könnte man den Ghost Shark beim Altius-Einsatz bezeichnen – bieten für gewöhnliche eine Relais-Funktion mit der sich kleinere Drohnen/Loitering Munition steuern lässt. Abgetaucht kann diese Aufgabe jedoch nicht übernommen werden, sodass für die Steuerung der eingesetzten Flugdrohnen andere Kommunikationswege genutzt werden müssen.
Für eine stabile Kommunikation müsste das unbemannte U-Boot aufgetaucht bleiben – das aber soll aber kurz gehalten werden, um nicht zum kritischen Moment zu werden. Es ist die verwundbarste Phase. Offizielle Angaben, wie lange Ghost Shark für den Altius-Einsatz aufgetaucht bleibt, gibt es bislang nicht.
Die Altius-Familie
Mit der Altius bietet Anduril eine Familie von Drohnen an. Die zusammengeklappten Starrflügler lassen sich wie erwähnt von verschiedenen Plattformen aus einsetzen. Anduril bietet die Modelle Altius-600 und Altius-700 für Aufklärung und Überwachung an, die Varianten Altius-600M und Altius-700M werden hingegen als Loitering Munition eingesetzt.

Bei der derzeit für Ghost Shark angedachten Altius-600 verringern sich allerdings Flugzeit und Reichweite von rund 3,5 auf 1,5 Stunden bzw. 375 auf 160 Kilometer, wenn nicht die Aufklärungsvariante, sondern das Wirkmittel mit dem M-Zusatz zum Einsatz kommt.
Neben weiteren Tests steht für Anduril Australia und das australische Verteidigungsministerium jetzt auch der Export im Vordergrund. Nach Angaben von Entwickler und Hersteller gäbe es starkes internationales Interesse sowohl an der Plattform als auch an den gezeigten Payloads und den damit einhergehenden Fähigkeiten. Mindestens die USA und Großbritannien gehörten zu diesem Interessentenkreis.
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