Türkei liefert erstmals Marineschiff an EU-Streitkraft

Früher gab es fast nur eine Einbahnstraße. Die Türkei kaufte große Waffensysteme vor allem in den USA oder in Europa. Entweder als fertiges Waffensystem, als Baukasten mit einer Endmontage in der Türkei oder als Joint-Venture Produktion im Heimatland. Dank dieses Technologietransfers über Jahrzehnte konnte die Türkei sich immer weiter unabhängig vom Ausland machen und eigene Fähigkeiten auf- und ausbauen. Viele der in der Türkei genutzten Waffensystems stammen mittlerweile gänzlich aus heimischer Produktion. Jetzt konnte die Türkei erneut einen weiteren Meilenstein erreichen, den Export in ein EU-Land.

Rumänische Korvette Contraamiral Eustațiu Sebastian mit angetretener Besatzung und salutierendem Offizier am Pier
Die Korvette „Rear-Admiral August Roman“, hier während der Übergabezeremonie, ist das erste in der Türkei gebaute Schiff, dass an ein NATO- und EU-Land geliefert wurde.
Foto: ROM MoD

ASELSAN setzte einen bedeutenden Meilenstein mit der Ausrüstung der Korvette „CAm. ROMAN“. Dieses Schiff wurde als erstes in der Türkei gebautes Kriegsschiff an einen Mitgliedsstaat der NATO und der Europäischen Union ausgeliefert. Dieser Erfolg unterstreicht sowohl die wachsende internationale Anerkennung der hochentwickelten Marinesysteme von ASELSAN als auch die zunehmende Bedeutung der Türkei auf dem globalen Markt für maritime Verteidigungssysteme, so das Unternehmen bei der Bekanntgabe.

ASELSAN stattete die Korvette mit einem integrierten Paket aus eigenentwickelten Marinesystemen aus, das Radar-, Feuerleit-, elektro-optische, Kommunikations- und Navigationssysteme umfasst. Zur Konfiguration gehörten das Such- und Zielerfassungsradar CENK 200, das Feuerleitradar AKREP 100-N, das elektro-optische Aufklärungs-, Überwachungs- und Zielsystem AHTAPOT 100, das X-Band-Satellitenkommunikationssystem ACROSAT 3210M, das störresistente GNSS-System KARETTA 500 sowie weitere fortschrittliche Lösungen, die darauf ausgelegt sind, die Einsatz- und Kampffähigkeiten des Schiffes zu maximieren.

Türkei: Auslieferung Erfolg für die türkische Verteidigungsindustrie

Die Auslieferung stellte einen bedeutenden Erfolg sowohl für ASELSAN als auch für die türkische Verteidigungsindustrie dar, da sie hochentwickelte, im Inland entwickelte Meerestechnologien in einen NATO- und EU-Mitgliedsstaat brachte. Zudem verdeutlichte sie die steigende internationale Nachfrage nach den maritimen Lösungen von ASELSAN sowie die wachsende Rolle des Unternehmens bei Modernisierungsprogrammen für Seestreitkräfte von Bündnispartnern.

Die Korvette „Rear-Admiral August Roman“ wurde Ende Juni 2026 an die rumänischen Streitkräfte übergeben. An der Zeremonie in Istanbul nahmen der rumänische Präsident Nicușor Dan gemeinsam mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan teil. Laut einer Pressemitteilung der rumänischen Präsidialverwaltung markiert die Zeremonie auf der Werft in Istanbul die offizielle Indienststellung des Schiffes bei der rumänischen Marine. Der nächste Schritt ist die Überführung des Schiffes nach Rumänien.

Die Schiffe der HISAR-Klasse basieren auf dem Entwurf der Ada-Korvette, der im Rahmen des MILGEM-Programms entwickelt wurde. Die Kiellegung der TCG Akhisar erfolgte im September 2023 auf einer Werft in Istanbul; im Dezember 2024 begann das Schiff mit den Seeerprobungen. Formal werden die Schiffe der HISAR-Klasse als Hochsee-Patrouillenschiffe (OPV) klassifiziert; Rumänien bezeichnet sein Schiff jedoch als leichte Korvette, da eine Ausrüstung mit einem breiteren Waffenspektrum geplant ist.

Die Korvette „Rear-Admiral August Roman“ hat eine Verdrängung von 2.300 Tonnen, bei einer Länge von 99,56 m, Breite von 14,42 m und einem Tiefgang von 3,77 m. Die Stärke der Besatzung wird mit 104 Personen angegeben. Laut Hersteller ist das Schiff auf eine 21tägige Autonomie sowie eine Reichweite von 4.500 Seemeilen ausgelegt. Der Hersteller gibt die Höchstgeschwindigkeit mit 24 Knoten sowie die Marschgeschwindigkeit mit 12 Knoten an.

Laut öffentlichen Quellen umfasst die Bewaffnung ein 76-mm-Schiffsgeschütz von MKE, Aselsan GÖKDENİZ CIWS, zwei 12,7-mm-Maschinengewehre, Mk-56-Vertikalstartsysteme für RIM-162 Evolved Sea Sparrow Missile (ESSM), einer schiffgestützten Flugabwehrrakete mittlerer Reichweite, acht Naval-Strike-Missile-Flugkörper als Anti-Schiffs-Bewaffnung sowie das Roketsan-ASW-Raketensystem zur U-Boot-Bekämpfung. Zudem stellt das Schiff einen Hangar und Deck für einen schiffsgestützten Bordhubschrauber sowie eine Bayraktar-Drohne (UAV) bereit. Als Sonar-System wird das Meteksan Yakamos 2020, ein rumpfmontiertes Sonar der neuen Generation genutzt.

Der Oberste Rat für Nationale Verteidigung Rumäniens billigte im März 2025 die Beschaffung einer neuen leichten Korvette für die Marine. Welches Schiff genau angeschafft werden sollte, wurde zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht bekannt gegeben. Im Juli 2025 wurde schließlich mitgeteilt, dass Rumänien ein bereits fertiggestelltes Patrouillenschiff der HISAR-Klasse für die Marine erwerben werde. Das rumänische Verteidigungsministerium erklärte seinerzeit, es bestehe der dringende Bedarf an mindestens einem modernen Kampfschiff im Schwarzen Meer. Das Schiff soll neben der Sicherheit vor allem auch dem Schutz der wirtschaftlichen Interessen Landes dienen. Hier vor allem der Gasplattform „Neptun Deep“, die voraussichtlich 2027 in Betrieb gehen wird.

 

Text: Redaktion / af

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