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Erfahrungsbericht: Mit dem neuen GORE-TEX EXTRAGUARD Kampfstiefel um die Welt

Drei Tage Dauerregen, drei Tage Marsch im Naturpark Nagelfluhkette im Allgäu. Nasse Ausrüstung, aufgeweichte Wege, permanente Belastung. Zurück im Tal zählt am Ende nur eine Frage: Sind die Füße trocken geblieben? Ich ziehe die Stiefel aus – und tatsächlich: alles trocken. Ein kurzer Moment, der hängen bleibt. Weiter geht’s: Nächste Etappe, nächstes Abenteuer.

Egal ob Kälte oder Wärme – das Fußklima war in den EXTRAGUARD Stiefeln immer angenehm. So wie hier am weltberühmten Perito-Moreno-Gletscher im Nationalpark Los Glaciares in Argentinien.
Egal ob Kälte oder Wärme – das Fußklima war in den EXTRAGUARD Stiefeln immer angenehm. So wie hier am weltberühmten Perito-Moreno-Gletscher im Nationalpark Los Glaciares in Argentinien.
Foto: Sandro S.

Was folgt, ist keine isolierte Produkterfahrung, sondern ein Langzeiteinsatz unter realen Bedingungen. Als ehemaliger Gebirgsjäger der Bundeswehr nehme ich den neuen Kampfstiefel der Lukas Meindl GmbH & Co. KG. mit GORE-TEX® EXTRAGUARD Obermaterial mit auf eine Reise um die Welt – über Distanzen, durch Klimazonen und unter Belastungen, wie sie sonst vor allem im militärischen Kontext auftreten.

Auf über 1.000 Kilometer Marschleistung, mehr als 70.000 Höhenmeter sowie Einsätzen in unterschiedlichsten Klimazonen – von Wüstenregionen über tropische Küsten bis hin zu alpinen und subpolaren Bedingungen, verteilt auf die denkbar unterschiedlichsten Untergründe wie Wald, Grasland, unbefestigte Straßen, Gebirge/Fels, Sand, Asphalt und am Ende sogar endlose und aggressive Salzwüsten. Und natürlich auch immer wieder Wasser in Form von Eis, Schnee, Feuchtwiesen, Flüssen, Bächen und Seen. Eine Belastung, die auch im militärischen Kontext als anspruchsvoller Langzeittest gelten kann.

Bewertet wird nicht nach Prospekt, sondern nach infanteristischen Maßstäben – Marschleistung, Verhalten bei Nässe, Rücktrocknung sowie Performance bei Hitze und Kälte. Protokollierung wurden alle Marschleistungen per GPS, Untergründe und Temperaturen per Hand notiert.

Ausgangslage und Testansatz

Mit dem neuen Obermaterial EXTRAGUARD will Gore nichts weniger als Kampfstiefel revolutionieren. Klassisch ist GORE-TEX Material innen in den Kampfstiefeln verbaut und hält so die Füße trocken. Außen bestehen die Stiefel meist aus Leder oder Textil, beispielsweise bei Jungle Boots. Werden diese nicht gepflegt und so vor Wasser imprägniert, nehmen sie Wasser auf, was sie schwer macht und zu kalten Füßen führt. Jeder Soldat kennt das.

Mit EXTRAGUARD hat der Hersteller nun erstmals ein Obermaterial im Angebot, das kaum Wasser aufnimmt, 40 Prozent leichter als Leder ist und dennoch sehr robust und pflegeleicht ist. Das Material soll auch bei dauerhafter Nässe leicht bleiben. Außerdem soll es eine schnellere Rücktrocknung nach einem Einsatz ermöglichen – und als Mikrofaser zudem keine Pflege benötigen.

Entscheidend ist jedoch, ob sich diese Eigenschaften unter realen Bedingungen bestätigen lassen. Genau dafür habe ich den Stiefel über Monate hinweg konsequent im Einsatz getragen – unter unterschiedlichsten klimatischen und geografischen Bedingungen. Die Vorgabe war einfach: tragen, belasten, nicht schonen – und bewusst ohne Pflege, für die Stiefel.

