Baykar K2 – Türkei präsentiert neue Kamikazedrohnen

Mit der K2 betritt der türkische Drohnenhersteller Baykar ein neues Marktsegment: schwere, KI-gesteuerte Loitering Munition mit interkontinentaler Reichweite und autonomer Schwarmfähigkeit. Die „türkische Shahed“ basiert auf den Erfahrungen mit der TB2 und ist größer als ihr iranisches Pendant.

Der Kopf der türkischen Kamikazedrohne erinnert an einen Hammerhai.
Der Kopf der Kamikazedrohne erinnert an einen Hammerhai.
Foto: Baykar

Vor wenigen Tagen stellte Baykar sein neuestes Produkt vor: die Kamikazedrohne K2. Der Öffentlichkeit gezeigt wurde nicht nur die Drohne selbst, sondern gleich ein Video von Tests mit der K2. Die türkische Kamikazedrohne absolviert darin nach Angaben des Herstellers „Schwarmtests“, bei denen fünf Drohnen unterschiedliche Formationskonfigurationen mit einem autonomen Anteil bei der Navigation erfolgreich absolvierten.

Der Auftritt markiert Baykars strategischen Einstieg in das Segment großer Loitering Munition – ein Bereich, der seit dem Krieg in der Ukraine stark an Bedeutung gewonnen hat.

Das Modell K2 von Baykar

Die von einem Heckpropeller angetriebene K2 ist eine Loitering Munition in Form eines Starrflüglers mit 5,1 Metern Länge, 10 Metern Spannweite und einem Startgewicht von 800 Kilogramm, wovon 200 Kilogramm auf den Gefechtskopf entfallen.

Nebeneinander fliegen ist gut, allerdings noch kein Schwarm.
Nebeneinander fliegen ist gut, allerdings noch kein Schwarm.
Foto: Baykar

Markant sind die nach hinten angewinkelten Tragflächen und die zusätzlichen, an einen Hammerhai erinnernden Flügel am Drohnenkopf. Weitere bekannte technische Daten:

  • Reichweite: mehr als 2.000 km
  • Reisegeschwindigkeit: über 200 km/h
  • Flugausdauer: mehr als 13 h
  • Maximales Startgewicht: 800 kg
  • Gefechtskopf: 200 kg
  • Sensorik: Elektrooptisches und infrarotfähiges Gimbal-Kamerasystem (Tag/Nacht)
  • Navigation: GNSS-unabhängig via terrain-referenzierter visueller Navigation
  • Datenlink: Satelliten-Datenverbindung (Line-of-Sight (LOS) und Beyond-Line-of-Sight (BLOS))

Das System kann nach Angaben des Herstellers auch in Umgebungen mit Störungen der Satellitennavigation (GNSS-Signalstörung) autonom navigieren, indem es Geländemerkmale visuell auswertet.

Neu auf dem Markt: Die türkische Kamikazedrohne K2 von Baykar mit einem 200 Kilogramm schweren Gefechtskopf.
Neu auf dem Markt: Die türkische Kamikazedrohne K2 von Baykar mit einem 200 Kilogramm schweren Gefechtskopf.
Foto: Baykar

Baykar positioniert die K2 ausdrücklich als kostengünstiges System für den Großserieneinsatz. Zu welchem Stückpreis das System erhältlich ist und ob es finanziell mit der iranischen Shahed mithalten kann, ist derzeit nicht bekannt.

Kamikazevergleich – Shahed, Geran, Lucas & K2

Mit ihrem 200-Kilogramm-Gefechtskopf und der Spannweite von 10 Metern gehört die K2 von Baykar definitiv zu den schwersten und größten Systemen ihrer Klasse.

Bei der Reichweite von über 2.000 Kilometern bewegt sich die K2 auf dem Niveau der Shahed-136 – bei deutlich höherer Payload. Die unten stehende Tabelle gibt einen groben Überblick, wo die neue türkische Kamikazedrohne zu verorten ist.

Eine iranische Shahed 136 bei einer Ausstellung in Kermanshah.
Eine iranische Shahed 136 bei einer Ausstellung in Kermanshah.
Foto: wikimedia / Fars Media Corporation

Gerade Shahed und Geran haben jedoch gezeigt, dass immer wieder neue Entwicklungen zu teils gravierenden Änderungen führen. So gibt es beispielsweise Shahed- und Geran-Modelle wahlweise mit Propellerantrieb oder Turbofan-Triebwerk.

System Länge Spannweite Startgewicht Gefechtskopf Reichweite Geschwindigkeit
Shahed-136

Iran

3,5 m 2,5 m ~200 kg 50–90 kg bis 2.500 km ~185 km/h
IAI Harop

Israel,

2,0–2,5 m 3,0 m ~135 kg 23 kg ~1.000 km bis 417 km/h
Geran-5

Russland

~6,0 m ~5,5 m ~850 kg ~90 kg ~1.000 km 450–600 km/h
LUCAS

USA

~3,0 m ~2,5 m ~82 kg ~18 kg ~650 km 185 km/h
Baykar K2

Türkei

5,1 m 10,0 m 800 kg 200 kg >2.000 km >200 km/h

Die türkische Drohnenindustrie

Baykar hat sich in den vergangenen Jahren zu einem erfolgreichen Exporteur unbemannter Luftfahrzeuge entwickelt. Das Produktportfolio reicht von der taktischen Bayraktar TB2 über die HALE-Drohne Akıncı bis zur strahlgetriebenen Kızılelma.

Feuerleitradar MURAD 100-A AESA von Aselsan absolviert Erstflug auf Bayraktar KIZILELMA UAS Kizilelma von Bayraktar.
Kampfjet als Drohne –Kizilelma von Bayraktar.
Foto: Bayraktar.

Mit dem Erwerb des italienischen Unternehmens Piaggio Aerospace und einem Gemeinschaftsunternehmen mit Leonardo hat Baykar zuletzt seine Präsenz auch in anderen Teilen Europas ausgebaut.

Die K2 schließt nun eine Lücke im Portfolio des Istanbuler Unternehmens. Trotz aller Erfolge im MALE/HALE-Segment hatte die türkische Industrie bei Loitering Munitions bisher nur wenig Fortschritte erzielt. Das könnte sich mit der Kamikazedrohne K2 jetzt ändern.

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BaykarDrohneK2KamikazedrohneNeuSchwarmTB2Türkei
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