Enforce Tac: „Gefordert sind modular, taktisch offen und mobil!“

Die Armoured Car Systems GmbH (ACS; Halle 7 Stand 649) aus dem schwäbischen Friedberg ist ein Spezialist für geschützte Fahrzeuge für Streitkräfte der Nato sowie der Polizei. Dabei spielt die Mobilität von Spezialkräften eine wichtige Rolle. ACS ist für seine ENOK-Familie bekannt und einer der wichtigsten Partner beim großen Fahrzeugprogramm CARACAL der Bundeswehr und des niederländischen Heeres. Interview mit Sebastian Schaubeck, Geschäftsführer der ACS Armoured Car Systems.

ENOK AB auf der Enforce Tac 2025. (Foto AF)
ENOK AB auf der Enforce Tac 2025.
Foto: CPM / André Forkert
Herr Schaubeck, was zeigt ACS auf der Enforce Tac 2025?

Wir zeigen unseren ENOK AB (Airborne) sowie unsere Hybridlösung MBB – eine Mischung aus Fahrzeugkoffer sowie -aufbau. Der MBB besteht aus den gleichen patentierten Aluminiumprofilen, wie unsere luftbeweglichen Fahrzeuge. Unser Ziel ist ein Grundaufbau für Offroad-Fahrzeuge, mit dem modular verschiedene Fähigkeiten abgebildet werden können: Sanität, Logistik, wir können aber auch Schutz oder Wirkung darstellen.

Rheinmetall CARACAL als Air Assault Vehicle, hier mit vier Starbehälternm für die HERO Loitering Munition auf der Eurosatory 2024.
Rheinmetall CARACAL als Air Assault Vehicle, hier mit vier Starbehälternm für die HERO Loitering Munition auf der Eurosatory 2024.
Foto: CPM / André Forkert
Die ACS ist einer der großen Partner beim CARACAL-Programm. Welche Anteile kommen von ACS und wie ist der Sachstand beim Projekt?

Der CARACAL besteht u. a. aus dem Fahrzeugaufbau der ACS. Der Aufbau besteht aus einer Bodenbaugruppe aus Panzerstahl und dem patentierten Modularen Space Frame. Kürzlich haben wir mit der Serienproduktion der Fahrzeugaufbauten begonnen. Nun haben wir eine funktionierende und industrialisierte Lieferkette, die kontinuierlich Produkte entstehen lässt. Die Bundeswehr hat genau das von der Industrie gefordert und die Industrie wird dieser Verantwortung gerecht.

Rheinmetall CARACAL als Air Assault Vehicle, hier mit vier Starbehälternm für die HERO Loitering Munition auf der Eurosatory 2024. (Foto- AF)
Rheinmetall CARACAL als Air Assault Vehicle, hier mit vier Starbehälternm für die HERO Loitering Munition auf der Eurosatory 2024.
Foto: CPM / André Forkert
Der Aufbau beim CARACAL ist ein wenig wie das LEGO-Prinzip. Wie kam ACS zu der Idee und welche Vorteile bringt so ein System mit sich?

Die Zeiten des IKM sind vorbei. Dabei konnten sich Soldaten auf Aufträge vorbereiten und auch deren Start bestimmen. Im LV/BV-Szenario geht das alles nicht mehr. Man muss flexibler werden und sich an die geänderten Bedingungen schnell anpassen. Genau das kann unser Aufbau. Der Aufbau ist Hilfe zur Selbsthilfe im Feld für die Soldaten.

Die Idee hatten wir schon länger. Wir wollten diese Idee beim Gesamtsystemdemonstrator (GSD) Luftbeweglicher Waffenträger (LuWa) umsetzen und eine sehr modulare Schnittstelle zwischen den Variante MK und LFK schaffen. Aber wir hatten damals nicht ausreichend Zeit.

ACS entwickelt, produziert und wartet auch Rüstsätze. Bieten Sie damit alles aus einer Hand an, inklusive der Integrationen?

