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Jedes Fahrzeug wird Drohnenträger – wie ProSwarma die Startinfrastruktur für Drohnen neu denkt

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Hörnlein, gegründet 1931 in Schwäbisch Gmünd, ist ein familiengeführtes Unternehmen, das sich auf die Entwicklung und Fertigung mechatronischer Produkte und Systemlösungen spezialisiert hat. Hörnlein ist ein zertifizierter Tier-1-Automobilzulieferer, der sämtliche relevanten Normen für Automotive- und Defense-Anwendungen erfüllt und damit höchste Qualitäts- und Sicherheitsstandards branchenübergreifend garantiert.

Mercedes-Benz G-Klasse als mobile Startplattform für einen Drohnenschwarm in bergigem Gelände
Hangar-Montage von ProSwarma für einen mobilen Einsatz an einer G-Klasse. Die Plattform ist nur exemplarisch. Start und Landung erfolgt automatisch, kein Bediener muss dazu aussteigen.
Foto: Hörnlein

Als Partner für Entwicklung und Serienproduktion begleitet Hörnlein seine Kunden von Konzeptstudien über Prototypen bis hin zur Serienfertigung. Hörnlein steht für Qualität, Innovation, Nachhaltigkeit und Sicherheit, so das Unternehmen.

Wie so viele Unternehmen, drängt auch Hörnlein nun in den Defence Bereich, aber sie wollen einen anderen Weg gehen, als so viele aus dem Automotive-Bereich. Nicht nur als Sub-Unternehmer Teile liefern, sondern dank ihrer Erfahrung und Fähigkeiten, eigene Lösungen anbieten.

Hörnlein entwickelt ProSwarma: Drohnen-Schwärme in Sekunden einsatzbereit

Mit der von Hörnlein im Geschäftsbereich Defence entwickelten Systemwelt „ProSwarma“ sind Drohnen-Teams und Drohnen-Schwärme in Sekunden einsatzbereit, vollautomatisch mit Payload bestückt, missionsspezifisch konfiguriert und autonom gestartet. Start und Landung erfolgen autonom aus mobilen oder fahrzeugintegrierten Hangars heraus.

Nach Auftragserfüllung wird der Schwarm automatisch neu rekonfiguriert und ist in kürzester Zeit erneut einsatzbereit.

Jedes UAV bringt damit Wirkung, Sensorik oder Versorgung exakt dorthin, wo sie lagebedingt benötigt wird.

Interview mit Dr.-Ing. Alexander von Niessen, Geschäftsführender Gesellschafter der Hörnlein Unternehmensgruppe

Herr Dr. von Niessen, Sie kommen aus dem Automotive-Bereich. Was bringen Sie mit, um einen Mehrwert für Verteidigungsanwendungen zu schaffen?

Wir kommen aus einer Industrie, die seit Jahrzehnten auf Skalierbarkeit, Standardisierung und hochautomatisierte Fertigungsprozesse ausgerichtet ist. Genau diese Fähigkeiten werden im Defence-Bereich zunehmend entscheidend. Dazu gehört Kompetenz in Thermo- und Batteriemanagement, in Schock- und Vibrationsfestigkeit sowie im Einsatz von Vision-Systemen und vernetzten Sensoren – Wissen, das wir über Jahrzehnte in der zivilen Serienfertigung aufgebaut haben und heute konsequent auf die Automatisierung von Infrastruktur für unbemannte Luftfahrzeuge übertragen. Dazu gehört auch, dass wir über unseren eigenen Maschinenbau jahrzehntelange Erfahrung in Arbeits- und Betriebssicherheit mitbringen – ein Wissen, das direkt in die Auslegung von ProSwarma eingeflossen ist, etwa bei Failsafe-Logik und Sicherheitsmechanismen im automatisierten Start- und Ladebetrieb. Unser Hangar- und Startsystem selbst ist damit von seiner Konstruktion her eine zivile Entwicklung, die wir für den Defence-Einsatz weiterqualifizieren.

Moderne Konflikte zeigen: Es geht nicht mehr nur um einzelne Hochwertsysteme, sondern um die Fähigkeit, Technologien schnell, in großen Stückzahlen und integriert in bestehende Logistikstrukturen verfügbar zu machen. Unser Ansatz ist daher, Defence-Systeme von Anfang an so zu denken wie industrielle Produkte: modular, skalierbar, automatisierbar und in bestehende Versorgungsketten integrierbar – von der Produktion bis in den Einsatzraum.

Jetzt läge es nahe, dass Sie sich Landfahrzeugen widmen. Warum gerade der Drohnenbereich?

