IRIS²-Vertrag besiegelt – 348 Satelliten für Europas Sicherheit

„Heute machen wir einen entscheidenden Schritt nach vorn für Europas Sicherheit und digitale Souveränität“, kommentierte Andrius Kubilius, EU-Kommissar für Verteidigung und Weltraum, den Abschluss der Verhandlungen zu IRIS², Europas neuer Flaggschiff-Satellitenkonstellation. Die Vereinbarung wächst um Dutzende zusätzliche Satelliten und bringt mit dem belgischen Start-up Aerospacelab einen Newcomer in die erste Reihe der europäischen Raumfahrtindustrie.

IRIS²: Techniker in Reinraumkleidung montieren einen Aerospacelab-Satelliten auf einer mobilen Transportplattform von Barum & Dewar
Techniker arbeiten an der Montage und Integration eines Kleinsatelliten.
Foto: Aerospacelab

Die Europäische Kommission und das SpaceRISE-Konsortium haben heute ihre Verhandlungen zu IRIS² abgeschlossen und eine entsprechende Umsetzungsvereinbarung unterzeichnet. Damit wechselt das Programm offiziell von der Planungs- in die Umsetzungsphase.

Die im Januar aufgenommenen Gespräche – intern als „Rendezvous 1“ bezeichnet – bestätigten zentrale Parameter wie Systemdesign, Kapazität, Zeitplan, Zielpreis und die Investitionen der privaten Betreiber. Auch wurde mit der heutigen Einigung festgelegt, welche Unternehmen beteiligt sind: neben etablierten Raumfahrtunternehmen wie Airbus Defence and Space, Thales Alenia Space und OHB ist auch das belgische Start-up Aerospacelab.

IRIS² – Europas Kommunikationszukunft

Das System IRIS² soll Europas eigenes, souveränes Satellitennetz für sichere Konnektivität werden. Regierungen, Verteidigungs- und Sicherheitskräfte, aber auch zivile Organisationen wie Rettungsdienste in der gesamten EU sollen es einmal nutzen. Das Ziel ist eine sichere und zuverlässige Kommunikation – unabhängig von außereuropäischer Infrastruktur.

Grafische Darstellung von Aerospacelab-Satelliten der IRIS²-Konstellation im Erdorbit vor der Erde bei Tag-Nacht-Übergang
Eine grafische Darstellung zeigt Satelliten des Herstellers Aerospacelab für die europäische IRIS²-Konstellation.
Illustration: Aerospacelab

Möglich wird das System durch ein groß aufgestelltes Team aus europäischen Playern. Dazu bündeln die EU-Kommission, die Europäische Weltraumorganisation ESA und die EU-Agentur für das Weltraumprogramm ihr Know-how mit dem SpaceRISE-Konsortium. Das Industriekonsortium besteht aus den drei Partnern SES, Eutelsat und Hispasat sowie einem breiten Kreis europäischer Industriepartner. Dazu zählen etablierte Größen wie Airbus Defence and Space, Thales Alenia Space und OHB, die Deutsche Telekom.

Die Grundlage für IRIS² wurde bereits 2022 gelegt; im Dezember 2024 unterzeichnete man den zwölfjährigen Konzessionsvertrag, mit dem IRIS² von einem geplanten zu einem offiziell finanzierten, rechtsverbindlichen Projekt wurde. Seither wurden das Systemdesign definiert sowie einzelne Arbeitspakete an die Industrie vergeben. Seit heute steht der Fahrplan und ist die Finanzierung vertraglich beschlossen.

Was sich mit der neuen Vereinbarung ändert

Mit der jetzt geschlossenen Vereinbarung wächst auch die Hauptkonstellation von IRIS² auf 348 Satelliten. 330 davon sollen im niedrigen Erdorbit (LEO) und 18 im mittleren Erdorbit (MEO) eingesetzt werden. Neu ist zudem, dass 66 Satelliten in einer kombinierten High-Low-Earth-Orbit-Architektur eingesetzt werden, die gezielt die Fähigkeiten für Verteidigung, Sicherheit und Notfalldienste stärken soll.

