Nach monatelangen Diskussionen zeichnet sich die finale Richtungsentscheidung ab: Meko-Fregatten von TKMS werden die neuen U-Jagd-Fregatten der Deutschen Marine, um deren ASW-Fähigkeiten (Anti Submarine Warfare) als kommende F126 abzubilden. Doch auch die neue Meko-Klasse soll nicht „von der Stange“ beschafft werden, wie Defence Network aus militärischen Kreisen erfahren konnte – mit absehbaren Folgen für die Kosten und den Zeitplan.
Defence Network hatte als erstes Medium darüber berichtet: Das Aus der F126 von Damen und stattdessen die Realisierung der kommenden U-Jagd-Fregatten der Deutschen Marine als Meko von TKMS stand bereits seit Monaten im Raum. Doch das Verteidigungsministerium zögerte noch mit der finalen Entscheidung. Hoffte, dass die mittlerweile zur Rheinmetall gehörende NVL mit den Entwürfen und den bereits vorhandenen Teilen das Projekt F126 übernehmen könnte. 33 Millionen Euro bezahlte Deutschland an die Rheinmetall-Tochter, damit diese alles Vorhandene sichtet, alle Daten übernahm, und dann ein eigenes Angebot unterbreitete.
Doch gestern berichtete der Spiegel, dass im Verteidigungsministerium auch diese Option für die F126 nicht gezogen würde. „Nun will sich Pistorius nach SPIEGEL-Informationen auf die Meko-Option festlegen und insgesamt acht Fregatten des Typs beschaffen. Von der Führung der Marine wird dies dem Vernehmen nach mitgetragen“, so der Spiegel. „Ausschlaggebend für die neue Linie von Pistorius war nach SPIEGEL-Informationen auch, dass die ursprünglich mit dem Bau der F126 beauftragte Damen-Werft sich Regressforderungen gegen die Bundesregierung vorbehält und dieses Risiko als schwer kalkulierbar gilt. Pistorius soll bereits das Bundeskanzleramt informiert haben, um sich mit Kanzler Friedrich Merz abzustimmen. Eine Bestätigung gab es dafür am Dienstagabend nicht.“
Keine Meko von der Stange für F126
Wie Defence Network aus militärischen Kreisen erfahren konnte, wird es sich allerdings erneut „nicht um einen Kauf von der Stange handeln“, sondern es wären bereits Anpassungswünsche an TKMS herangetragen worden. Die üblicherweise gut informierte Quelle betonte dabei, dass Deutschland seines Wissens nach noch nie von der Stange gekauft hätte und es auch bei der Meko deutsche Neuerungen geben werde, wodurch sich der Zulauf sowohl verzögert als auch verteuert.
Der Spiegel hatte ähnliches berichtet: „War der Stückpreis für die Meko-Fregatten ausgehend von Angeboten für den Export von Schiffen dieses Typs auf etwa eine Milliarde Euro pro Schiff geschätzt worden, dürften die Kosten für die Bundeswehr deutlich höher liegen. Aufgrund von Wünschen der Marine für eine bessere Ausstattung geht das Bundesverteidigungsministerium nach Informationen des SPIEGEL davon aus, dass jedes der Schiffe mit 1,6 Milliarden zu Buche schlagen dürfte.“
Diesen Preis wollte die Quelle aus Bundeswehrkreisen gegenüber Defence Network nicht bestätigen, sagte allerdings, dass es durchaus hinkäme, wenn man alles zusammenrechnet.
Es gibt übrigens doch ein Waffensystem, das die Bundeswehr tatsächlich komplett von der Stange gekauft hat, ohne eine einzige Änderung: Die P-8A Poseidon – ebenfalls U-Jagd und aktuell eines der erfolgreichsten Vorzeigebeschaffungsvorhaben der Bundeswehr. Ein Beispiel das zeigt, dass auch bei der U-Jagd keine Germanisierungen für erfolgreiche Missionen notwendig sind.
Bestätigung aus dem BMVg
Mittlerweile hat das BMVg die Informationen bestätigt. „Das Bundesministerium der Verteidigung hat entschieden, dass der Bau von insgesamt sechs Fregatten des Typs F126 nicht weiterverfolgt wird. Es reagiert damit auf die erheblichen Verzögerungen im Projekt, die absehbaren Kostensteigerungen und Risiken, die mit einem Generalunternehmerwechsel einhergegangen wären. Vorbehaltlich der Billigung durch den Haushaltsausschuss wird alternativ und eng abgestimmt mit dem Inspekteur der Marine der Kauf von insgesamt acht MEKO-Fregatten – primär für die Uboot-Jagd – angestrebt“, lautete die heutige Mitteilung aus dem BMVg.
Zum weiteren Vorgehen schreibt das BMVg in seiner Mitteilung: „Der Inspekteur der Marine hat nach intensiver Prüfung bestätigt, dass die Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU in der Lage wären, den Kernauftrag der Deutschen Marine zur Uboot-Jagd und damit auch unsere NATO-Verpflichtungen zu erfüllen. Darüber hinaus bietet ein einheitlicher Schiffstyp erhebliche Vorteile bei Betrieb, Wartung und Ausbildung.
Das BMVg beabsichtigt, dem Haushaltsausschuss des Bundestages schnellstmöglich die Entscheidungsgrundlage für den Kauf von acht MEKO-Fregatten vorzulegen. So können die der NATO zugesagten Kräftebeiträge schnellstmöglich realisiert werden.
Der Beschaffungspreis für die ersten vier Fregatten MEKO A-200 würde vorbehaltlich der Billigung des Haushaltsausschusses rund 6,3 Mrd. Euro betragen. Die Option über vier weitere Schiffe könnte bis Ende 2026 für rund 5,3 Mrd. Euro ausgelöst werden.
Die Kostensteigerungen der Fregatten MEKO A-200 gegenüber der im Haushalt ursprünglich veranschlagten Summe basieren auf der Umwandlung der industrieseitigen Kostenschätzung in ein verbindliches Vertragsangebot der TKMS. Die nach eingehender Prüfung der Marine unverzichtbaren Maßnahmen zur Ergänzung des Angebots machen dabei nur rund fünf Prozent der Gesamtkosten aus und sind damit kein maßgeblicher Treiber für die Preisentwicklung.“
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