IndustrieInterviewLogistik

Dezentrale Logistik: Resilienz durch Verteilung und Mobilität

Bataillon oder Brigade – wie schnell lässt sich einsatzbereite Infrastruktur wirklich liefern? Im Interview spricht Philipp Eschenbach, Co-Geschäftsführer der Eschenbach Zeltbau GmbH & Co. KG,  über das Unternehmensmotto „Factory to Foxhole“, die Grenzen der Geschwindigkeit und warum er dezentrale, resiliente Logistikstrukturen für die Antwort auf aktuelle Bedrohungsszenarien hält.

Philipp Eschenbach steht vor dem Firmengebäude der Firma Eschenbach mit dem markanten Turm und blauem Schriftzug im Hintergrund
Philipp Eschenbach, Co-Geschäftsführer der Eschenbach Zeltbau GmbH & Co. KG, vor dem Firmengebäude seines Unternehmens
Foto: Eschenbach
Herr Eschenbach, können Sie unseren Lesern einleitend einen kurzen Umriss Ihres Unternehmens geben und konkret gefragt: Was kann die Eschenbach Group militärischen Kunden anbieten?

Die Eschenbach Group steht seit über 50 Jahren für temporäre und mobile Raumlösungen „Made in Germany“. Als familiengeführtes Unternehmen verfügen wir über jahrzehntelange Erfahrung in der Planung, Produktion und Umsetzung komplexer Infrastrukturprojekte.

Wir bieten unseren Kunden weit mehr als einzelne Hallensysteme. Unsere Stärke liegt in der Entwicklung ganzheitlicher Lösungen – von der ersten Planung über die Produktion und Logistik bis hin zur Montage und Inbetriebnahme.

Für militärische und sicherheitsrelevante Anwendungen können wir schnell verfügbare, skalierbare und robuste Infrastruktur bereitstellen. Dazu gehören beispielsweise Unterkünfte, Logistik- und Lagerflächen, Wartungs- und Arbeitsbereiche sowie individuelle Raumlösungen für unterschiedliche Einsatzszenarien.

Aus meiner Sicht wird temporäre Infrastruktur künftig eine wesentlich größere Rolle spielen. Die sicherheitspolitische Lage verlangt nach Lösungen, die nicht erst über Jahre geplant und gebaut werden müssen, sondern kurzfristig verfügbar und flexibel anpassbar sind. Genau hier sehen wir unsere Kompetenz und unseren Beitrag.

„Made in Germany“ bezeichnen Sie als geopolitische Unabhängigkeit und betonen, dass aus Ihrer Sicht verteilte, geschützte Logistikpunkte eine sinnvolle Antwort auf Bedrohungsszenarien sind – wie unterscheidet sich dieser dezentrale Ansatz konkret von klassischen ortsfesten Militärinfrastrukturen und welchen Anteil kann die Eschenbach Group daran haben?

Klassische militärische Infrastruktur ist in vielen Fällen langfristig geplant, dauerhaft an einem Standort gebunden und auf zentrale Liegenschaften ausgerichtet. Diese Infrastruktur bleibt selbstverständlich unverzichtbar. Ich bin jedoch überzeugt, dass sie künftig durch flexible und dezentrale Strukturen ergänzt werden muss.

Unser Ansatz besteht darin, Infrastruktur dort bereitzustellen, wo sie tatsächlich benötigt wird. Das kann bedeuten, zusätzliche Logistikflächen, Lagerkapazitäten oder Arbeitsbereiche kurzfristig an unterschiedlichen Standorten zu schaffen und diese bei veränderten Anforderungen anzupassen oder zu verlagern.

Der entscheidende Punkt ist für mich die Resilienz. Wenn Kapazitäten auf mehrere Standorte verteilt werden können, entsteht eine größere Flexibilität und eine geringere Abhängigkeit von einzelnen zentralen Punkten.

Die Eschenbach Group kann dabei einen wichtigen Teil der physischen Infrastruktur liefern. Wir können modulare Raumlösungen planen, produzieren, transportieren und montieren und diese an die jeweiligen Anforderungen anpassen.

Mehrere modulare Leichtbauhallen auf einem befestigten Gelände mit abgestellten roten Schwerlastanhängern im Inneren
Mehrere modular aufgebaute Leichtbauhallen auf einem befestigten Freigelände als geschützte Unterstände für Fahrzeuge und Material.
Foto: Eschenbach

„Made in Germany“ hat für mich in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung. Es geht nicht ausschließlich um Qualität. Es geht um eigene Produktionskapazitäten, eigenes Know-how und möglichst kurze sowie kontrollierbare Lieferketten. In einer geopolitisch angespannten Situation ist diese Unabhängigkeit aus meiner Sicht ein strategischer Vorteil.

Sie bieten strategische Partnerschaften mit einem Vorhaltevertrag an, um im Bedarfsfall maximale Einsatzfähigkeit zu gewährleisten – wie funktioniert ein solches Modell konkret, und in welchem Umfang steht Eschenbach bereits mit der Bundeswehr oder NATO-Partnern in vertraglich abgesicherter Bereitschaft?

Die Grundidee eines Vorhaltevertrages ist relativ einfach: Man wartet nicht auf den Ernstfall, um über verfügbare Infrastruktur zu sprechen.

Gemeinsam mit dem Kunden werden bereits im Vorfeld konkrete Kapazitäten und Prozesse definiert. Das kann beispielsweise bestimmte Infrastruktur, Materialbestände, Logistikleistungen oder Montagekapazitäten betreffen. Ebenso können Reaktionszeiten, Alarmierungswege und Einsatzgebiete im Voraus festgelegt werden.

