TKMS: Deutliche Umsatzsteigerungen in Sicht

„Wir haben geliefert“, bringt TKMS-CEO Oliver Burkhard die Stimmung im Unternehmen auf den Punkt. Volle Auftragsbücher, ein Rekordauftrag für Fregatten und die Aussicht auf den größten Einzelauftrag der Firmengeschichte in Kanada: TKMS legt neun Monate nach dem Börsengang starke Zahlen vor. Die angehobene Jahresprognose wird zweistellig.

TKMS-CEO Oliver Burkhard auf dem Capital Markets Day.
TKMS-CEO Oliver Burkhard auf dem Capital Markets Day.
Foto: TKMS

Der Kieler Schiffbauer TKMS hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 kräftig zugelegt. Der Umsatz stieg um 19 Prozent auf 1.890 Millionen Euro, nach 1.587 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das bereinigte EBIT wuchs um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro (Vorjahr: 98 Millionen Euro).

Die Zahlen: Umsatz und Ergebnis ziehen deutlich an

Die bereinigte EBIT-Marge lag mit 5,8 Prozent leicht unter dem Vorjahreswert von 6,1 Prozent – ein Effekt, den TKMS mit dem planmäßigen Hochlauf neuer Bauprojekte, der gleichzeitigen Auslieferung älterer Verträge sowie höheren Verwaltungskosten im Zuge der Verselbstständigung vom ThyssenKrupp-Konzern erklärt.

„Besonders im Segment Submarines, das den größten Anteil an unserem Orderbuch stellt, wurde das bereinigte EBIT um 300 % gesteigert“, erklärte Burkhard. Der Umsatz kletterte auf 1.001 Millionen Euro (Vorjahr: 854 Millionen Euro), das bereinigte EBIT vervierfachte sich sogar auf 46 Millionen Euro nach 11 Millionen Euro im Vorjahr.

Auch die anderen Segmente legten zu: Surface Vessels wuchs um 11 Prozent auf 408 Millionen Euro Umsatz bei stabilem EBIT von 30 Millionen Euro, Atlas Electronics um 28 Prozent auf 612 Millionen Euro Umsatz und 31 Prozent auf 59 Millionen Euro EBIT.

Der Auftragsbestand erreichte mit 20,1 Milliarden Euro erneut ein historisches Hoch. Der Auftragseingang lag bei 3.617 Millionen Euro und damit deutlich unter dem außergewöhnlich hohen Vorjahreswert von 8.598 Millionen Euro als große Nachbestellungen aus Norwegen und der Auftrag für die neue Polarstern zu Buche schlugen.

Grafische Visualisierung des Forschungseisbrechers Polarstern II von thyssenkrupp Marine Systems im Packeis mit Hubschrauber
Eine grafische Visualisierung zeigt den Entwurf des neuen Forschungseisbrechers „Polarstern II“ von TKMS bei der Fahrt durch Packeis. Es wird das zukünftige Flaggschiff des Alfred-Wegener-Instituts.
Foto: Alfred Wegner Institut, TKMS

Dennoch bedeutet das ein Book-to-Bill-Verhältnis von rund 2 – TKMS holt also deutlich mehr Aufträge herein, als es abarbeitet. Der Free Cashflow ging erwartungsgemäß auf minus 204 Millionen Euro zurück (Vorjahr: plus 631 Millionen Euro), was vor allem an laufenden Investitionen und einem ungewöhnlich hohen Vorjahreswert aufgrund Kundenvorauszahlungen aus dem 212CD-Programm liegen soll.

Angesichts der starken operativen Entwicklung hob TKMS seine Jahresprognose jedoch zum zweiten Mal an: Statt eines Umsatzwachstums von 2 bis 5 Prozent erwartet der Konzern nun 10 bis 12 Prozent, die EBIT-Marge soll bis zu 6,5 Prozent statt zuvor über 6 Prozent erreichen. Die mittelfristigen Ziele – Umsatzwachstum von rund 10 Prozent pro Jahr und eine EBIT-Marge von über 7 Prozent – bestätigte das Unternehmen vollumfänglich.

MEKO A-200: Rückkehr ins Überwassergeschäft

Nach Quartalsende unterzeichnete die Deutsche Marine den Vertrag über vier Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU mit einer Option auf vier weitere Schiffe – laut TKMS der größte Überwasser-Auftrag der Firmengeschichte.

Die Auslieferung des ersten Schiffs ist für Ende 2029 terminiert. Durch die zeitig begonnene Vorarbeit werde man diesen Termin auch halten, wie CEO Oliver Burkhard betonte. Für TKMS markiert der Auftrag die Rückkehr in das Marktsegment über der Wasseroberfläche, in dem der letzte relevante Auftragseingang mit der Polarstern Ende 2024 lag.

