Wenn GPS gestört oder manipuliert wird, muss ein Fahrzeug trotzdem wissen, wo es steht. Mit den neuen Land-Navigatoren LLN-GZ und LLN-G2 will LITEF genau das auch dort sicherstellen, wo Satellitensignale ausfallen. Im Interview mit dem Defence Network erklärt das Unternehmen aus Freiburg, wie die Systeme funktionieren, was sich gegenüber den Vorgängern ändert und warum Navigation zum festen Bestandteil der Missionsfähigkeit von Landplattformen wird. Die Fragen stellte Navid Linnemann.

LITEF blickt auf eine lange Tradition in der Entwicklung von Navigations- und Sensorsystemen zurück. Welche Rolle spielen dabei speziell Land-Navigatoren in Ihrem Portfolio und wie können sich Laien die Funktionsweise vorstellen?
Land-Navigatoren spielen für LITEF eine zentrale Rolle, weil sie unsere langjährige Kompetenz in den Bereichen Inertialsensorik, Navigation und Plattformstabilisierung konsequent in den Landbereich übertragen. Moderne Landstreitkräfte benötigen hochverfügbare, robuste und präzise Navigationslösungen, die auch unter schwierigen Einsatzbedingungen zuverlässig arbeiten — genau dafür wurden sie entwickelt.
Die Funktionsweise unserer Systeme lässt sich vereinfacht so beschreiben: Ein Land-Navigator ermittelt fortlaufend die Position, Bewegungsrichtung, Geschwindigkeit sowie die Lage eines Fahrzeugs oder einer Plattform im Raum. Das geschieht im Kern durch eine Kombination aus Trägheitsnavigation und satellitengestützter Navigation. Die Trägheitssensoren — also Gyroskope und Beschleunigungssensoren — „spüren“ jede Bewegung des Fahrzeugs und berechnen daraus kontinuierlich, wie es sich bewegt. GNSS-Signale, also beispielsweise GPS, dienen dabei zur zusätzlichen Referenz und Korrektur.
Der entscheidende Vorteil eines solchen Systems liegt darin, dass die Navigation nicht allein von Satellitensignalen abhängt. Gerade in militärischen Einsatzszenarien, in denen GNSS gestört, abgeschattet oder gezielt manipuliert werden kann, ist diese Fähigkeit essenziell. Unsere Land-Navigatoren schaffen damit eine verlässliche Navigationsbasis für unterschiedlichste Plattformen — vom geschützten Fahrzeug bis hin zu spezialisierten Missionssystemen. Die Sensorik und die darauf aufbauenden Systeme wurden in Freiburg entwickelt und produziert, so dass kundenspezifische Anpassungen und Weiterentwicklungen kontinuierlich am Standort stattfinden.
Mit der LLN-GZ und LLN-G2 wurden neue Generationen der LITEF Land Navigatoren entwickelt. Was hat sich gegenüber bestehenden Systemen verändert und wo sollen Ihre Systeme zum Einsatz kommen?
Mit der neuen LLN-Produktlinie haben wir unsere Land-Navigatoren gezielt weiterentwickelt, um den gestiegenen Anforderungen moderner Einsatzszenarien gerecht zu werden. Die wesentlichen Fortschritte liegen in einer nochmals verbesserten Navigationsleistung, einer höheren Robustheit gegenüber Umwelteinflüssen, einer stärkeren Systemintegration sowie in einer klaren Skalierbarkeit innerhalb der Produktfamilie.
Mit der LLN-GZ und LLN-G2 bieten wir Lösungen für unterschiedliche Anforderungen und Missionsprofile an. Dahinter steht der Gedanke, Kunden nicht nur ein einzelnes Produkt anzubieten, sondern eine abgestufte Familie, die je nach Plattform, geforderter Genauigkeit und Einsatzspektrum ausgewählt werden kann. So lassen sich sowohl wirtschaftliche als auch leistungsbezogene Anforderungen gezielt adressieren.
