Lehren aus dem Ukraine-Krieg – Transformation des Heeres

„Every soldier is a drone operator“ – so lautet einer der zentralen Leitsätze, die sich aus bald fünf Jahren Ukraine-Krieg für die Zukunft der Landkriegsführung ableiten lassen. Weitere Erkenntnisse: ein Gefechtsfeld ohne Verstecke, eine Sensor-to-Shooter-Kette von unter fünf Minuten und ein Gegner, der Masse mit industrieller Wucht kompensiert. Das Autorenteam der Unterabteilung G7 im Kommando Heer analysierte für Defence Network, welche Lehren sich daraus für Doktrin, Ausbildung und Beschaffung des Heeres ziehen lassen und warum am Ende nicht die beste Technologie entscheidet, sondern die Geschwindigkeit der eigenen Anpassung.

Lehren aus dem Ukraine-Krieg: Transformation des Heeres Bundeswehr-Infanterist mit G36 und AGDUS-System sichert im Schutz eines Radpanzers Boxer in Flecktarn-Kampfbekleidung
Ein Infanterist geht während einer Übung der Jägerkompanie hinter einem Gepanzerten Gefechtsfahrzeug Boxer in Deckung. Erkenntnisse aus dem Ukraine-Krieg werden verstärkt auch im Heer berücksichtigt.
Foto: Bundeswehr / Oliver Pieper

Framing the Operational/Tactical Environment

Das neue Kriegsbild: Transparenz als Normalzustand

Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine hat die Landkriegsführung, wie wir sie kennen, nachhaltig verändert. Im fünften Kriegsjahr hat sich ein Kriegsbild herausgebildet, das fundamentale Anpassungen von Doktrin, Ausbildung, Beschaffung und Operationsführung erfordert.

Das Gefechtsfeld ist durch kommerzielle Satelliten, Drohnen und Open-Source-Intelligence nahezu lückenlos überwacht. Die Ukraine nutzt cloudbasierte Systeme wie „Delta“, um Sensordaten zu vernetzen und die „Sensor-to-Shooter“-Kette auf unter fünf Minuten zu verkürzen – eine Reduktion von ehemals 30 Minuten. Jede Bewegung größerer Verbände kann innerhalb von Minuten erfasst und durch präzises Feuer bekämpft werden.

Die traditionelle Unterscheidung zwischen Kampfzone und rückwärtigen Raum löst sich damit auf. Drohnen und Langstreckenwaffen operieren bis zu mehreren 100 Kilometer hinter der Front, wodurch auch logistische Knotenpunkte und Gefechtsstände zu Hochwertzielen werden. Der Luftraum bleibt umkämpft – keine der beiden Konfliktparteien erlangte eine Überlegenheit in der dritten Dimension, woraus eine massive Verwundbarkeit aller luftbeweglichen Kräfte resultiert.

Masse und Aufwuchsfähigkeit des Gegners

Die Gefechtsrealität moderner Großkonflikte wird maßgeblich durch die Fähigkeit des Gegners bestimmt, operative Masse zu generieren und nachhaltig einzusetzen. Russland hat seine Streitkräfte auf über 1,5 Millionen Soldaten und die Verteidigungsausgaben auf über acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesteigert.

Soldaten in grünem Digitaltarn-Feldanzug stehen mit Kalaschnikow-Sturmgewehren in Formation vor einem Gebäude und Bäumen
Russische Rekruten, die im Zuge der von Putin im September 2022 ausgerufenen Teilmobilisierung zu den Waffen gerufen wurden.
Foto: russische Besatzungsverwaltung auf der Krim

Die personelle Aufwuchsfähigkeit basiert auf einem diversifizierten Rekrutierungssystem mit verkürzten Ausbildungszyklen. Schlecht ausgebildete Soldaten werden in Sturmabteilungen mit kalkulierten Verlustraten von bis zu 80 Prozent eingesetzt, um durch Masse qualitative Defizite zu kompensieren.

Auf materieller Ebene erreicht die russische Rüstungsproduktion jährliche Produktionszahlen von über 1.000 Kampfpanzern, primär durch Modernisierung von Altbeständen, und mehreren Millionen Schuss Artilleriemunition pro Jahr.

