Eurosatory: Safran zeigt EPC-B Fallschirm

Erst vor wenigen Wochen führte die Bundeswehr den erster Truppensprung mit dem neuem Fallschirm EPC-B des französischen Herstellers Safran durch. Dafür absolvierte das Fallschirmjägerregiment 31 aus Seedorf am Ausbildung- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit in Celle den ersten regulären Sprungdienst mit dem neuen Automatik-Fallschirmsprungsystem EPC-B.

Jetzt zeigt der Hersteller den Fallschirm auch auf der Eurosatory in Paris. Unser Autor ist auf „Tuchfühlung“ gegangen. 

Das Fallschirmsystem EPC-B von Safran als Eyecatcher auf der Eurosatory. (Foto: AF)
Das Fallschirmsystem EPC-B von Safran als Eyecatcher auf der Eurosatory.
Fotos: cpm / André Forkert

Ensemble de Parachutage du Combattant – kurz EPC – so lautet die Bezeichnung für den neuen Fallschirm der Fallschirmjägertruppe der Bundeswehr. Die französische Bezeichnung bedeutet übersetzt so viel wie „Gefechtsfallschirmsystem“, während das Kürzel „B“ für Belgien steht. Belgien und weitere NATO-Partnerländer verwenden den Fallschirm mit kleinen Abweichungen ebenfalls, was einen weiteren Schritt in Richtung Standardisierung von Ausrüstung und Verfahren bedeutet.

Der EPC-B wird mittelfristig den seit Ende der 50er-Jahre in der Bundeswehr eingesetzten Fallschirm „T-10“ ersetzen und wird für „automatische“ Absetzungen verwendet. Bei diesen wird der Fallschirm nicht manuell im freien Fall geöffnet, sondern schwerkraftbedingt mittels der bewährten und zuvor in den Ankerseilen des Luftfahrzeugs eingehakten Aufziehleinen.

115 anstatt 87 Quadratmeter Fläche

Doch der Anblick beim „Überprüfen der Kappe“ nach dem Öffnungsvorgang ist nun ein anderer: Anstelle von 87 Quadratmetern Fallschirmseide des T-10 wölben sich nun 115 Quadratmeter Fläche über den Springerinnen und Springern, welche zudem mehrere Luftschlitze aufweist.

In vier Sprungreihen wird der A400M des Lufttransportgeschwaders 62 aus Wunstorf auf dem Flugplatz Celle besetzt. (Foto- Heer)
In vier Sprungreihen wird der A400M des Lufttransportgeschwaders 62 aus Wunstorf auf dem Flugplatz Celle besetzt.
Foto: Heer

Mit diesen kann der neue Schirm zwar nicht in eine bestimmte Richtung gelenkt werden, durch eine gleichzeitige Betätigung von zwei Griffen an den Tragegurten kann jedoch die Fahrt über Grund um 5 Knoten, also um rund 9 km/h reduziert werden, während die größere Fläche des neuen Schirms gleichzeitig die Sinkgeschwindigkeit verringert. Mittels der Griffe wird der Fallschirm bei Bedarf zunächst so gedreht, dass die Landung mit dem Wind erfolgt.

Somit reduziert der EPC nicht nur die Verletzungsgefahr bei höheren Windgeschwindigkeiten, es können im Vergleich zum T-10 auch schwerere Springer mit mehr Ausrüstung abgesetzt werden. Neu ist auch der zum Gesamtsystem gehörende Reservefallschirm, der ebenfalls eine größere Fläche und damit eine geringere Sinkgeschwindigkeit als sein Vorgänger, der T-10R, hat.

Zudem kann das Reservesystem mit einem Öffnungsautomaten (auch bezeichnet als Automatic Activation Device (AAD) oder Automatic Opening Device (AOD)) ausgestattet werden. Hergestellt wird der EPC bei der im baden-württembergischen Murr ansässigen Firma Safran Electronics & Defense, einem Tochterunternehmen des französischen Technologiekonzerns Safran S.A., Paris.

Quantensprung für die Fallschirmjäger

Am späten Nachmittag des 3. April besetzten nun 60 Springerinnen und Springer der Seedorfer Fallschirmjäger auf dem Flugplatz Celle den Airbus A400M „54+04“ des Lufttransportgeschwaders 62 aus Wunstorf, um kurz darauf das Luftfahrzeug bei einer Geschwindigkeit von 230 km/h in einer Höhe von rund 400 Metern im sogenannten Reihensprung über dem Absetzplatz Celle-Scheuen wieder zu verlassen.

Bald ein gewohnter Anblick über dem Absetzplatz Celle-Scheuen- Die markante Form des neuen Fallschirms EPC-B. (Foto- Heer)
Bald ein gewohnter Anblick über dem Absetzplatz Celle-Scheuen- Die markante Form des neuen Fallschirms EPC-B.
Foto: Heer

Während in der rechten Tür der Kommandeur des Fallschirmjägerregiments 31, Oberstleutnant Maik Münzner, als erster Springer mit EPC-B in der offenen Tür stand, führte Oberst der Reserve Jens Homberg als gespiegelter Kommandeur des Ausbildungs- und Übungszentrums Luftbeweglichkeit die Sprungreihe in der linken Tür an.

Sicher wieder am Boden gelandet, sind sich beide als erfahrene Springer in der Bewertung einig: der Sprung mit dem EPC-B ist gleichzeitig ein Quantensprung für die Fallschirmjäger im automatischen Fallschirmsprungeinsatz.