Gegenüber bestehenden Systemen wurden insbesondere die Sensorik, die Datenverarbeitung und die Integrationsfähigkeit weiter optimiert. Hinzu kommen Verbesserungen bei Baugröße, Gewicht, Energiebedarf und Wartungsfreundlichkeit — Faktoren, die gerade im militärischen Fahrzeugbereich eine wesentliche Rolle spielen. Gleichzeitig wurde Wert darauf gelegt, die Systeme für den praktischen Einsatz in vernetzten Führungs- und Waffensystemen auszulegen.
Zum Einsatz kommen die LLN-Systeme überall dort, wo robuste und präzise Navigation für Landplattformen erforderlich ist. Dazu zählen gepanzerte und ungepanzerte Fahrzeuge, Spezialfahrzeuge, Führungsfahrzeuge sowie unbemannte oder teilautonome Plattformen. Darüber hinaus sind auch Anwendungen denkbar, bei denen neben der reinen Navigation eine präzise Lage- und Richtungsinformation für Sensorik, Wirkmittel oder Führungsunterstützung benötigt wird.
Moderne Landstreitkräfte stellen hohe Anforderungen an Präzision, Robustheit und Verfügbarkeit von Navigationssystemen. Wie erfüllen die neuen LLN-Systeme diese Anforderungen – insbesondere auch unter anspruchsvollen Umweltbedingungen und bei eingeschränkter GNSS-Verfügbarkeit?
Diese Anforderungen standen im Zentrum der Entwicklung unserer neuen LLN-Systeme. Militärische Landnavigation muss heute unter sehr unterschiedlichen und oft extremen Bedingungen funktionieren: bei Staub, Nässe, Hitze, Kälte, Vibration, Schockbelastung und insbesondere auch bei elektromagnetischen Störungen. Gleichzeitig erwarten die Nutzer eine hohe Genauigkeit und ständige Verfügbarkeit — auch dann, wenn externe Referenzquellen wie GNSS nur eingeschränkt oder gar nicht verfügbar sind.
Unsere Antwort darauf ist eine robuste, inertial gestützte Navigationsarchitektur. Die LLN-Systeme kombinieren leistungsfähige Trägheitssensoren mit intelligenter Datenfusion. Solange GNSS verfügbar ist, wird es zur Kalibrierung und Stabilisierung der Positionslösung genutzt. Wenn das Signal ausfällt, gestört oder manipuliert wird, arbeitet das System autonom weiter und stellt auf Basis der Inertialnavigation weiterhin belastbare Navigationsdaten bereit. Genau diese Ausfallsicherheit ist in modernen Einsatzszenarien von entscheidender Bedeutung.
Darüber hinaus sind die Systeme mechanisch und elektronisch auf den militärischen Betrieb ausgelegt.
Dazu gehören eine widerstandsfähige Konstruktion, hohe Umweltfestigkeit sowie eine Auslegung auf langfristige Zuverlässigkeit im Feldeinsatz. Ebenso wichtig ist die schnelle Systemverfügbarkeit nach dem Start sowie die Fähigkeit, sich nahtlos in bestehende Fahrzeugarchitekturen und Missionssysteme zu integrieren.
Kurz gesagt: Die neuen LLN-Systeme erfüllen die Anforderungen moderner Landstreitkräfte durch die Kombination aus präziser Inertialnavigation, robuster Systemauslegung und hoher Leistungsfähigkeit auch in GNSS-kritischen Szenarien.


Können Sie die strategische Bedeutung der neuen LLN-Produktlinie für LITEF und für die Positionierung des Unternehmens im internationalen Markt beschreiben?
Die neue LLN-Produktlinie hat für LITEF eine hohe strategische Bedeutung. Sie steht für die konsequente Weiterentwicklung der Basistechnologien wie auch den Ausbau unseres Portfolios im Bereich sicherheitskritischer Navigationslösungen.