Diese massive Feuerüberlegenheit im Bereich des indirekten Feuers kann über längere Zeiträume aufrechterhalten werden, auch wenn deren Bedeutung auf Grund der Reichweiten und fehlender Präzision nachgelassen hat.

Hinsichtlich teleoperierter und automatisierter Systeme produziert der russische militärisch-industrielle Komplex zunehmend KI-gestützte Lösungen wie die ZALA Lancet-3, den Marker-UGV zur automatisierten Panzeridentifikation und Bekämpfung sowie glasfaseroptisch gesteuerte FPV-UAS, die immun gegen elektronische Gegenmaßnahmen sind. Hier liegt zukünftig der Schwerpunkt im Bereich des indirekten Feuers.

Zoneneinteilung des Gefechtsfeldes

Das transparente Gefechtsfeld und die damit verbundene schnelle Wirkung gegen Ziele, erfordert eine neue Zoneneinteilung als Grundlage für die Operationsführung. Die Unmanned Zone erstreckt sich etwa von 0 bis 30 Kilometer zwischen den Kriegsparteien und wird nahezu lückenlos durch unbemannte Systeme überwacht, wodurch konventionelle Manöver in geschlossenen Verbänden unmöglich werden.

Die CLOSE Zone umfasst den Raum bis 40-60 Kilometer im eigenen Raum und etwa 15 Kilometer feindseitig als unmittelbarer Gefechtsraum, in dem direkte Feuerwirkung und Nahkampf dominieren. Die REAR Zone umfasst 50-70 Kilometer Tiefe hinter der CLOSE-Zone als rückwärtiger Raum mit dezentralisierten Logistikstrukturen, der ebenfalls durch Drohnen und Langstreckenwaffen bedroht ist.

Die DEEP Zone bezeichnet den operativen Tiefenraum vor der CLOSE-Zone für weitreichende Wirkmittel und strategische Aufklärung, in dem die Voraussetzungen für den Erfolg in der CLOSE-Zone geschaffen werden.

Diese Zoneneinteilung erfordert einen Paradigmenwechsel von der Massenkonzentration zur temporären Massierung von Wirkung bei gleichzeitiger räumlicher Dispersion der Kräfte nach dem Prinzip „Getrennt marschieren, vereint schlagen“.

Hauptaugenmerk des Heeres bei der Anpassung

Doktrin-Anpassungen durch Ukraine-Krieg

Die doktrinären Ableitungen aus dem Ukraine-Krieg erfordern fundamentale Veränderungen in der Operationsführung. Das Transparenz-Paradigma besagt, dass Transparenz der neue Normalzustand ist und Tarnung, Täuschung und Auflockerung überlebenswichtig werden, stärker als in vorherigen Kriegsszenarien.

Getarnter Scharfschütze mit Scharfschützengewehr in einer Stellung im bewaldeten Gelände während einer Gefechtsübung
Ein getarnter Scharfschütze liegt während einer Gefechtsübung in einer Stellung im dichten Unterholz.
Foto: Bundeswehr / Christoph Kassette

Die Doktrin muss von der Annahme ausgehen, dass der Gegner jederzeit eigene Bewegungen und Stellungen aufklären kann. Der OODA-Loop (observe, orient, decide, act) muss durch das Prinzip „Geschwindigkeit vor Perfektion“ beschleunigt, die Sensor-to-Shooter-Zeit von unter fünf Minuten zum neuen Standard werden. KI-gestützte Entscheidungsunterstützung ist erforderlich, wobei der Mensch die finale Freigabe behält.

Mit wahrscheinlichen Kommunikationsunterbrechungen durch Elektronischen Kampf ist „Führen mit Auftrag“ bis auf die Ebene von Zug- und Gruppenführern essenziell. Entscheidungsfreiheit und Initiative auf unterster Ebene müssen gestärkt werden, wobei ein Spannungsfeld zwischen der Versuchung übergeordneter Ebenen zur kleinteiligen Fernsteuerung aufgrund des Drohnenblicks und der Realität vor Ort besteht.

