Die Fähigkeiten der Luftfahrt erhalten

„FCAS ist jetzt“, betonte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Alexander Reinhardt, heute zu Beginn des FCAS-Summits von cpm. Deutschland steuere absehbar auf eine strategische Lücke im Bereich der militärischen Luftfahrt zu, welche die Politik schließen müsse, um die Fähigkeiten der Luftfahrt zu erhalten. Stichwort Eurofighter Tranche 5.

Fähigkeiten der Luftfahrt: Alexander Reinhardt, Hauptgeschäftsführer des BDLI, nannte beim FCAS-Summit von cpm die absehbaren Fähigkeitslücken in der deutschen Industrie.
Alexander Reinhardt, Hauptgeschäftsführer des BDLI, nannte beim FCAS-Summit von cpm die absehbaren Fähigkeitslücken in der deutschen Industrie.
Foto: cpm/Dorothee Frank

„Damit wir aus Deutschland heraus unseren Beitrag für die Sicherheitsvorsorge in Europa und der Welt leisten und Vorhaben wie das NGWS/FCAS stemmen können, müssen wir drei wesentliche industrielle Kernfähigkeiten besitzen, die aufs Engste miteinander zusammenhängen“, betonte Reinhardt. Das seien die Fähigkeiten der Luftfahrt, Technologien zu erschließen und zu beherrschen, die Herstellung und Fertigung dieser Technologien sowie die Betreuung der Systeme während ihres Lebenszyklus in der Truppe.

Die Luftwaffe ist Hochtechnologie und die notwendigen Kernfähigkeiten weder schnell aufbaubar noch in allen Ländern der Welt oder auch nur Europas vorhanden. Deutschland habe die Fähigkeiten der Luftfahrt und zum Kampfflugzeugbau über 70 Jahre aufgebaut, beginnend mit dem Tornado als europäische Plattform. Doch nun zeichne sich eine Lücke von zehn Jahren zwischen der Auslieferung der letzten Eurofighter der Tranche 4 und dem Beginn von FCAS ab. Da es sich allerdings um hochqualifizierte Mitarbeiter und Ingenieure im Bereich der Luftfahrtindustrie handelt, wechseln sie in andere Bereiche, wenn es an Projekten fehlt. Besonders die Autoindustrie werbe gezielt um diese Menschen.

In einem so komplexen Umfeld könne sogar das Wegfallen eines einzigen Zulieferers zu Problemen beim Projekt führen. „Fällt ein Bauschein, dann fällt mittelfristig das gesamte Gebäude zusammen. Dann fällt die industrielle Grundlage“, betonte Reinhardt bezogen auf das absehbare Ende der Eurofighter-Lieferungen in 2030. „Die Dinge hängen zusammen und sind komplex, denn auf dem Niveau der Zulieferer wäre absehbar schon 2026/2027 Schluss.“ Reinhardt führte weiter aus: „Das heißt also, dass sich die Zulieferunternehmen im Verlauf der nächsten beiden Jahre, also bereits 2024/2025, die Frage stellen müssen, wie sie sich im Bereich des Kampf- und Flugzeugbaus künftig aufstellen.“

Aber auch eine rein deutsche Beschaffung reiche kaum, der Export sei von fast ebenso großer Bedeutung. „Insofern ist der Export für den Eurofighter die zweite zentrale Frage, die zu lösen ist“, sagte Reinhardt. Schließlich liege die deutsche Tranche 5 potentiell bei 50 Flugzeugen, um die Tornados zu ersetzen und der Zeitenwende Rechnung zu tragen. Diese 50 würden nicht ausreichen zur Auslastung der Industrie. „Deshalb brauchen wir den Export als zweites Standbein mit 50 plus Flugzeugen. Dann kommt man auf eine Produktion von zehn pro Jahr, über zehn Jahre macht das insgesamt 100 Flugzeuge.“

Diese Auslastung werde benötigt, damit das über 70 Jahre aufgebaute Wissen um den Kampfflugzeugbau erhalten bliebe. Fähigkeiten der Luftfahrt, die in der Industrie verloren gingen, ließen sich nicht mehr aufbauen. Nicht in der heutigen Zeit. Nicht im Bereich der Hochtechnologie.

„Wenn die Entwickler und Mitarbeiter mit ihrer einzigartigen Expertise bei uns in der militärischen Luftfahrt bleiben sollen, müssen wir ihnen jetzt eine langfristige Perspektive bieten. Sonst verlieren wir ab 2024/2025 absehbar wesentliche Träger unserer Systemfähigkeit im Kampfflugzeugbau. Und wenn unsere Supply Chain tatsächlich zusammenberichtet bzw. abwandert, dann können wir schlichtweg das, was ich eingangs gesagt habe, ab 2030 nicht mehr tun, nämlich Flugzeuge bauen“, betonte Reinhardt. Die deutsche Industrie brauche mindestens zur Überbrückung ein Kampfflugzeugprojekt. Sie brauche die Tranche 5 des Eurofighters.

Dorothee Frank

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