Ukraine-Krieg: 33.000 russische Angriffsdrohnen im März

33.000 russische Angriffsdrohnen. Diese Zahl bezeichnet nicht die Anzahl an in den ukrainischen Luftraum eingedrungenen Drohnen. Sie bezeichnet noch nicht einmal die Anzahl der durch die Luftverteidigung der Ukraine insgesamt abgefangenen Angriffsdrohnen. Es handelt sich vielmehr rein um jene russischen Shahed, Gerbera, Molniya, ZALA, Orlan etc., welche durch die Interceptordrohnen der Ukraine erfolgreich bekämpft wurden. Allein diese Zahl von 33.000 sollte die Bundeswehr ihre Luftverteidigung komplett neu denken lassen.

Ein durch eine Einheit der ukrainischen Streitkräfte entwickelter Shahed-Killer auf einer Messe in Lwiw (Ukraine) im September 2025. Ursprünglich hergestellt im 3D-Druck war diese Interceptordrohne anfangs für den Großteil der entsprechenden Einsätze gegen russische Angriffsdrohnen verantwortlich.
Ein durch eine Einheit der ukrainischen Streitkräfte entwickelter Shahed-Killer auf einer Messe in Lwiw (Ukraine) im September 2025. Ursprünglich hergestellt im 3D-Druck war diese Interceptordrohne anfangs für den Großteil der entsprechenden Einsätze gegen russische Angriffsdrohnen verantwortlich.
Foto: Defence Network/Dorothee Frank

Im Anschluss an das Treffen mit ukrainischer Industrie sagte der Verteidigungsminister der Ukraine, Mykhailo Fedorov, dass Interceptordrohnen im März doppelt so viele russische UAV abgeschossen hätten wie im Februar 2026. Bei den über 33.000 russischen Drohnen habe es sich um verschiedene Typen gehandelt, darunter Shahed, Gerbera, Molniya, ZALA, Orlan und andere.

„Abfangdrohnen sind eine ukrainische Innovation, die sich bereits als Schlüsselkomponente unserer Luftverteidigung etabliert haben“, sagte Fedorov und betont: „Unsere Aufgabe ist es, eine technologische Lösung zu finden. Gemeinsam mit den Herstellern haben wir deren Produkte und deren Reifegrad bewertet, Engpässe ermittelt und unsere Bemühungen aufeinander abgestimmt, um eine rasche Skalierung zu ermöglichen.“

Abfangdrohnen in und für die Bundeswehr

Es lohnt sich hier einen Blick auf die Situation in Deutschland zu werfen: Im September 2025 erhielt die Bundeswehr die Netzabfangdrohnen A1-Falke von ARGUS Interception – nicht zu verwechseln mit der Aufklärungsdrohne FALKE von Quantum Systems.

Die A1-Falke von ARGUS Interception bringt mittels eines Netzes die gegnerische Drohne zur Landung. Doch der Spiegel berichtete im Sommer 2025 zur entsprechenden Beschaffung: „Laut der Bundeswehr-Planungsunterlage sollen dieses Jahr 24 solche ‚Netzwerferdrohnen‘ angeschafft werden, bis 2027 weitere 136.“ Also 160 Interceptordrohnen für die Bundeswehr, während in der Ukraine im letzten Monat über 33.000 zum Einsatz kommen mussten.

Deutschland verfügt allerdings über weitere durchaus fähige Unternehmen. So vereinbarte das BAAINBw mit Tytan Technologies im Oktober 2025 die „gemeinsame Entwicklung eines neuartigen Demonstrators zum Schutz von Bundeswehrliegenschaften gegen Bedrohungen durch unbemannte Luftfahrzeuge“, so die damalige Mitteilung aus dem Bundeswehr-Beschaffungsamt. „Ziel des Projektes, das durch das Innovationslabor der Bundeswehr in Erding federführend begleitet wird, ist die Entwicklung einer Abwehrmöglichkeit gegen Bedrohungen durch UAS mittlerer Größe und Reichweite.“

TYTAN Technologies : Zwei Soldaten erproben einen Demonstrator im Innovationslabor der Bundeswehr in Erding.
Zwei Soldaten erproben einen Demonstrator im Innovationslabor der Bundeswehr in Erding.
Foto: Bundeswehr / Heike Westhöfer

Tytan Technologies zeichnete sich bereits in einem Wettbewerb aus, der durch die NATO in Zusammenarbeit mit der Ukraine durchgeführt wurde, und gewann im Bereich Interceptordrohne. Zudem eröffnete Tytan Technologies erst im Januar dieses Jahres offiziell einen Standort in Bayern, in dem künftig bis zu 3.000 Abfangdrohnen pro Monat gefertigt werden sollen.