Künstliche Intelligenz dient als Entscheidungsunterstützung, die menschliche Kontrolle kann bei rechtlich kritischen Entscheidungen als „Man in the Mission“ auch beim Einsatz autonomer Systeme gewährleistet werden.

Beschaffungsprioritäten und industrielle Souveränität

Der Ukraine-Krieg entwickelt sich zum „Fabrikkrieg“, bei dem industrielle Kapazitäten und Masse entscheidend sind. Die Doktrin muss zu „präziser Masse“ wechseln. Die strategische Synthese lautet „Masse heute, Klasse morgen“: Kurzfristig ist die Beschaffung marktverfügbarer, kostengünstiger Systeme überlebenswichtig, mittel- bis langfristig entscheidet die Fähigkeit zur eigenen Entwicklung der nächsten Technologiegeneration.

Kleine Drohnen wie diese Quadrokopter sind heute Massenware.
Kleine Drohnen wie diese Quadrokopter sind heute Massenware.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Skalierbare, kostengünstige, leicht reparierbare und schnell nachproduzierbare Systeme sind zu priorisieren, da der Fokus auf wenige Hochwertsysteme letztlich nicht durchhaltefähig ist und Quantität sowie industrielle Anpassungsfähigkeit kriegsentscheidend sind.

Traditionelle Beschaffungszyklen sind daher zu langsam. Modelle wie „Brave1“ in der Ukraine zeigen den Erfolg von agilen, nutzergetriebenen Marktplätzen und der Einstufung kleiner Drohnen als Verbrauchsgüter.

Eigene Produktionskapazitäten für kritische Technologien wie Drohnen, Elektronik und Munition sind strategisch essenziell, da Importabhängigkeiten Vulnerabilitäten darstellen. Hier muss sich der Staat als ganzen neu aufstellen.

Ausbildung unter realistischen Bedingungen

Die Ausbildung muss die Gefechtsrealität des Ukraine-Krieges widerspiegeln. Der Totalausfall digitaler Systeme und permanente UAS-Bedrohung sind zu simulieren, wobei analoges Führen oder Navigieren ohne GPS als Grundfähigkeiten erhalten bleiben müssen.

Drohnenkampf wird zur Querschnittsaufgabe, da jeder Soldat Grundkenntnisse im Drohnenkampf und im Umgang mit elektronischer Kriegsführung benötigt. „Every soldier is a drone operator“ ist der neue Leitgedanke.

Nachtkampffähigkeiten, Graben- und Häuserkampf unter Drohnenbeobachtung, multispektrale Tarnung und Täuschung müssen sich in der Ausbildung wiederfinden: Bewegung über offenes Feld ist kaum noch möglich, Angriffe erfolgen fast ausschließlich nachts oder durch Waldstreifen.

Die Ukraine rotiert kampferfahrenes Personal zwischen Front, Stäben und Ausbildungseinrichtungen, um Wissen schnell zu verbreiten. Das Heer muss ein agiles Lessons-Learned-Management auf allen Ebenen etablieren, inklusive digitaler Datenbanken und engerer Verzahnung von Ausbildung und Einsatzrealität.

Operationsführung: Dreistufiges Modell

Aus den Erkenntnissen im Ukraine-Krieg lässt sich eine zukünftig dreistufige Operationsführung ableiten:

In Stufe 1 muss vor eigenen Manövern ein eigener Aufklärungs- und Wirkverbund etabliert werden, der gegnerische Aufklärung und Wirkung unterdrückt. Dies umfasst vernetzte Aufklärung, Elektronischen Kampf und eigene Wirkmittel.

In Stufe 2 ist der gegnerische Aufklärungs- und Wirkverbund durch Deep Precision Strike, Elektronischen Angriff und kinetische Wirkung zu reduzieren. Das Prinzip „Manoeuvre follows Fire“ besagt, dass erst nach Unterdrückung gegnerischer Aufklärungs- und Wirkfähigkeit eigene Bewegungen möglich sind.

In Stufe 3 können erst nach Etablierung eigener Wirküberlegenheit und Reduktion gegnerischer Fähigkeiten konventionelle Manöver zur Entscheidung führen.