Weil sich hier aktuell die Dynamik des Gefechtsfelds am stärksten verändert. Drohnen – insbesondere sUAV, Loitering Munition und C-UAS-Interceptoren – entwickeln sich extrem schnell. Innovationszyklen liegen in der Ukraine teilweise bei wenigen Wochen. Gleichzeitig zeigen sich im Einsatz deutliche strukturelle Schwächen vieler aktueller Systeme: manueller Start, hoher Personalbedarf im Gefahrenbereich, proprietäre Lösungen und mangelnde Skalierbarkeit.

Im Kontext des von der NATO angestrebten Bewegungsgefechts im Rahmen des Gefechts der verbundenen Waffen wird dies zum entscheidenden Nachteil. Drohnen müssen aus der Bewegung heraus, aus geschützten Plattformen und ohne zeitverzögernde Vorbereitung eingesetzt werden können. Systeme, die auf manuelle Startverfahren angewiesen sind – etwa durch den Aufbau von Katapulten oder das Starten aus ungeschützten, temporär eingerichteten Positionen – sind dafür strukturell ungeeignet. Sie binden Personal, verlangsamen den Einsatzrhythmus und erhöhen die Verwundbarkeit.

Man muss sich das konkret vorstellen: Ein Soldat, der im Gefecht zunächst einen Transportkoffer öffnet, die Drohne manuell zusammenbaut und sie dann von Hand aus einer ungeschützten Position startet – das kostet wertvolle Sekunden, in denen er exponiert und nicht kampffähig ist.

Damit entsteht ein klarer Fähigkeitsbruch zwischen technologischer Entwicklung und taktischer Einsetzbarkeit.

Stellen Sie uns das Portfolio doch einmal näher vor.

Mit ProSwarma bieten wir eine modulare, hersteller- und typunabhängige Einsatzinfrastruktur für Drohnen. Die produktspezifischen Aktivitäten – Entwicklung, Vertrieb, Kundenbeziehung – haben wir in der ProSwarma GmbH gebündelt. Die industrielle Fertigung erfolgt bei der Hörnlein Group, wo wir auf jahrzehntelanges Automotive- und Maschinenbau-Know-how in der automobilen Serienproduktion zurückgreifen.

Unser Ausgangspunkt ist dabei immer dieselbe zivile Basis: eine ursprünglich zivil entwickelte Start- und Integrationsinfrastruktur für unbemannte Luftfahrzeuge, die wir konsequent an den militärischen Einsatzzweck anpassen. Wir entwickeln bewusst keine eigenen Drohnen, sondern genau diese Start-, Integrations- und Missionsinfrastruktur, über die unterschiedlichste Systeme betrieben werden können – unabhängig von Hersteller, Bauform oder Startverfahren. Aus derselben Architektur heraus können sUAV im Gewichtsbereich von Nano- bis hin zu rund 15 kg schweren Systemen für Aufklärung und Versorgung, Loitering Munition sowie C-UAS-Interceptoren eingesetzt werden. Entscheidend ist: Diese Systeme werden dabei nie isoliert betrachtet. Dabei folgt alles demselben Baukastenprinzip: Ob Polizeifahrzeug, Feuerwehrfahrzeug, ziviler Paketdienst oder geschütztes Militärfahrzeug – alle greifen auf dieselbe modulare Hangar-Plattform zurück, unterschiedliche Drohnentypen lassen sich einfach per Wechseleinsatz und Software-Connectivity integrieren.

Konkret ist unser Hangar gleichzeitig Transportbehälter und Startautomatik. Er nimmt die Drohne magazinartig auf, sichert sie während der Fahrt gegen Schock und Vibration – exakt hier greift unsere Automotive-Erfahrung – und übernimmt beim Einsatz den gesamten physischen Ablauf: Öffnen, Ausrichten, Freigeben und den eigentlichen Startvorgang in die Luft, vollautomatisch und ohne dass jemand die Drohne von Hand anfassen muss. Der Soldat muss also weder einen Koffer öffnen noch die Drohne von Hand zusammenbauen und werfen – das Handling, das bislang Zeit und Exposition gekostet hat, übernimmt der Hangar selbst.

Genauso integriert sind Klimatisierung und Thermomanagement, ebenso wie das Batteriemanagement: Die Drohne wird im Hangar nicht nur mechanisch gesichert, sondern auch klimatisch und energetisch in einem einsatzbereiten Zustand gehalten, unabhängig von Außentemperatur oder Standzeit. Erst dieses Zusammenspiel aus mechanischer Sicherung, Thermomanagement und Batteriemanagement macht den Hangar zu einer echten Startautomatik und nicht nur zu einer Transportbox.

