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HENSOLDT und Airdyne schnüren C-130-Missionspaket

C-130-Missionspaket: HENSOLDT und Airdyne Aerospace Inc. aus den USA haben eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Zusammen will man ein integriertes und zertifiziertes Missionspaket in einem ersten Schritt für die Lockheed Martin C-130 Hercules anbieten. Damit wird aus dem Transportflugzeug ein flexibles Missionsflugzeug. Die Bundeswehr erhält einige C-130J Hercules und wird diese in der deutsch-französische Lufttransportstaffel in Évreux betreiben.

Teil des C-130-Missionspaket: Das SABIR-System von Airdyne besitzt eine modulare, offene Architektur mit Montagekomponenten wie Türen, Roboterstreben und Missionspods
Das SABIR-System von Airdyne besitzt eine modulare, offene Architektur mit Montagekomponenten wie Türen, Roboterstreben und Missionspods.
Foto: cpm Defence Network

Für das vorgesehene C-130-Missionspaket werden das „MissionGrid“-Portfolio von Hensoldt – bestehend aus verschiedenen Sensoren und Missionsmanagementsystemen – mit dem SABIR-System von Airdyne kombiniert. SABIR ist ein System aus einzelnen modularen Komponenten, die auf verschiedene Weise konfiguriert werden können, um verschiedene Missionen, Flugzeugkonfigurationen und andere kundenspezifische Anforderungen zu unterstützen.

„Hensoldt kann auf eine langjährige Erfahrung in der Bereitstellung einer Vielzahl von Sensoren für ISR-Missionen sowie von Missionsmanagementsystemen und Missionsavionik zurückblicken“, sagte Steffen Kolditz, Leiter der Airborne Solutions Business Unit bei Hensoldt. „Daher ist Airdyne mit seinem vielseitigen SABIR-System der ideale Partner, um gemeinsam ein exportierbares Missionspaket für C-130-Kunden weltweit mit sehr geringen Integrationsrisiken für den Endnutzer anzubieten.“

Hensoldts MissionGrid besteht aus Bausteinen wie Radar, COMINT- und ELINT-Sensoren, elektro-optischen Sensoren und Missionscomputern, die vorintegriert und im eigenen Haus getestet werden. Daraus ergeben sich für den Kunden erhebliche Vorteile, wie etwa ein geringeres technisches Risiko oder verkürzte Integrationszeiten. Es kann in Starrflüglern, Hubschraubern und unbemannten Luftfahrzeugen eingesetzt werden. Neben militärischen Luft- und Marineeinsätzen wird es auch für den Grenzschutz, Such- und Rettungseinsätze, die Seepatrouille und Strafverfolgung verwendet.

Detailansicht des SABIR-Systems
Detailansicht des SABIR-Systems.
Foto: cpm Defence Network

Das SABIR-System von Airdyne besitzt eine modulare, offene Architektur mit Montagekomponenten wie Türen, Roboterstreben, Missionspods, Workstations, Avionikgestellen, absturzsicheren Sitzen, Stromversorgungsmodulen und mehr. SABIR-Missionssysteme ermöglichen Tausende von Sensor-/Kommunikationskonfigurationen und viele verschiedene Pod-Designs – entweder unabhängig oder von Airdyne entwickelt. SABIR unterstützt eine breite Palette von Missionen, wie z. B. militärische Operationen im gesamten Spektrum, Seepatrouillen, Such- und Rettungseinsätze, Überwachungseinsätze, C5ISR, CBRNE, Krisenreaktion, Führung und Kontrolle und sogar wissenschaftliche und umweltbezogene Forschung.

SABIR ist mit allen C-130-Modellen kompatibel und kann als permanente Lösung oder als temporäre Modifikation, die zwischen Flugzeugen ausgetauscht werden kann, installiert werden.

