Enforce Tac: Erkenntnisse aus modernen Konflikten spiegeln sich in MBDA-Produkten wider

Das Systemhaus und Hochtechnologieunternehmen MBDA Deutschland (Halle 9, Stand 338) ist vor allem für Lenkflugkörper, Luftverteidigung und das Thema Laser bekannt. MBDA bietet aber auch ein breites Portfolio geeigneter Lösungen für die Infanterie und Spezialkräfte.

Erkenntnisse: Die Small Anti Drone Missile. (Foto- AF)
Die Small Anti Drone Missile.
Foto: CPM / André Forkert

Interview mit Guido Brendler, Leiter Vertrieb und Geschäftsentwicklung bei MBDA Deutschland

Welche Lösungen zeigt MBDA Deutschland dieses Jahr zur Enforce Tac?

Der Ukraine-Krieg hat eindrücklich gezeigt, dass moderne Konflikte maßgeblich durch Luftangriffe und Landoperationen geprägt werden. Diese Erkenntnis spiegelt sich in unseren Produkten wider, die wir zur Enforce Tac präsentieren. Wir stellen dort beispielsweise unser gänzlich neues Konzept, RCM² (Multidomain Multirole Remote Carrier), in der Domäne Land vor. Weitere Schwerpunkte der Präsentation werden unser landgestütztes Lasersystem MILOS-D, der Enforcer-Lenkflugkörper sowie die Small Anti Drone Missile sein, die wir im Rahmen von NNbS für den Skyranger 30 zur Drohnenabwehr anbieten.

Das landgestützte Lasersystem MILOS-D. (Foto- AF)
Das landgestützte Lasersystem MILOS-D.
Foto: CPM / André Forkert
Stellen Sie unseren Lesern die Neuheit doch bitte einmal näher vor?

RCM², oder eben Multidomain Multirole Remote Carrier, sind taktische, modular aufgebaute und miteinander kommunizierende Remote Carrier.

Sie können sowohl mit kinetischen als auch mit elektromagnetischen Effektoren oder missionsspezifischen Payloads ausgestattet werden. Wir präsentieren hier ein Systemkonzept, das grundsätzlich in allen Dimensionen – Land, Luft und See – einsetzbar sein wird. RCM² wird sowohl von Kampf- und Transportflugzeugen als auch von Fregatten und Landfahrzeugen, wie z. B. vom EuroPuls von KNDS-D verbracht werden können.

Die RCM² können insbesondere in einem auftragsbasierten Effektor-Verbund mit hoher Überlebensfähigkeit in stark umkämpften oder verteidigten Einsatzgebieten agieren und so die Durchsetzungsfähigkeit im Einsatz erhöhen. Derlei intelligente Konzepte, die domänenübergreifend eingesetzt werden können, sind aus meiner Sicht einer der Trends der Zukunft.

Der Multidomain Multirole Remote Carrier, eine Option für die Artillerie und andere weitreichende Aufgaben. Hier als 1-4 Modell auf der Enforce Tac. (Foto- AF)
Der Multidomain Multirole Remote Carrier, eine Option für die Artillerie und andere weitreichende Aufgaben. Hier als 1-4 Modell auf der Enforce Tac.
Foto: CPM / André Forkert
Wann ist das System einsatzreif?

Wir arbeiten intensiv an den hierfür erforderlichen Technologien einerseits mit eigenen Ressourcen, andererseits auch unterstützt durch Forschungsmittel der Bundeswehr. Unser Ziel ist es zeitnah die Wirkkette der Waffenanlage, des Launchers und des RCM² in einem Bodenverschuss erfolgreich zu demonstrieren.

Im weiteren Schritt planen wir, ausgewählte operationalisierbare Nutzlast-Optionen in ihrem Wirkspektrum zu demonstrieren. Darüber hinaus ist für eine Industrialisierung der Demonstratoren hin zu einem einsatzreifen Produkt ein Entwicklungsauftrag durch den Kunden, verbunden mit einem Zeitbedarf von drei bis fünf Jahren, erforderlich.