Als drittes Unternehmen sei hier noch Diehl Defence genannt, dessen Interceptordrohne CICADA sich aktuell in der Entwicklung befindet. Während A1-Falke auf Netz und Tytan auf Kinetik setzt, soll es die CICADA in zwei Versionen geben: Netz und Gefechtskopf.

Diese drei prominentesten Beispiele zeigen: Es gibt die Kapazitäten und die Entwicklungen in Deutschland, allerdings besteht ein Manko bei der Zulassung und den Testmöglichkeiten. Aktuell müssen Unternehmen hierfür ins Ausland ausweichen, was die Innovationsfähigkeiten durchaus unterdrücken kann.

Zwar ist der Input der ukrainischen Streitkräfte wertvoll, doch lässt er sich erst in einem späteren Stadium tatsächlich einholen und wirksam umsetzen. Alle Versuche vorher stellen nach wie vor ein Problem dar, nicht nur für die Industrie. Auch die Bundeswehr leidet unter mangelnden Möglichkeiten, besonders für jene Abfangdrohnen, die mit Sprengkraft oder Flugkörpern ausgestattet werden. Dabei sind gerade diese die Hauptabwehrmittel im Verteidigungskampf der Ukraine gegen Russland. Und wie viele Systeme hierfür benötigt werden zeigen die aktuellen Zahlen: Über 33.000 pro Monat.

Förderung der Interceptordrohnen in der Ukraine

Die Ukraine hat wiederum ein spezielles System etabliert, um Innovationen einzufangen, besonders bei den Drohnen und der Luftverteidigung. So hat die ukrainische Regierung ein wahrscheinlich einzigartiges Modell zur Belohnung von Unternehmen für das Abfangen von Shahed-Drohnen eingeführt. Im Rahmen dieser Initiative wurde dann auch seinerzeit erstmals eine Shahed-Drohne von einer Interceptordrohne abgefangen. Seit der Etablierung im Jahr 2024 hat der ukrainische Innovationscluster Brave1 über 40 Fördermittel aus diesem Topf an Hersteller vergeben. Derzeit listet Brave1 rund 100 Hersteller von Abfangdrohnen.

Zudem wurde Anfang dieses Jahres der Brave1 Dataroom ins Leben gerufen. Hierbei handelt es sich um eine Plattform für das Training und die Validierung von KI-Modellen. Der Erfolg lässt sich trotz der kurzen Zeit bereits messen. So berichtet das Verteidigungsministerium der Ukraine: „Derzeit testen, validieren und trainieren mehr als 30 Unternehmen über 50 KI-Modelle zur Erkennung und Abfangung von Luftzielen unter verschiedenen Tageszeiten und Wetterbedingungen.“

Aktuelle Herausforderungen bei der Drohnenabwehr

Während des jüngsten Treffens mit der Industrie nannte der ukrainische Verteidigungsminister die zwei aktuell wichtigsten Herausforderungen für die Abwehr russischer Drohnen. Am dringendsten sei die Entwicklung und Skalierung von Technologien für jetgetriebene Abfangdrohnen zur Bekämpfung von ebenfalls jetgetriebenen Shahed-Drohnen, so Verteidigungsminister Fedorov. Die zweite große zu realisierende Aufgabe sei die Entwicklung alternativer Endphasen-Leitsysteme für den Einsatz unter widrigen Wetterbedingungen.

„Der Staat, der innerhalb eines transparenten Marktrahmens agiert, ist bereit, rasch neue Technologien von Herstellern zu beschaffen, die in der Lage sind, diese Aufgaben effektiv zu erfüllen und zum Schutz des ukrainischen Luftraums beizutragen“, betont das Verteidigungsministerium der Ukraine.

Hierfür habe Brave1 im Rahmen des gemeinsam mit der EU durchgeführten Förderprogramms „EU4UA Defence Tech“ 12 Technologien unterstützt. Das Verteidigungsministerium führt weiter aus: „Die Unternehmen sollen bis zu 150.000 Euro erhalten, um Hochgeschwindigkeits-Abfangdrohnen (über 450 km/h) und fortschrittliche Systeme zur Bekämpfung von Luftzielen zu entwickeln.“

Mit allen diesen Maßnahmen – und der Identifizierung der neuesten, dringendsten Bedrohungen – hofft die Ukraine, ihr Land und dessen Bürger wirksam vor den russischen Angriffen schützen zu können. Und in welchem Umfang dies notwendig ist zeigt die jüngste Zahl: Interceptordrohnen vernichteten über 33.000 russische Angriffsdrohnen alleine im März 2026.

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