Digitale Fähigkeiten und Digital Backbone

Die Fähigkeit zur schnellen Verknüpfung von Sensoren, Entscheidungsträgern und Wirkmitteln entscheidet über Erfolg im modernen Gefecht. Der Digital Backbone umfasst drei Ebenen: Cloud-Rechenzentren im tiefen Rückraum, Fog-Computing-Knoten auf Brigade- und Bataillonsebene sowie Edge-Devices direkt bei den Kampftruppen.

Bundeswehr-Soldat in Flecktarn-Uniform kniet vor einem geöffneten Serverschrank und arbeitet an einem Laptop
Ohne sichere Cloud-Infrastruktur ist moderne Verteidigung kaum möglich – dabei muss sie militärischen Ansprüchen genügen.
Foto: Bundeswehr / Patrick Grüterich

Diese Architektur ermöglicht Datenverfügbarkeit auch bei unterbrochener Cloud-Anbindung. Bei omnipräsenter Sensorik entstehen Terabytes an Daten, die vom Menschen allein nicht mehr verarbeitbar sind. KI-Systeme übernehmen automatisierte Zielerkennung, Musteranalyse und Priorisierung. Ukrainische Systeme wie DELTA klassifizieren Fahrzeuge und Stellungen in Echtzeit.

Gegnerischer Elektronischer Kampf zielt auf Kommunikationsknoten und Datenlinks, weshalb digitale Systeme nach dem PACE-Prinzip redundante Pfade vorhalten müssen: SatCom ersetzt ausgefallene Landlines, Mesh-Netzwerke (d.h. drahtlose lokale Netzwerke) überbrücken Störungen, und analoge Verfahren bilden die unersetzliche Rückfallebene. Wer die Dateninfrastruktur kontrolliert, kontrolliert das Lagebild.

Eigene Systeme müssen interoperabel mit Verbündeten sein, aber nationale Souveränität über sensible Daten wahren. Offene Schnittstellen und modulare Architekturen ermöglichen schnelle Integration neuer Systeme.

Die Ausbildung digitaler Fähigkeiten darf sich nicht auf Spezialisten beschränken, da jeder Soldat Grundverständnis für Datenhygiene und Cyber-Sicherheit braucht. Die Ukraine bildet „Digital Soldiers“ aus, die mit unbemannten Systemen, digitalen Lagebildsystemen und KI-Tools von Beginn an selbstverständlich umgehen können.

Ausblick und Zusammenfassung: How We Fight 2029

Das Gefecht 2029: Fünf prägende Charakteristika

Basierend auf den aktuellen Entwicklungen kristallisieren sich fünf Charakteristika für die Kriegsführung 2029 heraus.

Erstens operieren beide Konfliktparteien unter eigenen „Schutzschirmen“ aus vernetzter Aufklärung, Elektronischem Kampf und Wirkmitteln, wobei Erfolg durch die Fähigkeit entsteht, den gegnerischen Schutzschirm zu durchdringen und den eigenen aufrechtzuerhalten. Zweitens bleibt das Gefechtsfeld lückenlos überwacht, wobei Erfolg nicht durch Verstecken, sondern durch die Fähigkeit entsteht, trotz Transparenz zu wirken – durch Täuschung, Auflockerung und Geschwindigkeit.

Drittens gewinnt derjenige den OODA-Wettlauf, der seine Entscheidungszyklen durch KI-Beschleunigung verkürzt, wobei die Sensor-to-Shooter-Zeit weiter auf unter drei Minuten sinken wird. Viertens werden unbemannte Systeme zunehmend autonom agieren, wobei Schwarmintelligenz koordinierte Operationen ohne zentrale Steuerung ermöglicht und der Mensch in der Entscheidungskette bleibt.

Soldat der Bundeswehr in Flecktarn steuert eine DJI Mavic 3 Aufklärungsdrohne über einer Wiese
In der Birds Group wird das Innovationspotenzial des Deutschen Heeres gebündelt und unter eine einheitliche Führung gestellt. Es gilt, neue Technologien, Verfahren und Ideen in kurzer Zeit einsatzreif zu machen. (Symbolbild)
Foto: Bundeswehr / Marco Dorow

Fünftens werden Kriege durch industrielle Kapazitäten entschieden, wobei die Fähigkeit zur schnellen Nachproduktion und technologischen Adaption kriegsentscheidend ist.