2024 wurde der „Infanterielaser“ gezeigt. Wie ist hier der Sachstand und wie sehen die weiteren Schritte aus?

Wir konnten in mehreren Kampagnen die Leistungsfähigkeit des Systems nachweisen – zuletzt 2024 im Rahmen der „Experimental-Serie Land“. Hier wurde die Anwendbarkeit aus operationellen Gesichtspunkten betrachtet und erstmals ein Laserwaffensystem auf einem Truppenübungsplatz in einer taktischen, landbasierten Operation eingesetzt. Die gewonnenen Erkenntnisse zum Transport und zur Nutzung fließen in die weitere Entwicklung des Systems ein.

Im Fokus steht nun eine signifikante Leistungssteigerung, diese wollen wir durch verbesserte Einzelkomponenten erzielen. Die Laserquelle und die Erweiterung der Algorithmen zur Zielauffassung und Zielverfolgung spielen hierbei eine wichtige Rolle. Außerdem konzentrieren wir uns auf die Bekämpfung von Zielen in der Bewegung, wie Drohnen, mittels Grob- und Feintracking. Weiter betrachten wir perspektivisch die Nutzung des Lasereffektors auf einem unbemannten Landfahrzeug (UGV) zur Bekämpfung aus der Bewegung. Das militärische Anwendungsspektrum wird somit nochmals erweitert werden.

Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang das Gewicht?

Bei der Weiterentwicklung des Systems ist es natürlich essentiell, das Gewicht weiter zu reduzieren und eine Effizienzsteigerung von Energiequelle und Laserquelle herbeizuführen. Wir arbeiten darauf hin, die Energie im Ziel zu maximieren und dabei gleichzeitig die Gewichts- und Volumenvorgaben des Anwenders umzusetzen. Wir setzen hierfür auf neueste Energiespeichertechnik und die Auswahl geeigneter Werkstoffe für mechanische Komponenten.

Spätestens seit dem Krieg gegen die Ukraine sind Sperrfähigkeiten wieder ein ganz großes Thema. Ihr Tochterunternehmen TDW hat die PARM NextGen entwickelt und baut die Serienproduktion auf. Wie ist hier der Sachstand und gibt es neben Deutschland und der Ukraine bereits weitere Kunden?

Mit PARM NextGen bieten wir ein intelligentes und integriertes Sperrmittel der 3. Generation an, das dem taktischen Nutzer durch die Möglichkeit der Fernsteuerung und modernste Sensortechnik eine Vielzahl neuer Möglichkeiten bietet. PARM NextGen soll nicht nur ein Nachfolger der PARM DM22 werden, sondern sich zu einer Produktfamilie entwickeln, in der sich PARM NextGen und PARM DM22 ergänzen. Damit wird auf taktischer Ebene das Einsatzspektrum erweitert, sodass mit der PARM-Produktfamilie verschiedene Sperrszenarien bedient werden. Weitere Versionen könnten als Ergänzung folgen.

Das Waffensystem ist auf der Grundlage von Kundenwünschen in Eigenfinanzierung entwickelt worden. Bei Auslösung einer Bestellung kann sehr kurzfristig die Kundenqualifikation initiiert werden. Zudem liegt eine Vertragsfähigkeit vor. Die internationale Nachfrage, sowohl nach PARM DM22, als auch PARM NextGen, ist unverändert hoch.

Hier ein Bild de „normalen“ Enforcer, wie er auch beim Kommando Spezialkräfte genutzt wird, nur mit einem anderen Feuerleitvisier (Aimpoint FCS 14). (Foto- MBDA)
Hier ein Bild de „normalen“ Enforcer, wie er auch beim Kommando Spezialkräfte genutzt wird, nur mit einem anderen Feuerleitvisier (Aimpoint FCS 14).
Foto: MBDA
Ein anderes Thema sind neue fahrzeuggestützte Wirkmittel zur Panzer-, Drohnen- und Infanterieabwehr. Hier kommen der ENFORCER, BRIMSTONE und Loitering Munition oder der Lenkflugkörper Small Anti Drone Missile in Frage. Was hat sich hier getan oder wie sind die Planungen aus dem ENFORCER eine Familie zu entwickeln?

