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Verwundetenversorgung im Krieg – eine gesamtstaatliche Aufgabe

Unter dem Motto „Verwundetenversorgung im Krieg“ findet in diesen Tagen die Informationslehrübung des Sanitätsdienstes (ILÜ San) der Bundeswehr statt. Nach fast 80 Jahren Frieden in Deutschland, mehr als 40 Jahren seit Beendigung des Kalten Krieges, lag der Fokus der Aufgaben deutscher Streitkräfte fast 30 Jahre auf der Aufgabe des Internationalen Krisenmanagements. Mit dem 22. Februar 2022 änderte sich dies schlagartig, als durch den Überfall Russlands auf die Ukraine der Krieg mit allen seinen Auswirkungen wieder „vor unsere Haustüre“ gerückt ist. Dieser Krieg zeigt, wie entscheidend eine gute sanitätsdienstliche Versorgung für Kampfkraft und Durchhaltefähigkeit einer Armee ist.

Verwundetenversorgung: Aufbau der Role 2 Forward in Verb mit einer Rettungsstation.
Aufbau der Role 2 Forward in Verb mit einer Rettungsstation.
Foto: cpm / Rainer Krug

Der Grad der Verwundungen und die Anforderungen an einen Personalersatz aus genesenen und erkrankten Soldaten zeigen besonders die Herausforderungen an den Sanitätsdienst in Streitkräften auf. Dem soll die diesjährige Ausrichtung der ILÜ San folgen. Sie will – und das wurde bei der „Generalprobe“, dem diesjährigen Pressetag deutlich – anhand der Rettungskette mit statischen und dynamischen Bildern Einsatzgrundsätze, Fähigkeiten und auch Fähigkeitslücken des Sanitätdienstes aufzeigen.

Landes- und Bündnisverteidigung ist eine gesamtstaatliche Aufgabe. Unter diesem Gesichtspunkt werden auch die Schnittstellen und das Zusammenwirken von militärischen und zivilen Stellen in der Verwundeten- und Patientenversorgung im Kriegsfall aufgezeigt. Erstmals wird auch die sogenannte Role 4 – die Behandlung und Genesung verwundeter Soldaten im Heimatland – sowie die anschließende Rehabilitation gezeigt.

Ersthelfer bedeutend für die Verwundetenversorgung

Im Rahmen des Pressetages konnten wir die Abläufe der sanitätsdienstlichen Versorgung und den Weg verwundeter Soldaten von der Erst- und Kameradenhilfe bis in die Role 3 – die Versorgung in einem Einsatzlazarett verfolgen und uns von der Wichtigkeit der einzelnen Behandlungsabschnitte überzeugen.

Bergeeinrichtungen im Unterstützungspunkt San.
Bergeeinrichtungen im Unterstützungspunkt San.
Foto: cpm / Rainer Krug

In überzeugenden Bildern wurde dabei die Wichtigkeit blutstillender Maßnahmen – eine Aufgabe der Ersthelfer A und B – die aus der Kampftruppe und nicht aus dem Sanitätsdienst kommen – aufgezeigt. Hier kommt es auf die ersten 10 Minuten nach einer Verwundung an, um einem Verletzten eine reele Überlebenschance zu geben.

Beeindruckend ist, dass mit nur 8 Ausbildungstagen die Ersthelfer in die Lage versetzt werden die erforderlichen lebensrettenden Erstmaßnahmen der Verwundetenversorgung durchzuführen.

Die nachfolgenden Schritte des Abtransports der Verwundeten durch den Rettungstrupp, die sanitätsdienstliche Erstversorgung in der Rettungsstation in der die allgemein- und notfallmäßige Erstversorgung der Verwundeten erfolgt und die für den weiteren Transport erforderliche Stabilisierung vorgenommen wird zeigten auf, wie wichtig das Einhalten eines zeitlichen Rahmens in der Verwundetenversorgung ist.

Ab der Rettungsstation ist ärztliche Versorgung möglich

Die Rettungsstation (in der eine Versorgung spätestens eine Stunde nach der Verwundung erfolgen muss) ist nur ein Zwischenschritt hin zu dem auf Brigadeebene betriebenen Rettungszentrum Role 2 Basic, einer Einrichtung, in der zum ersten Mal eine ärztliche Versorgung mit Möglichkeiten zur OP vorhanden ist.

