Der Skyranger kommt – nur nicht in Deutschland

Deutschland meldet Pannen und Verzögerungen, wo andere Nationen keine Probleme haben. Aktuell zeigt das Drohnenabwehrsystem Skyranger, wie unterschiedlich weiterhin das Selbstverständnis zwischen öffentlichem Auftraggeber und Industrie ist, wie wenig sich bewegt hat in Bezug auf die Beschleunigung der Beschaffung. Denn der Skyranger fährt, er wird pünktlich beschafft und er hat ein hohes Ansehen in anderen Nationen. Nur Deutschland ist die Ausnahme.

Der Skyranger 30 auf Boxer beim erfolgreichen Demonstrationsschießen im September 2024.
Der Skyranger 30 auf Boxer beim erfolgreichen Demonstrationsschießen im September 2024.
Foto: Defence Network/Dorothee Frank

„Superwaffe, superspät – Drohnenabwehr wird zum Sorgenprojekt“, meldete der Stern vor einer Woche zum Skyranger von Rheinmetall. Andere Medien sprangen auf und wiederholten die Vorwürfe an den Hersteller des Drohnenabwehrsystems. „Die ersten Serienfahrzeuge kommen frühestens 2027, wobei es auch 18 statt 16 Monate Verzug werden könnten, wie der stern erfuhr. Die zwei erwarteten Testmodelle kommen nicht vor Dezember dieses Jahres – das erste war unbrauchbar“, berichtet der Stern und führt weiter aus: „Bei Pistorius’ neuer Drohnenabwehr-Waffe kann gerade kaum jemand sagen, ob Turm oder Fahrgestell mehr Probleme machen. Anfangs gab es Ärger mit dem Feuerleitrechner, jetzt geht es um die Integration von Unterbau und Waffe. Die hatte das große Plus sein sollen: eine Kombination von 30-Millimeter-Kanone und Lenkflugkörper. Jetzt kommt nur die Kanone. Der Stinger-Lenkflugkörper sollte schon 2025 fertig sein, ist aber bis heute nicht integrierbar und inzwischen vom Tisch – es müsste mehr als 24 Monate herumgebastelt werden. Nun entwickelt die Firma MBDA einen anderen Lenkflugkörper, der ursprünglich bestellte, voll entwickelte Waffenturm kommt daher nicht vor 2029. Das wären 30 Monate Verzug – oder mehr, wie ein Insider schätzt.“

Aussagen, die seitdem auf vielfältigen Portalen wiederholt werden und dennoch nicht den Kern der Wahrheit treffen. Denn diese Einschätzungen dürften zwar tatsächlich der Selbstdarstellung der Bundeswehr entsprechen, lassen allerdings das eigentliche Problem außen vor: Die Sonderwünsche und Sonderwege des Kunden Deutschland.

Der neue Lenkflugkörper SADM

Nimmt man den ersten großen Vorwurf des Stern – Integration Lenkflugkörper – wird die Diskrepanz deutlich. Dass der Stinger-Lenkflugkörper nicht wie ursprünglich geplant in die deutschen Skyranger integriert wird, liegt nicht daran, dass er „bis heute nicht integrierbar und inzwischen vom Tisch“ sei, wie der Stern schreibt, sondern daran, dass der deutsche Kunde sich umentschieden hatte. Es handelte sich um eine Forderung der Bundeswehr auf einen neuen Lenkflugkörper zu gehen, nicht um eine Unfähigkeit der Industrie.

Es gab verschiedene Gründe für eine Abkehr von den Stinger-Lenkflugkörpern als weitreichende Waffe der Skyranger. Zum einen der Preis. Die Stinger seien deutlich teurer als die zu erwartenden Kosten der alternativen Small Anti Drohne Missile (SADM), wurde Defence Network aus militärischen Kreisen berichtet. Zum zweiten die Verfügbarkeit der Bauelemente. Für die Integration in den Skyranger-Turm hätten die Stinger eine Adaption benötigt, die aktuell nicht einmal mehr produziert werde. Und zum dritten die Anzahl. Der Skyranger hätte nur vier Stinger mitführen können, während neun SADM möglich sein sollen, eventuell sogar 12.

Doch die SADM muss von MBDA Deutschland erst entwickelt werden, wofür wiederum eine vertragliche Grundlage erforderlich ist. Ursprünglich war dieser Vertrag für den Mai 2025 erwartet worden. Rheinmetall und MBDA Deutschland hatten zudem bereits bei der ILA 2024 durch einen Letter of Intent die entsprechenden industriellen Voraussetzungen geschaffen, nun wurde nur noch auf die Beauftragung durch die Bundeswehr gewartet. Und gewartet. Denn die entsprechende Vorlage ging erst im November 2025 durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages.

Doch erst mit dem genannten parlamentarischen Beschluss über 490 Millionen Euro für die „Entwicklung, Herstellung und Beschaffung“ der Small Anti Drone Missile bzw. des DefendAir-Drohnenabwehrflugkörpers konnte in Schrobenhausen die Phase der finalen Entwicklung, Qualifizierung und anschließenden Serienreife des Lenkflugkörpers beginnen. Die ersten Systeme sollen dabei bis zum Ende des Jahrzehnts verfügbar sein, wie Defence Network seinerzeit aus Industriekreisen erfahren konnte.