What Do We Need to Survive: Überlebensfähige Fähigkeiten

Um unter den neuen Gefechtsbedingungen zu bestehen, muss das Heer fünf Fähigkeiten priorisieren. Elektronischer Kampf muss als organische Fähigkeit bis auf Brigadeebene integriert werden, um eigene Kommunikation zu schützen und gegnerische Systeme zu stören. Wirksame Abwehr gegen Drohnen und Loitering Munition ist essenziell und umfasst kinetische Systeme, elektronische Störung und Täuschung.

Unbemannte Systeme müssen organisch auf allen Ebenen integriert werden. Präzise Wirkmittel mit großer Reichweite sind erforderlich, um gegnerische Aufklärungs- und Wirkverbunde in der Tiefe zu bekämpfen. Führungsfähigkeit muss trotz Zerstörung von Gefechtsständen und Ausfall digitaler Dienste erhalten bleiben durch verteilte, modulare Gefechtsstände, redundante Kommunikationswege und Auftragstaktik.

Hauptprioritäten für das Heer

Die Transformation des Heeres orientiert sich an fünf Hauptprioritäten. Der Aufklärungs- und Wirkverbund erfordert Vernetzung von Sensoren, Entscheidern und Wirkmitteln in Echtzeit sowie Beschleunigung des OODA-Loops durch KI. Elektronischer Kampf und der Cyberraum sind als eigenständige Domäne zu integrieren zum Schutz eigener Systeme und zum Angriff gegnerischer Fähigkeiten.

UxS / UGV erfordern massenhafte Integration unbemannter Systeme auf allen Ebenen mit Entwicklung autonomer Fähigkeiten bei menschlicher Kontrolle. Masse und industrielle Souveränität erfordern Aufbau eigener Produktionskapazitäten für kritische Systeme in Balance zwischen technologischer Überlegenheit und quantitativer Verfügbarkeit.

UGVs sollen zukünftig verstärkt auch als Begleitfahrzeuge eingesetzt werden.
UGVs sollen zukünftig verstärkt auch als Begleitfahrzeuge eingesetzt werden.
Foto: Navid Linnemann

Ausbildung und Doktrin erfordern realistische Ausbildung unter Störbedingungen, Doktrin-Anpassung an Transparenz und Dezentralisierung sowie eine Kultur des Lernens und der Innovation.

Fazit: Die Lerngeschwindigkeit entscheidet

Der Ukraine-Krieg hat die Landkriegsführung irreversibel verändert. Das transparente Gefechtsfeld, die Allgegenwart unbemannter Systeme, die Dominanz des elektromagnetischen Kampfes und die kritische Bedeutung digitaler Vernetzung erfordern eine fundamentale Anpassung von Doktrin, Ausbildung und Beschaffung. Die Bundeswehr steht vor der Herausforderung, die Balance zwischen technologischer Überlegenheit und massenhafter Verfügbarkeit zu finden. Doktrinäre Schriften liefern hierfür eine fundierte Grundlage, die nun zügig in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden muss.

Der Krieg in der Ukraine zeigt: Wer sich nicht schnell genug anpasst, verliert. Die Lerngeschwindigkeit der eigenen Streitkräfte muss mindestens der des Gegners entsprechen – idealerweise sie übertreffen. Die Transformation des Heeres ist keine Option, sondern Notwendigkeit für die zukünftige Operationsfähigkeit und den Erfolg im Gefecht.

 

Text: Autorenteam Kommando Heer, Unterabteilung G7

Hinweis der Redaktion: Im Kommando Heer ist die Unterabteilung G7 für die Bereiche Ausbildung, Übungen und den sogenannten „Lessons Learned“-Prozess zuständig. Ihr Kernauftrag besteht darin, Erkenntnisse aus Übungen, Einsätzen aber auch aus aktuellen geopolitischen Konflikten wie dem Ukraine-Krieg systematisch zu analysieren und direkt in die Truppenausbildung sowie Taktik einfließen zu lassen.

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