EPC-B Fallschirm mit Notfallsystem

Auch die Niederlande nutzen den EPC-B. Sie nutzten bereits seit 2022 als das erste Land in Europa, das Automatik-Fallschirmsysteme mit einem Öffnungsautomaten. Das für den EPC-B genutzte System Cypres der deutschen Firma Airtec GmbH & Co. KG Saftey Systems ist vor allem aus dem Bereich der Freifallschirme bekannt. Cypres ist der Standard für Freifallsysteme weltweit.

Bei Automatik-Sprüngen (auch Static Line genannt) öffnet sich der Fallschirm automatisch, sobald der Springer die Maschine verlassen hat. Wenn das nicht der Fall ist, gibt es immer noch den Reserveschirm, der innerhalb weniger Sekunden durch die Springer selbst ausgelöst werden muss. Die dafür notwendigen Abläufe werden den Soldaten im Rahmen der Fallschirmsprungsausbildung drillmäßig eingeübt und vor jedem Sprung nochmals trocken wiederholt.

Dennoch kann es passieren, dass jemand nicht in der Lage ist, seinen Reserveschirm rechtzeitig zu ziehen. Dann sorgt das Cypres-System dafür, dass die Reserve automatisch gezogen wird. „Es wird keine sanfte Landung sein, aber es kann das Leben eines Menschen retten“, gibt einer dem Verantwortlichen in niederländischen Heer zu bedenken. „Es ist so sicher und benutzerfreundlich wie möglich.“

Auch die Bundeswehr hat das Airtec Cypres 2 Static Line System (SLS) für Automatiksprünge über die NATO-Beschaffungsagentur NSPA für den EPC-B in der Anzahl von 450 Systemen beauftragt. Ob es schon bei den aktuellen Sprüngen genutzt wurde, ist nicht bekannt.

Die Cypres-Systeme der Airtec GmbH & Co KG werden militärisch in mehr als 100 Ländern genutzt. Seit 2003 ist mit Cypres 2 die aktuellste Version des Automatic Activation Device auf dem Markt. Der Öffnungsautomat misst dabei die Fallgeschwindigkeit und leitet die Öffnung des Reservefallschirms beim EPC-B selbständig ein, falls der Springer unter einer bestimmten Höhe (ca. 1.000 ft) eine bestimmte Fallgeschwindigkeit (ca. 35 m/s) überschreitet.

Auf diese Weise kann der Öffnungsautomat das Leben eines ohnmächtigen Springers retten. Mit dem Cypres 2 Static Line System ist auch eine Version für Automatiksprünge verfügbar.

EPC-B am Stand von Safran auf der Eurosatory. (Foto: AF)
EPC-B am Stand von Safran auf der Eurosatory.
Fotos: cpm / André Forkert

SLS besteht aus den Komponenten SLS Aircraft Modul (je 1x pro Flugzeug verbaut, 3 kg, Frequenz 433 MHz, 1 Milliwatt), dem SLS- Selbsttestmodul (für Packer) sowie je eine SLS-Einheit (165 Gramm) pro Springer. Diese wird in der Reserve integriert. Die verbaute SLS- Springereinheit arbeitet immer und kann nicht abgeschaltet werden, daher gibt es auch keinen An-/Ausknopf. Das heißt, der Springer muss das Gerät zu keinem Zeitpunkt bedienen.

Er kann es auch gar nicht bedienen, weil er keine Möglichkeit dazu hat. So wird jedwede Falschbedienung vermieden. Der Springer muss nur Folgendes wissen: Sieht er die LED des Moduls im Sichtfenster der Reserve weiß blinken, ist alles korrekt. Blinkt sie rot, muss er den Absetzer ansprechen.

Die LED blinkt während der gesamten Lebensdauer des Gerätes (15 Jahre) hindurch – auch während der Lagerung, aber dann nur alle zwei Minuten einmal. Hat die Springereinheit Kontakt zum SLS Aircraft Modul, blinkt sie alle zwei Sekunden. Geht der Kontakt zum Aircraft Modul verloren, blinkt sie wieder langsamer. Nach 14 Stunden geht sie wieder in den Zwei-Minuten-Modus über.

Das SLS Aircraft Modul im Flugzeug kommuniziert ständig mit der Springereinheit. Die Aktivierung geschieht bei einer Fallgeschwindigkeit von >13 m/s und einer Tiefe von 500 bis 600 ft unterhalb der Absetzhöhe durch das Flugzeug.

Und zwar dann, wenn der eigentliche Sprungschirm sich bis dahin nicht oder nicht richtig entfaltet hat. Dies zeigt auch, dass die Nutzung nur bei Ausbildungs- und Trainingssprüngen Sinn macht. Bei Einsatzsprüngen, die in der Regel unter 250 m stattfinden (und dann ohne Reserve), würde die verfügbare Fallstrecke nicht zum Retten ausreichen.

Der wichtigste technische Unterschied zwischen den Systemen für Freifaller und den Automatiksystemen liegt im unterschiedlichen Bezugspunkt. Vereinfacht ausgedrückt: der Bezugspunkt für alle bekannten AADs ist der Boden. Der Bezugspunkt des SLS ist das Absetzflugzeug. Damit misst das SLS, anders als die Freifaller-Systeme nicht die Entfernung zum Boden, sondern die Entfernung vom Flugzeug.

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