Der große Vorteil besteht darin, dass im Bedarfsfall nicht erst sämtliche Entscheidungen getroffen und Ressourcen beschafft werden müssen. Die wesentlichen Abläufe sind bereits vorbereitet.

Zu konkreten Vertragsverhältnissen oder möglichen Vereinbarungen mit der Bundeswehr beziehungsweise NATO-Partnern möchte ich mich öffentlich nicht im Detail äußern. Solche Informationen können vertraglich oder sicherheitsrelevant sein.

Grundsätzlich kann ich jedoch sagen, dass wir ein großes Interesse daran haben, langfristige und strategische Partnerschaften mit öffentlichen Auftraggebern und internationalen Partnern weiter auszubauen. Aus meiner Sicht wird die garantierte Verfügbarkeit von Infrastruktur in Zukunft deutlich wichtiger werden.

„Factory to Foxhole“ ist ein Motto, dem Sie sich verpflichtet haben – wie schnell kann Ihr Unternehmen im Bündnis- oder Verteidigungsfall tatsächlich eine einsatzbereite Infrastruktur für ein Bataillon oder eine Brigade liefern, und wo liegen die realistischen Grenzen dieser Geschwindigkeit?

„Factory to Foxhole“ beschreibt für mich vor allem unsere Haltung: Wir wollen die Zeit zwischen der Entscheidung und der tatsächlichen Einsatzbereitschaft der Infrastruktur so weit wie möglich reduzieren.

Eine pauschale Aussage, dass wir innerhalb einer bestimmten Anzahl von Stunden oder Tagen eine komplette Infrastruktur für ein Bataillon oder eine Brigade bereitstellen können, wäre allerdings nicht seriös. Dafür sind die Anforderungen und Rahmenbedingungen zu unterschiedlich.

Innenansicht einer leeren, großräumigen Eschenbach-Leichtbauhalle mit weißer Planenabdeckung und sichtbarer Tragwerkskonstruktion
Blick in das leere Innere einer temporären Schneelasthalle von Eschenbach. Die großräumige Leichtbauhalle verfügt über eine stabile Tragwerkskonstruktion mit Planenabdeckung.
Foto: Eschenbach

Entscheidend sind unter anderem die Größe des Projekts, der Einsatzort, die Transportentfernung, die Zufahrtsmöglichkeiten, die örtlichen Gegebenheiten und die konkrete technische Ausstattung.

Bei standardisierten und verfügbaren Systemen können wir sehr schnell reagieren. Unsere Erfahrung aus großen und zeitkritischen Projekten zeigt, dass wir über leistungsfähige Strukturen in den Bereichen Material, Logistik und Montage verfügen.

Die Grenzen liegen dort, wo individuelle Sonderlösungen entwickelt werden müssen oder die logistischen Rahmenbedingungen einen schnellen Aufbau verhindern. Deshalb ist eine Vorbereitung im Vorfeld aus meiner Sicht entscheidend.

Je besser wir gemeinsam mit dem Kunden mögliche Szenarien planen und Kapazitäten vorhalten, desto schneller können wir im Ernstfall handeln.

Mit 170 Spezialisten, 15 Montageteams und 1.800 LKW-Fahrten pro Jahr verfügen Sie bereits im Normalbetrieb über beachtliche Kapazitäten – wie stellen Sie sicher, dass diese Ressourcen im Krisen- oder Bündnisfall Bestand halten beziehungsweise kurzfristig skalierbar sind, ohne zivile Aufträge zu gefährden?

Unsere bestehenden Kapazitäten bilden eine sehr gute Grundlage. Gleichzeitig wäre es unseriös zu behaupten, dass Ressourcen im Krisen- oder Bündnisfall unbegrenzt verfügbar wären.

Deshalb ist für mich auch hier die Vorbereitung der entscheidende Punkt.

Wir verfügen über eigene Spezialisten, erfahrene Montageteams, umfangreiche Materialbestände und eine etablierte Logistik. Gleichzeitig arbeiten wir kontinuierlich daran, unsere Prozesse weiter zu standardisieren und skalierbar zu gestalten.

Im Rahmen strategischer Partnerschaften können bestimmte Kapazitäten gezielt priorisiert und vorgehalten werden. Das betrifft sowohl Material als auch Personal und Logistik.

Unser Ziel ist dabei ausdrücklich nicht, im Ernstfall zivile Projekte einfach abzubrechen. Vielmehr müssen zusätzliche Kapazitäten und klare Priorisierungsmechanismen bereits im Vorfeld geschaffen werden.

Ein wesentlicher Faktor ist dabei die Standardisierung unserer Systeme. Je stärker Infrastruktur auf bewährten, modularen Komponenten basiert, desto schneller können wir Kapazitäten erweitern und zusätzliche Teams einsetzen.

Am Ende geht es um Resilienz. Und Resilienz entsteht nicht erst dann, wenn eine Krise bereits eingetreten ist. Sie muss vorher aufgebaut werden.

Genau darin sehe ich eine wichtige Aufgabe der Eschenbach Group: Unsere über Jahrzehnte aufgebaute Erfahrung im Bereich temporärer Infrastruktur in Lösungen zu überführen, die den sicherheitspolitischen und logistischen Anforderungen der Zukunft gerecht werden.

Defence Network folgen

Bleiben Sie auf dem Laufenden.

Die wichtigsten Nachrichten aus Verteidigung und Wehrtechnik — auf Ihrem Kanal.

Aktuelle Meldungenaus Verteidigung & Wehrtechnik
Einordnung mit Substanzvon der Fachredaktion
Kurz & auf den Punktalles Wichtige in Minuten
QR-Code zur Newsletter-Anmeldung
Anmeldeformular wird geladen …

Beitrag teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwendete Schlagwörter

EschenbachLagerLagerungLogistikMobilUnterstützung