Damit dieses Zusammenspiel aus Hardware verschiedenster Hersteller auch tatsächlich funktioniert, haben wir eine eigene Software entwickelt, die sowohl Drohnen- als auch Fahrzeughersteller in das ProSwarma-Gesamtsystem integriert. Sie übernimmt die Kommunikation zwischen Trägerplattform, Hangar und Drohne, hält das System aber gleichzeitig erweiterungs- und updatefähig, damit neue Drohnentypen oder Fahrzeugplattformen jederzeit nachrüstbar sind, ohne die Hardware zu tauschen. Genau das ist für uns der Kern von Software Defined Defense – und dieses Prinzip funktioniert im zivilen wie im militärischen Bereich gleichermaßen: Einsatzwert entsteht zunehmend durch Software-Updates statt durch neue Hardware.

Kern ist unser Plug-and-Fight-Prinzip. Wir liefern das “Plug” – eine offene, gewichtsoptimierte Integrationsplattform, die genauso für zivile Sensorik wie für unterschiedlichste Nutzlasten unserer Partnerhersteller funktioniert und die wir sowohl an die Fahrzeug- und Plattformhersteller als auch an die sUAV- und Loitering-Munition-Hersteller andocken. Das “Fight” bringt dabei der jeweilige Drohnenhersteller mit, die Trägerplattform der jeweilige Fahrzeughersteller – wir befähigen beide Partner zum gemeinsamen Zusammenspiel. So lassen sich neue Drohnentypen wie auch neue Trägerfahrzeuge innerhalb kürzester Zeit an unsere Infrastruktur andocken und missionsspezifisch konfigurieren.

Sie sprechen von einem Gesamtsystem. Was meinen Sie damit konkret?

Drohneneinsatz ist aus unserer Sicht nie nur eine Frage der Drohne selbst. Er ist immer eine Frage von drei zusammenhängenden Elementen: erstens den Fähigkeiten der Drohne – sUAV, Loitering Munition oder C-UAS-Interceptor –, zweitens dem Startsystem, also wie die Drohne einsatzbereit gemacht und gestartet wird, und drittens der Plattform, mit der sie ins Feld gebracht wird.

Die NATO fokussiert das bewegliche Gefecht der verbundenen Waffen. Deshalb müssen diese drei Bedingungen immer zusammen gedacht werden, nicht isoliert. Genau das ist unsere Kernkompetenz: die ganzheitliche Optimierung aus der Perspektive der Trägerplattform. Wir optimieren den automatisierten Start sowohl für den aufgesessenen Einsatz – die Besatzung bleibt geschützt im Fahrzeug – als auch für den abgesessenen Einsatz, wenn die Truppe zu Fuß unterwegs ist und die Plattform unterstützt.

Dabei ist die Plattformfrage selbst zweitrangig: ProSwarma kann auf nahezu jeder Plattform eingesetzt werden – bemannt oder unbemannt, zu Land, zu Wasser oder perspektivisch auch in der Luft. Das reicht von geschützten Fahrzeugen über UGV bis hin zu containerisierten Lösungen oder stationären Anwendungen, etwa zum Schutz kritischer Infrastruktur.

Wie weit ist ProSwarma von der Serienreife entfernt?

Das System ist serienreif und für die kostengünstige Massenproduktion verfügbar – das ist ein zentraler Punkt, denn es kommt jetzt darauf an, bis 2029 kriegs- und abschreckungsfähig zu sein. Das heißt: schnelle Skalierbarkeit in industrielle Masse. Unser Beitrag dazu ist die Start- und Integrationsinfrastruktur: ProSwarma ist das Ergebnis von drei Jahren fokussierter Arbeit an einem universellen Start- und Integrationssystem, kombiniert mit jahrzehntelangem Know-how aus der Fertigung im Automobilzulieferbereich. Dieses Universalsystem passt sich an nahezu jede unbemannte Plattform an – von der zivilen Inspektions- und Logistikdrohne bis hin zu sUAV, Loitering Munition und C-UAS-Interceptoren. Wir sind sofort lieferfähig und können mehrere Tausend Hangar- und Startsysteme pro Woche in einem strukturierten Großserienprozess herstellen – gemeinsam mit unseren Fahrzeug-, Plattform- und Drohnenpartnern, die jeweils die andere Seite unseres Plug-and-Fight-Prinzips liefern.

