Bundeswehr-Auftrag bringt Woolpower bis zu 22 Millionen Euro

Der europäische Rüstungsboom sorgt nicht nur für volle Auftragsbücher bei Panzer- und Drohnenbauern: auch die schwedische Textilindustrie profitiert. Ein neuer Auftrag aus Deutschland könnte für Woolpower – Hersteller von Unterwäsche und Midlayer-Bekleidung aus Merinowolle – ein Volumen von bis zu rund 22 Millionen Euro bedeuten.

Woolpower: Zwei Bundeswehr-Gebirgsjäger in Wintertarnkleidung mit G36-Gewehren und Thales-Funkgerät auf Patrouille im verschneiten Wald
Um in harten klimatischen Bedingungen zu bestehen, benötigen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr die passende Ausrüstung. Ein neuer Vertrag mit Woolpower aus Schweden soll jetzt dafür sorgen, dass kalte Regionen kein Problem darstellen.
Foto: Bundeswehr / Maximilian Schulz

Laut einer aktuellen Meldung von Woolpower hat das schwedische Unternehmen einen Vertrag über bis zu 250 Millionen Schwedischer Kronen (rund 22 Millionen Euro) mit der Bundeswehr geschlossen. Beschafft werden zwei Grundausstattungsteile aus Merinowolle: das Zip Turtleneck 200 (Unterhemd Lang Mehrschicht 200 g) sowie die Long Johns 200 (Unterhose Mehrschicht 200 g).

Der Vertrag zwischen BAAINBw und Woolpower ist bereits unterschrieben, wie hoch der genaue Umsatz letztendlich ist, bleibt jedoch offen. Gegenüber Defence Network erklärte ein Unternehmensvertreter, man sei sehr zuversichtlich, dass die Bundeswehr die Option ziehen würde.

Neben den temperatur- und feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften der Merinowolle selbst, strickt Woolpower sie mit einer besonderen Technik, den isolierenden Terry Loops. Defence Network konnte sich in der Produktion selbst ein Bild machen.

Verteidigungsgeschäft als Wachstumstreiber

Bei Woolpower stammt heute etwa ein Drittel des Umsatzes aus dem Geschäft mit Streitkräften, Polizei, Rettungsdiensten und anderen öffentlichen Auftraggebern. „Wir beobachten einen deutlichen Anstieg der Nachfrage bei dieser Art von Kunden“, berichtete Woolpower-CEO Linus Flodin. „Immer mehr Streitkräfte erkennen den Wert von Bekleidung, die entwickelt wurde, um extremen Bedingungen standzuhalten und gleichzeitig eine lange Lebensdauer zu gewährleisten.“

Die Beziehung zwischen Woolpower und dem Kunden Bundeswehr ist dabei nicht neu: Laut einem Interview mit dem deutschen Woolpower-Importeur Scandic Outdoor reicht sie bis in die 1990er-Jahre zurück. Damals hatten Marine-Kampfschwimmer bei einer Winterübung in Norwegen die Grenzen der damaligen Baumwoll-Unterwäsche der Bundeswehr zu spüren bekommen und wurden von norwegischen Kollegen auf die schwedische Wolllösung aufmerksam gemacht.

Industrielle Strickmaschinen verarbeiten olivgrüne Garne zu Bekleidung in einer Produktionshalle mit Mitarbeitern im Hintergrund
Blick in die Produktionshalle von Woolpower, in der auf industriellen Strickmaschinen olivgrüne Garne zu Unterwäsche für Streitkräfte gefertigt werden.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Seitdem gehören die deutschen Streitkräfte zu den treuen Kunden des Unternehmens aus Östersund. Was bisher überwiegend den Spezialkräften vorbehalten war, wächst jetzt immer mehr in die Breite. Der neue Auftrag markiert dementsprechend einen deutlichen Ausbau dieser langjährigen Partnerschaft.

Eigene Fertigung für resiliente Lieferketten

Mit der wachsenden Nachfrage rückt ein zentrales Element des Woolpower-Geschäftsmodells stärker in den Fokus: Das Unternehmen kontrolliert seine Produktionskette vom Garn bis zum fertigen Kleidungsstück in der eigenen Fabrik in Schweden. Das unterscheidet Woolpower von weiten Teilen der Textilbranche, in der die Fertigung meist über zahlreiche Zulieferer und weit entfernte Länder verteilt ist.

„Für Kunden aus dem Verteidigungsbereich geht es auch darum, zu wissen, wo die Produktion stattfindet, und darauf vertrauen zu können, dass die Lieferungen auch dann weiterlaufen, wenn sich die globale Lage verschlechtert“, so Flodin. Mit der Fertigung in Schweden – und damit sowohl innerhalb der EU als auch der NATO – wird dieser strategische Faktor zunehmend wichtiger.

Zudem wächst das Produktportfolio: Auf der Enforce Tac hatte Woolpower zuletzt ein neuartiges Merino-Mesh für Aufsehen gesorgt – einem elastischen Netzgewebe aus reiner Merinowolle.

Aufbau des modularen Bekleidungssystems NCU.
Aufbau des modularen Bekleidungssystems NCU.
Grafik: ICU Group

Bei der Nordic Combat Uniform ist ebenfalls ein Mesh als Basislayer im Einsatz – dieses kommt allerdings von Aclima aus dem benachbarten Norwegen. Am Gesamtsystem der NCU ist Woolpower mit dem direkt am Körper anliegenden Layer 0 vertreten. Defence Network konnte die nordische Uniform Anfang 2026 unter arktischen Bedingungen testen.

Der nun unterzeichnete Bundeswehr-Auftrag dürfte weitere Investitionen in die Produktionskapazitäten am Standort Östersund nach sich ziehen. „Wir müssen in der Lage sein, mit der Nachfrage mitzuwachsen und unsere Produktion weiter auszubauen“, erklärte Flodin abschließend.

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