3er-Bündnis will Drohnenabwehrboot bauen

Mit ACUA Ocean, Babcock und Frankenburg haben sich drei Unternehmen zusammengefunden, die ihre jeweiligen Fähigkeiten gezielt zu einem kostengünstigen Luftverteidigungssystem für den maritimen Einsatz zusammenbringen. Das unbemannte Drohnenabwehrboot soll beispielsweise Häfen vor Drohnenschwärmen schützen.

Die Konzeptgrafik zum Drohnenabwehrboot zeigt ein USV von ACUA Ocean, das mit einem Raketenstartsystem zur Drohnen- und Luftabwehr von Babcock und Frankenburg ausgerüstet ist.
Die Konzeptgrafik zum Drohnenabwehrboot zeigt ein USV von ACUA Ocean, das mit einem Raketenstartsystem zur Drohnen- und Luftabwehr von Babcock und Frankenburg ausgerüstet ist.
Foto: Frankenburg

Die Bedrohung durch billige Drohnen wächst auch seeseitig. Dementsprechend werden bezahlbare Abwehrlösungen auch hier benötigt. Auf der Luftfahrtshow Farnborough wurde gestern eine neue Kooperation bekannt gegeben, die genau das liefern soll.

Das estnische Rüstungs-Start-up Frankenburg Technologies hat eine Absichtserklärung mit dem britischen Verteidigungskonzern Babcock International und dem auf maritime Technologie spezialisierten Unternehmen ACUA Ocean aus Plymouth unterzeichnet. Ziel ist es, ein Drohnenabwehrboot zu bauen.

Nicht nur der Krieg in der Ukraine zeigt, dass unbemannte Flugsysteme in immer größerer Stückzahl auftreten und sich in dieser Masse zu einer der größten Herausforderungen der Luftverteidigung entwickelt haben. Bisherige Abwehrsysteme sind oft zu teuer oder zu unflexibel, um massenhaften Drohnenangriffen dauerhaft standzuhalten.

Auf See kommen raue Wetterbedingungen und entsprechender Seegang als Herausforderungen hinzu. Dennoch verlagere sich „bezahlbare Raketenabwehr zunehmend weiter aufs offene Meer“, sagte Daniel Hallett, UK-Geschäftsführer von Frankenburg Technologies. Genau diese Lücke wollen die drei Partner nun mit einer integrierten, autonomen und dauerhaft einsatzfähigen Lösung schließen.

Wer mit an Bord ist

Die Vereinbarung zum Bau des Drohnenabwehrbootes baut auf einer bereits im Januar geschlossenen Partnerschaft zwischen Frankenburg und Babcock auf, in der es um neue Luftverteidigungssysteme gegen die wachsende Zahl von Angriffsdrohnen ging. Mit ACUA Ocean kommt nun ein dritter Partner hinzu, der auf autonome Überwasserfahrzeuge (USV) spezialisiert ist.

Zusammen bringen die drei Unternehmen jeweils ihre Kernkompetenz ein: Babcocks Mehrzweck-Startsystem, Frankenburgs kostengünstige, präzisionsgelenkte Flugkörper und ACUA Oceans unbemannte Schiffsplattformen.

Sir Nick Hine, Chief Growth Officer bei Babcock, sieht sein Unternehmen dabei vor allem in der Rolle des Systemintegrators: „Wir freuen uns, mit innovativen Unternehmen einen integrierten Ansatz zu entwickeln, der einige der größten Herausforderungen unserer Kunden in der heutigen Verteidigungslandschaft direkt adressiert.“ Solche Kooperationen, so Hine weiter, helfen dabei, kritische Infrastruktur vor Drohnenangriffen zu schützen.

Die Trägerplattform: USV PIONEER

Das System soll auf ACUA Oceans PIONEER-USV aufgebaut werden – nach Angaben des Unternehmens das erste ferngesteuerte und unbemannte Fahrzeug, das unter dem britischen MCA Workboat Code 3 zertifiziert wurde.

Für das Größenverhältnis: So sieht das das USV PIONEER Mk2 an Land aus.
Für das Größenverhältnis: So sieht das das USV PIONEER Mk2 an Land aus.
Foto: ACUA Ocean

Kernstück ist ein sogenannter SWATH-Rumpf (Small Waterplane Area Twin Hull), der dem gut 14 Meter langen, rund 28 Tonnen schweren Boot auch bei schwerem Seegang eine hohe Stabilität verleihen soll. Ein Diesel-elektrischer Hybridantrieb erlaubt Einsätze über mehrere Wochen, bei einer Reichweite von über 5.500 Seemeilen und einer Reisegeschwindigkeit von 4,5 Knoten (Sprint: 8 Knoten).

Für die geplante Drohnenabwehr besonders relevant ist der zentrale Moonpool des Schiffs: Er ist für genormte 10- und 20-Fuß-ISO-Container ausgelegt und lässt sich dadurch vergleichsweise unkompliziert mit unterschiedlichster Nutzlast bestücken – von Sensorik bis hin zu Waffensystemen mit einer Kapazität von bis zu 6,5 Tonnen.

Gesteuert wird PIONEER über die hauseigene Software FleetMind aus einem Remote Operations Centre per Satellitenverbindung, während für Manöver in Hafennähe eine UHF-Funksteuerung zum Einsatz kommt. Diese Kombination aus Stabilität, Autonomie und modularer Nutzlastintegration soll die Plattform zum idealen Träger für das geplante Abwehrsystem machen.

Drohnenabwehrboot: Was jetzt ansteht

Babcocks Launcher-System soll kurzfristig auf das Drohnenabwehrboot gebracht werden. Wie praxistauglich die ACUA-Plattform bereits ist, zeigte sich im Juni: Ein PIONEER-USV operierte 16 bis 20 Seemeilen vor der Küste Englands und blieb über 100 Stunden ohne jeden manuellen Eingriff im Einsatz.

Modell eines schwarzen Flugkörpers von Frankenburg Technologies mit roter Spitze auf einem Acrylhalter bei einer Ausstellung
Eine kostengünstige Abfangrakete von Frankenburg Technologies.
Foto: André Forkert

„Um massenhafte Drohnenangriffe abzuwehren, muss maritime Luftabwehr unterbrechungsfrei funktionieren“, erklärte Neil Tinmouth, CEO von ACUA Ocean, „doch raues Wetter zwingt klassische Systeme oft an ihre Grenzen. Die einzigartige Stabilität unserer Pioneer-Klasse sorgt dafür, dass Sensorik und austauschbare Nutzlasten auch bei hohem Seegang zuverlässig arbeiten, wo andere Plattformen versagen.“

Die Kombination aus stabiler USV-Plattform, flexiblem Launcher und massenproduzierbaren Abfangraketen soll perspektivisch ein dauerhaft einsatzfähiges, autonomes Abwehrsystem schaffen. Das vom 3er-Bündnis aufgezeuigte Drohnenabwehrboot könnte demnach ein Baustein für die von Großbritannien angestrebte „königlich hybride Marine“ sein.

Konkrete Termine für Tests oder eine Serienreife des Gesamtsystems nennen die Unternehmen bislang nicht. Nächste Schritte sind die technische Integration der drei Systemkomponenten sowie weitere Erprobungen der ACUA-Plattform unter Einsatzbedingungen.

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