Erster Härtetest: Wüste und Wasser

Der Test beginnt im Februar 2025 in Texas. 80 Kilometer Marsch an einem Wochenende – durch Sand, Fels, Wasserläufe und Asphalt. Eine klassische Belastungsprobe für Mensch und Material. Direkt im Anschluss folgt der Klimabruch: Australien. Drei Wochen, täglich Märsche von über 40 Kilometern, dazu Fluss- und Ozeandurchquerungen. Gerade Salzwasser gilt als kritisch für klassisches Schuhwerk. Lederstiefel müssten hier eigentlich aufwändig getrocknet und gepflegt werden. Im Test entfällt das vollständig. Der entscheidende Unterschied: Das EXTRAGUARD-Material nimmt kaum Wasser von außen auf. Wird der Stiefel durch zu tiefe Passagen von oben geflutet, bleibt als einzige Maßnahme das Ausspülen mit klarem Wasser.

Egal welcher Untergrund, Stein, Sand, Geröll oder Asphalt, der Stiefel lieferte immer ab. Hier am Yehliu Geopark auf der Insel Taiwan.
Egal welcher Untergrund, Stein, Sand, Geröll oder Asphalt, der Stiefel lieferte immer ab. Hier am Yehliu Geopark auf der Insel Taiwan.

Belastung auf Distanz: Nijmegen und Vorbereitungsmärsche

Die nächste Belastungsstufe folgt im Sommer mit dem Nijmegen-Marsch – an diesem nimmt auch die Bundeswehr seit rund 60 Jahren jährlich mit einer großen Delegation teil: 45.000 Teilnehmende, 200 Kilometer in vier Tagen, überwiegend auf Asphalt, mit Marschgepäck und Temperaturen über 30 °C. Gerade Hitze und monotone Belastung bringen viele Stiefel an ihre Grenzen. Hitzestau, Schweißbildung und daraus resultierende Probleme sind keine Seltenheit. Im Test des EXTRAGUARD Kampfstiefels zeigt sich ein anderes Bild: kein übermäßiger Wärmestau, keine auffällige Feuchtigkeitsproblematik. Vorbereitungsmärsche in Luxemburg und der Schweiz unter ähnlichen Bedingungen bestätigen diesen Eindruck.

Fünf Monate im Dauereinsatz

Im Anschluss folgt der eigentliche Langzeittest: fünfeinhalb Monate unterwegs, nahezu durchgehend im Stiefel. Die Route führt von Nordeuropa über Großbritannien und die Alpen nach Nordamerika, weiter nach Ostasien und schließlich nach Südamerika. Dabei reichte das Einsatzspektrum von entspannten Märschen bis hin zu anspruchsvollen Touren mit bis zu 30 Kilogramm Gepäck im Lake District – vergleichbar mit längeren militärischen Einsätzen bzw. einer Patrouille zur Fernaufklärung – sowie 20 bis 40 km Marsch-Tagesleistung und vielen Höhenmetern in den Alpen.

Besonders fordernd waren dabei extreme Wetterlagen: Dauerregen und Schlamm in Großbritannien und den Alpen, hohe Luftfeuchtigkeit in Ost-Asien sowie Schnee, Eis und starker Wind in Patagonien. In Südamerika kamen zusätzlich starke Temperaturschwankungen hinzu – von über 25 °C bis unter den Gefrierpunkt in El Chaltén, Argentinien, verstärkt durch Windchill-Effekte.

Salz, für Lederstiefel eine große Gefahr. Aber auch diese hohe Salzkonzentration in der größten Salzpfanne der Erde (Salar de Uyuni) in Bolivien auf knapp 3.650m konnten dem EXTRAGUARD Stiefel nichts anhaben.
Salz, für Lederstiefel eine große Gefahr. Aber auch diese hohe Salzkonzentration in der größten Salzpfanne der Erde (Salar de Uyuni) in Bolivien auf knapp 3.650m konnten dem EXTRAGUARD Stiefel nichts anhaben.
Foto: Sandro S.