Teilausschnitt Role 2 Basic ohne Zelt Notfallmedizin, Pflege, Labor und SanMat.
Teilausschnitt Role 2 Basic ohne Zelt Notfallmedizin, Pflege, Labor und SanMat
Foto: cpm / Rainer Krug

Hier muss ein Verwundeter spätestens zwei Stunden nach der Verwundung eingetroffen sein, um ihm eine reele Wiederherstellungschance zu geben. Beeindruckend mit welchem Engagement und mit welcher Kompetenz in den einzelnen Einrichtungen gearbeitet wurde.

Um noch schneller mit notfallchirurgischer Akutversorgung bei der Verwundetenversorgung zu sein, wird es zukünftig das Rettungszentrum Role 2 Forward geben. Hier können im Einsatz z.B. bei einer Rettungsstation bis zu 10 Operationen am Tag durchgeführt werden. Eine deutliche Verbesserung der Verwundetenversorgung in der Nähe des Gefechtsfeldes.

Wichtig – und das wurde ebenfalls dargestellt – ist der entlastende Verwundeten-/Patiententransport. Die hierzu erforderlichen Transportmittel konnten in einer statischen Darstellung in der Folge besichtigt werden. Erstmals wurde das erste Serienmodell des am 19.06.2024 an die Truppe übergebenen Geschützten Verwundetentransportcontainers (GVTC) gezeigt und konnte besichtigt werden.

Mit dem GVTC erhält die Sanitätstruppe die Möglichkeit bis zu 6 liegend Verwundete von Einrichtungen der Role 2 zu Einrichtungen der auf Divisionsebene vorhanden Role 3 zu transportieren. Eine erhebliche Verbesserung der Verwundetentransportmöglichkeiten.

Zur Verwundetenversorgung gehört noch mehr

In einem „static display“ konnten weiterhin die Möglichkeiten des Lazarettbataillons der Sanitätstruppe mit Lebensmittelchemischem A/C-Schutz, sowie der noch in der Studienphase befindliche vorgeschobene Entstrahlungs-, Entgiftungs- und Entseuchungspunkt San (VLEP San) besichtigt werden.

Aufbau Role 2 Basic ohne Zelt OP und Intensivpflege.
Aufbau Role 2 Basic ohne Zelt OP und Intensivpflege.
Foto: cpm / Rainer Krug

Zur Darstellung der Basis Einsatz/Inland gab es Informationsstände auf denen der Strategische Verwundetentransport von der Basis Einsatz zur Basis Deutschland gezeigt wurde. Hier folgt in der Role 4 die Weiterbehandlung in den Bundeswehrkrankenhäusern. Erstmals wurde auch das Thema der Rehabilitation aufgegriffen, hatte doch die Realität in der Ukraine gezeigt, wie wichtig der Personalersatz aus wiedergenesenen Soldaten ist.

Alle diese Aufgaben können nur in  Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen des DRK, der Johanniter, der Malteser sowie weiterer Blaulichtorganisationen mit dem Sanitätsdienst, sowie in Koordination mit den Aufgaben des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und des THW durchgeführt werden. Hier wurde einmal mehr gezeigt, das Verwundetenversorgung eine gesamtstaatliche Aufgabe ist.

Die Digitalisierung der Behandlungs- und Versorgungsprozesse hat gerade unter dem zeitlichen Aspekt eine hervorgehobene Bedeutung. Auch hier wurde in einem „static display“ gezeigt, welche Schritte aktuell unternommen werden, um durch Digitalisierung den Weg des Verwundeten/Patienten durch die einzelnen Behandlungsebenen zu beschleunigen und medizinisch noch besser verfolgen zu können. Zukünftig wird dies ein besonders wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Verwundetenversorgung sein.

Insgesamt zeigt die diesjährige ILÜ San beeindruckend die aus den Erfahrungen des Ukraine Konflikts gewonnenen Erkenntnisse und im folgenden erfolgten Veränderungen auf.

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