Korrekt. Wir bieten die Integration von Rüstsätzen. Das wird in unserer Fahrzeugklasse auch immer komplexer. D-LBO, Wirksysteme, Kommunikation oder Sensoren müssen integriert werden, damit ein Gesamtsystem entsteht. Hier hilft uns selbst unser modularer Aufbau. Wir sind sehr frei in der Anordnung von verschiedenen Rüstsätzen.

Der ENOK MBB (Modular Box Body) Aufbau auf der Enforce Tac 2025. (Foto- AF)
Der ENOK MBB (Modular Box Body) Aufbau auf der Enforce Tac 2025.
Foto: CPM / André Forkert
Zuletzt haben Sie als Neuheit den ENOK MBB (Modular Box Body) vorgestellt. Wie geht hier die Entwicklung weiter und für welche Nutzergruppen bietet sich dieses Konzept an?

Wir alle sind überzeugt, dass wir skalieren müssen. Der MBB eignet sich hervorragend dafür. Wenn wir als Basis eine Mercedes Benz G-Klasse verwenden, dann schaffen wir aus G-Klasse und MBB ein sehr preiswertes und gleichzeitig sehr leistungsfähiges Fahrzeug, welches sehr modular und somit sehr breit in Streitkräften eingesetzt werden kann. Der MBB wird von uns querschnittlich betrachtet.

Die einfachste Form ist die Verwendung als Logistikfahrzeug. Gleichzeitig können wir aber auch komplexe Rüstsätze integrieren, wie z.B. einen Drohnen-Port mit Quantum Systems. Der USP dabei ist, dass man das einfache Logistikfahrzeug zu einem Spähfahrzeug mit Drohne-Port umbauen kann.

Die ACS hat im Auftrag Deutschlands auch Elektro-Bikes und 4×4-Fahrzeuge an die Ukraine geliefert. Gibt es schon Erkenntnisse aus dem Einsatz die Einfluss auf Ihre zukünftigen Entwicklungen haben?

Wir haben vereinzelte Erkenntnisse zurückgespiegelt bekommen, aber es gibt keinen kontinuierlichen Austausch. Was wir wissen ist, dass die Ukrainer mit dem Material zufrieden sind und das Fahrzeugkonzept den Zeitgeist in der Ukraine trifft: modular, taktisch offen, mobil.

Im Vordergrund das Elektro-Bike EMU von ACS. In einer angepassten Version wurde es in die Ukraine geliefert. (Foto- Bundeswehr:Carl Schulze)
Im Vordergrund das Elektro-Bike EMU von ACS. In einer angepassten Version wurde es in die Ukraine geliefert.
Foto: Bundeswehr / Carl Schulze
Der LAPV ENOK 6.2 ist auch bei Polizei-Spezialkräften in Nutzung. Welche Trends und Fähigkeitsanforderungen gibt es bei der Polizei für kommende Fahrzeuggenerationen?

Die Bedrohungslage im Ausland ist sehr ernst. Unsere innere Sicherheitslage kann sich dem nicht entziehen. Daher gehen wir für die Zukunft davon aus, dass „militärische“ Fähigkeiten bei der Polizei an Bedeutung gewinnen werden. Hybride Kriegsführung kann Bedrohungslagen im Inland erzeugen, auf die die Sicherheitsbehörden passende Antworten finden müssen. Eine sehr einfache, aber nicht triviale Frage ist zum Beispiel, wie kann die Polizei im urbanen Gebiet sicher und zuverlässig Drohnen bekämpfen?

Welche Entwicklungen können wir als nächstes aus dem Hause ACS erwarten?

Unser Fokus ist im Moment die kontinuierliche Fertigung konformer Produkte. Wenn wir stabil produzieren, dann haben wir wieder Kapazitäten für neue Themen und Entwicklungen. Wir betrachten kontinuierlich verschiedene Mobilitätssegmente und prüfen, ob wir aktiv werden oder nicht. Wir können weiter flexibel Einzelstücke fertigen. Unser Ziel ist es aber, dass wir auf Bestehendes aufbauen. Wir denken aktuell mehr in Evolution statt Revolution.

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