F126 versenkt: Pistorius setzt auf acht MEKO-200-Fregatten

Das größte Rüstungsprojekt in der Geschichte der Deutschen Marine steht vor dem Abbruch: Nach Informationen des Magazins „Der Spiegel“ will Verteidigungsminister Boris Pistorius die Fregatte F126 endgültig beerdigen und stattdessen acht kleinere MEKO-A-200-Fregatten von TKMS beschaffen. Was nach einer pragmatischen Lösung aussieht, wirft die Frage auf, ob die Bundeswehr damit einen massiven Fähigkeitsverlust hinnimmt. Auch über den Preis dürfte noch zu reden sein.

Die erste F126 soll im Jahr 2028 ausgeliefert werden. Schiff fünf und sechs sollen 2033 bzw. 2034 an die Deutsche Marine gehen.
Die erste F126 sollte im Jahr 2028 ausgeliefert werden.
Bild: Damen Naval

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius plant nach Informationen des „Spiegel“ von gestern Abend, aus dem größten Rüstungsprojekt in der Geschichte der Marine auszusteigen. Das von mehreren Problemen geplagte Projekt zum Bau der Fregatten vom Typ F126 solle endgültig nicht mehr fortgesetzt werden.

Stattdessen wolle Pistorius sich auf die MEKO-200-Option von TKMS festlegen und nicht nur – wie bisher als Brückenlösung bekannt – vier, sondern insgesamt acht Fregatten dieses Typs beschaffen. Eine Stückzahl, die Defence Network bereits im September 2025 prophezeite.

Mögliche Gründe für den Ausstieg

Die Geschichte des F126-Projekts ist seit der Bestellung im Juni 2020 durch die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen geprägt von steigenden Kosten und schwindenden Vertrauens. Ursprünglich plante das Ministerium mit insgesamt 5,27 Milliarden Euro für vier Fregatten; Pistorius hatte die Order 2024 auf sechs Schiffe aufgestockt.

Kiellegung erste Fregatte 126: Der Kiel als erstes sichtbares Bauteil der zukünftigen Fregatte "NIedersachsen".
Der Kiel als erstes sichtbares Bauteil der geplanten Fregatte "NIedersachsen".
Foto: cpm / Navid Linnemann

Nach Problemen bei der niederländischen Werft Damen und dem Wechsel des Generalunternehmers zur inzwischen von Rheinmetall übernommenen Lürssen-Tochter Naval Vessels Lürssen waren zuletzt rund zehn Milliarden Euro für das Projekt vorgesehen.

Im Mai bot Rheinmetall dem Ministerium schließlich an, das Programm für insgesamt 12,8 Milliarden Euro zu retten. Pro Fregatte der Niedersachsen-Klasse wurde mit Kosten von jeweils 1,7 Milliarden Euro gerechnet. Dazu sollten noch ein Servicepaket für rund 1,6 und ein finanzieller Puffer von einer Milliarde Euro kommen.

Der Spiegel berichtet über Schätzungen von Bundestagsabgeordneten, die bereits investierte Mittel von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro beziffern. Für den jetzt vermutlich anstehenden Abbruch des gesamten F126-Programms sei nach Informationen des Spiegels allerdings nicht nur die Preisvorstellung der Rheinmetall Division Naval Systems ursächlich, sondern auch mögliche Regressforderungen gegen die Bundesregierung von Damen.

Die Brückenlösung MEKO-200

Was zunächst als reine Übergangslösung gedacht war, entwickelt sich nun zum Ersatzprogramm. Die kleinere, aber etablierte MEKO A-200 von TKMS sollte schneller lieferbar sein, um wenigstens die Fähigkeitszusagen an die NATO erfüllen zu können. Wären dann die F126 gekommen, hätte man die MEKOs an andere NATO-Staaten weiterverkaufen können. Die MEKO A-200 DEU wird zudem bereits unter der Bezeichnung F128 geführt.

So könnte die MEKO A-200 DEU für die Deutsche Marine aussehen.
So könnte die MEKO A-200 DEU für die Deutsche Marine aussehen.
Illustration: TKMS

Anfang Februar startete die Beschaffung von zunächst vier MEKO 200 durch einen Vorvertrag zwischen TKMS und BAAINBw über bis zu 50 Millionen Euro, der die Reservierung von Fertigungsslots, die Bestellung von Material sowie Projektmanagement- und Konstruktionstätigkeiten sicherte. So sollte sichergestellt werden, dass die erste MEKO A200 DEU bereits 2029 an die deutsche Marine übergeben werden kann.

