Heute eröffnete die Deutsche Aircraft am Flughafen Leipzig/Halle ihre neue Endmontagelinie für die D328eco. Mit dabei waren Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, und der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter. Mehr als 100 Millionen Euro sind in den Standort geflossen, der auf eine Kapazität von bis zu 48 Flugzeugen pro Jahr ausgelegt ist. Die Produktion des modernen Regionalflugzeugs könnte auch für Streitkräfte und behördliche Nutzer interessant sein.

Auf 60.500 Quadratmetern – umgerechnet rund acht Fußballfeldern – entstanden Endmontagelinie, ein Flight Readiness Hangar, ein Logistikzentrum und ein Verwaltungsgebäude. Der Freistaat Sachsen unterstützte das Projekt mit rund 3,2 Millionen Euro aus dem GRW-Programm. Durch den Produktionshochlauf rechnet Deutsche Aircraft mit rund 250 neuen Arbeitsplätzen am Standort.
Bedeutung für Flugzeug und Unternehmen
Für den Flugzeugbauer mit Hauptsitz in Oberpfaffenhofen bei München markiert die Eröffnung den Übergang von der Entwicklungs- in die Produktionsphase der D328eco. Entwicklung, Flugerprobung und Zertifizierung bleiben am Hauptsitz in Bayern, während Leipzig künftig Endmontage, Flight-Readiness-Aktivitäten und die Auslieferung an Kunden übernimmt.
„Heute geht es um weit mehr als die Eröffnung einer Fabrik“, ordnete Unternehmenschef Nico Neumann ein. „Dieser Tag markiert die Rückkehr der Flugzeugfertigung nach Sachsen und einen bedeutenden Meilenstein für das D328eco-Programm.“ Beide Standorte bildeten künftig „eine durchgängige Wertschöpfungskette für die Entwicklung, Zertifizierung, Flugerprobung, Industrialisierung, Fertigung und Betreuung kompletter Flugzeuge in Deutschland“.

Die Anlage ist zudem als digitale und energieeffiziente Produktionsumgebung konzipiert, mit automatisierten Logistiksystemen, papierloser Fertigung, Photovoltaik und Wärmepumpentechnik.
Potenzial für Behörden und Streitkräfte
Die D328eco ist in erster Linie als ziviles Regionalflugzeug für bis zu 43 Passagiere ausgelegt, mit sparsamen PW127XT-S-Triebwerken und der Fähigkeit, auch mit synthetischem Kraftstoff (PtL SAF) zu fliegen. Parallel positioniert Deutsche Aircraft die Plattform aber ausdrücklich als Mehrzweckflugzeug für staatliche Kunden.
Grundlage ist die Erfahrung mit der Vorgängervariante Dornier 328: Deren Multi-Mission-Version C-146A Wolfhound wird heute in größerer Stückzahl von der US Air Force betrieben, unter anderem für Fracht- und Personentransport sowie Medevac-Einsätze.
Auf dieser Basis entwickelt Deutsche Aircraft die D328 MR als Mehrzweckvariante für Aufgaben wie Grenzsicherung, maritime Überwachung, Search & Rescue, Ambulanzflüge, Feuerlöscheinsätze und taktischen Transport, ergänzt um ein geplantes unbemanntes System für die Zusammenarbeit mit der bemannten Plattform.

Unpaved-Runway-Fähigkeit, also der Betrieb ab unbefestigten Pisten ohne feste Infrastruktur, sowie viel Stauraum für Sensorik gelten dabei als zentrale Vorteile gegenüber US-Plattformen.
Nico Neumann hat wiederholt betont, Europa brauche unabhängige Luftfahrtlösungen für staatliche Aufgaben. Ob und wann eine Multi-Mission-Variante der D328eco tatsächlich in Serie geht, ist bislang nicht entschieden. Zur heutigen Eröffnung der Endmontagelinie in Leipzig spielt dieser Aspekt keine Rolle; es geht ausschließlich um die zivile Serienfertigung.
Ein Baustein für den Luftfahrtstandort Deutschland
Politisch und industriepolitisch wird die Eröffnung allerdings deutlich über das einzelne Programm hinaus gedeutet. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sieht darin ein Signal für den Industriestandort: Die Endmontagelinie unterstreiche „die Bedeutung Sachsens als leistungsfähigen Industrie- und Luftfahrtstandort mit Zukunft“ und stärke Arbeitsplätze sowie die Attraktivität der Region für internationale Industrieprojekte.
Auch die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Marie-Christine von Hahn, hob die überregionale Bedeutung hervor: „Deutschland entwickelt und baut ein vollständiges Flugzeug. Bayern und Sachsen verbinden dafür ihre Fähigkeiten“, sagte sie und sprach von einem Programm, das „für technologische Innovation und Wertschöpfung über Jahrzehnte“ stehe.

Damit reiht sich die D328eco in eine kleine Gruppe europäischer Projekte ein, die versuchen, zivile Flugzeugfertigung und -entwicklung wieder stärker in Deutschland zu verankern, mit möglichen Optionen für staatliche und sicherheitsrelevante Nutzung als zusätzlichem Absatzfeld.
Der reguläre Serienanlauf in Leipzig ist dafür die Voraussetzung: Ohne eine funktionierende zivile Endmontage gäbe es auch keine Basis für abgeleitete Mehrzweckvarianten. Die kommenden Monate werden zeigen, wie schnell sich die Produktion hochfahren lässt und ob aus den bislang konzeptionellen Mehrzweck-Plänen konkrete Aufträge werden.
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