Für uns ist der Landbereich ein Markt mit wachsender Relevanz, nicht zuletzt aufgrund der veränderten sicherheitspolitischen Lage und des weltweit steigenden Modernisierungsbedarfs bei Landstreitkräften.
Mit der LLN-Familie adressieren wir diesen Bedarf mit einer Produktlinie, die sowohl technologisch als auch marktseitig neue Maßstäbe setzt.
Technologisch bauen wir auf unserer etablierten Kompetenz in Sensorik und Navigation auf. Marktseitig schaffen wir eine Grundlage, um unterschiedliche Kundenanforderungen international gezielt zu bedienen — von standardisierten Anwendungen bis hin zu anspruchsvollen missionsspezifischen Integrationen.
Ein weiterer strategischer Aspekt ist die Skalierbarkeit. Mit einer klar strukturierten Produktfamilie können wir Kunden für unterschiedliche Einsatzprofile passende Lösungen anbieten, ohne für jedes Szenario eine völlig neue Entwicklung anstoßen zu müssen. Das erhöht die Wettbewerbsfähigkeit, verkürzt Integrationszeiten und schafft Planungssicherheit für unsere Partner.
Im internationalen Markt ist entscheidend, dass ein Anbieter nicht nur technologische Leistungsfähigkeit zeigt, sondern auch Verlässlichkeit, Integrationsfähigkeit und langfristige Unterstützung bietet. Genau hier sehen wir die Stärke von LITEF. Die LLN-Produktlinie ist deshalb nicht nur ein neues Produktangebot, sondern auch ein wichtiger Baustein für unsere internationale Positionierung als kompetenter und langfristig verlässlicher Partner im Bereich militärischer Navigation.
Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung im Bereich militärischer Landnavigation? Welche Trends und Entwicklungen erwarten Sie in den kommenden Jahren?
Die militärische Landnavigation wird in den kommenden Jahren vor allem durch drei Entwicklungen geprägt sein: erstens die zunehmende Bedrohung und Einschränkung von GNSS, zweitens die stärkere Vernetzung und Digitalisierung von Plattformen und drittens den wachsenden Bedarf an Automatisierung und Autonomie.
Die Abhängigkeit von satellitengestützter Navigation wird zunehmend kritisch gesehen, weil Störung (Jamming), Täuschung (Spoofing) und Abschattung in realen Einsatzszenarien heute eine sehr konkrete Herausforderung darstellen. Deshalb erwarten wir eine weitere deutliche Verschiebung hin zu resilienten Navigationslösungen, bei denen inertiale Systeme eine tragende Rolle spielen. Entscheidend wird sein, Navigationssysteme so auszulegen, dass sie auch in umkämpften elektromagnetischen Umgebungen über längere Zeit zuverlässig arbeiten können.
Ein zweiter Trend ist die zunehmende Sensorfusion. Künftige Systeme werden nicht nur Trägheitssensoren und GNSS kombinieren, sondern verstärkt auch weitere Datenquellen einbeziehen — beispielsweise Fahrzeugodometrie, Kartenreferenzen, Kamerasysteme oder andere Umfeldsensoren. Ziel ist es, die Navigationslösung noch robuster und noch situationsabhängiger anzubieten.
Hinzu kommt die wachsende Bedeutung unbemannter und teilautonomer Plattformen. Diese Systeme benötigen eine besonders zuverlässige und kontinuierliche Navigationsbasis, weil sie Entscheidungen und Bewegungen in höherem Maße selbstständig ausführen. Auch dafür sind leistungsfähige inertiale Navigationssysteme eine Schlüsseltechnologie.
Insgesamt sehen wir den Markt auf dem Weg zu hochrobusten, modularen und vernetzten Navigationslösungen, die weit mehr leisten müssen als reine Positionsbestimmung. Sie werden zu einem integralen Bestandteil der Missionsfähigkeit von Landplattformen. Für LITEF bestätigt diese Entwicklung, dass präzise und ausfallsichere Landnavigation auch künftig ein technologisch und strategisch hochrelevantes Feld bleiben wird.
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