Die Ground A GmbH mit Hauptsitz in Düsseldorf ist ein brandneues Start-Up, das erst im Januar 2026 gegründet wurde. Offiziell operiert die Ground A GmbH in Bereich der Herstellung von elektrischen Mess-, Kontroll-, Navigations- u. ä. Instrumenten und Vorrichtungen. Das Ziel ist aber ein laserbasiertes Drohnenabwehrsystem zu bieten. Laut Creditreform wird das Unternehmen aktuell von drei Managern / Geschäftsführer geführt, und 21 Gesellschafter sind an der Unternehmung beteiligt.

Interview mit Dr. Tobias Brune, Geschäftsführer Ground A GmbH
Sehr geehrter Herr Dr. Brune, bis vor wenigen Tagen gab es zur Ground A GmbH keinerlei Informationen, kein bekanntes Produkt, noch nicht einmal eine Website. Stellen Sie uns Ihr Start-Up doch bitte kurz einmal näher vor.
Ground A ist ein deutsches Defense-Tech-Unternehmen mit zwei Standorten in Deutschland. Das Unternehmen entwickelt ein bodengestütztes Directed-Energy-System zur Drohnenabwehr. Die Plattform kombiniert Radar- und Sensortechnologie verknüpft mit Künstlicher Intelligenz, Computer Vision und Lasertechnologie. Sie ist in der Lage, auch kleine und schnell fliegende Drohnen automatisiert zu erkennen und zu verfolgen; die Entscheidung zur Neutralisierung verbleibt jedoch beim Menschen.
Sie sind ein Start-Up, das erst im Januar 2026 gegründet wurde. Eine Pre-Seed-Runde wurde bereits abgeschlossen. Wie ist Ground A aktuell aufgestellt, wer sind die Investoren hinter der Firma?
Im Juni 2026 hat Ground A eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde über 9,1 Millionen Euro abgeschlossen. Lead-Investor der Finanzierungsrunde ist Vsquared Ventures. Darüber hinaus beteiligten sich Unternehmen wie Quantum Systems, sowie strategische Venture-Capital-Investoren wie GRIF, Robin Capital, ABACON und OVNI. Ebenso an Board von Ground A sind erfahrene Unternehmer und Investoren aus der europäischen Defense- und Softwareindustrie, darunter Florian Seibel, Sven Kruck, J14 Capital, Andreas Nauerz, Marlon Braumann und der Arx Robotics Geschäftsführer Stefan Roebel.
Und welche kommenden Finanzierungsrunden sind angedacht oder notwendig?
Wir haben bereits im April, drei Monate nach Gründung, einen Prototypen vorgestellt. Sieben Monate nach der Gründung sind wir in verschiedenen Validierungs- und Testszenarien unterwegs. Um dieses hohe Tempo aufrecht zu erhalten, planen wir in 2027 eine weitere Finanzierungsrunde, um die Produktion unserer Lösung zu beschleunigen und hochzufahren.
Ground A will eine laserbasierte Drohnenabwehrlösung anbieten. Können Sie uns die technische Auslegung und Leistungsfähigkeit einmal darstellen?
Gerade bei sehr kleinen Drohnen und FPV-Drohnen stellt die automatisierte optische Detektion und Zielerfassung eine besondere technische Herausforderung dar. Das Herzstück unserer Lösung ist deshalb die automatische Zielnachverfolgung: Unser System berechnet die exakte Flugbahn einer Drohne im Voraus und kann sie dadurch äußerst präzise verfolgen. Auf diese Weise lassen sich beispielsweise einzelne Komponenten einer Drohne anvisieren und gezielt zerstören. Hierfür stehen vier unterschiedliche optische Sensoren zur Verfügung. Damit können wir etwa einen Bienenschwarm aus einer Entfernung von zwei Kilometern rein optisch erfassen – und sind sogar in der Lage, einzelne Bienen zu erkennen und nachzuverfolgen. Diese Dimension veranschaulicht die hohe Präzision unseres Systems.
Rheinmetall, MBDA, Fiberbridge, TRUMPF, Inleap Photonics sowie ausländische Anbieter entwickeln eben laserbasierte Lösungen, was unterscheidet Ihr Ansatz von denen der Konkurrenz?