C-130J das taktische Multi-Role Transport Tanker (MRTT) Flugzeug

Die Lockheed Martin C-130 HERCULES ist ein weltweit genutztes taktisches Luftfahrzeug, sie wird in 22 Nationen genutzt. Deutschland hat drei C-130J HERCULES und drei KC-130J bestellt. Dieses in Deutschland auch als „Kleine Fläche” bezeichnete Projekt soll vor allem den Spezialkräften taktische Optionen unterhalb des Airbus A400M zur Verfügung stellen. Dank der Missionssuite könnten die Missionsoptionen erheblich erweitert werden.

Bomber und vieles mehr!

Die C-130J aber ein Transportflugzeug zu nennen, kommt einer Untertreibung gleich. Denn diese taktische Maschine hat viel mehr zu bieten. Schaut man etwas genauer hin, ist erkennbar, dass es sich um ein multifunktionales Multi-Mission Flugzeug handelt. Jede C-130 hat Hardpoints für je einen Zusatztank unter jeder Tragfläche, um so die Reichweite zu vergrößern. Diese können auch mit Luft-Luft-Betankungspods bestückt werden. Und wurde bei der Bestellung die Option für eine Bewaffnung ausgewählt, können diese Hardpoints auch mit Waffen (Bomben) bestückt werden. Als Treibstoff-Zusatztank kann jeder 1.400 US-Gallonen fassen.

Sensorträger

Airdyne hat 2009 im Auftrag der U.S. Air Force (USAF) für die C-130 einen multifunktionalen Sensorträger entwickelt. Das System besteht aus der AS-6 BKS Tür, dem AS-7 Strut/Arm und dem AS-4 Multi-Mission Pod and RF Varianten. Optional kann die AS-T4 Tactical Workstation ­– inklusive AS-5S Sitz und AS-20S Avionics Rack – hinzukommen. Alles kann modular zusammengesetzt und genutzt werden. Die Originaltüre bleibt und wird einfach nach oben geklappt. In den dann freien Türraum wird die AS-6 BKS gesetzt, es müssen dazu aber keinerlei Veränderungen an der Zelle vorgenommen werden.

Verbautes SABIR-System von Airdyne an C-130.
Foto: cpm Defence Network

Die AS-6 hat im unteren Bereich einen festen Teil, der als Fixierung für den AS-7 Arm dient. Dennoch kann die Tür normal geöffnet werden. Der Arm ist schwenkbar und wird zu Start und Landung nach oben gefahren, im Flug klappt er komplett nach unten. Am AS-7 Arm können direkt Sensoren oder der multifunktionale Sensorpod befestigt werden. Als Verbindung ist eine NATO 14-inch BRU-12 integriert. Der Pod kann Radare, maritime Radare, TV-Sensoren, digitale Funksender, MicroWave, Hyperspektralkameras, LIDAR, uvm. integrieren. Der Pod kann Nutzlasten mit einem Gewicht von bis zu 600 Pfund aufnehmen. Anstelle des Pods können auch direkt Sensoren wie das L3Harris MX-20/15 oder ein Targeting oder Lightning Pod angebunden werden. Zuletzt wurde das Projekt „Open Skies“ ein Detection Pod zur Ausführung von nuklearen Partikeln entwickelt und getestet. Die Tür hat ein zusätzliches Eigengewicht von 130 Pfund, der Arm 500 Pfund.

Zudem ist in der AS-6 BKS Tür der AS-22 Ejektor verbaut. Durch diesen können im Flug verschiedene Nutzlasten abgesetzt werden, ohne dass dazu die Tür oder die Rampe geöffnet werden müssen. Durch den Ejektor können unter anderem Sonarbojen, Marker, taktische Drohnen, Loitering Munition oder Raketen abgesetzt werden, im Grunde alles, was per Hand oder aus einem Startrohr ausgesetzt werden kann.

Nutzer sind bisher die UASF, USMC, Dänemark, Philippinen und Frankreich. Sie können vom C-130-Missionspaket profitieren. Zur Verbringung in den Einsatzraum kann das System auch in drei Transportkisten verpackt werden und im Inneren der Maschine mitfliegen. Zudem kann das System in einer Flottenlösung ohne Aufwand zwischen den Luftfahrzeugen und den verschiedenen C-130 Versionen getauscht werden.