Dabei ist unser System modular und an sehr viele unterschiedliche UAS-Typen anpassbar. Wir setzen spezielle Materialien ein, um die Hangars konsequent gewichtszuoptimieren. Das ist besonders bei der Kombination mit UGV entscheidend: Gewicht ist Reichweite bei den UGV. Jedes eingesparte Kilogramm am Hangar erhöht die operative Reichweite und Nutzlastkapazität der Trägerplattform.

Unsere Module basieren zudem auf einem standardisierten Raster auf Basis von EUR-1-Paletten und lassen sich flexibel in die Containerlogik integrieren. Dadurch können sie effizient produziert, transportiert und instandgesetzt werden – ProSwarma folgt einem durchgängigen Ansatz von der Industrie ins Gefecht.

Es wird viel über Sättigung und Übersättigung des Gegners im Drohneneinsatz gesprochen. Was bedeutet das für Ihr System?

Dabei wird ein Aspekt oft übersehen: In der Diskussion um Sättigung und Übersättigung geht es meist nur darum, dass die Drohne selbst kostengünstig und in großer Stückzahl skalierbar gefertigt werden kann. Das greift zu kurz, denn dieselbe Anforderung gilt genauso für das Startsystem. Wer Tausende Drohnen produziert, aber keine ebenso skalierbare, kostengünstige und leichte Startinfrastruktur dazu hat, verlagert den Engpass nur von der Drohne auf den Start. Deshalb ist ProSwarma nicht nur auf Massenfertigung ausgelegt, sondern von Grund auf kostengünstig und gewichtsoptimiert, gleichzeitig aber robust und zuverlässig konstruiert.

UAS-Innovationszyklen sind extrem kurz. Wie stellen Sie sicher, dass ProSwarma nicht schon morgen veraltet ist?

Das ist tatsächlich der zweite entscheidende Punkt neben der Serienreife: Wir sind hochflexibel. Die aktuelle Entwicklung, etwa im Ukraine-Konflikt, zeigt, wie schnell sich Drohnen hinsichtlich Software, Geometrie und Einsatzkonzept verändern. Unser Designprinzip lautet “Standard außen, adaptiv innen”: Der Großteil des Hangars bleibt standardisiert, nur ein definierter, drohnenindividueller Bereich wird je Drohnentyp angepasst.

Das eröffnet eine strategische Möglichkeit: Wir können die Bundeswehr kurzfristig mit dem ProSwarma-System ausrüsten und damit eine Grundbefähigung für die Truppe schaffen. Die Truppe kann anschließend jede Drohneninnovation nutzen, die auf den Markt kommt – das ProSwarma-System selbst bleibt dabei die Konstante. Man muss also nicht mit jeder neuen Drohnengeneration auch die gesamte Start- und Missionsinfrastruktur neu beschaffen.

Sie sprachen eingangs von der zivilen Basis Ihrer Technologie. Wie zeigt sich das konkret?

Sehr konkret sogar. Ein Beispiel: Polizeifahrzeuge lassen sich mit ProSwarma-Hangars ausstatten, um automatisiert und platzsparend ein sUAV zu starten – für Observation und Lagefeststellung, etwa bei Verkehrskontrollen, Fahndungen oder Großlagen, ohne dass Beamte die Drohne manuell vorbereiten oder bedienen müssen.

Ähnlich beim THW und bei der Feuerwehr: Per Klick lässt sich ein sUAV starten, um bei einem Brand, einem Hochwasser oder einem sonstigen Unglücksfall schnell ein Lagebild zu gewinnen – oder um Notfallmaterialien wie Schwimmwesten, Nahrungsmittel und Verbandsmaterial in schwer zugängliches Gelände zu verbringen.

Ein drittes Feld ist der Schutz kritischer Infrastruktur: ProSwarma-Hangars lassen sich fest installieren, etwa an Energieanlagen oder Verkehrsknotenpunkten, und übernehmen dort dauerhafte Sicherungsaufgaben.

Das ist die eigentliche Basis, auf der das System entwickelt wurde: zivile Infrastruktur für unbemannte Luftfahrzeuge. Für welchen Zweck und mit welcher Nutzlast diese Infrastruktur eingesetzt wird, entscheidet der Anwender.

Was ist Ihr Fazit?

Wer heute Drohnen einsetzen will, braucht nicht nur die beste Drohne – sondern das beste und resilienteste System dahinter. Jedes Fahrzeug wird Drohnenträger. Jede Drohne, jede Plattform – an Land, in der Luft und auf See.

 

Text: Redaktion / af

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