Auf der polnischen Rüstungsmesse MSPO in Kielce präsentierte das polnische Unternehmen EYCORE – im Beisein des stellvertretenden Ministerpräsidenten und Verteidigungsministers Władysław Kosiniak-Kamysz – offiziell die ersten Aufnahmen der Erdoberfläche, die vom Satelliten EYCORE-1 stammen. Die Bilder bestätigen, dass das unternehmenseigene SAR-System unter realen Bedingungen im Orbit erfolgreich arbeiten kann. Dies stellt einen der wichtigsten Meilensteine in der Geschichte von EYCORE und des polnischen Raumfahrtsektors dar, so das Unternehmen bei der Präsentation.

EYCORE-1 wurde bereits am 3. Mai 2026 von der Vandenberg Space Force Base in Kalifornien aus an Bord einer SpaceX-Rakete vom Typ Falcon 9 in den Orbit gebracht. Nach der Inbetriebnahme und Kalibrierung des Systems erfasste der Satellit erste Radardaten, aus denen die ersten Aufnahmen generiert wurden. Bei EYCORE-1 handelt es sich um den ersten polnischen Earth Observation Satellite.
„Die Gewinnung der ersten Aufnahmen durch einen polnischen SAR-Satelliten bestätigt, dass Polen in der Lage ist, fortschrittliche Erdbeobachtungstechnologien zu entwickeln. Es freut mich besonders, dass dies der Erfolg eines polnischen Unternehmens ist, das Fähigkeiten aufbaut, die für die nationale Verteidigung und Sicherheit, den Schutz kritischer Infrastrukturen sowie für unsere technologische Souveränität von Bedeutung sind. Ich schätze es sehr, dass EYCORE in junge polnische Talente investiert und seine Lösungen auf diesen aufbaut. Dies ist die beste Investition in die Sicherung unserer Zukunft. Weltraumtechnologien sind bereits zu einer der tragenden Säulen der Verteidigungsfähigkeit geworden und gewinnen sowohl in zivilen als auch in militärischen Anwendungen enorm an strategischer Bedeutung“, erklärte der stellvertretende Ministerpräsident und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz.
Die Aufnahmen bestätigen die Funktionsweise der gesamten Technologiekette: vom Radar und der ausfahrbaren Antenne über den Betrieb aller Satelliten-Subsysteme im Orbit bis hin zur Datenübertragung, dem Empfang und der abschließenden Verarbeitung auf der Erde.
„Heute bin ich stolz darauf, bekannt zu geben, dass polnische Radartechnologie im Weltraum im Einsatz ist. Wir sind das zweite private Unternehmen in Europa, das seine eigene SAR-Technologie im Orbit erfolgreich demonstriert hat. Es ist uns eine Ehre, diese Leistung heute dem stellvertretenden Ministerpräsidenten und Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz zu präsentieren, insbesondere da unsere Fähigkeiten zur Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit Polens beitragen werden“, sagte Dr. Maciej Klemm, Mitgründer und CEO von EYCORE, während der Präsentation. Damit hat EYCORE-1 das Hauptziel seiner Demonstrationsmission erreicht: die Validierung polnischer SAR-Technologie im Weltraum und die Etablierung von EYCORE als zweitem privaten Unternehmen in Europa, das SAR-Technologie betreibt, die sich im niedrigen Erdorbit (LEO) bewährt hat. Angesichts der aktuellen geopolitischen Herausforderungen Europas ist dies eine entscheidende Fähigkeit. Der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, dass die Schaffung eines Lagebilds mithilfe von Instrumenten wie Radarbildern eine wesentliche militärische Fähigkeit darstellt.
„Die ersten Bilder sind für uns die wichtigste Bestätigung dafür, dass die vom polnischen Team entwickelte Technologie im Orbit funktioniert. EYCORE-1 hat die Aufgabe erfüllt, für die es als Demonstrator gebaut wurde. Wir gehen nun zur nächsten Phase über: der Anwendung unserer Erfahrungen auf die Entwicklung neuer Systeme und Produkte, für die weltweit eine wachsende Nachfrage besteht. Die Revolution der weltraumgestützten SAR-Systeme hat gerade erst begonnen, und wir stehen an der Spitze dieses Wandels“, betonte Maciej Klemm.
EYCORE: Im Orbit bewährte polnische Technologie
EYCORE-1 ist der erste Satellit von EYCORE, der mit dem unternehmenseigenen polnischen SAR-Radar ausgestattet ist und in den Orbit gebracht wurde. Die Satellitenplattform wurde von Kongsberg NanoAvionics geliefert. EYCORE entwickelte und fertigte die zentrale Nutzlast der Mission: das Radar samt SAR-Antenne. Das Unternehmen baut seine Kompetenzen und Produktionskapazitäten in Gdynia und Krakau aus. Im März 2026 unterzeichnete es eine Erklärung mit dem Ministerium für Nationale Verteidigung, in der die aktive Beteiligung an der Entwicklung des „Green Industrial District Kaszubia“ sowie Investitionen in Höhe von insgesamt 50 Millionen PLN bestätigt wurden.
Die Gewinnung von Praxisaufnahmen verleiht der Technologie von EYCORE einen nachgewiesenen operativen Status im Orbit und stärkt die Glaubwürdigkeit bei Kunden und Partnern. Die Lösung ist modular aufgebaut, sodass sich die SAR-Sensoren des Unternehmens in Mikrosatellitenplattformen verschiedener Hersteller integrieren lassen. EYCORE kann entweder das Radarsystem selbst liefern oder an der Konzeption und Bereitstellung kompletter Erdbeobachtungssysteme mitwirken.
SAR (Synthetic Aperture Radar) ist eine aktive, radarbasierte Technologie zur Erdbeobachtung. Im Gegensatz zu optischen Sensoren sendet das Radar ein eigenes elektromagnetisches Signal aus und analysiert das von der Erdoberfläche sowie den darauf befindlichen Objekten reflektierte Signal. Dies ermöglicht Beobachtungen unabhängig von der Tageszeit und unter Bedingungen, die die Leistungsfähigkeit herkömmlicher Satellitenbildgebung stark einschränken würden. Erfahrungen für das CAMILA-Programm
Die bei der Inbetriebnahme, Kalibrierung und dem Betrieb von EYCORE-1 gewonnenen Erkenntnisse fließen in die nachfolgenden Projekte des Unternehmens ein, darunter das Programm CAMILA (Country Awareness Mission in Land Analysis). Durchgeführt in Zusammenarbeit
In Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) zielt das Programm auf die Entwicklung einer nationalen Satellitenkonstellation ab. Creotech Instruments fungiert als Hauptauftragnehmer für das System, während EYCORE für die Entwicklung und Bereitstellung der SAR-Radarkomponente verantwortlich ist.
Die mit EYCORE-1 im Orbit gewonnenen Erfahrungen tragen dazu bei, technische Risiken bei nachfolgenden Missionen zu verringern und künftige Generationen von Radarsystemen zu optimieren. Für EYCORE stellt dies zudem einen weiteren Schritt zum Aufbau einer europäischen Wertschöpfungskette im Weltraumsektor dar – von der Sensorkonzeption über Fertigung und Integration bis hin zum Betrieb im Orbit und der Datenverarbeitung.
Text: Redaktion / af
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