Laut einer heute veröffentlichten Meldung des dänischen Verteidigungsministerium beschafft Deutschlands nördlicher Nachbar sowohl das Joint Strike Missile von Kongsberg als auch den Marschflugkörper Anthem von Covenant. Dänemark will mit den weitreichenden Waffensystemen die eigene und kollektive Abschreckung vergrößern. Auch Deutschland könnte Nutzer des Anthem werden, der ab kommenden Jahr Leipzig montiert werden soll.

Das dänische Verteidigungsministerium hat heute die Beschaffung von zwei neuen Typen weitreichender Präzisionswaffen verkündet. Zum einen kauft Dänemark die norwegische Joint Strike Missile (JSM) von Kongsberg, zum anderen wird der vergleichsweise günstige Marschflugkörper Anthem des Unternehmens Covenant beschafft. Die Entscheidung geht auf eine Empfehlung des dänischen Generalstabschef zurück. Mithilfe moderner Navigationstechnik sollen die Waffen Ziele über große Entfernungen sehr präzise und tief im gegnerischen Gebiet treffen können.
Der Lenkflugkörper JSM – der auch von Deutschland beschafft wird – wird aus der Luft gestartet. Mit seinen rund vier Metern Länge passt er auch in die F-35 und hat je nach Quelle eine Reichweite von 350 bis über 500 Kilomater. Der bodengestützte Anthem soll es hingegen auf eine Reichweite von 1.500 Kilometern schaffen. Für Dänemark bedeutet die Beschaffung einen tatsächlichen Fähigkeitsgewinn. Das skandinavische Land verfügt bisher lediglich über das Raketenartilleriesystem PULS, wenn es um Wirkung in der Tiefe geht. Hier liegt die mögliche Distanz bei 300 Kilometern.
Verteidigungsminister Jeppe Bruus nannte die Beschaffungen daher „einen wichtigen Schritt“, um Dänemark besser zur Selbstverteidigung zu befähigen und den eigenen Teil der Lasten in der NATO zu tragen. Zugleich wolle man „die NATO festigen und die Fähigkeit zum Gegenschlag ausbauen“.
Verkaufsargument „Not Made in USA“?
Wie hoch die gekaufte Stückzahl von Anthem und JSM ist, wurde ebenso wenig bekannt, wie der zu zahlende Preis – aus Sicherheitsgründen heißt es. In diesem Zusammenhang bemerkenswert ist, dass noch im vergangenen Jahr eine Beschaffung der US-Marschflugkörper vom Typ Lockheed Martin AGM-158 JASSM und vom Typ RTX BGM-109 Tomahawk im Raum stand. Dänemark hatte sich erst im September 2025 dazu entschlossen, überhaupt solche Waffensystem zu kaufen. Die nun erfolgte Wahl von Anthem (mit Produktion in Deutschland) und JSM aus Norwegen könnte eine bewusste Entscheidung gegen eine US-amerikanische Abhängigkeit zu verstehen sein. Auf der anderen Seite verfügt Dänemark bereits über die Naval Strike Missile (NSM), ein Seezielflugkörper von Kongsberg und die technische Grundlage für die JSM.

Hersteller Covenant begrüßte die Entscheidung. Mitgründer und CEO Michael Kaufman erklärte: „Die Zukunft der europäischen Abschreckung hängt davon ab, fortschrittliche Fähigkeiten in den Stückzahlen bereitzustellen, die glaubwürdige Abschreckung erfordert.“ Der Marschflugkörper Anthem mache das möglich, indem er weitreichende Präzisionsschläge mit einem günstigen Stückpreis, schneller Lieferung und skalierbarer Produktion verbinde.
„Dänemark zeigt die Führungsstärke und Dringlichkeit, die Europa in diesem kritischen Moment braucht“, ergänzte, Abby Denburg, Präsidentin und Chief Growth Officer. „Wir sind stolz darauf, das Vertrauen Dänemarks gewonnen zu haben und sein Engagement für die nationale Verteidigung und die kollektive Sicherheit der NATO zu unterstützen. Diese Partnerschaft ist ein wichtiger Meilenstein für Covenant und unsere wachsende Rolle in der europäischen Verteidigung.“
Leipzig montiert Anthem – Heer zeigt Interesse
Covenant hatte erst Anfang Oktober in Leipzig eine Produktionshalle für Anthem eröffnet (Defence Network berichtete von dort). Die Serienproduktion von Anthem soll Anfang 2027 starten. Nach Unternehmensangaben sollen im ersten Jahr rund 1.000 Stück entstehen, später bis zu 5.000 pro Jahr. Für die europäische Version strebt Covenant einen Anteil von über 95 Prozent europäischer Wertschöpfung an. Ob die für Dänemark bestimmten Systeme aus Leipzig kommen, ist nicht bekannt.
Auch in Deutschland wird Anthem als mögliche Option für die sogenannte Tiefschlagfähigkeit gehandelt. Die Bundesregierung plant für diese Fähigkeit rund 12 Milliarden Euro ein. Kurzfristig will die Bundeswehr demnach etwa 400 Tomahawk aus den USA kaufen, langfristig gemeinsam mit Großbritannien einen eigenen Marschflugkörper entwickeln. Anthem ließe sich ebenfalls kurzfristig beschaffen, sollte Covenant den Produktionsstart Anfang 2027 halten. Auch wenn das deutsche Heer Interesse am Anthem zu haben scheint, liegt eine offizielle Kaufentscheidung nicht vor.
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