„Deswegen denken wir aktuell auch über einen bundeswehreigenen Startplatz nach“, erklärte Verteidigungsminister Boris Pistorius, als er von einer notwendigen Diversifizierung von Launch-Möglichkeiten für Weltraum-Technik sprach. Beim Besuch von Isar Aerospace in Ottobrunn wurden gestern neue Elemente der deutschen Weltraumstrategie greifbar.

„Ich denke, unser heutiges Treffen setzt ein sehr wichtiges Signal, denn unsere Verteidigung unserer freien Welt beginnt im Weltraum“, erklärte Isar-Aerospace-Chef Daniel Metzler gestern beim Ministerbesuch in Ottobrunn. „Ohne eine Vernetzung im All können moderne Streitkräfte nicht bestehen und diese Satellitendaten sind der Schlüssel für militärische Aufklärung, Kommunikation und auch Zielerfassung.
Mit dieser Logik begrüßte Metzel den Minister bei dessen Besuch des Raumfahrtunternehmens Isar Aerospace. Die einhellige Meinung beider Männer: Der Weg der Bundeswehr führt zwangsläufig auch ins All.
Gerade der Krieg in der Ukraine habe gezeigt, wie verwundbar Streitkräfte werden, wenn satellitengestützte Aufklärung, Kommunikation und Zielerfassung ausfallen. Bekanntestes Beispiel dürfte hier der private Anbieter Starlink sein, der seine Dienste zeitweise abschaltete.
Nach Ansicht von Pistorius und der Bundeswehr brauche Deutschland deshalb mehr eigene, souveräne Satellitenkapazitäten. Satelliten bauen könne man in Deutschland, davon konnte sich der Minister zuvor bereits bei OHB in Bremen ein Bild machen.
Auch Rheinmetall baut derzeit eine Satellitenproduktion am Niederrhein auf. Kritisch wird es bei der Frage, wie diese Technik ins All gelangt. Genau hier soll auch das 35-Milliarden-Euro-Paket ansetzen, das der Minister im Herbst vergangenen Jahres angekündigt hatte.
Im Weltraum mitspielen – das liefert Isar Aerospace
Damit die Technik ihren Weg ins All findet, benötigt es zwei wichtiger Komponenten, an denen es derzeit in ganz Europa mangelt: Startplätze und Trägerraketen. Vorhandene Kapazitäten bei Ariane oder beim Weltraumbahnhof Französisch-Guayana sind begrenzt. Deutsche und europäische Satelliten gelangen heute fast ausschließlich mit Falcon-Raketen von Elon Musk ins All.

Dass es schon bald anders gehen könnte, zeigte Metzler beim Ministertermin in Ottobrunn: Isar Aerospace deckt nach eigenen Angaben die gesamte Wertschöpfungskette ab, von der Serienproduktion der Trägerrakete bis zum Betrieb eigener Startplätze.
Nur wenige Kilometer vom Standort in Ottobrunn entsteht demnach Europas größte, voll integrierte Raketenfabrik, die künftig bis zu 40 Trägerraketen pro Jahr produzieren soll; laut Metzler eine Verzehnfachung der heutigen Kapazität.
Hinzu kommt der bereits bestehende Weltraumbahnhof in Andøya in Norwegen, dem ersten seiner Art auf dem europäischen Festland, sowie ein geplanter zweiter Standort in Kanada. Metzler sprach von einem strategischen Netzwerk aus Weltraumbahnhöfen, das gemeinsam mit weiteren Partnernationen aufgebaut werden solle.
Bundeswehr braucht die Verbindung zum All
Dass private Anbieter wie Isar Aerospace allein aber nicht ausreichen dürften, machte Pistorius deutlich: Weltweit könnten nur elf Nationen überhaupt Satelliten starten, die wenigsten davon seien Verbündete Deutschlands. Startkapazitäten der nächsten Jahre seien nahezu ausgebucht – weltweit.

Die nationale Sicherheit Deutschlands dürfe deshalb nicht „in kommerziellen Warteschlangen“ hängen bleiben, so der Minister bei Isar Aerospace. Neben einem Ausbau von Kooperationen denke man im Ministerium daher auch über einen eigenen Startplatz der Bundeswehr nach. Details zu möglichen Standorten oder Partnerländern wollte Pistorius auf Nachfrage nicht nennen.
Zugleich betonte er, dass es beim Ausbau von Startkapazitäten nicht um nationale Alleingänge gehen könne: Man stehe im engen Austausch mit Frankreich, Großbritannien und weiteren NATO-Partnern, um Launch- und Satellitenkapazitäten europäisch aufzubauen.
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