Zwei Mitarbeiter in Reinraumkleidung arbeiten an einem Bildschirmarbeitsplatz im Reinraum von Aerospacelab
Zwei Mitarbeiter in Reinraumkleidung des Raumfahrtunternehmens Aerospacelab.
Foto: Aerospacelab

Die europäischen Hersteller haben sich verpflichtet, die zusätzlichen Satelliten mit erhöhter Widerstandsfähigkeit zu liefern; finanziert wird der erweiterte Umfang aus einer Kombination von EU-Haushaltsmitteln für den Zeitraum 2028–2034 sowie zusätzlichen nationalen Investitionen – Polen und Ungarn haben beispielsweise bereits 656 bzw. 500 Millionen Euro zugesagt, Spanien kündigte Investitionen zwischen 1,6 und 2 Milliarden Euro an.

Der Aerospacelab-Faktor – Start-up wird Systempartner

Wie stark der „Made in Europe“-Faktor bei IRIS² inzwischen auch auf junge Unternehmen setzt, zeigt das Beispiel Aerospacelab: Als offizieller Partner im SpaceRISE-Konsortium wird das belgische Unternehmen LEO-Satelliten entwickeln, bauen und betreiben.

Benoit Deper, Geschäftsführer von Aerospacelab, steht in einer Produktionsstätte für Satellitenkomponenten
Benoit Deper, der Geschäftsführer von Aerospacelab.
Foto: Aerospacelab

Erst 2018 von CEO Benoît Deper gegründet, beschäftigt Aerospacelab heute rund 430 Mitarbeitende an Standorten in Belgien, Frankreich, der Schweiz und den USA und hat über 150 Millionen Euro an Kapital eingesammelt.

Sichtbarster Ausdruck des enormen Wachstums ist die derzeit im belgischen Charleroi entstehende Aerospace Megafactory: Auf 20.000 Quadratmetern soll dort in wenigen Monaten die Produktion anlaufen, mit einer geplanten Kapazität von bis zu 500 Satelliten pro Jahr in der Klasse zwischen 150 Kilogramm und einer Tonne. Hier werden dann die Satelliten für IRIS² gebaut.

„Aerospacelab wurde vor nicht mal 10 Jahren gegründet und ist heute ein zentraler Partner in einem von Europas bedeutendsten Industrieprojekten“, freut sich Deper. „Das zeigt nicht nur das Vertrauen in unsere Fähigkeiten, sondern ist auch ein wichtiges Signal an die ganze Branche: Neue Akteure können dazu beitragen, Europas Souveränität im Weltraum mitzugestalten – auf Augenhöhe mit etablierten Raumfahrtunternehmen.“

Luftaufnahme der im Bau befindlichen Aerospacelab-Satellitenfabrik mit ovalem Gebäude und Baustellenfahrzeugen in der Umgebung
Eine Luftaufnahme zeigt die im Bau befindliche Satellitenfabrik des Raumfahrtunternehmens Aerospacelab in Belgien.
Foto: Aerospacelab

Zur Megafactory ergänzte Deper: „Das ist Europas ‚Henry-Ford-Moment‘ in der Raumfahrt: Wir stehen für Innovation, Agilität und schnelle Skalierung. Und wir sind bereit zu liefern.“

Der Weg bis zur Einsatzreife 2029

Ab 2029 soll die EU mit IRIS² über ein eigenes Satelliten-Netzwerk für Kommunikation verfügen, das sicher, schnell und zuverlässig ist. Damit das gelingen kann, muss jetzt bei Partnern wie Aerospacelab die Vorbereitung des Satellitenbaus vollzogen werden.

Unter der Leitung der Kommission und mit technischer Unterstützung der ESA soll das SpaceRISE-Konsortium zudem die Programmentwicklung beschleunigen. Das gemeinsame Ziel: Schon in drei Jahren sollen schrittweise die operativen Konnektivitätsdienste für autorisierte staatliche Nutzer in allen EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen und Island bereitgestellt werden.

Mit WhatsApp immer auf dem neuesten Stand bleiben!

Abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal, um die Neuigkeiten direkt auf Ihr Handy zu erhalten. Einfach den QR-Code auf Ihrem Smartphone einscannen oder – sollten Sie hier bereits mit Ihrem Mobile lesen – diesem Link folgen:

Beitrag teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwendete Schlagwörter

AerospacelabESAEUEuropaIRIS²KommunikationSatellitenkommunikationSatellitenkommunikationssystemeSichere Kommunikation
Index