3D-Modell einer Fregatte der MEKO A-Klasse von thyssenkrupp Marine Systems bei der Fahrt durch unruhige See
Angewinkelte Bordwände für eine geringe Radarsignatur sowie ein modernes Waffen- und Sensorpaket werden die MEKO A-200 DEU zu einem kampfkräftigen Schiff der deutschen Flotte machen.
Foto: TKMS

Burkhard erneuerte seine Einladung an ehemalige F126-Beteiligte, sich auch für MEKO zu engagieren. Man habe beispielsweise NVL um ein Angebot gebeten, wie sich das Unternehmen beim Schiffbau einbringen könnte. Neben preislichen Vorstellungen möglicher Partner stellte er jedoch eine klare Bedingung in den Vordergrund: „Alles, was den Zeitplan gefährden würde, ist gegen das, was wir versprochen haben.“

Kanada: Der größte Einzelauftrag der Firmengeschichte

Als bevorzugter Bieter für bis zu zwölf U-Boote im Rahmen des kanadischen U-Boot-Programms verhandelt TKMS derzeit intensiv mit den Regierungen Kanadas, Deutschlands und Norwegens sowie mit Industriepartnern.

Das Potenzial allein für die Boote schätzt Burkhard auf über 15 Milliarden Euro – nicht auf 60 bis 80 Milliarden, wie auch Defence Network zunächst berichtet hatte. Allerdings beabsichtigt Kanada auch Aufträge für 40 Jahre Service und Support sowie den Aufbau neuer Hafeninfrastruktur zu vergeben, sodass TKMS weit mehr als an den U-Booten selbst profitieren wird.

Trotz des Status als bevorzugter Bieter mahnte Burkhard zur Zurückhaltung bei Prognosen: Noch sei der Vertrag nicht in trockenen Tüchern. „Die Kampagne endet für uns erst, wenn wir den Vertrag haben“, so der TKMS-CEO.

KONGSBERG ist ein Zulieferer für das Gefechtsführungssystem der 212CD-U-Boote.
KONGSBERG ist ein Zulieferer für das Gefechtsführungssystem der 212CD-U-Boote.
Foto: KONGSBERG

Auf Nachfrage, ob eine gescheiterte Konkurrenzkampagne versuchen könnte, den kanadischen Deal noch zu torpedieren, zeigte sich der CEO dennoch zuversichtlich. Es fehle vor allem noch weitere Detailarbeit – etwa eine Regierungsvereinbarung zwischen Kanada, Deutschland und Norwegen, um Boote aus der laufenden norwegisch-deutschen Baureihe vorzeitig an Kanada abzugeben und so eine schnellere Lieferung zu ermöglichen. Burkhards Einschätzung auf den möglichen Vertrag war jedoch unmissverständlich: „Wir werden diesen Auftrag gewinnen.“

Von der Auftragsflut zur Ergebnisumsetzung

Für die kommenden Monate sieht das TKMS-Management den Fokus weniger im Neugeschäft als in der Umsetzung des bereits gewonnenen Auftragsbestands.

„Der Ausblick ist positiv“, resümierte Burkhard. „Wir haben geliefert, wir nehmen Fahrt auf, was die Produktion angeht […], und wir werden auch liefern.“ TKMS sei sehr zuversichtlich, dass das Versprochene auch eingehalten werden könne.

„Für uns ist natürlich Wismar der zentrale Punkt für unser Wachstum“, erklärte Burkhard die nächsten Schritte des Unternehmens. „Dort werden wir ähnlich wie in Kiel eine voll ausgestattete Werft in den nächsten Jahren haben, […] die uns natürlich sicherstellt, dass das, was wir im Orderbuch haben, auch abgearbeitet werden kann.“ Burkhard unterstrich, wie wichtig ihm der kontrollierte, planbare Kapazitätsaufbau sei. Wachstum um jeden Preis komme für TKMS nicht infrage.

Stattdessen setze der Konzern auf gezielte internationale Kooperationen, etwa mit der spanischen Werft Navantia, mit der TKMS eine weitere Absichtserklärung für gemeinsame U-Boot-Projekte unterzeichnet hat. Weitere Wachstumschancen sieht das Unternehmen zudem in Indien, wo finale Vertragsverhandlungen zum Bau von sechs U-Booten laufen, sowie in Brasilien, wo eine Absichtserklärung für vier weitere Fregatten der Tamandaré-Klasse unterzeichnet wurde.

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