Strom, Wasser, Kommunikation und Verkehr müssen auch in Krisen funktionieren. Drohnen stellen die Verantwortlichen für diese kritischen Infrastrukturen vor neue Herausforderungen – auch am Boden. In seinem Vortrag „KRITIS und Drohnen-Schutzsysteme“ beim Bodensee Resilience Summit beleuchtet Christian Frese von GARANT, wie technische Schutzlösungen und abgestimmte Einsatzkonzepte ineinandergreifen.

Eine Drohne liegt auf dem Gelände eines Umspannwerks. Ihre Herkunft ist unbekannt, unter dem Flugkörper hängt ein verdächtiger Gegenstand. Der Sicherheitsdienst alarmiert die Polizei, der Bereich wird abgesperrt. Während Spezialkräfte anrücken, bleiben Fragen offen: Trägt die Drohne eine gefährliche Nutzlast? Kann sie erneut starten? Welche Folgen hätte eine Explosion für Menschen, Schaltanlagen und die Stromversorgung?
Das Szenario zeigt, worum es beim KRITIS-Schutz geht: Menschen schützen, Schäden begrenzen und lebenswichtige Leistungen aufrechterhalten. Energieversorgung, Wasserwirtschaft, Gesundheitswesen, Kommunikation und Verkehr sind eng verbunden. Störungen können deshalb weit über den betroffenen Standort hinauswirken.
KRITIS-Schutz braucht den Blick auf die Folgen
Drohnen unterstützen Inspektionen und liefern Lagebilder. Dieselbe Technologie kann jedoch zur Ausspähung, Störung oder als Träger gefährlicher Gegenstände missbraucht werden.
Bereits eine ungeklärte Bedrohung kann den Betrieb erheblich belasten. Eine gesperrte Zufahrt behindert möglicherweise Einsatzkräfte, ein vorsorglich abgeschalteter Anlagenteil schränkt die Versorgung ein. Vorsorge muss deshalb klären, welche Bereiche besonders empfindlich sind und wie betriebliche Entscheidungen mit der Gefahrenabwehr abgestimmt werden.
Die Gefahr endet nicht mit der Landung
Drohnenabwehr konzentriert sich häufig auf Sensorik, Identifikation und das Abfangen eines Fluggeräts. Danach folgt eine weitere Aufgabe: Was geschieht mit der Drohne am Boden?

Eine mögliche Sprengladung bleibt gefährlich. Beschädigte Akkus und unbekannte Komponenten erschweren die Bewertung. Ein funktionsfähiges Fluggerät könnte erneut starten. Ein erfolgreicher Abfangvorgang beendet zunächst die Flugbewegung; die verbleibende Gefährdung muss gesondert beurteilt werden. Für die Zeit zwischen Alarmierung und Untersuchung oder Entschärfung braucht es daher vorbereitete Schutzmaßnahmen.
DSR: Schutzbarriere für die Bodenphase
Hier setzt der Drohnenschutzring DSR von GARANT an. Er wird über einer am Boden befindlichen Drohne positioniert und ist darauf ausgelegt, mögliche Splitter- und Explosionswirkungen zu begrenzen sowie ein erneutes Abheben zu verhindern. Je nach Lage ist eine manuelle oder robotergestützte Platzierung vorgesehen. Ein Roboter ermöglicht dabei mehr Abstand zwischen Einsatzkräften und potenzieller Gefahrenquelle.
Im Szenario des Umspannwerks kann diese Barriere nach fachlicher Lagebewertung dazu beitragen, mögliche Auswirkungen auf Personen und benachbarte Anlagenteile zu reduzieren. Zugleich entsteht Handlungsspielraum, um die Untersuchung vorzubereiten und das weitere Vorgehen abzustimmen.