Eine schnelle Lieferung der Schiffe ist vor allem aus einem Grund nötig: Die Bundesregierung hat gegenüber der NATO zugesagt, ab 2028 Fähigkeiten zur U-Boot-Jagd im Nordatlantik bereitzustellen. Genauer: das als GIUK bezeichnete Seegebiet zwischen Großbritannien, Island und Grönland.

Hier liegt der einzige Zugang der russischen Nordmeerflotte zum Atlantik und zugleich handelt es sich um den wichtigsten NATO-Nachschubweg von Nordamerika nach Europa.

Schiffe im Vergleich – Das Preis-Leistungs-Verhältnis

Doch stellt sich die Frage, ob die MEKO 200 überhaupt in der Lage sind, dieses Fähigkeitsversprechen zu erfüllen. Technisch liegt zwischen beiden Fregattentypen ein erheblicher Unterschied.

Die F126 war als 166 Meter langes Schiff mit 10.500 Tonnen Verdrängung konzipiert. Obwohl die mangelnde Bewaffnung der F126 immer wieder kritisiert wurde, hätte es sich dennoch um ein Kampfschiff gehandelt, welches noch Kapazitäten für künftige Nachrüstungen – wie beispielsweise Laser – geboten hätte.

Die MEKO A-200 dagegen ist mit 121 Metern Länge und 3.950 Tonnen Verdrängung deutlich kleiner. Sie basiert auf der seit den 1980er-Jahren bewährten, modularen MEKO-Plattform von TKMS, die bereits erfolgreich an zahlreiche Marinen exportiert wurde. Möglich ist demnach ebenfalls ein auf U-Jagd ausgelegtes Profil des Schiffs, jedoch in kompakterer Bauweise mit weniger Wachstumspotenzial für künftige Sensorik und Bewaffnung.

Die Al Aziz ist die erste MEKO 200 für Ägypten.
Die Al Aziz ist die erste MEKO 200 für Ägypten.
Foto: wikimedia / Ein Dahmer

Bei den Kosten zeigt sich laut Spiegel, dass auch die vermeintlich günstigere Alternative deutlich teurer wird als ursprünglich kalkuliert. War der Stückpreis der MEKO-Fregatten ausgehend von früheren Exporten zunächst auf etwa eine Milliarde Euro pro Schiff geschätzt worden, geht das Verteidigungsministerium inzwischen davon aus, dass jedes der bisher angepeilten vier Schiffe mit 1,6 Milliarden Euro zu Buche schlägt.

Da eine zweite Tranche nach Überzeugung des Ministeriums günstiger sein sollte, rechnet man in Berlin mit Kosten von knapp zwölf Milliarden Euro für den Bauvertrag sowie zusätzlichen rund 700 Millionen Euro für weitere Leistungen.

Es stehen also rund 12,7 Milliarden Euro für acht MEKO-Fregatten 200 den eingangs erwähnten 12,8 Milliarden für sechs F126 gegenüber. Für den Vergleich der beiden Programme nennt der Spiegel-Artikel dann jedoch noch eine andere (nicht näher ausgeführte) Zahl von 16,4 Milliarden Euro. (Der Unterschied von 3,6 Milliarden Euro könnte sich aus der Sichtweise ergeben: einerseits das Angebot von Rheinmetall, andererseits die vom Spiegel erwähnte Schätzung des Ministeriums.)

U-Jagd auf zwei sehr unterschiedlichen Plattformen

Zentrales Bewertungskriterium für den Vergleich von F126 und MEKO 200 sollte die Fähigkeit zur U-Boot-Jagd (ASW, Anti-Submarine Warfare) sein – eben jene dringend benötigte Fähigkeit für ein mögliches Kriegsszenario mit Russland.

Für die F126 war ein tieffrequentes Aktiv-Schleppsonar (Low Frequency Towed Active Sonar System, LFTASS) der Firma Atlas Elektronik. Geortete Ziele sollten dann mit dem bekannten und bewährten Leichtgewichtstorpedo UAW 90 bekämpft werden. Ergänzt worden wäre die ASW-Fähigkeit zudem durch ein separates, containerbasiertes Missionsmodul „ASW-Lagebild“.

