Kosmos 2553: Russlands Atomwaffen im Weltraum

Atomwaffen – das Schreckgespenst des Kalten Krieges – sind zurück. Mit noch mehr Zerstörungskraft, noch stärkeren Auswirkungen, noch größerer Verbreitung. Und nicht nur auf der Erde, auch im Weltraum. So wurde Anfang 2024 ein russisches Programm zur Entwicklung einer nuklearen Anti-Satelliten-Waffe bekannt. Der russische „Forschungssatellit“ Kosmos 2553 soll sogar einen Dummy-Sprengkopf an Bord gehabt haben, als er 2022 ins All ging. Mit einer solchen Waffe könnte die Technologie in Europa zum Erliegen kommen.

Die vom US-Atomwaffen-Test „Starfish Prime“ erzeugten künstlichen Polarlichter von Honolulu aus gesehen.
Die vom US-Atomwaffen-Test „Starfish Prime“ erzeugten künstlichen Polarlichter von Honolulu aus gesehen.
Foto: U.S. Department of Defense

Sicher ist, dass Kosmos 2553 im Jahr 2022 ins Weltall ging und 2025 aufgrund einer Failure außer Funktion geriet, welche – so wissenschaftliche Stimmen – auf einen Strahlungseffekt zurückgeführt werden könnte. Denn schließlich müssten die spezifischen hohen Aktivitäten von Plutonium unter Weltraumbedingungen getestet werden, sollte man die Stationierung oder den Einsatz von Atomwaffen im Weltall planen.

Aber auch Länder, bei denen man zuerst einmal nicht an Atomwaffen denkt, hatten durchaus erfolgversprechende Programme, Südafrika zum Beispiel. Das dabei verwendete Kanonenrohr-Design, das bereits die Hiroshima-Bombe Little Boy besaß, sei „idiotensicher“, sagte Dr. Stefan Metzger, FKIE-Abteilungsleiter „Nukleare und Elektromagnetische Effekte“, heute beim FKIE-Technologieforum 2026 in Wachtberg. „Das Design muss man nicht mehr testen“, so Dr. Metzger. Auch das Verbringen der Atomwaffen stelle keine wirkliche Herausforderung mehr dar. „Das ist jetzt keine Rocket Science mehr, um eine Kernwaffe zu verschießen.“

Die Doomsday Clock tickt weiter

Anfang dieses Jahres hat schließlich sogar die Federation of American Scientists die berühmte Doomsday Clock vorgestellt. Diese Uhr zeigt die Zeit bis zu einem Atomkrieg an, um plakativ für das Thema zu sensibilisieren. Was dies bedeutet erklärt Dr. Metzger: „Wir waren noch nie so nah an einem Einsatz von Kernwaffen. Selbst während der Kuba-Krise nicht oder in den 1980er Jahren.“ Nach dem Ende des Kalten Krieges und der damaligen Beruhigung der Bedrohung gebe es jetzt wieder einen kontinuierlichen Anstieg „und wir nähern uns immer mehr dem Einsatz von Kernwaffen“.

Kernwaffen-Einsatz in der Exo-Atmosphäre

Eine Besonderheit in diesem Komplex stellt der Nukleareinsatz im Weltraum dar, also außerhalb der Atmosphäre, exo-atmosphärisch, im Bereich ab etwa 100 km Höhe. Dort gibt es keine Atmosphäre, wodurch sich kein Hitzeblitz bildet, kein Feuerball und auch keine Druckwellen. Gleichzeitig ist aber auch nichts da, was die Intensität der Strahlung abschwächt, beschreibt Dr. Metzger die Besonderheiten.

Positiv sei natürlich zu sehen, dass eine Atomwaffenexplosion in der Exo-Atmosphäre keinen negativen biologischen Effekt hätte. Der Mensch, die Natur und die Tierwelt müssten also keine negativen Auswirkungen durch radioaktive Strahlung befürchten, sie seien sicher. „Das Einzige, was nach unten wirkt, ist der nukleare elektromagnetische Impuls“, so Dr. Metzger. Doch dessen Auswirkungen seien enorm in der heutigen technologischen Welt.

Atomwaffen-Test Starfish Prime

Als besonders gut dokumentierten Test eines exo-atmosphärischen Atomwaffen-Einsatzes beschrieb Dr. Metzger den US-Test „Starfish Prime“, der im Juli 1962 in der Exo-Atmosphäre eine Sprengkraft von 1,4 Megatonnen entfesselte. Die Thor-Rakete von Starfish Prime wurde vom Johnston-Atoll, das im Pazifik über 1.000 km südwestlich von Hawaii liegt, aus gestartet. Der Gefechtskopf W-49/Mk-4 RV explodierte in etwa 400 km Höhe.