Erst einmal ist es für Deutschland, Europa und unsere verbündeten Länder eine gute Nachricht, wenn verschiedene Firmen an solchen Lösungen arbeiten. Das Problem der Drohnenabwehr ist beispielsweise in der Ukraine oder im Iran-Konflikt nicht gelöst. Auch hat leider der Vorfall am Leipziger Flughafen unsere Versäumnisse in Deutschland offen gelegt.
Wir bewegen uns im einstelligen Kilowattbereich der Laserleistung und fokussieren mit dem Laser auf die Fläche einer Euromünze in einem Kilometer Entfernung. Da die Wirkung von der Energiedichte pro Fläche abhängt, erreichen wir auf dieser kleinen Fläche eine sehr hohe Energiedichte. Deshalb genügt uns eine Laserleistung im einstelligen Kilowattbereich. Das System hat die Abmessungen einer Europalette; eine Batterie ist bereits integriert. Mit der integrierten Batterie ist in der Praxis ein Remote-Betrieb für etwa zwei Wochen möglich. Dabei handelt es sich stets um Rechenbeispiele, die davon abhängen, wie häufig der Laser aktiviert wird. Die Energieversorgung stellt für uns jedoch keinen Engpass dar.
Ground A ist ein Start-Up, gerade erst gegründet. Wie weit ist Ihre technische Entwicklung? Wann sehen wir einen Prototypen, erste Live-Tests und bis wann erwarten Sie die notwendigen Zertifizierungen?
Das Kapital, das wir nun bekommen haben, wird für die Kommerzialisierung der ersten Maschinenserie eingesetzt. Live Tests zeigen wir kontinuierlich schon seit April vor ausgewählten Partnern, im Juli haben wir unsere Lösung auf einer offiziellen Veranstaltung gezeigt und im September bis November stehen diverse Demos mit unseren Partnern an.
Und bis wann planen Sie eine Serienreife und einen Produktionsbeginn in Deutschland?
Erste Maschinenverkäufe werden in 2026 realisiert. Die Serienfertigung wird in Deutschland aufgebaut und modular skalierbar gestaltet werden, um in 2027 hohe Stückzahlen ausliefern zu können.
An den Beispielen der Flughäfen Leipzig/Halle sowie Hannover haben wir aber gesehen, es geht nicht nur ums Bekämpfen der Drohne, sondern erst einmal überhaupt um die Entdeckung und Verfolgung. Entwickeln Sie nur einen laserbasierten Effektor, oder ein Gesamtsystem, das auch die Detektion, Verfolgung, Klassifizierung und am Ende Bekämpfung durchführt?
Das System erkennt, klassifiziert und verfolgt agile Drohnen automatisiert. Die Entscheidung über den Einsatz des Effektors verbleibt beim Menschen. Gerade im Hinblick auf den Vorfall in Leipzig: Ein Radar signalisiert, dass sich etwas bewegt. Wir hingegen arbeiten mit einer derart hohen Präzision, dass wir die Drohne und ihren Typ erkennen können. Es lässt sich feststellen, ob sich ein Sprengsatz auf der Drohne befinden, teilweise können wir sogar erkennen, um welche Art es sich handelt.
Die Kritik am Standort ist groß. Zuviel Bürokratie, langsame Prozesse, fehlende Infrastruktur, Hindernisse wo immer möglich. Warum entwickeln Sie gerade in Europa, und wollen später auch in Deutschland produzieren und nicht im Ausland?
Bei aller berechtigter Kritik am Wirtschaftsstandort Deutschland muss aber auch festgehalten werden: Deutschland ist im Bereich der Optik und Lasertechnologie weltweit führend und dieses Potenzial nutzen wir mit unseren Partnern. Persönlich gesprochen möchte ich nicht nur meckern sondern selber mit anpacken. Wir haben innerhalb weniger Monate 30 hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen und planen unsere Mitarbeiteranzahl in den nächsten Monaten zu verdoppeln. Unser Ziel ist es, moderne, kosteneffiziente und industriell skalierbare Abwehrsysteme in Europa verfügbar zu machen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Verteidigungsfähigkeit Deutschlands, der NATO und verbündeter Staaten zu leisten.
Text: Redaktion / af
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