Wie schlug sich der Stiefel? Systematische Bewertung aus Anwendersicht

Nach meiner Rückkehr gab es nicht nur unzählige Fotoaufnahmen, sondern auch eine umfassende Bewertung des EXTRAGUARD Kampfstiefels, systematisch in den Kategorien Fußklima, Wasserdichtigkeit, Rücktrocknung, Pflegeaufwand und Tragekomfort:

Fußklima: Ein zentrales Kriterium im Einsatz ist das Innenklima des Stiefels. Nässe von innen führt schnell zu Blasenbildung, Hautschäden und im schlimmsten Fall zu ernsthaften Verletzungen. Im Test fällt besonders auf: Ich hatte praktisch überhaupt keine Probleme mit Feuchtigkeit oder Blasenbildung in den EXTRAGUARD Kampfstiefeln. Weder Überhitzung noch Auskühlung treten auf. Auch nach langen Marschtagen blieben typische Überlastungserscheinungen aus.

Wasserdichtigkeit: Feuchtigkeit von außen ist im Gelände oft der entscheidende Faktor. Dringt Wasser in den Stiefel ein, sind selbst gute Socken oder Gamaschen nur noch begrenzt wirksam. Hier zeigten meine EXTRAGUARD Stiefel durchweg eine überzeugende Leistung: Auch bei Dauerregen, Schneefeldern oder Bachquerungen blieben meine Füße im Inneren immer trocken. Und während andere Wanderer Hindernissen wie große Pfützen oder Bachläufen auswichen, konnte ich diese direkt durchqueren.  

Rücktrocknung: Gerade im Mehrtagesbetrieb ohne feste Unterkunft ist die Trocknungsfähigkeit entscheidend. Hier zeigt sich ein klarer Vorteil des EXTRAGUARD Obermaterials gegenüber Leder: Es trocknet spürbar schneller, insbesondere an der frischen, kalten Luft. Die Feuchtigkeitsaufnahme beschränkt sich weitgehend auf die äußere Schicht. Unterschiede gibt es im Detail – der Stiefel trocknet nicht in allen Bereichen gleichzeitig schnell – im Knick, oder der Gehfalte, ist der Stiefel optisch am längsten feucht. Dennoch: Die Trocknungsleistung des EXTRAGUARD Stiefels bleibt überzeugend.

Pflegeaufwand: Die Vorgabe lautete: keine Pflege. Trotz intensiver Nutzung zeigt sich kein funktionaler Qualitätsverlust. Der Stiefel altert sichtbar – Abrieb, Kratzer, Materialfalten – bleibt jedoch in seinen Eigenschaften stabil. Eine einfache Reinigung mit Wasser und anschließendes Trocknen über Nacht war vollkommen ausreichend.

Tragekomfort und Stabilität: Komfort entscheidet in der Praxis oft über den Gesamteindruck. Getestet habe ich daher bewusst auf schwierigen Untergründen: Geröll, Schlamm, Schnee, Eis, Sand, Wurzeln und Asphalt. Dazu kommt hohe Last auf dem Rücken. Auch bei Ausrutschern oder Fehltritten bleibt der Stiefel stabil und bietet ausreichend Schutz. Besonders auffällig: Selbst auf langen, monotonen Asphaltstrecken – für viele Stiefel ein Schwachpunkt – bleibt die Belastung kontrollierbar. Die Etappen von bis zu 50 Kilometern beim Nijmegen-Marsch ließen sich konstant nach sieben bis acht Stunden bewältigen.

Mein Fazit: EXTRAGUARD bewährt sich als leistungsfähiger, belastbarer Allround-Kampfstiefel

Nach mehreren Monaten im Dauereinsatz unter unterschiedlichsten Bedingungen fällt das Gesamturteil der EXTRAGUARD Stiefel eindeutig aus: Als Gebirgsjäger habe ich über viele Jahre hinweg eine Vielzahl hochwertiger Stiefel getragen. Probleme mit Feuchtigkeit, Blasen oder Überlastung gehören dabei zum Erfahrungswert. Man kann auch immer einmal Pech mit der Passform, mit der Wahl der Socken oder mit einer falschen Schnürung haben.  Im Test mit dem EXTRAGUARD Kampfstiefel traten all diese Probleme nicht auf. Der Stiefel überzeugt vor allem durch die Kombination aus Wasserdichtigkeit, stabilem Fußklima und geringem Pflegeaufwand – auch unter Belastungen, die einem militärischen Einsatz sehr nahekommen. Kurzum: Ich habe bisher noch keinen so guten Schuh getragen.

 

Text: Redaktion / af

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