Diese Zahlen sind wichtig, da somit der Abstand zwischen der Explosion der Atombombe und Hawaii rund 1.400 km betrug, was in etwa der Strecke zwischen Hamburg und Neapel entspricht. Dennoch gab es auf Hawaii Auswirkungen. „Was man in Honolulu feststellte war, dass ein Teil der Straßenbeleuchtung ausfiel und die Telefone funktionierten nicht mehr“, beschreibt Dr. Metzger. Wobei die Abhängigkeit von technischen Ressourcen im Jahr 1962 weitaus geringer war als heute, Internet oder GPS-Nutzung gab es in der Zivilbevölkerung noch nicht einmal.

Die direkten Effekte der Nuklearexplosion im Weltraum hätten sich zudem nur am Boden ergeben, weil damals kaum Satelliten im Orbit waren. Heute wären hingegen natürlich auch sofortige Auswirkungen auf die Weltrauminfrastruktur zu erwarten, aber die gab es damals schlicht noch nicht, betont Dr. Metzger. Was es allerdings gab waren deutliche Nachwirkungen, sogenannte Late Effects.

„Die Erde hat ein Magnetfeld“, erläutert Dr. Metzger. „Das Magnetfeld ist fähig geladene Teilchen zu speichern. Und um die Erde gibt es zwei Strahlungsgürtel, einen inneren, der aus Elektronen und Protonen besteht, und einen äußeren, der vornehmlich aus Elektronen besteht.“

Einen Tag nach Starfish Prime seien im inneren Bereich Strahlungsflüsse gemessen worden, „die waren 100 bis 1.000-fach höher als zuvor“. Dies hatte besondere Auswirkungen auf Satelliten, da diese auf eine bestimmte Lebensdauer und somit Umweltresistenz ausgelegt wurden. Wenn die Belastung allerdings so deutlich viel höher ist, dann sinkt die Lebensdauer der Weltrauminfrastruktur entsprechend. Die Satelliten gehen also schneller kaputt. Sehr viel schneller. Damals fielen von den 25 Satelliten, welche die Erde umrundeten, neun aufgrund dieses Atomwaffen-Tests aus.

Auch wenn die Extreme sich in den folgenden Wochen und Monaten abbauten, war Starfish Prime noch bis in die 70er Jahre im inneren Bereich nachweisbar. Dr. Metzger erklärt: „Es hat ungefähr zehn Jahre gedauert, bis wieder das natürliche Umfeld generiert wurde.“

Zerstörung von Hamburg bis Neapel

In der heutigen Zeit sei allerdings nicht nur der Effekt auf die Satelliten zu betrachten, sondern vor allem auf die Erde. Bei Starfish Prime lagen rund 1.400 km zwischen der Explosion und Honolulu, wo die Telefone und teilweise Strom und Straßenlaternen ausfielen. Nimmt man Europa als Maßstab, wäre dies die Entfernung von Hamburg bis nach Neapel. Dabei wäre dies nur eine Strecke, bei einer Atomwaffenexplosion direkt über Europa müsste hingegen ein Radius von 1.400 km genommen werden. Und dazwischen: Sensible Hochtechnologie, die nicht militärisch gehärtet wurde und in der Vergangenheit bereits auf Sonnenstürme sensibel reagierte.

Laut der Einschätzung von Dr. Metzger würden allerdings auch die militärisch gehärteten Systeme mit einem solchen elektromagnetischen Impuls wahrscheinlich zerstört oder zumindest nachhaltig gestört werden. Für die zivile Elektronik würde eine Atomwaffenexplosion in der Exo-Atmosphäre hingegen das garantierte und sichere Aus bedeuten.

Ein Wissenschaftler aus dem Plenum ergänzte: „Elektronik wird geprüft mit einigen Volt pro Meter. Für die Automobil- und Medizintechnik hat man meistens zehn Volt pro Meter. Wir brauchen deshalb jetzt nicht zu diskutieren, ob wir 1.000 Volt pro Meter auf der Erdoberfläche mit einer atomaren Explosion erzeugen oder 2.000 Volt. Die Elektronik, die wir bei uns im Haushalt haben, die ist zerstört.“

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