Drohnenfliegen aller Truppen

Drohnen allein gewinnen keinen Krieg, aber sie haben das moderne Gefechtsfeld deutlich verändert. Das gilt seit dem russischen Angriff auf die Ukraine insbesondere für kleine, handelsübliche Drohnen direkt an der Front – nicht nur bei der Aufklärung, sondern auch in der Wirkung. Während andere Armeen bereits konsequent unbemannte Systeme in allen Truppenteilen einsetzen, hinkt die Bundeswehr in einem zentralen Punkt hinterher: Ein systematisches „Drohnenfliegen aller Truppen“ als Basisbefähigung existiert bislang nicht. Eine Gruppe Reserveoffiziere um das Start-up ADA BW will das ändern.

Es wird Zeit für Drohnenfliegen aller Truppen als Basisbefähigung der Soldaten.
Es wird Zeit für Drohnenfliegen aller Truppen als Basisbefähigung der Soldaten.
Foto: Bundeswehr / Pia Martino

Verfolgt man die Diskussionen in der Truppe und in Fachkreisen, so ist häufig von Drohnenabwehr die Rede. Die Bundeswehr hat also durchaus auf dem Schirm, dass Klein- und Kleinstdrohnen eine große Bedrohung darstellen. Ein Innovationsvorhaben mit dem Titel „Drohnenabwehr aller Truppen“ (DAAT) gibt es beim Cyber Innovation Hub der Bundeswehr bereits.

Schwerpunkt liegt auf Drohnenabwehr

Das Innovationsvorhaben wird seit vergangenem Jahr beim Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“ in Schortens durchgeführt. Im Kern trainieren die Soldatinnen und Soldaten den Abschuss der Drohnen mittels Handfeuerwaffe. Ressourcenschonend setzt man im Training auf Laser und Sensoren, sodass keine Drohnen bei der Ausbildung zerstört werden.

Die Verteidigung gegen feindliche unbemannte Systeme kommt langsam an bei der Bundeswehr. Das ist wichtig, aber nur ein Teil der Realität. Gerade in der Renaissance des Grabenkampfs, wie die Ukraine ihn erlebt, entscheiden oft Millimeter und Sekunden über Erfolg oder Misserfolg. Kleinstdrohnen zur Aufklärung oder Bekämpfung feindlicher Fahrzeuge sind längst zum taktischen Vorteil geworden. Wer die Drohne nicht nur in die Luft bekommt, sondern sie auch zu fliegen weiß, ist im Vorteil. Hier setzt das Drohnenfliegen aller Truppen an.

Drohnenabwehr aller Truppen (DAAT)-Training der Bundeswehr.
Drohnenabwehr aller Truppen (DAAT)-Training der Bundeswehr.
Foto: Cyber Innovation Hub der Budneswehr

Bundeswehr braucht das „Drohnenfliegen aller Truppen“

Ob zur Aufklärung, zur Zielverfolgung oder mit Wirkung im Ziel: In vielen Streitkräften gehört es längst zum Standard, dass jede Soldatin und jeder Soldat eine Drohne starten und steuern kann. Dass die Bundeswehr hier noch ein Defizit aufweist, hat auch Verteidigungsminister Boris Pistorius erkannt. Er will zumindest den Zugang zur Technik erleichtern.

„Wir erhöhen die Stückzahl von bereits eingeführten Drohnen“, so Pistorius im Februar gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BAAINBw in Koblenz. „Wir erleichtern den Zugang – das ist ganz wichtig – zu handelsüblichen Drohnen, auch in den einzelnen Verbänden der Truppe.“ Im Gespräch mit dem Deutschen Bundeswehrverband betonte er, dass Drohnen in den Einsatzrealitäten der Gegenwart unverzichtbar seien. Die Zielrichtung des Ministers könnte folglich so interpretiert werden: Weg von der zentralisierten Spezialausbildung – hin zur breiten Befähigung aller Truppenteile.

Start-up bietet schnelle Ausbildung

Wie aber ließe sich das Drohnenfliegen aller Truppen praktisch umsetzen? Eine Gruppe Reserveoffiziere hat mit ihrem Start-up ADA BW (Allgemeine Drohnen Ausbildung Bundeswehr) auf der diesjährigen AFCEA in Bonn einen Aufschlag gemacht.

ADA BW liefert im Koffer einen Laptop mit Software, Controller, Brille und Minidrohne.
ADA BW liefert im Koffer einen Laptop mit Software, Controller, Brille und Minidrohne.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Die dort von ADA BW vorgestellte Simulationslösung vermittelt praxisnahe Drohnenkompetenz, von der sich Besucher selbst ein Bild machen konnten. Auf der zentralen Lernplattform der Bundeswehr „Link and Learn“ ist das theoretische Wissen bereits abrufbar. Als Hardware folgt dann ein spezieller Koffer für das Drohnenfliegen aller Truppen. Das Start-up bietet hier einen Laptop mit der eigenen Software, einen Controller sowie eine entsprechende Video-Brille, wie sie für gewöhnlich zur Steuerung der Drohnen genutzt wird.

Mit im Koffer für das Drohnenfliegen aller Truppen ist auch eine Minidrohne, erklärt Victor Freiherr von Süsskind, Geschäftsführer der ADA BW GmbH auf CPM-Nachfrage, damit die angehenden Drohnenpiloten „von der Theorie im Simulator bis zur Praxis alles üben können“. Durch das übersichtliche Set-up erfolgen Ausbildung und Training von Drohnenpiloten effizient, ortsunabhängig und kostengünstig. Einmal beschafft könnte die Technik dann von allen Soldatinnen und Soldaten genutzt werden.

Mehr braucht es nicht – Das Setup für den simulierten Drohnenflug.
Mehr braucht es nicht – Das Setup für den simulierten Drohnenflug.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Ein erstes Pilotprojekt mit 15 Soldaten der Bundeswehr wurde bereits abgeschlossen. Gegenwärtig befindet sich ADA BW mit einzelnen Truppenteilen, wie beispielsweise dem Heimatschutzregiment 4, im Gespräch. Hier wurden erste Test-Kits zum Verifizieren ausgeliefert.

Drohnen in der Bundeswehr – Der nächste Schritt muss kommen

Wenn die Bundeswehr zukunftsfähig bleiben will, darf Drohnenkompetenz nicht länger nur wenigen Spezialisten vorbehalten sein. Das taktische Drohnenfliegen aller Truppen – zumindest mit Klein- und Kleinstsystemen – sollte zum Handwerk aller Soldatinnen und Soldaten gehören. Nur so lässt sich auf Augenhöhe mit aktuellen Bedrohungen agieren und das volle Potenzial der Technologie ausschöpfen.

Das „Drohnenfliegen aller Truppen“ ist damit kein „Nice to Have“ – es ist eine Notwendigkeit. Diese Basisbefähigung für Soldaten könnte mit der Simulationslösung von ADA BW schnell und einfach in die Ausbildung der Truppe integriert werden.

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