„Mit überwältigender amerikanischer Militärmacht zu Lande, zu Wasser und in der Luft wurde ein spektakulärer Angriff gestartet“, begann Trump seine Erzählung der Ereignisse. Es sei ein Angriff gewesen, wie man ihn seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen hätte. Das Ziel: Eine „schwer befestigte Militärfestung im Herzen von Caracas, um den gesuchten Diktator Nicolás Maduro der Justiz zu überführen.“
Im Kern ginge es den USA darum, einen Diktator in Südamerika loszuwerden – klassischer Regime-Change. „Wir wollen Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit für das großartige Volk von Venezuela“, beteuerte Trump daher auch.
Die Mär vom kurzen Eingriff
Trump zog Vergleiche mit anderen gezielten Militärschlägen durch die USA, die von der „militärischen Stärke und Kompetenz der USA“ zeugen würden. Trump nannte den Angriff auf Qasem Soleimani, die Tötung Al-Baghdadis und die Zerstörung und Dezimierung der iranischen Nuklearanlagen. Doch keiner der Militärschläge löste ein Problem dauerhaft.
Wenn es den USA tatsächlich nur um die Ergreifung Maduros durch eine Art „Spezialoperation“ geht, damit sich dieser vor Gericht für seine ihm zur Last gelegte Tätigkeit als Drogenhändler verantwortet, dann könnte es tatsächlich bei einem kurzen – und aus militärischer Sicht äußerst erfolgreichem – Einsatz bleiben.
Trump selbst widersprach dieser These, indem er davon sprach, das Land so lange zu „regieren“, bis ein Übergang an eine andere Regierung möglich sei. „Wir können nicht riskieren, dass jemand anderes die Macht in Venezuela übernimmt, der nicht das Wohl des venezolanischen Volkes im Sinn hat“, erklärte Trump.
Tatsächlich gibt es in Venezuela eine starke Opposition, die nach Lesart vieler westlicher Länder eigentlich an der Macht sein sollte. Der Ausgang der letzten Wahlen zugunsten Maduros war international nur von Staaten wie Russland, Iran und China anerkannt worden.
Erdöl – der eigentliche Grund?
Doch es gibt starke Zweifel an den Gründen für Trumps Agieren in Venezuela. Der US-Präsident fütterte sie heute selbst. „Wie jeder weiß“, erklärte Trump in Mar-a-Lago, „ist das Ölgeschäft in Venezuela seit Langem ein Reinfall, ein totaler Reinfall.“
Trump sprach davon, dass Venezuelas Fördermengen weit unter dem lägen, was möglich wäre. Die USA spielte er zum Retter auf, der gekommen sei, um durch „große US-Ölkonzerne und Milliardeninvestitionen“ bei der Förderung des schwarzen Goldes zu helfen und somit für Reichtum unter den Einwohnern Venezuelas zu sorgen.
Was Außenstehende als wirtschaftlichen US-Imperialismus oder Ausbeutung eines unabhängigen Staates bezeichnen könnten, nennt Trump „Partnerschaft Venezuelas mit den Vereinigten Staaten von Amerika“, um „die Menschen in Venezuela reich, unabhängig und sicher“ zu machen.
Ausblick – So könnte es in Venezuela weitergehen
Zwischen den Zeilen liest man heute heraus, dass die USA mit einer stärkeren Gegenwehr seitens des venezolanischen Militärs gerechnet hatten. Trump sprach von einer „zweiten Welle“, die bereitgestanden habe.
Während der aus dem Land geflogene Präsident Venezuelas derzeit auf dem Hubschrauberträger USS Iwo Jima in Richtung New York unterwegs ist, kommt es jetzt auf die Reaktion seiner Regierung an. Widersetzt sie sich den Forderungen der USA nach einer Öffnung der eigenen Rohstoffe für US-Firmen, dürfte ein weiterer militärischer Angriff erwartbar sein.
„Die amerikanische Flotte bleibt in Position, und die Vereinigten Staaten behalten sich alle militärischen Optionen vor, bis die Forderungen der Vereinigten Staaten vollständig erfüllt und befriedigt sind“, erklärte Trump, der zudem eine direkte Drohung an „alle politischen und militärischen Persönlichkeiten in Venezuela“ aussprach. Man solle „verstehen, was mit Maduro passiert“ sei und dass dies auch mit jedem anderen im Land passieren könnte.
USA wollen Vorherrschaft
Damit zeigen sich die USA unter Trump als Bully, der schwächere Gegner bedroht und erpresst. Getarnt als Wahrung der Monroe-Doktrin, die ursprünglich entworfen wurde, um nord- und südamerikanische Staaten vor der Unterdrückung europäischer Kolonialmächte zu schützen. Ihre Weiterentwicklung – von der New York Times und Trump als „Donroe-Doktrin“ bezeichnet – scheint nunmehr darauf abzuzielen, die Vormacht der USA auf dem Doppelkontinent zu sichern.
Trump spitzte es in der Aussage, die neue nationale Sicherheitsstrategie solle dafür sorgen, dass „die amerikanische Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre nie wieder infrage gestellt“ werde.
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