Feuerbekämpfung aus der Luft

Dank entsprechender Kits lässt sich die C-130 auch als sehr effektives Feuerlöschluftfahrzeug einsetzen. Laut Lockheed Martin gibt es mehrere Kit-Anbieter, das bekannteste ist wohl das Modular Aerial Firefighting System (MAFFS; System zur Feuerbekämpfung aus der Luft). MAFFS ist ein palettiertes System, das einen unter Druck stehender Feuerlöschmittel-Tank beinhaltet. Der Tank verfügt über mehrere Zellen, die in der Ursprungsvariante 2.700 US-Gallonen an Feuerlöschmittel aufnehmen konnte. Das System wurde für die U.S. Air National Guard entwickelt und später auch von Italien, Portugal, Griechenland, Tunesien, der Türkei sowie Brasilien eingeführt.

Sehenswerter Beitrag über den Umbau einer C-130 zur Waldbrandbekämpfung.

Die neuere Variante MAFFS II soll laut Hersteller innerhalb von einer Stunde in die Maschine eingerüstet werden können. Und sie kann mit 11.356 Litern auch mehr Löschmittel fassen. Der Tank besteht nun aus Kohlefaser und hat einen integrierten Kompressor. Dies soll eine deutlich kürzere Durchlaufzeit zwischen den Einsätzen ermöglichen. MAFFS II on Aero Union (heute das Joint Venture Maffs Corp.) ist mit den Varianten C-130H und C-130J kompatibel und verteilt das Feuerlöschmittel durch eine Klappe in der Fallschirmabsetztür in der Seite. Dadurch bleibt die Frachtklappe geschlossen und der Druck in der Kabine erhalten. MAFFS II kann bis zu acht getrennte Sprühstöße durch eine Düse abgeben. MAFFS II kann bis zu 700 US-Gallons/Sek. ausstoßen.

Zudem wurde ein modulares Luft-Sprühsystem für Marokko entwickelt. Das System ist in sich geschlossen und umfasst zwei palettierte Tanks mit je 6.813 Litern. Diese werden auf der Rampe befestigt und versorgen den hydraulischen Ausleger und das Sprühmodul. Die Flüssigkeit wird in den Luftstrom der Rampe abgegeben.

Als weiteres System wird das RADS von Coulson Aviation USA angeboten. Es handelt sich um ein Gravity Drop Retardant Delivery System (RDS) und besteht aus einsatzspezifischen Komponenten, die in weniger als 30 Minuten installiert oder entfernt werden können. Laut Hersteller ist es derzeit die effektivste Methode zur Ausbringung von Brandbekämpfungsmitteln aus der Luft. Das RDA macht sich die Schwerkraft zunutze und hat eine Höhen- und Fluggeschwindigkeitskompensation integriert. Es bietet einen konstanten Durchfluss für eine gleichmäßige Flammschutzmittel-Abdeckung bis zu Coverage Level (CL) 12.

Die gleichmäßigen Bodenbedeckungsgrade aus größeren Höhen bieten einen zusätzlichen Schutz für Maschine und Crew, aber das System wurde auch optimiert für die Durchführung von Brandbekämpfungseinsätzen im direkten Angriff sowie den Einsatz von Löschmitteln bei niedriger Fluggeschwindigkeit und in geringer Höhe. Die Tankkapazität umfasst bis zu 5.000 US-Gallonen Retardant. Dank einer Entleerungsrate von 1.600 US-Gallons/Sek. ist der Tank in unter drei Sekunden leer und der Feuerangriff beendet. Das RADS benötigt kein weiteres Besatzungsmitglied, das Steuergerät und die Cockpit-Schnittstelle bieten dem Bediener eine Technologie zur Anpassung der Durchflussrate in Echtzeit, was zu einer optimalen Abdeckung der Abwurfzone und Genauigkeit führen soll. Laut Hersteller ist es zudem günstiger und leichter als Konkurrenzsysteme.

André Forkert

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