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1,35 Milliarden für Bremerhaven – Deutschland rüstet seine Drehscheibe

Navid LinnemannNavid Linnemann

Mit einem Letter of Intent besiegeln Bund, Bremen und die BLG Logistics Group den Ausbau Bremerhavens zum „Deployment Hub 2031“. Bis zu diesem Jahr sollen rund 1,35 Milliarden Euro in Hafen, Brücken und Straßen fließen. Was zunächst nach einem Investitionsprogramm für Infrastruktur klingt, soll ein zentraler Baustein des Operationsplans Deutschland werden.

1,35 Milliarden für Bremerhaven – Deutschland rüstet seine Drehscheibe. Militärische Logistik ist im Bündnisfall auf Häfen wie in Bremerhaven angewiesen. Dort werden mit 1,35 Milliarden Euro für den Deployment Hub 2031 jetzt die Voraussetzungen geschaffen.
Militärische Logistik ist im Bündnisfall auf Häfen wie in Bremerhaven angewiesen. Dort werden mit 1,35 Milliarden Euro für den Deployment Hub 2031 jetzt die Voraussetzungen geschaffen. Das Symbolbild aus Rostock zeigt die Verladung eines Kampfpanzers vom Typ Leopard 2.
Foto: CPM / Navid Linnemann

„Es geht um Logistik“, sagte Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius heute in Bremen, „es geht um Tausende von Soldatinnen und Soldaten die dann hier rüber gehen, es geht um Streitkräfte mit ihren Panzern und das alles vor dem Hintergrund einer sich deutlich verändernden Bedrohungslage.“

Wenn im Bündnisfall zehntausende alliierte Soldatinnen und Soldaten über Deutschland an die NATO-Ostflanke verlegt werden müssen, führt auch an Bremerhaven kein Weg vorbei. Genau dort haben das Bundesministerium der Verteidigung, die Freie Hansestadt Bremen und die BLG Logistics Group AG & Co. KG nun einen Letter of Intent (LoI) für den Aufbau eines sogenannten Deployment Hubs unterzeichnet.

Der Überseehafen Bremerhaven gilt schon lange als wichtiger Umschlagplatz für die Anlandung amerikanischer Truppen und Ausrüstung. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius verwies bei der Unterzeichnung auf diese Erfahrung. Neu ist nun die konkrete, milliardenschwere Verpflichtung, diese Rolle systematisch auszubauen.

Bis 2031 sollen rund 1,35 Milliarden Euro aus dem regulären Verteidigungshaushalt in Hafeninfrastruktur, Brücken, Straßen und die Anbindung ins Hinterland fließen. Bremen selbst steuert über das Sondervermögen Hafen mehr als 212 Millionen Euro bei. Pistorius nannte die Summe „die größte Investition hier“, auch wenn sie „nicht die größte bundesweit“ sei, aber eine „von besonderer Bedeutung“.

Bremerhaven als Hafenstandort

Dass die Wahl für diese Investition auf Bremerhaven fiel, liegt auch an dessen wirtschaftlichem Gewicht. Mit einem Güterumschlag von 42,5 Millionen Tonnen im Jahr 2024 ist der Überseehafen der zweitgrößte Seehafen Deutschlands.

Allein die Terminals der BLG in Bremerhaven schlagen jährlich rund 4,4 Millionen TEU im Containerverkehr sowie etwa eine Million Tonnen im sogenannten High-&-Heavy-Geschäft um, also bei Fahrzeugen und Schwerguttransporten – ein Segment, das militärisch besonders relevant ist, weil sich hierüber auch Kettenfahrzeuge und Großgerät abfertigen lassen.

Der Hafen bleibt jedoch grundsätzlich zivil. Für die Bewältigung von schweren militärischen Transporten sollen neue bzw. ertüchtigte Hafenanlagen zum Einsatz kommen.

Der Operationsplan Deutschland – Zeitplan für Bremen

Der Ausbau ist kein isoliertes Infrastrukturprojekt, sondern Teil des „Operationsplans Deutschland“, der festlegt, welche militärischen und zivilen Leistungen das Land im Bündnisverteidigungsfall erbringen muss. Deutschland fungiert dabei als zentrale logistische Drehscheibe für die Verlegung verbündeter Streitkräfte Richtung Osteuropa.

Pistorius brachte diesen Zusammenhang auf den Punkt: Es gehe „im Klartext um die Umsetzung des Operationsplans“ und um den Anspruch, „den Anforderungen gerecht zu werden, die im Ernstfall auf uns zukommen als Deutschland“.

Der Haushaltsausschuss des Bundestags hatte die Mittel für Bremerhaven bereits im November 2025 im Rahmen seiner Bereinigungssitzung für die Jahre 2026 bis 2031 bewilligt. Der Bremer Senat beschloss die konkrete Umsetzung des Deployment Hubs am 8. September 2026.

Vertragspartner BLG will nach eigenen Angaben innerhalb der kommenden sechs Jahre die bestehenden Hafenanlagen so ertüchtigen, dass Bremerhaven dauerhaft als logistischer Dreh- und Angelpunkt für militärische Bündnispartner dienen kann. Bis 2031 sollen die Arbeiten weitgehend abgeschlossen sein. Damit ist allerdings ein Datum als Ziel gewählt, welches zwei Jahre nach jenem Termin liegt, der immer wieder für einen möglichen Angriff auf das NATO-Bündnisgebiet genannt wird.

Der Weg ist noch lang

Die Einigung für die Errichtung des Deployment Hubs in Bremen ist daher nur ein weiterer Schritt auf einem noch langen Weg. Nötig sind laut Pistorius vor allem tragfähige Brücken und Straßen für den Weitertransport dessen, was über den Hafen ankommt, sowie ausreichend Unterkunft, Verpflegung, Abstell- und Wartungsmöglichkeiten für Truppen und Gefechtsfahrzeuge.

Diese Fähigkeiten hätten über 30 Jahre keine Rolle gespielt. „Die Voraussetzung dafür jetzt in der kürzestmöglichen Zeit zu schaffen ist unser gemeinsamer Auftrag“, erklärte Pistorius. „Wir tun das mit Entschlossenheit, mit Besonnenheit, aber eben auch in engster Kooperation zwischen Ländern und Bund eben auch den Kommunen.“

BLG-Vorstandschef Matthias Magnor betonte, sein Unternehmen wolle dabei als „bewährter strategischer Partner der öffentlichen Hand“ Verantwortung übernehmen. Bremens Hafensenatorin Kristina Vogt verwies zudem darauf, dass man bewusst „auf die bestehenden Strukturen“ aufsetze, statt einen komplett neuen Hafen zu bauen, der nur im Bedarfsfall gebraucht würde, forderte aber zugleich, die Finanzierungsverantwortung des Bundes müsse „zentraler Gegenstand der Nationalen Hafenstrategie“ werden.

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