IT-Unterstützung ist aus modernen Waffensystemen nicht mehr wegzudenken. Diese wird zum Beispiel für Vernetzung, Erhebung und Auswertung von Daten benötigt. Weil die Software hier eine maßgebliche Rolle spielt, spricht man von Software Defined Defence (SDD), also der Verteidigungsfähigkeit, die vor allem durch Software bestimmt wird.
Will man verstehen, wie gravierend die Auswirkungen dieser Entwicklung sind und in welchem Maß das Tempo der Softwareupdates sich direkt auf die Kampfkraft der eingesetzten Einheiten auswirkt, hilft ein Blick auf den Krieg in der Ukraine. Am Beispiel der dort eingesetzten Drohnen etwa lässt sich nachvollziehen, wie die Ukraine in kürzester Zeit ihre Systeme weiterentwickelte und durch Softwareupdates in der Lage war, schnell auf neue militärische Herausforderungen zu reagieren.
Jede Errungenschaft des Gegners erzeugt einen Anpassungsdruck bei den jeweils anderen Systemen. Je schneller diese Anpassungen gelingen, umso schneller lässt sich auch der Vorteil des Gegners negieren. Das wichtige Learning: Die digitale Transformation der Streitkräfte ist eine der wesentlichen Vorrausetzungen für eine effektive SDD.
Digitale Transformation sorgt für Tempo
Wer bei Tempo und Effizienz der Softwareentwicklung optimale Ergebnisse haben will, der muss sich den gesamten Prozess von der Problemerkennung über die Weiterentwicklung der Software bis hin zum Aufspielen der neuen Version auf die Systeme genau anschauen und an den richtigen Stellschrauben drehen. Damit wird klar: SDD ist ein fundamentaler Paradigmenwechsel und nicht bloß ein einzelnes Projekt.
Im Kern geht es um zwei zentrale Punkte: Zum ersten die durchgängige, möglichst bruchfreie Vernetzung aller Systeme und Plattformen – von der Drohne bis hin zu Führungseinrichtungen – auf dem Gefechtsfeld. Und zum zweiten die immer stärkere Verlagerung von Fähigkeiten in austauschbare Software. Man könnte sagen, dass hierbei das Herz der Technik von der Hardware in die Software wandert. Diese ermöglicht, sich schnell an neue Bedrohungen anzupassen und Resilienz durch Dezentralisierung zu erreichen.
BWI trifft Vorbereitungen für umfangreiche Unterstützung
Um sich selbst zum Enabler von SDD zu befähigen und das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) bei der Konzeption und Umsetzung zu unterstützen baut die BWI gerade alle nötigen infrastrukturellen und organisatorischen Grundlagen auf. Zentral sind dabei vier Punkte:
pCloudBw: Von einer intelligent verteilten Cloud-Architektur hängt die operative Wirksamkeit von SDD maßgeblich ab. Durch die private Cloud Bundeswehr (pCloudBw) wird es möglich, Daten, KI-Modelle und Softwarefunktionen sicher, resilient und latenzarm vom Rechenzentrum bis in den Einsatzraum bereitzustellen. Das ist die Voraussetzung um moderne Verteidigungssysteme dynamisch zu aktualisieren, domänenübergreifend zu vernetzen und in hochdynamischen Szenarien nahezu in Echtzeit steuern zu können.
Software Factory: Ihre Softwareentwicklungsprozesse für die Bundeswehr bündelt die BWI innerhalb einer eigenen Software Factory. Diese IT-Plattform wird schon heute von Entwicklungsteams der BWI genutzt – je nach Bedarf gemeinsam mit Industriepartnern aus über 50 verschiedenen IT-Unternehmen und im Rahmen eines Experiments auch aus der Bundeswehr.

Gemeinsam mit dem Zentrum Digitalisierung der Bundeswehr (ZDigBw) hat die BWI ein „Software Engineering Framework“ definiert. Das Ziel: Standards, Methoden und Best Practices, auf deren Basis Anwendungen für die Bundeswehr entwickelt werden, sollen miteinander kompatibel sein und gut ineinandergreifen.
Analytics and Simulation Advanced Platform (ASAP): Um Training, Verwalten und Life-Cycle-Management von Modellen im Kontext Machine Learning managen zu können, etablieren BWI und Bundeswehr gerade gemeinsam eine Plattform. Diese baut auf der bereits seit Jahren bestehenden BWI-internen AI & Data Analytics Platform (AIDA) auf, und wird in der Lage sein, das Ausbringen und Betreiben von KI-Modellen zu orchestrieren.
Modular Open Systems Approach („MOSABw“): Die systematische Entkopplung von Hard- und Software über standardisierte, offene Schnittstellen und die damit einhergehende Modularisierung von Softwareartefakten ermöglicht die herstellerunabhängige, schnelle und kontinuierliche Bereitstellung und vor allem Anpassung digitaler Fähigkeiten auf Plattformen und Endgeräten.
Dies bildet das unverzichtbare architektonische Fundament für SDD. Die BWI bringt sich hierzu bereits umfangreich ein, indem sie offene Schnittstellenarchitekturen in ihrem Software-Engineering-Framework verankert und sich als zentraler Orchestrator für zukünftige, modulare Software-Bausteine der Bundeswehr aufstellt.
Roadmap für die nächsten Schritte
Neben der Schaffung der konzeptionellen und organisatorischen Grundlagen betreibt die BWI derzeit eine SDD-Sandbox und baut ein eigenes TechLab auf, um parallel im Rahmen ausgewählter Use Cases Praxiserfahrungen zu sammeln, insbesondere zu der Frage, wie sich auch ältere Bestandswaffensysteme nachträglich durch Softwareupdates ertüchtigen lassen. Parallel sind ab 2027 gemeinsame Trainings mit der Bundeswehr geplant, um Erfahrungen zu sammeln, wie eine gemeinsame Entwicklung von Schnittstellen und Fähigkeitserweiterungen für handelsübliche Drohnen unter realen Gefechtsbedingungen gelingen kann.
Bis Ende 2027 arbeitet die BWI GmbH an einer klaren Roadmap, um ihre Rolle als SDD-Enabler weiter zu schärfen. Dabei steht sie im engen Austausch mit dem BMVg und dem Kommando Cyber- und Informationsraum (KdoCIR). Außerdem stimmt sie sich mit verschiedenen Industrieverbänden ab. Ziel ist es, bestehende Vorhaben und Initiativen zu bündeln, neue Projekte gezielt zu orchestrieren und eine tragfähige Grundlage für die Streitkräfte der Zukunft zu schaffen.
Marc Simon,
Leiter Taskforce Software Defined Defence, BWI GmbH
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