Das deutsche Raumfahrt-Unternehmen Isar Aerospace hat konnte gestern Abend einen historischen Meilenstein erreicht: Bei ihrem erst zweiten Teststart überhaupt brachte die deutsche Rakete „Spectrum“ erstmals Nutzlasten in den Orbit. Der Start erfolgte um 22:12 Uhr MESZ vom Startkomplex am Weltraumbahnhof Andøya im Norden Norwegens im Rahmen der Mission „Onward and Upward“. Damit ist Isar Aerospace nach eigenen Angaben das erste kommerzielle Raumfahrtunternehmen aus Europa, dem der Transport von Satelliten in den Orbit gelungen ist. Bisher konnten das nur die von der ESA beauftragten Ariane-Raketen.
„Wir haben innerhalb weniger Jahre erreicht, wofür die europäische Raumfahrtindustrie Jahrzehnte gebraucht hatte. Europa hat nun souveränen Zugang zum Weltraum„, erklärte Firmenchef und Mitgründer Daniel Metzler. Er ordnete den Erfolg in einen größeren strategischen Zusammenhang ein: Der Start eröffne Kunden aus dem europäischen Festland erstmals einen eigenständigen Zugang zum All und schaffe damit eine echte Alternative zu bestehenden, meist außereuropäischen Anbietern.
Als nächste Priorität nannte Metzler die rasche Skalierung der Produktion sowie die Abarbeitung der bestehenden Auftragspipeline angesichts der stark wachsenden weltweiten Nachfrage.
Erfolgreiche Flugphasen für deutsche Rakete
Technisch durchlief die deutsche Rakete dabei sämtliche kritischen Flugphasen erfolgreich: Sie passierte den Punkt maximaler aerodynamischer Belastung (MaxQ), schaltete das Haupttriebwerk der ersten Stufe planmäßig ab (MECO) und vollzog die Stufentrennung, bevor die zweite Stufe zündete. Nach dem Überqueren der Kármán-Linie in 100 Kilometern Höhe – der international anerkannten Grenze zum Weltraum – wurde die Nutzlastverkleidung abgeworfen. Nach Erreichen der Orbitalgeschwindigkeit und einem abschließenden Kreisbahnmanöver trennten sich die Satelliten planmäßig von der Rakete.
Die transportierten Nutzlasten stammten aus dem Microlauncher-Wettbewerb der Deutschen Raumfahrtagentur beim DLR, der Bildungseinrichtungen und Start-ups einen kostengünstigen Zugang zum All ermöglichen soll und über das ESA-Programm „Boost!“ finanziert wird. Der erfolgreiche Flug dient damit gleich zwei Zwecken: Er ist einerseits ein Technologienachweis für Isar Aerospace selbst, andererseits eine praktische Demonstration dafür, dass auch kleinere europäische Institutionen künftig eigenständig ins All vordringen können.
Parallel zum Flugtest treibt das Unternehmen den Ausbau seiner Infrastruktur voran. Neben dem aktuellen Standort in Andøya entsteht derzeit ein weiterer Startkomplex in Nova Scotia, Kanada, der mittlere bis hohe Bahnneigungen abdecken soll – ein Orbit-Typ, der besonders für Erdbeobachtung und Kommunikationssatelliten relevant ist.
Zudem steht die Fertigstellung von Europas größter integrierter Produktionsanlage für Trägerraketen kurz bevor: Auf rund 40.000 Quadratmetern will Isar Aerospace künftig bis zu 40 Trägerraketen pro Jahr fertigen. Die Raketen drei bis sieben der „Spectrum“-Serie befinden sich nach Unternehmensangaben bereits in der Produktion – der gestern erfolgte zweite Flug soll also kein Einzelerfolg bleiben, sondern der Auftakt zu einer regelmäßigen Startkadenz sein.
Text: Redaktion