Der diesel-elektrische CODLAD-Antrieb der F126 hätte zudem den Vorteil einer geringeren Geräuschemission gehabt, was dem Lauschen nach gegnerischen U-Booten dienlich gewesen wäre.

Die MEKO A-200 DEU verfolgt einen anderen, kompakteren Ansatz mit fest integrierter statt modularer ASW-Ausstattung, wobei die exakte Systemkonfiguration der MEKO A-200 DEU noch nicht final festgelegt ist. Nach aktuellem Planungsstand soll die deutsche MEKO-Variante mit einem Rumpfsonar sowie Torpedorohren ausgerüstet werden.

Landung in Berlin: Der neue NH90 Sea Tiger für die Marine.
Landung in Berlin: Der neue NH90 Sea Tiger für die Marine.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Ergänzt wird die zukünftige F128 durch den Bordhubschrauber NH90 Sea Tiger. Diese für die U-Jagd prädestinierten Helikopter waren auch für die F126 vorgesehen. An dieser Stelle zeigt sich ein Problem der kleineren MEKO 200: Während für die F126 gleich zwei rund elf Tonnen schwere NH90 Sea Tiger MRFH vorgesehen waren, dürften diese auf der F128 keinen Platz haben. Die kleineren Fregatten von TKMS sind nur für einen mittelschweren– oder alternativ zwei leichte – Hubschrauber ausgelegt.

Aus F126 mach F128 – Was sagt die Marine?

Sollte der Abbruch der F126 tatsächlich so eintreten, reiht sich diese Beschaffung in eine lange Liste von Rüstungsprojekten ein, die an Komplexität, Generalunternehmer-Problemen und eskalierenden Kosten gescheitert sind. Nach dem Aus des NGF vor zwei Wochen kommt erneut die Frage auf, warum solche Großprojekte in der Beschaffung regelmäßig in Schieflage geraten. Auf die Franzosen kann man es bei der F126 jedenfalls nicht schieben.

Für die Marine bedeutet der mutmaßliche Ausstieg zunächst einmal Klarheit nach einem Jahr der Unsicherheit. Auch wenn das zu Ende gehende Kapitel bereits über zwei Milliarden Euro Steuergelder verbraucht hat, ohne dass ein einziges Schiff geliefert wurde.

Eine der modernsten russischen U-Boot-Klassen ist das Projekt 955 mit strategischen atomgetriebenen U-Booten wie hier im Bild die K-535 während der Erprobung 2010.
Eine der modernsten russischen U-Boot-Klassen ist das Projekt 955 mit strategischen atomgetriebenen U-Booten wie hier im Bild die K-535 während der Erprobung 2010.
Foto: wikimedia / Schekinov Alexey Victorovich

Rechnet sich der Wechsel von F126 zu F128 am Ende tatsächlich? Das lässt sich heute nicht klar beantworten. Rein finanziell ist die MEKO-Lösung mit acht Schiffen deutlich günstiger als die sechs F126, doch wird die Ersatzlösung allein aufgrund ihrer geringeren Größe Einbußen bei Sensorik, Bewaffnung und Reichweite machen müssen.

Ob die größere Stückzahl diesen qualitativen Unterschied in der Praxis kompensiert und ob er für Missionen im Nordatlantik überhaupt ins Gewicht fällt, bleibt offen – ebenso wie die Frage, ob auch bei der MEKO-Beschaffung mit 1,6 Milliarden Euro wirklich das Ende der finanziellen Fahnenstange erreicht ist. Immerhin war man bis vor wenigen Wochen noch von einer Milliarde pro Schiff ausgegangen.

Unter dem Strich erkauft sich die Bundeswehr mit dem Wechsel zur MEKO zwar eine finanzielle Einsparung und eine gewisse Liefersicherheit, zahlt dafür aber mit einem dauerhaft kleineren und weniger ausbaufähigen Schiffstyp als ursprünglich für die Landes- und Bündnisverteidigung vorgesehen. Spannend wird jetzt, wie die deutsche Marine auf diese politische Entscheidung reagieren wird und welche Aussagen dort zum Vergleich der Fähigkeiten getroffen werden.

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