Doch ein Lenkflugkörper, der noch nicht existiert, lässt sich natürlich auch nicht integrieren. Von einer Unfähigkeit zur Integration ist also nicht auszugehen, weder beim Stinger noch der SADM. Andere künftige Nutzernationen des Skyranger haben sich z.B. für die Mistral 3 entschieden und behalten diese Entscheidung bei, was wiederum zur Planungssicherheit in der Industrie beiträgt. Denn auch Rheinmetall muss seine Ressourcen, seine Ingenieure und Entwickler, effizient einsetzen. Gerade in der heutigen Zeit, in der diese Fachkräfte im Bereich der Luftverteidigung weltweit gefragt sind, fällt jede Änderung am ursprünglich verabredeten Design entsprechend negativ ins Gewicht.

Keine Verzögerungen in Österreich

Und Deutschland hatte nicht wenige Änderungen an das Unternehmen herangetragen. Neben dem Lenkflugkörper soll sogar die Fahrzeugplattform im laufenden Verfahren ausgetauscht werden. Ursprünglich sollte der Skyranger auf der australischen Boxer-Plattform, welche die Bundeswehr als Schwerer Waffenträger Infanterie beschafft, realisiert werden. Doch dann folgte das Umschwenken auf die britische Boxer-Plattform (Defence Network berichtete). Ebenfalls eine lösbare Aufgabe, die allerdings wiederum eine Umverteilung der Ressourcen – Ingenieure, Entwickler, Zulieferer – bei Rheinmetall erforderte, bevor der neueste deutsche Wunsch erfüllbar ist.

Daneben lohnt es sich, die anderen Beschaffungen von Skyranger zu betrachten. Definierte Konfigurationen, wenige minimale Änderungen, keine zu erwartenden Verzögerungen. Der Sprecher des österreichischen Heeres, Oberst Michael Bauer, betonte etwa auf X: „Die Bundeswehr will den Skyranger mit einer Boden-Luft Rakete ausstatten. Diese ist noch nicht fertig entwickelt; daher die Verzögerung. Das Bundesheer hat Mistral integriert. Die Auslieferung nach Österreich läuft daher planmäßig.“

Österreich beschafft insgesamt 36 Skyranger auf der Fahrzeugplattform Pandur Evolution, die Lieferung der ersten Fahrzeuge ist für 2026 geplant.

Skyranger auf Lkw

Um wenigstens die Verzögerungen durch den Wechsel der Fahrzeugplattform aufzufangen, da die Integration auf einem Boxer durchaus technologisch anspruchsvoll ist, bot Rheinmetall der Bundeswehr eine Zwischenlösung an: Skyranger auf Lkw-Basis. Entsprechende Entwicklungen mit dem Turm auf einer Tragstruktur gibt es aktuell beispielsweise für die Niederlande (ACSV Plattform).

Doch der Stern berichtet zu diesem Vorschlag: „Dennoch fuhr zuletzt ein Heeres-Team gutwillig zum Schießtest in die Schweiz. Der Erprobungsbericht zeigt: Ein ‚Skyranger‘ auf einem 8×8-Lkw ist keine Lösung. Freund-Feind-Kennung und Lagebild-Anbindung liefen nicht, es gab Zweifel an der Zulassungsfähigkeit.“

Interessant an dieser Zusammenfassung ist allerdings, dass die Drohnenabwehrfähigkeiten des Skyranger nicht in Zweifel gezogen werden, auch dann nicht, wenn sich das Luftverteidigungssystem auf einem Lkw befindet. Da ein Lkw zudem eine günstigere Trägerplattform darstellt als ein Boxer, wäre es eine tatsächliche Alternative für jene Orte, die zwar Drohnenabwehr, aber kein direktes Gefechtsfahrzeug erfordern. Und dass ein nur zu Demonstrationszwecken schnell erstelltes System beim ersten Test nicht alle Funktionen bereits perfekt abbildet, damit müsste eigentlich jeder rechnen.

Die Ukraine hat wiederum im vergangenen Herbst Skyranger auf Leopard 1 Plattform geordert. Details zum Umfang und der Lieferung sind zwar nicht bekannt, doch Rheinmetalls CEO Armin Papperger sagte im Dezember 2025 im Interview mit der Bild: „In der Ukraine sehen wir, dass Drohnen meist in maximal 300 Metern Höhe unterwegs sind. Die können wir mit dem Skyranger alle herunterholen. Mit unserer programmierbaren Munition brauchen wir drei bis fünf Schuss, um eine schnellfliegende Drohne zu bekämpfen.“

Ein interessanter Fakt am Rande: Als der Skyranger auf Leopard 1 zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, da hatte auch er Probleme. Er schoss nicht. Am nächsten Tag war das Problem allerdings behoben und die ukrainischen Beschaffer begeistert.

Deutschland scheint bei der Beschaffung der Skyranger also auf Probleme zu stoßen, die andere Nationen so nicht haben. Der Großteil der Lieferungen der Drohnenabwehrsysteme an die Bundeswehr sollte dabei eigentlich in 2027 und 2028 erfolgen und noch vor einem Jahr hieß es, dass die Verzögerungen sich durch eine Anpassung in den Produktionslinien auffangen ließen, wodurch die Lieferung insgesamt planmäßig abgeschlossen werden könnten. Wie weit sich dieses halten lässt, vor allem wenn der Lenkflugkörper tatsächlich erst Ende des Jahrzehnts zur Verfügung steht, bleibt allerdings abzuwarten.

Hinweis: Details zur Heeresflugabwehrtruppe sind auch ein wichtiges Thema des Ground Based Air Defence Summit 2026 in Berlin, wo unter anderem der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer, und der Stv. Inspekteur Heer, Generalleutnant Heico Hübner, vortragen werden.

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