Wir brauchen neue Fähigkeiten um Drohnen, Infanterie und gepanzerte Fahrzeuge abzuwehren. Mit den von Ihnen genannten Waffensystemen bieten wir der Bundeswehr leistungsfähige Flugkörper für dieses Zielspektrum an. Die Small Anti Drone Missile bieten wir beispielsweise als Option im Rahmen des Teilprojekts 3 NNbS an, um die Abwehr von kleinen und mittleren Drohnen auch auf Distanz zu ermöglichen. Die Small Anti Drone Missile ist eine an den bei der Bundeswehr eingeführten Kleinflugkörper Enforcer („Leichtes Wirkmittel 1800+) angelehnte Entwicklung.

Zudem planen wir eine weitere Variante des Enforcers. Der Enforcer X wird insbesondere zur Panzerabwehr eingesetzt werden können. Wir sehen hier eine weltweit große Nachfrage und auch die Bundeswehr hat Bedarf an einem entsprechenden leichten System.

Mit der Entwicklung eines Brimstone-Missionsmoduls wollen wir den GTK Boxer zur begleitenden taktischen Feuerunterstützung von schweren Infanterieverbänden befähigen. Die Jägerkompanien sollen so auch gegenüber einer hohen Anzahl feindlicher Kampfpanzer nicht nur abstands-, sondern auch durchsetzungsfähig, werden.

Im Bereich Loitering Munition kooperieren wir mit dem israelischen Unternehmen IAI. Loitering Munition ist bedeutend mit Blick auf die heutigen und zukünftigen Einsatzszenarien. Sie kann mit hoher Präzision unter Vermeidung von unbeabsichtigten Schäden eingesetzt werden. Sie verkürzt die Einsatzzeiten und kann somit im Ernstfall Leben retten.

Mit dem bodengestützen Brimstone-Missionsmoduls soll der GTK Boxer zur begleitenden taktischen Feuerunterstützung von schweren Infanterieverbänden befähigt werden. (Foto- AF)
Mit dem bodengestützen Brimstone-Missionsmoduls soll der GTK Boxer zur begleitenden taktischen Feuerunterstützung von schweren Infanterieverbänden befähigt werden.
Foto: CPM / André Forkert
Schutz gegen Drohnen ist ebenfalls ein sehr wichtiges Thema für die Bodenkräfte. Neben der Small Anti Drone Missile setzt MBDA hier auch auf das Thema Laser. Entwickelt MBDA weitere Optionen zur Drohnenabwehr?

Aus meiner Sicht gibt es nicht das eine Wirkmittel in der Bekämpfung von Drohnen, sondern es wird immer ein komplementärer Mix aus elektronischem Kampf und kinetischen Wirkmitteln sein. Der Kriegsverlauf in der Ukraine verdeutlicht: wir brauchen neue Fähigkeiten, um Drohnen abzuwehren.

Dazu tragen wir als MBDA bei, indem wir zum Beispiel Hochtechnologiesysteme wie den Laser voranbringen, d. h. Wirkung im elektromagnetischen Spektrum. Zudem bieten wir mit der Small Anti Drone Missile einen leistungsfähigen Flugkörper zur Drohnenabwehr an. Analog zur Kombination mit einer Rohrwaffe, kann ein hochpräziser Laser im näheren Umfeld eingesetzt werden. Die fortschrittliche Small Anti Drone Missile wirkt dagegen auch auf größere Distanzen und erreicht hohe Präzision, auch gegen hochagile Ziele.

So können die Stärken des jeweiligen Wirkmittels ideal eingesetzt und dadurch ein sehr hoher operationeller Nutzen erzielt werden. Dies ist auch dann von besonderer Bedeutung, wenn viele Drohnen gleichzeitig bekämpft werden müssen; d.h. Drohnenschwärme. Hier bieten derartige Kombinationen immense Vorteile.

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