
Als Unternehmer weiß ich, wie viel zwischen der Entscheidung für zusätzliche Kapazitäten und einer zuverlässig laufenden Fertigung liegt. Maschinen, Personal und Zulieferer u.v.m. müssen zusammenkommen. Ein vergleichsweise unscheinbares Bauteil kann am Ende darüber entscheiden, ob ein teures Gesamtsystem ausgeliefert wird. Solche Abhängigkeiten möchte man rechtzeitig kennen.
Auch nach dreißig Tagen hoch intensiven Gefechts zählt’s
Bei der Bewertung militärischer Systeme schauen wir verständlicherweise auf deren Leistungsfähigkeit. Reichweite, Präzision und Schutzwirkung sind wichtig. Der Iran-Krieg führt uns aber vor Augen, wie eng diese Eigenschaften mit der verfügbaren Stückzahl und dem Nachschub verbunden sind.
Intensive Verteidigung verbraucht ebenfalls Munition. Und die muss ersetzt werden können, während der Einsatz weiterläuft. Mich interessiert als ehemaliger Soldat deshalb, ob der Schutz der Einheit / Verband auch nach Wochen intensiver Gefechte noch trägt. Als Unternehmer interessiert mich, ob die Produktion dahinter diesen Bedarf dauerhaft bedienen kann.

Das erklärt auch, weshalb neue Anbieter hier auf der AUSA so viel Aufmerksamkeit bekommen. Anduril hat mit Steelfin eine neue Familie von Abfangflugkörpern vorgestellt und rückt dabei die modulare Auslegung und eine skalierbare Fertigung in den Mittelpunkt. Das ist zunächst ein Entwicklungsversprechen. Ob es eingelöst wird, muss sich zeigen. Die Richtung ist dennoch bemerkenswert: Die Herstellbarkeit in großen Mengen wird ausdrücklich zum Argument für das Produkt.
Neue Ideen brauchen eine echte Chance
In diesen Zusammenhang gehört eine zweite Initiative, die auch mir bislang nicht hinlänglich bekannt war: xTech|Disrupt Fires. Hinter dem etwas sperrigen Namen steckt ein Wettbewerb der US Army. Gesucht werden kostengünstige Marschflugkörper mittlerer Reichweite und Abfangmittel gegen Drohnen. Für die Abwehrlösungen ist die Einbindung in vorhandene Führungs- und Luftverteidigungsstrukturen ein wesentlicher Punkt.
Interessant finde ich vor allem, wie die Army diese Suche organisiert. Unternehmen reichen zunächst ihre Konzepte ein. Es folgen Präsentationen vor Fachleuten und schließlich eine praktische Demonstration. Über die Wettbewerbsphasen hinweg sind bis zu 20 Millionen US-Dollar an Preisgeldern vorgesehen. Vier Finalisten sollen jeweils eine Million Dollar erhalten, um ihre Systeme für die Demonstration 2027 weiterzuentwickeln. Danach können bis zu vier Gewinner jeweils weitere vier Millionen Dollar bekommen. Anschlussverträge sind möglich, aber nicht garantiert.
Die Army beschreibt also einen Bedarf, öffnet den Wettbewerb und finanziert einen Teil des Weges zum praktischen Nachweis. Gerade für kleinere Unternehmen und Anbieter, die bisher nicht zum klassischen Kreis der Rüstungslieferanten gehören, kann das entscheidend sein.
Wer eine gute Idee hat, braucht schließlich mehr als die Gelegenheit, sie auf einer Messe vorzustellen. Entwicklung kostet Geld. Erprobung ebenfalls. Und ohne Zugang zu den militärischen Nutzern lässt sich schwer beurteilen, ob eine technisch überzeugende Lösung im Alltag einer Truppe überhaupt funktioniert.

Natürlich ist auch ein solcher Wettbewerb noch keine Beschaffung. Sein Wert entscheidet sich daran, ob aus erfolgreichen Demonstrationen später nutzbare Fähigkeiten werden. Aber die Teilnehmer bekommen einen konkreten Bedarf, fachliche Rückmeldung und finanzielle Mittel für den nächsten Schritt. Damit lässt sich als Unternehmer arbeiten. Gleichzeitig entsteht ein inhärentes Ökosystem zwischen Amts- u. Industrieseite, das auf Vertrauen und einem gemeinsamen Missionsziel basiert.
Was wir daraus mitnehmen sollten
Für mich gehören Manufacturing Rodeo und xTech zusammen. Die Army will überprüfen, wie belastbar ihre industrielle Versorgung ist, und gleichzeitig zusätzliche Anbieter und Lösungen erschließen. Das ist ein Ansatz, den wir uns genau anschauen sollten.
Ich möchte daraus keine Geschichte machen, in der in Amerika alles funktioniert und bei uns nichts. Schon die Diskussion über die amerikanischen Munitionsbestände zeigt, wie groß die Probleme auch hier sind. Und die angekündigten Vorhaben müssen ihre Wirkung erst noch beweisen.
Für Deutschland wünsche ich mir allerdings dieselbe Bereitschaft, industrielle Zusagen praktisch zu überprüfen und neuen Anbietern einen nachvollziehbaren Weg in die Beschaffung zu eröffnen. Wir brauchen beides: verlässliche etablierte Hersteller und Unternehmen, die mit neuen Ideen dazukommen. Zusätzliche eine bewegliche und pragmatische Amtsseite.
Dafür müssen Auftraggeber und Industrie Verantwortung übernehmen. Der Staat muss Bedarf und Finanzierung so verlässlich gestalten, dass Investitionen möglich werden. Unternehmen müssen belastbare Lieferzusagen machen und Schwierigkeiten rechtzeitig offenlegen. Die Truppe wiederum muss früh eingebunden sein, damit am Ende etwas ankommt, mit dem sie ihren Auftrag erfüllen kann.
Ein großer Auftrag ist ein guter Anfang. Entscheidend wird, wann daraus eine ausgebildete, ausgerüstete und dauerhaft versorgbare Truppe entsteht. Abschreckung braucht einen Liefertermin. Ob wir ihn halten können, sollten wir vorher ausprobiert haben.
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