Der DSR ergänzt die Drohnenabwehr um eine Fähigkeit für die Bodenphase. Untersuchung, Entschärfung und Bergung bleiben eigenständige Schritte. Eine automatische Freigabe des Umfelds lässt sich aus seiner Platzierung nicht ableiten.
Schutz in mehreren Schichten
Auch ein verdächtiges Gepäckstück am Bahnhof oder eine mögliche unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung, kurz USBV, an einer Versorgungsanlage erfordert ein abgestimmtes Vorgehen. Ein belastbares Konzept verbindet Umgebungsschutz, persönliche Schutzausrüstung und geeignete Lösungen für Aufnahme und Transport.
Zum Umgebungsschutz gehören Bombenschutzringe und Bombenschutzdecken, wie sie GARANT mit dem BSR-900 und der BSD-900 anbietet. Sie dienen dazu, mögliche Splitter- und Explosionswirkungen am Fundort zu begrenzen. Die erreichbare Schutzwirkung hängt von der Bedrohung, den geprüften Leistungsgrenzen und den örtlichen Bedingungen ab.
Für notwendige Arbeiten im Gefahrenbereich kommt persönliche Schutzausrüstung hinzu, etwa spezialisierte Bombenschutzanzüge. Für Ersthelfende und betriebliche Sicherheitsdienste stehen zunächst das Erkennen von Auffälligkeiten, Alarmierung und der Schutz weiterer Personen im Vordergrund. Der Einsatz spezieller Schutzmittel richtet sich nach Qualifikation, Zuständigkeit und Lage.
AMB: Schutz und Mobilität verbinden
Für die geschützte Aufnahme und Verbringung bietet GARANT den Air Marshall Bag, kurz AMB, an: einen Schutzbehälter für Handgranaten und USBV. Mit einem Gewicht von unter 25 Kilogramm ist er von einer Person tragbar und auch sicher in Fahrzeugen transportierbar. Ursprünglich wurde er für und mit der Schweizer Armee entwickelt.

Gerade bei räumlich verteilten Anlagen oder eingeschränkten Zugängen kann ein tragbares System zusätzliche Möglichkeiten eröffnen. Ob ein Gegenstand aufgenommen oder bewegt werden darf, entscheiden die zuständigen Fachkräfte anhand der Bedrohung und der Einsatzgrenzen des Behälters.
Aus Ausrüstung muss Einsatzfähigkeit werden
Für KRITIS-Verantwortliche beginnt die Umsetzung mit klaren Zuständigkeiten: Wer bewertet Beobachtungen und alarmiert die zuständigen Stellen? Wer entscheidet über betriebliche Einschränkungen? Wie werden eintreffende Einsatzkräfte unterstützt?
Betreiber kennen ihre Anlagen und Abhängigkeiten. Polizei und spezialisierte Kräfte bringen die Fähigkeiten zur Gefahrenbewertung und -abwehr ein. Meldewege und Übergaben sollten deshalb vor einem Vorfall geklärt sein. Auch Beschaffung, Unterweisung, Wartung und Übungen gehören zusammen: Ausrüstung muss erreichbar sein und sicher angewendet werden können.
GARANT bringt mehr als 70 Jahre Erfahrung in Schutz- und Sicherheitstechnik ein. Entwicklung und Fertigung der Schutzlösungen erfolgen ausschließlich in Europa. Zur Krisenvorsorge gehört zugleich, Bedarf, Lieferfähigkeit und langfristige Betreuung frühzeitig abzustimmen. Kooperationen zwischen Herstellern, Betreibern, Kommunen und Einsatzorganisationen ermöglichen gemeinsame Erprobung und Weiterentwicklung.
Drei Aufgaben für die Praxis
Daraus ergeben sich drei Empfehlungen: Erstens sollten Betreiber Drohnenschutzkonzepte bis zur Untersuchung und Bergung durchdenken. Zweitens müssen Zuständigkeiten, Ausrüstung und Ausbildung gemeinsam geplant werden. Drittens sollte das Zusammenspiel mit Behörden und Einsatzorganisationen regelmäßig geübt werden – einschließlich der Auswirkungen auf den Betrieb.
Christian Freses Vortrag stellt damit eine zentrale Frage: Wie bleibt eine Organisation handlungsfähig, während eine Gefahr noch nicht abschließend geklärt ist? DSR, Bombenschutzringe und -decken sowie AMB zeigen Möglichkeiten, diese Phase abzusichern. Der Bodensee Resilience Summit bietet Gelegenheit, ihre Einbindung in konkrete Schutzkonzepte zu vertiefen. Denn zur Resilienz kritischer Infrastrukturen gehört die Vorbereitung auf die Minuten zwischen Alarm und Entwarnung.
Referentenreport: GARANT
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